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Bruno Naumann zu Königsbrück

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Bruno Naumann (um 1890)

Karl Robert Bruno Naumann, später nach Erwerb von Schloss und Standesherrschaft Königsbrück auch Bruno Naumann zu Königsbrück genannt (* 10. Oktober 1844 in Dresden; † 22. Januar 1903 in Loschwitz), war ein deutscher Unternehmer und der Gründer der Firma Seidel & Naumann. Er leistete Beiträge zur Entwicklung der Nähmaschine und insbesondere der Schreibmaschine. Dafür wurde ihm von König Albert von Sachsen der Titel eines Geheimen Kommerzienrates verliehen.

Leben

Naumann kam in Dresden als Sohn von Moritz Ferdinand Naumann (1803–1882) und dessen erster Frau Juliane Christiane Naumann geb. Haustein zur Welt. Der Vater bezeichnete sich selbst als Strumpffabrikant und lebte in auskömmlichen Verhältnissen. Allerdings verließ er die Familie kurz vor der Geburt seines Sohnes Bruno und wanderte in die USA aus. Zwar kehrte er, nach einigen Jahren wohlhabend geworden, wieder nach Sachsen zurück, gleichwohl ließ sich seine Frau scheiden. Sie heiratete den Gürtlermeister Wilhelm Röber.<ref name="Can">Klaus Hoffmann-Reicker: Der geänderte Canalettoblick. Gründerzeit in Dresden. edition Sächsische Zeitung SAXO'Phon GmbH, Dresden 2013, ISBN 978-3-943444-06-3, S. 85–93.</ref> Der Sohn Bruno erwies sich in der Schule als mathematisch begabt. Neben der Schule nahm er Privatunterricht in Geschichte, Französisch und Mathematik.<ref name="Can" /> Nach der Schule erlernte er zunächst bei seinem Stiefvater den Beruf des Gürtlers. Am 11. Oktober 1858 begann seine zweite Lehrzeit<ref name="Can" />, wo er bei verschiedenen Lehrmeistern das Feinmechaniker- und Uhrmacherhandwerk erlernte. Später bildete er sich neben seiner Arbeit als Mechaniker in Abendkursen weiter, um die griechische Literatur im Original lesen zu können. In seinen Wanderjahren arbeitete er in Berlin, Frankfurt am Main und bei Siemens & Halske<ref name="Can" /> in Wien.

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Naumann-Nähmaschine

Nach seiner Rückkehr nach Dresden 1865 arbeitete er eine Weile als Feinmechaniker bei Meister Oskar Kleeberg auf der Seilergasse. Eine Arbeit Naumanns wurde zur Weltausstellung Paris 1867 geschickt.<ref name="Can" /> Bruno Naumann gründete am 5. August 1868 mit eigenen Ersparnissen in Höhe von einigen 100 Talern eine kleine Werkstatt für Feinmechanik. Er interessierte sich für Nähmaschinen der Amerikaner Allen B. Wilson und Wheeler und begann 1869 Wheeler-Wilson-Nähmaschinen in Lizenz zu produzieren. Die Nachfrage überstieg bald die Kapazität der kleinen Werkstatt in der Ammonstraße.<ref name="Can" />

Naumann gewann den Kaufmann Emil Seidel, sich mit 25.000 Talern an seinem Unternehmen zu beteiligen, das seit 1870 unter Seidel & Naumann firmierte. Die Firma stand bald in der ersten Reihe der Nähmaschinenfabrikaten. Naumann plante neue Produkte und eine wesentliche Erweiterung des Werkes auf der Kleinen Plauenschen Gasse. Obwohl Seidel um sein Kapital fürchtete<ref name="Can" /> und 1876 mit einer Abfindung in Höhe von 250.000 Mark ausschied, blieb es weiterhin bei dem etablierten Firmennamen. Bruno Naumann schuf für seine Beschäftigten eine Reihe sozialer Einrichtungen: eine Betriebskrankenkasse für Arbeiter mit langjähriger Betriebszugehörigkeit sowie deren Angehörige, Beihilfekassen für längere Krankheits- und für Sterbefälle, Invaliditätskasse und eine Beamtenunterstützungskasse. In den Werkstätten gab es eine großzügige Grundausstattung mit Garderoben, Toiletten, Wasch- und Speiseräumen. In Dresden wurde er Mitglied der Freimaurerloge Zum goldenen Apfel. 1883/84 entstand zwischen der Hamburger Straße und dem Bahnhof Dresden-Friedrichstadt ein neues Produktionsgebäude. Einer der Angestellten in der Korrespondenzabteilung war Karl August Lingner. Auf der Hamburger Straße ließ Naumann auch „Germania“-Fahrräder in zahlreichen Varianten fertigen. Ein weiterer Markt waren Lokomotiv-Geschwindigkeitsmesser., die bald in deutschen, russischen, österreichischen und rumänischen Eisenbahnen eingesetzt wurde. Auf der Suche nach weiteren Märkten erhielt Naumann im Herbst 1897 aus Amerika das Angebot, die Schreibmaschine der Erfinder Edwin Barney und Frank Tanner zu produzieren. 1899 wurde der Kaufvertrag geschlossen, im September 1900 konnte die erste Ideal-Schreibmaschine ausgeliefert werden. 1903 waren es bereits 10.000 Exemplare. Parallel dazu bereitete Naumann bereits das nächste Produkt vor, eine Rechenmaschine. Den Produktionsbeginn 1906 erlebte er nicht mehr.<ref name="Can" />

