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Mäuse-Gerste

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

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Mäuse-Gerste
Datei:Kruipertje Hordeum murinum plant.jpg

Mäuse-Gerste (Hordeum murinum)

Systematik
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Pooideae
Tribus: Triticeae
Gattung: Gerste (Hordeum)
Art: Mäuse-Gerste
Wissenschaftlicher Name
Hordeum murinum
L.

Die Mäuse-Gerste (Hordeum murinum) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Gersten (Hordeum) innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae). Sie wird in Mitteleuropa häufig als „Unkraut“ angesehen. Als Futtergras ist sie ungeeignet, da die Grannen Schleimhautreizungen verursachen können.

Beschreibung

Datei:Hordeum murinum — Flora Batava — Volume v5.jpg
Illustration aus Flora Batava, Band 5
Datei:Hordeum murinum subsp. murinum sl1.jpg
Hordeum murinum subsp. murinum, Ährchendrilling; A: Seitenansicht; B: Untersicht; C/D: Aufsicht, auf einem Stück der Ährenspindel (x) sitzen ein Mittelährchen und zwei gestielte Seitenährchen (Spi, Spicula). Diese weisen jeweils am Grund zwei grannenförmige Hüllspelzen (Glu, Gluma) auf. Die Ährchen bestehen jeweils nur aus einer Blüte, die in eine Deckspelze (Lem, Lemma) und Vorspelze (Pal, Palea) eingehüllt ist.

Vegetative Merkmale

Die Mäuse-Gerste wächst als eine krautige Pflanze, die 6 bis 50 Zentimeter hoch wird; sie bleibt also relativ niedrig.<ref name="Conert1997" /> Die Pflanzen können sowohl einjährig wachsen als auch überwintern (überjährig). Die grasgrünen Laubblätter reichen bis kurz unter die Ähre. Die Blattscheide des obersten Blattes ist bauchig aufgeblasen und verdeckt oft etwas die Ähre. Die Blattspreiten werden 2 bis 20 Zentimeter lang und 2 bis 8 Millimeter breit.<ref name="Conert1997" /> Die Ligula ist ein bis 1 Millimeter langer kragenförmiger häutiger Saum.<ref name="Conert1997" /> Die Blattspreiten haben am Grund 2 lange, sichelförmige, den Halm umgreifende, kahle Öhrchen.<ref name="Conert1997" />

Generative Merkmale

Wie alle Gersten-Arten ist die Mäuse-Gerste ein Ährengras. Die Ähre weist insgesamt eine Länge zwischen 5 und 12 Zentimetern auf und ist 8 bis 20 Millimeter breit.<ref name="Conert1997" /> An jedem Knoten der Ährenachse sitzen drei einblütige Ährchen, und zwar ein starkes, zwittriges Mittelährchen und zwei gestielte, männliche und daher deutlich kleinere Seitenährchen. Die äußeren Hüllspelzen der beiden äußeren Ährchen sind fast zu Grannen reduziert. Die Hüllspelzen des mittleren Ährchens sind bewimpert, 7 bis 9 Millimeter lang und laufen in eine 8 bis 16 Millimeter lange Granne aus.<ref name="Conert1997" /> Die Deckspelze ist fünfnervig, 7 bis 12 Millimeter lang, glatt und kahl und läuft in ein 18 bis 50 Millimeter lange Granne aus.<ref name="Conert1997" /> Die Vorspelze ist zweinervig und so lang wie die Deckspelze.<ref name="Conert1997" /> Die Staubbeutel sind 0,2 bis 1,4 Millimeter lang.<ref name="Conert1997" /> Die Mäuse-Gerste blüht immer, wenn die Temperaturen lange genug ausreichend hoch waren, in Mitteleuropa in der Regel von Mai bis August (bis Oktober).<ref name="Conert1997" />

Die Früchte der Mäuse-Gerste sind einsamige Schließfrüchte (Karyopsen). Die essbaren Samen sind aber sehr klein; daher rührt der Name der Pflanzenart – Gerste für Mäuse.

Grannen

Die Grannen sind mit Widerhaken besetzt und können sich im Fell, in den Ohren oder Augen und häufig auch zwischen den Zehen von Tieren festsetzen. Sie wirken dort als Fremdkörper und lösen einen Juckreiz aus. Dies führt dazu, dass die Tiere sich reiben und wälzen, wodurch die Grannen noch tiefer insbesondere in weiche Hautpartien eindringen. Sie lösen dort Entzündungen aus, die häufig vom Tierarzt behandelt werden müssen. Gefährdet sind insbesondere Hunde, aber auch andere Tiere können betroffen sein.<ref>Mäusegerste: Gefahr für Hunde und Katzen, abgerufen am 21. Juni 2021.</ref>

Vorkommen

Ursprünglich kommt sie aus dem Mittelmeerraum und Kleinasien. Sie ist in weiten Teilen der Welt (Europa, Asien, Nord- und Mittelamerika sowie Australien) ein Neophyt. In Europa kommt sie in fast allen Ländern vor und fehlt nur in Island und in Nordmazedonien.<ref name="Euro+Med" /> In Mitteleuropa ist sie an mehr oder weniger warmen und trockenen Stellen und stets auf gestörten Böden anzutreffen. Sie ist häufig in Siedlungen oder wächst in der Grünlandgesellschaft der Mäusegerstenflur Bromo-Hordeetum murini aus dem Verband Sisymbrion.

