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Cer(IV)-oxid

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Opaline)
Kristallstruktur
Struktur von Ce(IV)-oxid
Vorlage:Farbe Ce4+ 0 Vorlage:Farbe O2−
Kristallsystem

kubisch

Raumgruppe

Fm3m (Nr. 225)Vorlage:Raumgruppe/225<ref>W.H. Weber, K.C. Hass, J.R. McBride: Raman study of CeO2: Second-order scattering, lattice dynamics, and particle-size effects. In: Physical Review B. 48, 1993, S. 178–185, doi:10.1103/PhysRevB.48.178.</ref>

Allgemeines
Name Cer(IV)-oxid
Andere Namen
Verhältnisformel CeO2
Kurzbeschreibung

hellgelber Feststoff<ref name="alfa">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Alfa AesarVorlage:Abrufdatum (Seite nicht mehr abrufbar).</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 215-150-4
ECHA-InfoCard 100.013.774
PubChem 73963
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 172,11 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

7,3 g·cm−3<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Schmelzpunkt

ca. 2000 °C<ref name="Merck">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei MerckVorlage:Abrufdatum</ref>

Löslichkeit

nahezu unlöslich in Wasser<ref name="Merck" />

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="GESTIS" />
keine GHS-Piktogramme

H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze<ref name="GESTIS" />
Toxikologische Daten
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Cer(IV)-oxid oder Cerdioxid ist ein Oxid des Seltenerd-Metalls Cer. Neben diesem existiert auch Cer(III)-oxid (Ce2O3) und das dunkelblaue Mischoxid Cer(III,IV)-oxid (Ce3O4). Im Jahr 1808 zeigte der englische Chemiker Humphry Davy, dass die seltene Erde Cerit kein Element, sondern eine Verbindung aus metallischem Element, Silicium und Sauerstoff ist. Zwischen 1839 und 1843 gelang Carl Gustav Mosander die Auftrennung und der Nachweis, dass es sich um eine Mischung verschiedener Metalloxide mit Siliciumdioxid bzw. ein Inselsilikat handelt ((Ce,La,Ca)9(Fe3+,Mg)[(OH)3|SiO3(OH)|(SiO4)6]).<ref>Mineralienatlas: Cerit</ref>

Eigenschaften

Wie alle Oxide der seltenen Erden emittiert Cer(IV)-oxid beim Erhitzen ein starkes Licht. Es kristallisiert in der Fluorit-Struktur. In reinster Form ist das Oxid cremefarben bis hellgelb. Sind darin Verunreinigungen enthalten (z. B. Neodym, Praseodym) so kann das Oxid auch braune Farbtöne annehmen. Die braune Farbe hat meistens Cerdioxid, das für Schleif- und Polierzwecke eingesetzt wird. Hierbei ist die Reinheit ohne Bedeutung.

Reaktionen

Cer(IV)-oxid bildet sich durch Erhitzen von Cer(III)-nitrat, Ce(NO3)3 oder Cer(III)-oxalat Ce2(C2O4)3.

Unter Erhitzen entsteht bei der Umsetzung von Cerdioxid mit konz. Schwefelsäure Cer(IV)-sulfat:

<chem>CeO2 + 2 H2SO4 -> Ce(SO4)2 + 2 H2O</chem>

Verwendung

Katalysator

Cer(IV)-oxid wird in Katalysatoren von Kraftfahrzeugen eingesetzt und oxidiert bei Sauerstoffmangel Kohlenstoffmonoxid und überschüssige Kohlenwasserstoffe gemäß:

<chem>4 CeO2 + 2 CO -> 2 Ce2O3 + 2 CO2</chem>

Bei Sauerstoffüberschuss im Abgas reaktiviert sich der Katalysator wieder:

<chem>2 Ce2O3 + O2 -> 4 CeO2</chem>

Nanokristalline Cer(IV)-oxid-Röhren mit einem Durchmesser von etwa 0,75 μm können für katalytische Reaktionen eingesetzt werden, zum Beispiel für die direkte Carboxylierung von Methanol mit Kohlendioxid zu Dimethylcarbonat.<ref>J. J. Schneider, M. Naumann, C. Schäfer, A. Brandner, H. J. Hofmann, P. Claus: Template-assisted formation of microsized nanocrystalline CeO2 tubes and their catalytic performance in the carboxylation of methanol. In: Beilstein Journal of Nanotechnology. Nr. 2, 2011, S. 776–784, doi:10.3762/bjnano.2.86.</ref>

Glühstrümpfe

Eine optimale Lichtausbeute lässt sich aus einer Mischung von ca. 99 % Thorium(IV)-oxid und 1 % Cer(IV)-oxid erzielen. Dies wird bei der Herstellung von Glühstrümpfen für Gaslampen (Gasglühlicht oder Auerlicht) ausgenutzt, indem diese in die entsprechenden Nitratlösungen getränkt werden. Beim Anbrennen entstehen dann die Oxide, die für die hohe Lichtausbeute sorgen.

