Notice: Unexpected clearActionName after getActionName already called in /var/www/html/includes/context/RequestContext.php on line 338 Orgeln des Würzburger Domes – WikipediaZum Inhalt springen
Die 1969 geweihten Orgeln des Domes St. Kilian in Würzburg wurden von der BonnerOrgelmanufaktur Klais gebaut. Das Vorgängerinstrument wurde 1937 erbaut, im Zweiten Weltkrieg jedoch völlig zerstört. Die Orgelanlage besteht aus der fünfmanualigen Hauptorgel mit 87 Registern an der westlichen Sängerempore und der als Chororgel ausgeführten Querhausorgel im südlichen Querhaus, die über 23 Register verfügt. Seit 2012 können beide Instrumente sowohl von der Querhausorgel als auch von der Hauptorgel zusammen gespielt werden.
Geschichte
Mittelalter
Die Existenz einer Orgel im Mittelalter ist unter Historikern umstritten. Eine Urkunde aus dem Jahr 1284 erwähnt im Zusammenhang mit dem Augustinerorden eine Orgel.<ref>Urkunde 888. In: Urkunden und Regenten zur Geschichte der Augustinerklöster Würzburg und Münnerstadt. In: Theodor Kramer (Hrsg.): Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg. BandXVIII. Kommissionsverlag Ferdinand Schöningh, Würzburg 1967, S.568–573.</ref><ref name="Stippler" details="S. 260" /> 1572 schaffte schließlich Fürstbischof Friedrich von Wirsberg für das Domstift ein Positiv für die liturgische Verwendung im Chor der Kirche an.<ref name="Klais 46" /><ref name="Stippler" details="S. 260" />
Der Bau einer größeren Orgel wurde erstmals von Wirsbergs Nachfolger als Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn ins Auge gefasst, scheiterte jedoch an der Finanzierung, wie auch die Einrichtung einer Stelle für einen Domorganisten.<ref name="Stippler" details="S. 260" /> Erst im Rahmen der Umgestaltung der Kirche unter Echter wurde der Plan erneut aufgegriffen und 1611 schließlich der Augsburger Orgelbauer Georg Weißlandt mit dem Vorhaben beauftragt. Dieser hatte zwar einen Gehaltsvorschuss angenommen, war nach einem Jahr aber noch nicht mit dem Bau vorangeschritten, woraufhin der Auftrag 1614 an Jacob Niehoff aus Köln weitergegeben wurde. 1620 war das Instrument an der Westwand des nördlichen Querschiffs fertiggestellt. Für den Organisten wurde eigens ein kleiner Turm mit Treppenaufgang an die Außenwand angefügt. Die Orgel verfügte über insgesamt 20 Register auf zwei Manualen und Pedal mit Springladen.<ref name="Stippler" details="S. 260–261" /> Beschädigungen durch Feuchtigkeit im Mauerwerk hatten jedoch zur Folge, dass schon 1630 nur noch das Werk des Rückpositivs spielbar war. Im Dreißigjährigen Krieg wurde es 1631 bei der Einnahme der Stadt durch die Schweden vollständig zerstört, blieb als Ruine jedoch bis 1655 stehen.<ref name="Klais 46" /><ref name="Stippler" details="S. 261" />
Zur selben Zeit plante das Domkapitel bereits die Anschaffung einer neuen Orgel. Zunächst wurde jedoch um 1654 eine weitere Empore im südlichen Querschiff errichtet, die dem Nachfolgerinstrument keine finanziellen Mittel übrigließ. Erst 1664 erwarb der Domvikar Veit Cablaner ein weiteres Positiv aus dem Nachlass des wenige Jahre zuvor verstorbenen Orgelbauers Linhard Schannat, das ab 1667 durch Jost Philipp Schleich ausgebaut und vervollständigt wurde, jedoch weiterhin nur über ein Manual und Pedal mit zehn Registern verfügte. Alternativ wird diese Arbeit Johann Philipp Schleich ab 1666 zugeordnet, der stattdessen ein nicht näher beschriebenes Rückpositiv instandgesetzt und erweitert haben soll.<ref name="Klais 46" /> Der beauftragte Domorgelbauer Johann Hoffmann baute das Instrument 1700 erneut aus.<ref name="Ecclesia Cathedralis" /> Als Provisorium intendiert, wurde die Orgel nicht in die 1701 errichtete Stuckatur des Domes miteinbezogen. Das Instrument war bis zu seinem Abbruch wegen Abnutzung 1770 im Einsatz.<ref name="Stippler" details="S. 261–262" />
Ein Nachfolgeinstrument wurde noch im selben Jahr durch den in Würzburg ansässigen Orgelbauer Adam Adolph Otto geliefert, das sich in seinem Umfang aber nicht von der vorherigen Orgel unterschied. Durch die hauptsächliche Nutzung für die Gottesdienste der Pfarrei des Doms und erhielt so die Bezeichnung Pfarrorgel.<ref name="Stippler" details="S. 262–263" /> 1861 oder 1871 wurde dem Instrument durch Balthasar Schlimbach ein weiteres Manual hinzugefügt, dessen Sohn Martin Joseph Schlimbach 1907 im alten Prospekt von Otto eine neue Orgel errichtete.<ref name="Ecclesia Cathedralis">Hermann Fischer: Zur Geschichte der Domorgel. In: Richard Schömig (Hrsg.): Ecclesia Cathedralis. Der Dom zu Würzburg. Echter Verlag, Würzburg 1989, S.123–129.</ref><ref name="Klais 46" />
Ab 1675 war der Erwerb einer zweiten Orgel für das südliche Querhaus im Gespräch gewesen, deren Bau 1701/1702 durch Johann Hoffmann begonnen wurde. Die Ausgestaltung des Prospekts erfolgte im Rahmen der barocken Umgestaltung des Dominneren und unter Mitwirkung von Balthasar Esterbauer, was die Fertigstellung der Orgel bis 1705 verzögerte. 1713 und 1722 erfolgten Erweiterungen des Instruments um zwei Register und vermutlich ein weiteres, zweites Manual.<ref name="Historische Orgeln in UFR" /> Das Instrument, in Abgrenzung zur Pfarrorgel Stiftsorgel genannt, wurde 1886 durch den Würzburger Orgelbauer Martin Joseph Schlimbach umgebaut, von wo an es 29 Register umfasste.<ref name="Historische Orgeln in UFR">Hermann Fischer, Theodor Wohnhaas: Historische Orgeln in Unterfranken (= Veröffentlichungen der Gesellschaft der Orgelfreunde. Nr.91). Schnell & Steiner, München/Zürich 1981, ISBN 3-7954-0424-X, S.286.</ref><ref name="Klais 46">Johannes Klais Orgelbau (Hrsg.): Dom Würzburg (= Klais Information. Nr.46). 1937, S.4 (klais.de [PDF; 421kB; abgerufen am 17. Februar 2026]).</ref>
Neubau 1937 durch Klais
Die im Jahr 1937 durch die Orgelmanufaktur Klais erbaute Orgelanlage bestand aus drei Teilorgeln: einer im südlichen Querschiff, einer im nördlichen Querschiff und einem Portal- bzw. Bombardewerk über dem Westportal mit insgesamt 80 Registern auf vier Manualen und Pedal. Der Otto-Prospekt der Pfarrorgel, deren Werke nach Kleinostheim verkauft worden waren, wurde vergrößert nachgebaut, um die Pfeifen des neuen Ober- und Schwellwerks fassen zu können, nun aber im nördlichen Querschiff auskragend aufgehängt, wodurch die Empore Platz für den Chor ließ. Auf ihr stand ebenso der viermanualige Generalspieltisch, die südliche Empore verfügte über einen eigenen Spieltisch. Die Orgel im südlichen Querschiff, die das Hauptwerk des gesamten Orgelkomplexes bildete, wurde im Prospekt der Stiftsorgel von Hoffmann verbaut, deren Werke ihrerseits in die im selben Jahr eingeweihte Kirche Unsere Liebe Frau verbracht und dort beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 zerstört wurden.<ref name="Ecclesia Cathedralis" /><ref name="Historische Orgeln in UFR" /><ref name="Klais 46" /><ref name="Stippler" details="S. 263" />
Bei einem alliierten Luftangriff auf Würzburg am 19. Februar 1945 fiel das Bombardewerk über dem Westflügel der Zerstörung zum Opfer.<ref name="Stippler" details="S. 25, 265" />
