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Nurses’ Health Study

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die Nurses’ Health Study (abgekürzt: NHS) ist eine US-Längsschnittstudie, die wichtige Beiträge zur Ernährungskunde und Krebsrisiken bei Frauen erbrachte. Seit 1976 gibt es die zweijährlichen Befragungen und zum Teil klinischen Untersuchungen von tausenden Krankenschwestern.

Sie ist die weltweit bedeutendste Gesundheitslängsschnittstudie, die bereits seit 30 Jahren läuft.

Die englische Bezeichnung der Studie hat keine allgemein anerkannte deutsche Übersetzung gefunden. Sie drückt die Zusammensetzung und die Hauptfragestellung aus, nämlich die Gesundheit von weiblichem Pflegepersonal. Manchmal wird auch der Begriff Womans Health für die Studie verwendet.

Erster Fokus der Studie war die Frage nach der Auswirkung der Antibabypille auf das Brustkrebsrisiko.

Durch die Größe des Teilnehmerinnenkreises sind inzwischen zahlreiche epidemiologische Daten vorhanden. Wiederkehrende Themen der Auswertungen sind Ernährung und diverse Krebsrisiken, besonders das Risiko auf Brustkrebs, aber auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und kognitive Funktionen älter werdender Frauen.

Studiendesign der beiden Kohorten

Inzwischen werden zwei Kohorten unterschieden (Zusammensetzung der Teilnehmerinnen):

Kohorte 1 ab 1976: Ca. 122.000 35- bis 55-jährige verheiratete Krankenschwestern (170.000 waren angeschrieben worden) aus 11 bevölkerungsreichen Staaten.

1980 wurde der erste Fragebogen über die Ernährungsgewohnheiten verwendet. Danach wurden diese alle vier Jahre erhoben, die demografischen und andere Gesundheitsdaten im zweijährlichen Turnus. Die Antwortrate dabei betrug über 90 %. Das zeigte, dass die Grundannahme, Krankenschwestern seien gut zur Teilnahme an den Folgeterminen und Wiederholungsuntersuchungen zu motivieren, richtig war. 33.000 Blutproben wurden 1989–1990 gesammelt.

Kohorte 2 ab 1989: Dabei wurden insbesondere Frauen berücksichtigt, die schon als Jugendliche die Pille eingenommen hatten. Etwa 117.000 25- bis 42-jährige verheiratete Krankenschwestern (125.000 waren als Zielgröße angestrebt worden. Auf das erste Schreiben an 517.000 antworteten etwa 123.000, 24 %). Nach Ausschluss der unvollständig beantworteten Fragebögen blieben 116.686 Teilnehmerinnen in dieser Kohorte (Nurses' Health Study II). Auch hier wurden etwa 30.000 Blutproben in den 1990er Jahren gesammelt und die Teilnahme an den Wiederholungsuntersuchungen betrug jeweils über 90 %. Durch die große Anzahl ist auch bei den üblichen Drop outs (Nichtteilnahme an Folgeterminen) bei langem Verlauf einer Studie immer noch die statistische Repräsentativität für die Ergebnisse gesichert.

Beteiligte Personen und Institutionen

Die beiden Ärzte Frank E. Speizer und Walter C. Willett gelten als Begründer.<ref>Stefan Stöcklin: Was uns gesund hält. In: Universität Zürich News. 2. Oktober 2015, abgerufen am 3. November 2025.</ref>

Beteiligte Institutionen sind die Harvard Medical School,<ref name=":0">Anna Lamb: Existential crisis for ‘irreplaceable resource’. In: Harvard Gazette. 18. Juni 2025, abgerufen am 3. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Harvard School of Public Health,<ref>Nurses Health Study. In: Spektrum. 8. Oktober 2002, abgerufen am 3. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Brigham and Women’s Hospital,<ref name=":0" /> Dana-Farber Cancer Institute,<ref>AACR: Study Links Long-Term Estrogen Use to Breast Cancer. In: MPR News. 2. April 2012, abgerufen am 3. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Children’s Hospital Boston,<ref>Susan Jeffrey: Vitamin C supplements reduce CHD risk? In: Medscape. 16. Juli 2003, abgerufen am 3. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Beth Israel Deaconess Medical Center<ref>School-Age Drinking Increases Breast Cancer Risk. In: The ASCO Post. 30. August 2013, abgerufen am 3. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und das Channing Laboratory.<ref>Carol Kaesuk Yoon: In Nurses' Lives, a Treasure Trove of Health Data. In: The New York Times. 15. September 1998, abgerufen am 2. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Gefördert wurde die Studie von den National Institutes of Health, einer Behörde des US-Gesundheitsministeriums.<ref>Cassidy M. Cheng, Sophie Gao, Wyeth Renwick: Decades-Long NHS Research Jeopardized by Funding Cuts. In: The Harvard Crimson. 23. Oktober 2024, abgerufen am 3. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Beispiele für Fragestellungen, Befunde

