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Nuran David Calis

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(Weitergeleitet von Nuran Çaliş)

Nuran David Calis (* 1976 in Bielefeld) ist ein deutscher Theater- und Filmautor und -regisseur.

Leben

Calis ist Sohn eines armenischen Gießereiarbeiters und einer jüdischen Reinigungskraft, die aus der Türkei immigriert waren.<ref>Kulturzeit-Gespräch mit Nuran David Calis. Abgerufen am 1. Mai 2021.</ref> Er wuchs in der Großwohnsiedlung Bielefeld-Baumheide auf, besuchte das Gymnasium und jobbte ab 1992 als Türsteher. Nach dem Abitur 1996 begann er ein Regiestudium an der Münchener Otto-Falckenberg-Schule, das er 2000 abschloss. Während dieser Zeit arbeitete er als Assistent sowohl an den Münchner Kammerspielen als auch am Schauspielhaus Zürich.

Calis Großmutter kam 1961 als erste Generation der Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland. Kurz nach seiner Geburt in Bielefeld, entschlossen sich seine Eltern zurück nach Istanbul zu gehen, um dort eine neue Existenz aufzubauen. Doch wegen der politischen Unruhen wurde die Lebenssituation für die Familie immer schwieriger. Kurz vor dem Militärputsch 1980 gelang ihnen die Flucht nach Deutschland. Die Familie beantragte politisches Asyl.<ref>Theaterprojekt zur Flüchtlingskrise am Salzburger Landestheater: „Wir blicken in den Abgrund“. 29. Januar 2021, abgerufen am 1. Mai 2021.</ref> Nach 9 Jahren der Duldung mündete das Verfahren in die Anerkennung der deutschen Staatsbürgerschaft.<ref>Digitaler Talk: „NSU 2.0“ – mit Regisseur Nuran David Calis. Abgerufen am 1. Mai 2021.</ref><ref>Ein Jahr Hanau - #saytheirnames – Wie gelingt gemeinsame Erinnerung? Abgerufen am 1. Mai 2021.</ref> Calis wurde armenisch-orthodox getauft und ist Mitglied der armenischen Gemeinde in Deutschland.<ref>Nuran David Calis. Abgerufen am 13. September 2021.</ref> 2010 wurde von der Filmhochschulabsolventin Geraldine Laprell, Nuran David Calis und Marie-Charlotte Grawe die SterntalerFilm GmbH als Independent-Filmproduktion mit Sitz in München gegründet, die Kino- und Dokumentarfilme herstellt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Über uns. (Memento des Vorlage:IconExternal vom 9. August 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/sterntalerfilm.deWebpräsenz der Sterntalerfilm GmbH. Abgerufen am 28. Juni 2018</ref>

Nuran David Calis lebt in München.

Wirken

Sein erstes Theaterstück Urbanstorys (2005) schrieb Calis zusammen mit Jugendlichen aus Hannover. Sein zweites Theaterstück Dogland (2006) erschien bei Fischer, lief 2005 an den Kammerspielen und sollte am Wiener Burgtheater seine internationale Uraufführung erfahren. Sein drittes Stück Schwarz wurde 2007 in Theater heute besprochen. Einer von uns folgt 2008 an renommierten deutschen Theatern.

2006/2007 arbeitete Calis, der in den Jahren 2000 bis 2002 auch im Bereich Musikvideo und als Schauspieler tätig war, an seinem ersten Kino-Langfilm-Drehbuch Die Augen meiner Mutter (2007), das 2008 unter dem Titel Meine Mutter, mein Bruder und ich! in die Kinos kam.

2007 schrieb Calis eine Neufassung von Frank Wedekinds Frühlings Erwachen, die am Schauspiel Hannover ein großer Erfolg wurde. Dasselbe Stück inszenierte er 2008 am Grillo-Theater und danach am Düsseldorfer Schauspielhaus; die Düsseldorfer Inszenierung erhielt 2009 den Bensheimer Theaterpreis für die beste Ensemble-Leistung. Im Jahr 2009 folgte eine unter seiner Regie entstandene Fernsehfassung für den ZDF-Theaterkanal.

Im Deutschen Theater Berlin wurde 2010 sein Stück Schattenkinder uraufgeführt, eine freie Adaption des Romans Die Kindermörderin des Sturm-und-Drang-Dichters Heinrich Leopold Wagner.