Schleifmittel

Auf Cer(IV)-oxid basierendes Poliermittel wird als Opaline in der optischen Industrie zur Politur von Gläsern eingesetzt. Es wird normalerweise als trockenes, weißes Pulver geliefert und weist eine Dichte von etwa 1,6 g/cm³ auf. Die mittlere Korngröße beträgt etwa 1 µm. Die Poliersuspension, die mit entionisiertem Wasser hergestellt wird, enthält ungefähr 60 g Opaline pro Liter Wasser.<ref>Reinhard Conradt, Ulf Dahlmann, Sonja-Michaela Groß, Fritz Klocke, Stefan Hambücker: Optimierung der chemischen Einflüsse bei der mechanischen Politur von Glas.Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschung e. V., Institut für Gesteinshüttenkunde Fraunhofer Institut für Produktionstechnologie, 2001 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />PDF (Memento vom 30. Dezember 2014 im Internet Archive), AiF-Vorhaben: 12063 N).</ref>

Analog dazu werden Cer(IV)-oxid basierende Poliersuspension auch in der Halbleitertechnik eingesetzt. Sie kommen vor allem bei der chemisch-mechanischen Politur (CMP) von Siliciumdioxid zum Einsatz. Die mittlere Korngröße ist hierbei jedoch deutlich geringer, sie liegt nur bei etwa 50 bis 150 nm. Da die Cer(IV)-oxid-Partikel relativ schnell sedimentieren, werden organische Zusätze, wie Polyelektrolyte, zur Stabilisierung der Suspension eingesetzt. Weiterhin gibt es kommerzielle Produkte, die weitere organische Stoffe, wie bestimmte Aminosäuren, nutzen, um eine erhöhte Materialselektivität zwischen den Abtragsraten von Siliciumdioxid- und -nitrid zu erreichen. Hintergrund ist, dass Siliciumnitridschichten bei der SiO2-CMP als Stoppschicht eingesetzt werden und bei der Politur möglichst nicht abgetragen werden sollen.

Weitere

Für eine zukünftige Herstellung von Wasserstoff mittels Sonnenenergie wird das Cer(IV)-oxid-Cer(III)-oxid-Verfahren entwickelt.

CeO2 findet außerdem bei Lacken als UV-Absorber Verwendung.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Technische Information L-NI 1: Nanotechnologie Additive (Memento vom 14. Februar 2010 im Internet Archive)</ref> Dies dient der Verbesserung der Lichtbeständigkeit von exponierten Oberflächen; Lacke werden sonst durch die UV-Strahlung zersetzt.

Optik

Ceriumoxid wird in der Optikindustrie aufgrund seiner außergewöhnlichen Polierfähigkeiten hochgeschätzt.<ref>Cerium Oxide in Removing Scratches from Phone Screens. Abgerufen am 18. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Es entfernt effektiv kleinere Kratzer und Unvollkommenheiten von Glasoberflächen sowohl durch mechanische Abnutzung als auch durch chemische Wechselwirkungen und erzeugt eine glatte, hochglänzende Oberfläche.<ref>Pavel Janoš, Jakub Ederer, Věra Pilařová, Jiří Henych, Jakub Tolasz, David Milde, Tomáš Opletal: Chemical mechanical glass polishing with cerium oxide: Effect of selected physico-chemical characteristics on polishing efficiency. In: Wear. Band 362-363, September 2016, S. 114–120, doi:10.1016/j.wear.2016.05.020 (elsevier.com [abgerufen am 18. September 2025]).</ref> Ceriumoxid kann auch die Haltbarkeit optischer Oberflächen erhöhen, indem es eine Schutzschicht bildet, die die Widerstandsfähigkeit gegen Kratzer und Umwelteinflüsse steigert.

Risikobewertung

Cer(IV)-oxid wurde 2015 von der EU gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH) im Rahmen der Stoffbewertung in den fortlaufenden Aktionsplan der Gemeinschaft (CoRAP) aufgenommen. Hierbei werden die Auswirkungen des Stoffs auf die menschliche Gesundheit bzw. die Umwelt neu bewertet und ggf. Folgemaßnahmen eingeleitet. Ursächlich für die Aufnahme von Cer(IV)-oxid waren die Besorgnisse bezüglich kumulative Exposition, Umweltexposition, anderer gefahrenbezogener Bedenken und weit verbreiteter Verwendung sowie der möglichen Gefahren durch krebsauslösende und mutagene Eigenschaften. Die Neubewertung wurde zurückgezogen.<ref>Community Rolling Action Plan (CoRAP) der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA): Vorlage:Linktext-CheckVorlage:AbrufdatumVorlage:CoRAP-Status/Evaluationsjahr nicht angegeben </ref>

Literatur

  • Paul Trust, Michael Schimmels: Einführung in die Chemie – auf einfachster Grundlage; Teil II Systematik der anorganischen Chemie auf der Grundlage des Periodensystems der Grundstoffe . 2. Aufl. Herrosé, Wiesbaden 1956.
  • The New Encyclopædia Britannica; Macropæedia Vol. 15. 15th Ed. Encyclopædia Britannica, Inc., 1974.

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Navigationsleiste Lanthanoidoxide