Nothafen Darßer Ort
Der Nothafen Darßer Ort war ein kleiner Hafen an der südwestlichen Ostsee am Darßer Ort im Norden der Halbinsel Darß im Landkreis Vorpommern-Rügen in Mecklenburg-Vorpommern.
Er wurde 1962 (bald nach dem Mauerbau) von der Nationalen Volksarmee für die Volksmarine der DDR als Manöverhafen errichtet.<ref>Ingo Pfeiffer: Gegner wider Willen: Konfrontation von Volksmarine und Bundesmarine auf See. Miles-Verlag, 2012, ISBN 978-3-937885-50-6, S. 118.</ref><ref>Ingo Pfeiffer: Seestreitkräfte der DDR: Abriss 1950–1990. Miles-Verlag, 2014, ISBN 978-3-937885-71-1, S. 121.</ref> Die 6. technische Beobachtungskompanie der 6. Grenzbrigade Küste war ebenfalls hier stationiert. Der gesamte Darßer Ort wurde zum Sperrgebiet erklärt und durfte nicht betreten werden. Der damals angelegte Hafen liegt innerhalb des 1990 gegründeten Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, wonach seine Benutzung nur noch als Nothafen erlaubt wurde.<ref>Baken des Nothafens „Darsser Ort“. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 26. August 2014; abgerufen am 26. August 2014.</ref>
Nothafen
Als Kugelpanorama anzeigen
Die nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten im Jahr 1990 bestehenden Bestrebungen, den Hafen zu einem modernen Freizeithafen auszubauen, wurden mit dem im gleichen Jahr gegründeten Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft hinfällig. Er wurde lediglich zu einem Nothafen auf Zeit erklärt, da zwischen Warnemünde und Barhöft kein anderer Hafen existiert, den Sportboote bei Wetteränderungen oder in Seenotfällen anlaufen können. Außerdem diente er auch den Seenotrettern als Station. Umweltschützer verlangten immer wieder die Aufgabe des Hafens und hatten 2008 eine Schließung erzwungen. Aufgrund von Protesten der Seenotretter und Wassersportverbänden konnte dies noch einmal rückgängig gemacht werden.
Die fortwährende Versandung der Hafenzufahrt führt jedoch dazu, dass das Fahrwasser immer wieder ausgebaggert werden musste, was allein von 2009 bis 2015 ca. 2,4 Millionen Euro kostete.<ref>Nothafenprojekt des Landes. Abgerufen am 1. November 2016.</ref> In Erwartung eines neu zu bauenden Hafens beim nahen Prerow, der den Nothafen Darßer Ort ersetzen soll, wurden diese Kosten immer wieder aufgebracht, wenn auch mit Verzögerung. So kam es zwischen 2011 und 2019 mehrfach zu Sperrungen des Fahrwassers und des Hafens.<ref name="J9313"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bekanntmachung für Seefahrer 93/13 ( vom 30. November 2015 im Internet Archive)</ref><ref>Neverending Story: Nothafen wieder zu. Abgerufen am 1. November 2016.</ref><ref>Bekanntmachungen für Seefahrer 162/16. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 1. November 2016; abgerufen am 1. November 2016.</ref><ref>https://www.yacht.de/aktuell/panorama/darsser-ort-wieder-frei--doch-der-nothafen-schrumpft/a118884.html</ref>
Rettungsstation der DGzRS
Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) konnte 1990 ihre 'alte' Rettungsstation am Darßer Ort wieder als Stützpunkt der Seenotrettung übernehmen und stationierte einen Seenotrettungskreuzer im Nothafen, um die Sicherung des Reviers zwischen Festland und Kadetrinne sicherzustellen.<ref>DGzRS-Station Darßer Ort <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Geschichte der Station Darßer Ort & Prerow ( vom 9. September 2013 im Internet Archive)</ref> Aufgrund der zeitlichen Schließungen und wegen der Versandung der Zufahrt konnte der Hafen von dem Kreuzer häufig nicht angefahren werden. Daher war er zeitweise in Barhöft stationiert oder benutzte einen Liegeplatz außerhalb des Hafens. Als Dauerliegeplatz kommt aber Barhöft nicht in Frage, da der Hafen zu weit vom Haupteinsatzort in der Ostsee entfernt ist. Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.
Ersatzhafen
Entgegen den Vorstellungen der Landesregierung und der Tourismusverbände votierten die Prerower Gemeindevertreter im September 2010 zunächst gegen einen neuen Hafen vor ihrem Ort.<ref>Protokoll der Gemeindevertretung des Ostseebades Prerow (PDF; 371 kB)</ref>
Inzwischen einigten sich die Gemeinde Prerow und das Land Mecklenburg-Vorpommern jedoch auf die Errichtung eines vom Land finanzierten Hafens am nördlichen Ende der Prerower Seebrücke.<ref>Inselhafen Prerow – Ersatzhafen für Nothafen „Darßer Ort“. Abgerufen am 1. November 2016.</ref> Zielsetzung dieses Ersatzhafen ist dabei ausdrücklich nicht die Etablierung eines regulären Sportboothafens. Außer den bisherigen Funktionen des Hafens Darßer Ort (Nothafen bei Schlechtwetter und Station für den Seenotkreuzer) sind lediglich Dauerliegeplätze für örtliche Fischer geplant. Mit dem Beginn der Bauarbeiten wurde damals für das Jahr 2019 gerechnet.<ref>Inselhafen Prerow – Ersatzhafen für Nothafen „Darßer Ort“ – Zielsetzung. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 3. Oktober 2016; abgerufen am 1. November 2016.</ref> Am 16. Oktober 2024 wurde neben dem Inselhafen mit Steganlagen und Hafengebäude auch die ca. 720 m lange Seebrücke, die dann längste im Ostseeraum, mit einem Festakt und Bürgerfest eingeweiht. Ein Fahrgastschiffanleger soll zukünftig Ausflugsverkehr wieder ermöglichen. Der neue landeseigene Inselhafen ersetzt somit zukünftig den Nothafen Darßer Ort.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Aktueller Stand Inselhafen und Seebrücke ( des Vorlage:IconExternal vom 2. August 2023 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
Der Betrieb des Nothafens Darßer Ort wurde am 15. Oktober 2023 endgültig eingestellt.<ref>Zufahrt Nothafen Darßer ORt auf ig-seezeichen.de, abgerufen am 26. Februar 2024</ref> Die wasserbaulichen Anlagen und Seezeichen wurden vollständig zurückgebaut und renaturiert.<ref>Renaturierung des Ottosees am Darßer Ort abgeschlossen PM 107/2024 vom 10. Mai 2024</ref>
Weblinks
- Literatur über Nothafen Darßer Ort in der Landesbibliographie MV
- Inselhafen Prerow: Ersatzhafen für den Nothafen „Darßer Ort“. Abgerufen am 15. Oktober 2024.
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 54° 28′ 15,9″ N, 12° 31′ 20,5″ O
{{#coordinates:54,471085|12,522354|primary
|dim=144
|globe=
|name=
|region=DE-MV
|type=landmark
}}