Schlaganfall und Gemüse

Bei der Studie, in der 75.596 Krankenschwestern 14 Jahre lang beobachtet wurden, zeigte sich, dass bei Verzehr von Gemüse, insbesondere grünem Blattgemüse sowie Zitrusfrüchten und deren Säften, seltener ein Schlaganfall auftrat.<ref>Stiftung Warentest: Pflanzenstoffe: Schutz vor Schlaganfall. In: test. 8/2000.</ref>

Ballaststoffe und Darmkrebs

Die Ballaststoff-These vieler Ernährungswissenschaftler behauptet: Ballaststoffe schützen vor Darmkrebs. Diese These konnte bisher nicht bewiesen werden. Auch Nurses’ Health mit 76.947 über 16 Jahre beobachteten Krankenschwestern ergab keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Ballaststoffaufnahme und Darmkrebs.<ref>Eva-Maria Schnurr: Die Legende der Ballaststoffe. In: Die Zeit./Zeit Wissen, 05/2006, 16. August 2006, S. 20–21. Der Artikel zeigt die methodische Problematik solcher Aussagen.</ref>

Gemüse und Obst und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Am 2. November 2004 verbreitete die Nachrichtenagentur CNN eine Meldung, dass Daten aus den großen epidemiologischen Studien Nurses’ Health Study und Health Professionals Follow-up Study ergaben, dass ein hoher Verzehr von Früchten und Gemüse – wie bei Vegetariern üblich – einen statistisch signifikanten, kleinen Schutzeffekt vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen bewirkten.<ref name="willett2004"></ref> Bei der Nurses’ Health Study wurden 71.910 Krankenschwestern untersucht und bei der Health Professionals Follow-up Study 37.725 männliche Ärzte.<ref>Meldung <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />vegetarisch-geniessen.com (Memento des Vorlage:IconExternal vom 5. Dezember 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vegetarisch-geniessen.com von Nr. 01/05.</ref>

Brustkrebs

2021 kam eine Auswertung zu dem Schluss, dass eine gesunde pflanzliche Ernährung das Risiko an Brustkrebs zu erkranken verringern kann. Insbesondere sei dieser Schutz gegenüber aggressiven Varianten vorhanden.<ref>Andrea Romanos-Nanclares, Walter C. Willett, Bernard A Rosner, Laura C. Collins, Frank B. Hu: Healthful and unhealthful plant-based diets and risk of breast cancer in U.S. women: results from the Nurses' Health Studies. In: Cancer Epidemiology Biomarkers & Prevention. 21. Juli 2021, ISSN 1055-9965, S. cebp.EPI–21–0352-E.2021, doi:10.1158/1055-9965.EPI-21-0352, PMID 34289970.</ref>

Siehe auch

Literatur

  • C. F. Belanger, C. H. Hennekens, B. Rosner, F. E. Speizer: The nurses’ health study. In: The American Journal of Nursing. Band 78, Nr. 6, 1. Juni 1978, ISSN 0002-936X, S. 1039–1040, PMID 248266.
  • Übersicht über die Einzel-Publikationen aus der Studie (1978–2005).
  • Kyungwon Oh, Frank B. Hu, JoAnn E. Manson, Meir J. Stampfer, Walter C. Willett: Dietary fat intake and risk of coronary heart disease in women. 20 years of follow-up of the nurses' health study. In: American Journal of Epidemiology. Band 161, Nr. 7, 1. April 2005, ISSN 0002-9262, S. 672–679, doi:10.1093/aje/kwi085, PMID 15781956.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />