Nyi und Nidi
Nyi und Nidi, altnordisch Nýi ok Niði, sind die Namen zweier Zwerge der nordischen Mythologie, die mit den Mondphasen in Verbindung gebracht werden. Sie werden im Zwergenkatalog der Völuspá, dem Dvergatal, als erste in der Zwergenreihe genannt.<ref>Lieder-Edda: Völuspá 11 – Prosa-Edda: Gylfaginning 14. – Zitation der Lieder-Edda nach Arnulf Krause: Die Götter- und Heldenlieder der Älteren Edda. Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-15-050047-8. Zitation der Prosa-Edda nach Arnulf Krause: Die Edda des Snorri Sturluson. Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-15-000782-8.</ref> Als Erdzwerge gehören sie zur Zwergenschar von Modsognir. Ihre Namen werden auch in den Þulur als Zwergennamen genannt.<ref>Þulur III 40 Dverga heiti, Strophe 1 und 2</ref>
Eine Verbindung zu den Mondphasen ergibt sich, wenn man ihre Namen als sprechende Namen versteht. Nyi und Nidi werden abgeleitet von altnordisch ný ‚Neumond‘<ref>Jan de Vries: Altnordisches Etymologisches Wörterbuch. 2. Auflage. Brill Archive, S. 412 = Gerhard Köbler: Altnordisches Wörterbuch. 2. Auflage. 2003, S. 62. Online.</ref> und altnordisch nið ‚Neumond, abnehmender Mond‘.<ref>Jan de Vries: Altnordisches Etymologisches Wörterbuch. 2. Auflage. Brill Archive, S. 409 = Gerhard Köbler: Altnordisches Wörterbuch. 2. Auflage. 2003, S. 59. Online.</ref> Genau genommen bezeichnet aber ný die Phase des sich erneuernden, zunehmenden Monds bis zum Vollmond, während nið die Phase des abnehmenden Monds bis Neumond meint.<ref>Walter Baetke: Wörterbuch der altnordischen Prosaliteratur. 1. & 2. Auflage. In digitaler Fassung, Greifswald 2006, S. 444, 448: nið ‚Neumond‘ bedeute eigentlich ‚abnehmender Mond‘ und ný ‚Vollmond‘ (!) eigentlich ‚der sich erneuernde, zunehmende Mond‘.</ref> Somit könnte man die Zwergnamen auch als ‚das neue Licht‘ und ‚das schwindende Licht‘ übersetzen.<ref>Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. 3 Bände. Marix Verlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-86539-143-8, S. 534 (Neudruck der 4. Auflage. Berlin 1875-78) (S. 592 im Altdruck).</ref>
Die Mondphasen schenkten die Götter den Menschen zur Berechnung des Jahres.<ref>Lieder-Edda: Vafþrúðnismál 25.</ref> Mani, der Mondgott, lenkt den Lauf des Mondes und bestimmt Vollmond und Neumond.<ref>Prosa-Edda: Gylfaginning 11.</ref> Welche Aufgabe den Zwergen dabei zukam, ist nicht bekannt. Möglicherweise waren sie Personifikationen der Mondphasen.<ref>Edgar C. Polomé: Notes on the dwarfs in Germanic tradition. In: Einar Ingvald Haugen, Einar Haugen, Stig Eliasson, Ernst Håkon Jahr: Language and Its Ecology: Essays in Memory of Einar Haugen. Verlag Walter de Gruyter, Berlin – New York 1997, ISBN 3-11-014688-6, S. 443. Online-Auszug.</ref> Vielleicht steht hinter den Namen die Vorstellung, dass die beiden Zwerge in den entsprechenden Mondphasen geboren wurden.<ref>Edgar C. Polomé: Notes on the dwarfs in Germanic tradition. In: Einar Ingvald Haugen, Einar Haugen, Stig Eliasson, Ernst Håkon Jahr: Language and Its Ecology: Essays in Memory of Einar Haugen. Verlag Walter de Gruyter, Berlin – New York 1997, ISBN 3-11-014688-6, S. 443 unter Verweis auf Gottfried Lorenz: Snorri Sturluson – Gylfaginning – Texte, Übersetzung, Kommentar. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Wiesbaden 1984, S. 220.</ref>
Literatur
- Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie (= Kröners Taschenausgabe. Band 368). 3., völlig überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2006, ISBN 3-520-36803-X.
Einzelnachweise
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