Niobe (Mythologie)
Niobe (Vorlage:GrcS) ist in der griechischen Mythologie die Tochter des Tantalos und der Dione<ref>Hyginus, Fabulae 9</ref> oder der Euryanassa sowie die Schwester des Pelops und Broteas. Auch sie unterlag dem Tantalidenfluch.
Der Mythos
Niobe gebar als Gemahlin des thebanischen Königs Amphion sieben Söhne und sieben Töchter.<ref>Bei Homer, Ilias 24,604 sind es je sechs, bei Hesiod je zehn (Bibliotheke des Apollodor 3,5,6,1); vgl. Ailianos, Varia historia 12,36</ref> Stolz auf ihre Herkunft und ihre zahlreiche Nachkommenschaft maßte sie sich an, sich an deren Feiertag in Vergleichen über die Titanin Leto zu stellen, die nur zwei Kinder, die Zwillinge Apollon und Artemis (römisch Diana), geboren hatte, und hinderte das Volk an deren Verehrung.
Die gekränkte Titanin wandte sich an ihre Kinder, sie zu rächen. Daraufhin streckten Apollon und Artemis an einem Tage erst alle Söhne und dann alle Töchter mit Pfeil und Bogen nieder. Niobe bat die Zwillinge, ihr die jüngste Tochter zu lassen, doch diese brach tot zusammen. Die Eltern konnten diesen Verlust nicht überleben: Amphion tötete sich mit einem Schwert, und Niobe erstarrte vor Schmerz zu Stein. Durch einen Wind wurde sie nach Phrygien, auf die Spitze des Berges Sipylos versetzt. Doch auch dort hörte der Stein nicht auf, Tränen zu vergießen.<ref>Vgl. Homer, Ilias 24,602–617.</ref>
Der Mythos wird so von Ovid<ref>Ovid, Metamorphosen 6,146–312.</ref> erzählt, dort verwandelt sich Niobe in Marmor. Von ihren Kindern, den Niobiden, werden dort nur die sieben Söhne mit Namen genannt: Ismenus, Sipylus, Phaedimus, Tantalus, Alphenor, Damasichthon und Ilioneus, während die sieben Töchter unbenannt bleiben.<ref>Deren Namen werden - teils abweichend - erwähnt in der Bibliotheke des Apollodor (3,5,6,1): Ethodaïa bzw. Neaira, Kleodoxa, Astyoche, Phthia, Pelopeia, Astykrateia und Ogygia und bei Hyginus, Fabulae 11: Lerta, Chiade, Chloris (nach Hyginus, Fabulae 9 und 10 überlebte sie als Einzige), Astycratia, Siboë, Eudoxa und Ogygia.</ref> Niobe wird zuweilen als eine besondere Form einer Vegetations- oder Erdgöttin interpretiert, deren Sprösslinge von den versengenden Pfeilen des Sonnengottes dahingestreckt werden.
Als Thema in Dichtung, bildender Kunst und Musik
Der tragische Stoff wurde in der Antike von bedeutenden Vertretern der dramatischen wie der bildenden Kunst behandelt. Von den Tragödien des Aischylos und Sophokles sind nur noch Fragmente erhalten.
Aus römischer Zeit ist eine Gruppe der Niobe und ihrer Kinder erhalten (1583 ausgegraben, jetzt in den Uffizien in Florenz, siehe Abbildung). Dabei handelt es sich um die Nachbildung eines Werks der hellenistischen Bildhauerei. Von dem griechischen Original, das Plinius der Ältere († 79) noch im Tempel des Apollo Sosianus in Rom sah, wusste man aber im 1. Jahrhundert n. Chr. schon nicht mehr zu sagen, ob Praxiteles oder Skopas der Schöpfer war. Den Mittelpunkt der figurenreichen Gruppe bildet die Gestalt der Niobe selbst mit der zu ihren Füßen hingestürzten, ihr Haupt im Schoß der Mutter verbergenden jüngsten Tochter. Ihre Kinder fliehen von beiden Seiten her zu ihrer Mutter, teils schon getroffen, teils sich entsetzt umschauend nach den tödlichen Pfeilen. Die Einzelkopie einer Tochter aus der Gruppe, heute im Vatikan, gibt von der Schönheit des Originals ein weiteres Zeugnis.
Im ab 1843 erbauten Neuen Museum in Berlin gab es einen großen Niobidensaal mit zwei Wandbildern (Pelops und Hippodameia, Tantalos) und Gipskopien der Skulpturen der Niobe und ihrer sterbenden Kinder. Die Wandbilder sind in dem zu Bibliothek der Antike umbenannten Saal noch erhalten.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
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Ein Fresko mit dem Massaker an den Niobiden aus der Casa del Marinaio in Pompeji, Archäologisches Nationalmuseum Neapel
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Römischer Sarkophag mit einem Relief des Massakers an den Niobiden, um 160, Glyptothek, München
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Niobe, Amphion und ihre toten Söhne, kolorierter Holzschnitt zu Boccaccios De mulieribus claris, deutsch von Heinrich Steinhöwel, Ulm 1474, Penn Libraries
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Abraham Bloemaert, Apollo und Diana bestrafen Niobe, indem sie ihre Kinder töten (1591), Statens Museum for Kunst, Kopenhagen
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François Spierincx, die Hochmut Niobes, aus einem Tapisseriezyklus zu Diana (1610) nach einem Entwurf von Karel van Mander, Rijksmuseum, Amstersdam
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Jacques-Louis David, Niobe (1772), Dallas Museum of Art
Musik
Die Opernliteratur der Neuzeit nahm den Stoff auf, so etwa Agostino Steffani (1654–1728) in der unter dem deutschsprachigen Originaltitel „Niobe, Königin in Thebe“ 1688 uraufgeführten Oper Niobe, regina di Tebe nach dem Libretto von Luigi Orlandi. 1826 wurde im Teatro San Carlo die Oper Niobe von Giovanni Pacini uraufgeführt. Hybris/Niobe, ein Drama für Stimmen von Adriana Hölszky mit einem Text von Yona Kim wurde 2008 im Rokokotheater des Schwetzinger Schlosses uraufgeführt.<ref>Maria Kostakeva: Niobe oder die Idee der Versteinerung, Kritik mit Details zur UA auf Online-Musik-Magazin (omm.de).</ref><ref>Komposition bei Breitkopf & Härtel.</ref>
Franz Liszt komponierte, basierend auf Pacinis Cavatine "I tuoi frequenti palpiti", 1835/36 die Grande fantaisie sur des motifs de Niobe für Klavier solo. 1946 wurde in Zürich das zweiaktige Monodram Niobe von Heinrich Sutermeister uraufgeführt. Die dritte der Sechs Metamorphosen nach Ovid von Benjamin Britten für Oboe solo (1951) handelt von "Niobe, die um ihre 14 Kinder trauerte und in einen Berg verwandelt wurde". 2017 komponierte Richard Blackford Niobe, für Solovioline und Orchester.<ref>Key Works, auf blackford.co.uk.</ref>
Sonstiges
- Ein 1913 gebautes und 1932 gesunkenes Segelschulschiff der Reichsmarine trug den Namen Niobe.
- Nach Niobe wurden das chemische Element Niob und der Asteroid (71) Niobe benannt.
Literatur
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- Wilfred Geominy: Die Florentiner Niobiden. Dissertation, Universität Bonn 1984.
- Karl Kerényi: Apollon und Niobe. Langen Müller, München 1980, ISBN 3-7844-1756-6.
- {{ #if:Angela Oster|Angela Oster: |}}{{ #if:Niobe|Niobe|Niobe (Mythologie) }}. In: {{#if:Vorlage:Str match|{{#switch: Suppl. 5
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- Elsbeth Wiemann: Der Mythos von Niobe und ihren Kindern. Studien zur Darstellung und Rezeption (= Manuskripte für Kunstwissenschaft in der Wernerschen Verlagsgesellschaft. 8). Zugleich Dissertation an der Universität Würzburg 1982. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1986, ISBN 3-88462-907-7.
Weblinks
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