Im Jahr 2014 erregte seine Arbeit Die Lücke – Ein Stück Keupstraße am Schauspiel Köln großes Aufsehen, die er anlässlich des 10. Jahrestages des Nagelbombenanschlages durch die NSU-Terrorzelle in der Kölner Keupstraße zusammen mit Anwohnern und Betroffenen entwickelte.<ref>Sascha Westphal: Die Lücke – Nuran David Calis schickt das Publikum auf die Kölner Keupstraße und bringt ihre Geschichte auf die Bühne. Abgerufen am 13. September 2021.</ref>

Es folgte 2016 am Schauspiel Köln die Uraufführung von Glaubenskämpfer. Religionssuche zwischen Kloster, Moschee und Synagoge, ein Stück über Glaube und Glaubende, über Christen, Muslime und Juden, über Konvertiten, radikale Fanatiker, Dogmatiker und Gelegenheitsbeter.

Calis inszenierte 2024 Emine Sevgi Özdamars autobiografischen Roman Ein von Schatten begrenzter Raum in Köln, welcher die Lebensgeschichte der Künstlerin zwischen Istanbul, Berlin, Bochum und Paris sowie ihre Auseinandersetzung mit türkischer Geschichte und deutscher Diskriminierung darstellt.<ref name="taz-6006998">Dorothea Marcus: Emine Sevgi Özdamar im Theater: Eine wilde Lebensreise. In: taz.de. 11. Mai 2024, abgerufen am 12. Mai 2024.</ref> Die Uraufführung fand in der Fabrikhalle des Carlswerks, einer Interims-Schauspielstätte in Köln-Mülheim statt, ein Ort, der bereits durch Calis früheres dokumentarisches Theaterstück Die Lücke symbolische Bedeutung trug.<ref name="taz-6006998" /> Das Stück verwendete vielfältige Bühnenmittel, wie einen halbierten Eisenbahnwaggon als Zentrum der Bühne, und integriert dynamische Elemente wie Musik von Nina Hagen und Édith Piaf, während es das Thema der künstlerischen Selbstermächtigung Özdamars in den Fokus stellte.<ref name="taz-6006998" />

Auszeichnungen

Für seine Theaterarbeit wurde Calis mehrfach ausgezeichnet. So wurde er als „Bester Nachwuchs“ für seine Regie von Schillers Die Räuber am Wiener Volkstheater auf der Nestroyverleihung 2006 berücksichtigt und ebenso als Regisseur mit dem Karl-Skraup-Preis ausgezeichnet. 2005 erhielt er das Dramatiker-Stipendium des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft. 2017 erhielt er den Ludwig-Mülheims-Theaterpreis, mit einem Preisgeld von 25.000 Euro ist er einer der bestdotierten Theaterpreise im deutschsprachigen Raum.

Schriften

Theater

Autor

  • 2004 Dog eat Dog, Thalia Theater
  • 2005 Dogland, Theater Bielefeld
  • 2006 Homestories, Schauspiel Essen
  • 2006 Cafe Europa, Schauspiel Essen
  • 2022 Das Erbe, Tragödie in drei Akten, UA Münchner Kammerspiele am 23. November 2022 (Regie: Pӏnar Karabulut)<ref>Ivonne Poppek: Im Lichte der Geschichte in: Süddeutsche Zeitung vom 22. November 2022, S. R8</ref>

Regisseur

Filmografie (Auszug)

Darsteller

Regie

Drehbuch

Produzent

  • 2015: Revolution Now!
  • 2018: Die Lücke – Der NSU-Bombenanschlag von Köln – Dokumentarfilm<ref>„Die Lücke“ Dokumentarfilm zu NSU Nagelbombenanschlag 2004 in Köln by SterntalerFilm GmbH</ref>
  • 2020: Verhaftung in Granada

Ehrungen und Auszeichnungen

Weblinks

Einzelnachweise

<references responsive />

Vorlage:Klappleiste/Anfang 2000: Birgit Minichmayr | 2001: Georg Staudacher und Mareike Sedl | 2002: Johanna Wokalek | 2003: Gertrud Drassl | 2004: Xaver Hutter | 2005: Stefano Bernardin | 2006: Nuran David Calis | 2007: Katharina Straßer | 2008: Sebastian Wendelin | 2009: Gerrit Jansen | 2010: Sarah Viktoria Frick | 2011: Franziska Hackl | 2012: Miloš Lolić | 2013: Stefan Rosenthal | 2014: Raphaela Möst | 2015: Stefanie Reinsperger und Benedikt Paulun | 2016: Julia Gräfner und Luka Dimic | 2017: Maresi Riegner und Felix Hafner | 2018: Lara Sienczak und Peter Fasching | 2019: Anna Rieser und Moritz Beichl | 2020: Bérénice Hebenstreit und Mathias Spaan | 2021: Paula Nocker und Gregor Schulz | 2022: Rieke Süßkow und Felix Kammerer | 2023: Tommy Fischnaller-Wachtler und Selma Kay Matter | 2024: Irem Gökçen und Leonie Lorena Wyss | 2025: Pauline Großmann und Lena Riemer Vorlage:Klappleiste/Ende

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