Beim schweren Bombenangriff auf die Stadt am folgenden 16. März, bei dem der gesamte Dom schweren Schaden nahm, wurden schließlich sowohl die Stifts- als auch die Chororgel zerstört.<ref name="Stippler" details="S. 76">Georg Stippler: Der Würzburger Sankt Kiliansdom – Der Wiederaufbau von der Zerstörung 1945 bis zur Wiedereinweihung 1967. (uni-wuerzburg.de [PDF; 3,4MB; abgerufen am 17. Februar 2026]).</ref>
Zwar waren die Orgelempore im nördlichen Querschiff und der Zugang zu dieser erhalten geblieben, doch wurde für den Wiederaufbau beschlossen, die neue Orgel an einen anderen Standort zu verlegen, der auch Platz für eine Sängerempore böte.<ref name="Stippler" details="S. 76" />
Neubau durch Klais 1969
Die im Jahr 1969 erbaute Orgelanlage, die wiederum Klais gefertigt hatte, besteht aus der an der inneren Westwand des Langhauses gelegenen Hauptorgel mit 87 Register und der Chororgel mit 23 Register auf einer Empore im südlichen Querschiff. Die Hauptorgel hat 6652, die Chororgel 1398 Pfeifen.<ref name="dom-wuerzburg" /><ref name=":0">Stimmung im Kirchenraum. In: katholisch.de. 18. November 2012, abgerufen am 14. September 2022.</ref> Die Domuhr aus dem Jahr 1574 mit ihrem barocken Stuckrahmen ist in den modernen Prospekt integriert.<ref name="dom-wuerzburg">Die Orgeln des Würzburger Doms – Dom Würzburg (dom-wuerzburg.de), abgerufen am 12. August 2016.</ref>
Der Spieltisch ist dem Stil Aristide Cavaillé-Colls nachempfunden, die Registerreihen sind jedoch abweichend in ihrer treppenförmigen Abstufung genau an die Höhe der Manuale angepasst.<ref>Würzburg, Dom St. Kilian 1968/69 (= Klais Information). (klais.de [PDF; 552kB; abgerufen am 18. Februar 2026]).</ref>
2007 war der Bau einer neuen Chororgel beschlossen worden, die frühestens 2009 hätte eingeweiht werden sollen. Die Inhaftierung des Orgelbauers Karl Göckel, dessen Firma Steinmeyer das Instrument hätte errichten sollen, aufgrund eines Betrugsfalls verhinderte jedoch den Baubeginn.<ref>Neue Chororgel für den Dom. Pressemitteilung. In: pow.bistum-wuerzburg.de. 5. Oktober 2007, abgerufen am 17. Februar 2026.</ref><ref name="Stippler" />
Im Jahr 2012 erfolgte im Zuge der Innensanierung des Doms auch eine Überholung der Orgel durch die Erbauerfirma. Sie schuf einen neuen, zentralen Spieltisch im Bereich der Querhausorgel, von dem aus nun beide Orgeln angespielt werden können. Der ehemalige zweimanualige Spieltisch der Querhausorgel mit mechanischer Spieltraktur wich dabei einem viermanualigen Generalspieltisch mit elektrischer Traktur. Auf diese Weise ist der Organist näher am liturgischen Geschehen um den Ambo und kann den Gemeindegesang auch von hier aus mit der Hauptorgel begleiten. Die Register der Querhausorgel am Hauptorgelspieltisch befinden sich in einer Schublade links am Spieltisch und können beliebig auf die Manuale des Hauptorgelspieltisches gelegt werden. Aufgrund der akustischen Verzögerungen beim Spielen wurden vor beiden Orgeln Mikrofone im Raum aufgehängt, die die jeweils andere Orgel über Monitorboxen an den Spieltischen überträgt. Zudem wurde ein Register im Positiv ausgetauscht (nun Trompete 8′), das Instrument gereinigt und die Intonation stärker grundtönig überarbeitet. Die Spieltraktur der Hauptorgel wurde überarbeitet und der Schwellkasten neu isoliert, um die Stimmhaltung des Schwellwerks zu verbessern. Klais ersetzte über 80 Pfeifen der Chororgel, darunter die Prospektpfeifen, durch neue mit geänderten Mensuren, um mehr Grundtönigkeit zu erreichen.<ref name=":0" /> Schließlich erhielt das Gehäuse eine neue farbliche Fassung. Die Orgelanlage verfügt über 110 Register und gehört damit zu den größten Orgeln in Deutschland.