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Mausoleum Naumann hinter der Königsbrücker Hauptkirche

Im Jahr 1873 heiratete Bruno Naumann die Apothekerstochter Hermine Louise Hoffmann (1854–1880). Aus der nur siebenjährigen Ehe ging ein Sohn hervor.

Von 1888 bis zu seinem Tod 1903 war Naumann Vorsitzender des von ihm mitgegründeten Vereins Deutscher Fahrradfabrikanten.<ref>Festschrift zum vierzigjährigen Bestehen des Vereins Deutscher Fahrrad-Industrieller. Berlin 1928, S. 124.</ref>

Das Unternehmen Seidel & Naumann war wirtschaftlich erfolgreich, sodass Naumann 1891 die Villa Stockhausen in Dresden und 1893 die Standesherrschaft Königsbrück erwerben konnte. Dies war einerseits eine Kapitalanlage, andererseits verbesserte es die Möglichkeiten für Naumann, seine intensiv betriebenen Hobbys der Jagd und der Pferdezucht zu pflegen. Er unterhielt einen eigenen Rennstall und nahm damit an Pferderennen auf der Galopprennbahn Dresden-Seidnitz teil.<ref name="Can" /> Im Gegensatz zu seinem Sohn bewohnte er sein Schloss in Königsbrück nie selbst.

Naumann verstarb 1903 in Loschwitz in der Villa Albrechtsberg. Er wurde zunächst auf dem Johannisfriedhof in Dresden beigesetzt, später jedoch in das Mausoleum der Familie in Königsbrück überführt.<ref>Todtenschau. In: Dresdner Geschichtsblätter, Nr. 2, 1903, S. 176.</ref>

Erbe und Nachkommen

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Werbeanzeige für die Erika-Reise-Schreibmaschine, 1910

Bruno Naumanns einziger Sohn, Dr. phil. Bruno Robert Walther Naumann zu Königsbrück (* 2. Mai 1874; † 22. Februar 1944), verkaufte 1906 die Dresdner Villa Stockhausen an Karl August Lingner, der sie zum Lingnerschloss machte. 1907 wurde das zur Standesherrschaft gehörende Forstrevier Königsbrücker Heide an das Deutsche Reich verkauft, das dort einen großen Truppenübungsplatz anlegte.

Walther Naumann war der letzte Standesherr zu Königsbrück; 1908 erwarb er auch das Rittergut Tauscha. Das Recht und die Verpflichtung zur Vertretung des Besitzes in der Ersten Kammer der Ständeversammlung wurde in der sächsischen Verfassung von 1920 aufgehoben. Auch sein Sitz in den Oberlausitzer Provinzialständen als Standesherr endeten dann. Die Familie Naumann bewohnte die inzwischen renovierten Teile des Königsbrücker Schlosses von 1917 bis 1945. Sein Enkel, der Zoologe Clas Michael Naumann zu Königsbrück, verbrachte seine Kindheit in Königsbrück.

Die Firma Seidel & Naumann wurde von den Nachfolgern weiter geführt und war bis zu den schweren Beschädigungen bei Luftangriffen in den Jahren 1944/1945 und der Enteignung nach dem Kriege einer der wichtigsten Großbetriebe in Dresden. Weltberühmt wurde die 1910 erstmals produzierte zusammenklappbare Reiseschreibmaschine Erika Nummer 1, benannt nach Naumanns einziger Enkeltochter Hermine Marie Erika Naumann (1907–2000),<ref>Geburtsurkunde Dresden A 1637/1907</ref><ref>Sterbeurkunde Oldenburg (Oldenburg) C 1688/2000</ref> die spätere Ehefrau von Emil Woermann.<ref>Vorlage:Deutsche Biographie/core</ref>

Literatur

Weblinks

Commons: Karl Robert Bruno Naumann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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