Opposition (Anatomie)
Als Opposition oder Opponierbarkeit bezeichnet man in der Anatomie die Gegenüberstellung von Fingern. Hierbei ist insbesondere die Fähigkeit des Daumens (vergleichend-anatomisch die erste Vorderzehe), den anderen Fingern gegenübergestellt zu werden, gemeint. Auch die Gegenüberstellung des Kleinfingers mit der Hohlhand wird als Opposition bezeichnet.<ref>Opposition. Pschyrembel online. Abgerufen am 21. Januar 2025.</ref> Die gegensätzliche Bewegung nennt man Reposition.<ref>Thomas Hill: Prüfungswissen Physikum. Georg Thieme Verlag, 2009, ISBN 978-3-13152131-6, S. 162.</ref>
Opposition an der menschlichen Hand
Beim Menschen ist der Daumen gegenüber den anderen Fingern um 130° verdreht, wodurch der Pinzettengriff zwischen Daumen und Zeigefinger erst ermöglicht wird. Die Opposition des Daumens ist eine Bewegung im Daumengrundgelenk. Sie wird durch die vom Nervus radialis versorgten Musculus abductor pollicis longus und den Musculus extensor pollicis brevis eingeleitet und dann durch die eigentlichen, vom Nervus medianus versorgte Daumenmuskeln Musculus opponens pollicis, Musculus abductor pollicis brevis und Musculus flexor pollicis brevis weitergeführt.<ref>Michael Sauerbier, Andreas Eisenschenk, Hermann Krimmer, Martin Langer: Die Handchirurgie. 2. Auflage. Elsevier Health Sciences, 2024, ISBN 978-3-43705963-6, S. 498.</ref> Die Opposition des Kleinfingers wird vor allem durch den Musculus opponens digiti minimi bewerkstelligt. Sie ist bei Schädigung des ihn innervierenden Nervus ulnaris gestört.<ref>Rainer Schmitt, Ulrich Lanz: Bildgebende Diagnostik der Hand. 3. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2014, ISBN 978-3-13163623-2, S. 162.</ref>
Opposition im Tierreich
Bei vielen Primatenarten – unter anderem allen Altweltaffen – ist der Daumen ebenfalls opponierbar und bildet damit eine Greifhand. Zudem können sie, im Gegensatz zum Menschen, auch die Großzehe opponieren, womit sie auch einen Greiffuß besitzen.<ref>Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. Band 1. JHU Press, 1999, ISBN 978-0-8018-5789-8, S. 491.</ref> Auch bei Sakiaffen, einigen Klammerschwanzaffen und Ungehaubten Kapuzinern sind an der Hand Oppositionsbewegungen möglich.<ref>Manuela Schmidt: Das Grundmuster der Bewegungsprinzipien und die Konsequenzen für die Evolution des Bewegungssystems der Primaten. Habilitationsschrift, Jena 2010, S. 16.</ref> Aber auch eine Reihe weiterer Säugetierarten hat opponierbare Daumen. Große Pandas und Kleine Pandas haben fünf Klauen und einen überlangen Handwurzelknochen, der als Daumen fungiert.<ref>Spanische Forscher finden Erklärung für Panda-Daumen. CORDIS – Forschungsergebnisse der EU. Abgerufen am 21. Januar 2025.</ref> Koalas haben zwei Daumen und drei entgegengesetzte Finger an Füßen und Händen.<ref>Joelle Riley: Koalas. Lerner Publications, 2005, ISBN 978-0-8225-2870-8, S. 12.</ref> Beutelratten haben eine mehr oder weniger stark opponierbare große Zehe.<ref>Robert E. Martin, Ronald H. Pine, Anthony F. DeBlase: A Manual of Mammalogy: with Keys to Families of the World. 3. Auflage. Waveland Press, 2011, ISBN 978-1-4786-0953-7, S. 66.</ref>
Bei vielen Vogelarten weist die erste Zehe nach hinten und ist zu den drei vorderen Zehen opponierbar (siehe auch Vogelfuß). Das älteste bekannte Tier mit einem opponierbaren Daumen war ein Flugsaurier, aber auch Chamäleons und Baumfrösche haben die Fähigkeit.<ref>Flugsaurier ist ältestes Tier mit opponierbarem Daumen. scinexx.de vom 13. April 2021. Abgerufen am 21. Januar 2025.</ref>
Auch bei Wirbellosen ist eine Opposition zu beobachten. So ist der Schluss der Scheren an den Extremitäten von Gliederfüßern eine Oppositionsbewegung. Bei den Echten Tierläusen opponiert eine Kralle mit einem Fortsatz an der Tibia, dem sogenannten Tibialdaumen.<ref>Feliks Piotrowski: Anoplura (echte Läuse). In: Handbuch der Zoologie, Band IV Arthropoda: Insecta. Teilband 32, Walter de Gruyter, Berlin, New York 1992, S. 23. ISBN 3-11-013230-3</ref>
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Koalas
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Papagei hält mit dem Fuß eine Nuss fest
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Bergchamäleon
Einzelnachweise
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