Disposition
Hauptorgel
Die Hauptorgel ist wie folgt disponiert:<ref name="Dommusik">Die Domorgeln. In: wuerzburger-dommusik.de. Abgerufen am 14. Dezember 2025.</ref>
I Rückpositiv C–a3
1.
Rohrflöte
08′
2.
Quintatön
08′
3.
Spitzgedackt
08′
4.
Praestant
04′
5.
Koppelflöte
04′
6.
Rohrnasard
22⁄3′
7.
Principal
02′
8.
Blockflöte
02′
9.
Terz
13⁄5′
10.
Quinte
11⁄3′
11.
Octave
01′
12.
None
8⁄9′
13.
Terzcymbel IV–V
14.
Rankett
16′
15.
Krummhorn
08′
16.
Vox humana
08′
Tremulant
II Hauptwerk C–a3
17.
Praestant
16′
18.
Doppelprincipal
08′
19.
Flöte
08′
20.
Quinte
51⁄3′
21.
Octave
04′
22.
Nachthorn
04′
23.
Terz
31⁄5′
24.
Quinte
22⁄3′
25.
Superoctave
02′
26.
Grossmixtur V–VII
27.
Acuta IV
28.
Cornett V
29.
Trompete
16′
30.
Trompete
08′
31.
Trompete
04′
III Positiv C–a3
32.
Quintadena
16′
33.
Praestant
08
34.
Gemshorn
08′
35.
Holzgedackt
08′
36.
Principal
04′
37.
Rohrflöte
04′
38.
Dolcan
04′
39.
Octave
02′
40.
Hohlflöte
02′
41.
Sifflöte
11⁄3′
42.
Septime
11⁄7′
43.
Sesquialtera II
44.
Mixtur V
45.
Holzdulcian
16′
46.
Trompete <ref group="A" name="SCymb">ursprünglich Cymbel III, 2012 ausgetauscht.</ref>
Paul Damjakob: Überlegungen zur Disposition der Würzburger Domorgel. Das Musikinstrument, Frankfurt am Main 1970.
Hermann Fischer: Zur Geschichte der Domorgel. In: Ecclesia cathedralis, der Dom zu Würzburg. Würzburg 1989, S.123–130.
Hermann Fischer: Die Würzburger Domorgeln: Die Entwicklung des Klangkonzepts der Klais-Orgeln. In: Kirchenmusik – Glaubensmusik. Würzburg 2002, S.111–154.
Oskar Kaul: Zur Geschichte der Würzburger Domorgel. In: Frankenwarte. Nr.40, 1937.
Hans Gerd Klais (Hrsg.): Die Würzburger Domorgeln von 1968/69 – Geschichte, Entwicklung, Architektur und Aufbau, Konstruktionen Dispositionen und Mensuren, Registrierung, Liturgische Funktion. Das Musikinstrument, Frankfurt am Main 1970.
Johannes Strubel: Die neue Domorgel zu Würzburg. In: Fränkische Heimat. Nr.12, 1937, S.45–48.
Aufnahmen/Tonträger (Auswahl)
Paul Damjakob improvisiert an den Klais-Orgeln des Würzburger Domes. 2005, Echter, DVD, ISBN 3-429-02787-X.
Veni Creator Spiritus, Werke von Jeanne Demessieux, Dietrich Buxtehude, Maurice Duruflé und eine Improvisation an der Klais-Orgel des Doms St. Kilian zu Würzburg (Orgel: Stefan Schmidt) 2006, unda maris, CD.
Hans Musch an der Klais-Orgel im Dom zu Würzburg: Charles-Maria Widor Symphonie Nr. 5 f-moll op. 42 Nr. 1 / César Franck Choral Nr. 3 a-moll / Cantabile H-Dur, Vinyl-Scheibe LP 30cm/33UpM, Christophorus-Verlag Freiburg im Breisgau, ca. 1970.
George Markey: Die Klaisorgel des St. Kilian-Domes zu Würzburg. In Memoriam Marcel Dupré. Reihe: Das Orgelporträt. Psallite.