Die Mäuse-Gerste wächst an mehr oder weniger trockenen und warmen, stickstoffreichen Ruderalstellen wie beispielsweise an Straßen- oder Wegrändern oder an Mauern, auch in Innenstädten unter Bäumen oder auf Verkehrsinseln und kann als Zeigerpflanze für das Stadtklima gesehen werden. Die mit Widerhaken versehenen Grannen der Mäuse-Gerste bleiben leicht an Kleidung oder im Fell von Tieren hängen, so dass diese Pflanzenart von solchen Standorten aus weit verbreitet werden kann. Nach Ellenberg ist sie eine Lichtpflanze, ein Wärmezeiger, ein Schwachsäure- bis Schwachbasezeiger, auf mäßig stickstoffreichen Standorten wachsend und eine Verbandscharakterart annueller Ruderalgesellschaften in gemäßigt warmem Klima.

Trivia

Die Ähre der Mäusegerste wirkt durch ihre Grannen wie eine Ansammlung von Sperrklinken. In der richtigen Ausrichtung zwischen die unteren Enden von Jacken- und Hemdsärmel gesteckt, wandert diese Ähre durch die zufälligen Relativbewegungen der beiden Ärmel langsam nach oben. Dieser volkstümliche Scherzartikel wird auch „Schliafhansl“ oder „Schliefhansl“ genannt.

Datei:Hordeum murinum subsp. glaucum enfoque 2010-5-08 DehesaBoyaldePuertollano.jpg
Hordeum murinum subsp. glaucum
Datei:Hordeum leporinum (3878427234).jpg
Hasengerste (Hordeum murinum subsp. leporinum)

Taxonomie und Systematik

Die Mäusegerste wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum Tomus I, S. 85 als Hordeum murinum erstbeschrieben.<ref name="Euro+Med" />

Von der Mäusegerste (Hordeum murinum) sind fünf Unterarten bekannt:<ref name="Euro+Med" />

  • Hordeum murinum subsp. glaucum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Steudel) Tzvelev (Syn.: Hordeum glaucum <templatestyles src="Person/styles.css" />Steudel): Sie kommt vom Makaronesien bis zur Krim und dem westlichen Himalaja vor.<ref name="WCSP" /> Die Chromosomenzahl ist 2n = 14.
  • Hasengerste<ref name="Conert1997" /> (Hordeum murinum subsp. leporinum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Link) Arcang.; Syn.: Hordeum leporinum <templatestyles src="Person/styles.css" />Link): Sie kommt vom Mittelmeerraum bis Zentralasien und dem westlichen Himalaja vor und außerdem in Makaronesien.<ref name="WCSP" /> Die Chromosomenzahl ist 2n = 42. Sie kommt in Mitteleuropa ursprünglich nur in der südlichen Schweiz und in Südtirol vor, wurde aber gelegentlich auch eingeschleppt.<ref name="Schmeil und Fitschen2024" /> Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für diese Unterart: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental), Salztoleranz = 1 (tolerant).<ref name="InfoFlora" />
  • Hordeum murinum subsp. montanum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Hackel) H.Scholz & Raus: Ist eine lokale Berglandsippe Spaniens.<ref name ="Scholz-Raus1997" />
  • Hordeum murinum subsp. murinum: Sie kommt von Europa bis zum westlichen Himalaja und auf den Azoren vor.<ref name="WCSP" /> Die Chromosomenzahl ist 2n = 28. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für diese Unterart: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental), Salztoleranz = 1 (tolerant).<ref name="InfoFlora" /> Sie steigt in Graubünden bei Samaden bis 1715 Meter Meereshöhe auf.<ref name="Conert1997" />
  • Hordeum murinum subsp. setariurum <templatestyles src="Person/styles.css" />H.Scholz & Raus: Sie ist eine lokale Tieflandsippe Griechenlands.<ref name ="Scholz-Raus1997" />

Hordeum murinum subsp. glaucum ist diploid ist (2n = 14), während Hordeum murinum subsp. murinum einen tetraploiden (2n = 28) und Hordeum murinum subsp. leporinum einen hexaploiden (2n = 42) Chromosomensatz besitzt. Alle Mäusegersten gehören zu dem sogenannten Xu-Genomtyp. Diese Genom- oder Karyotypen klassifizieren Ähnlichkeiten in der Chromosomenstruktur innerhalb der Tribus Triticeae der Gräser.

Literatur

  • Roland von Bothmer, N. Jacobsen, C. Baden, R. B. Jørgensen & I. Linde-Laursen: An ecogeographical study of the genus Hordeum. 2. Auflage. International Plant Genetic Resources Institute, Rome, 1995, ISBN 92-9043-229-2 (online).
  • Frank R. Blattner: Phylogenetic analysis of Hordeum (Poaceae) as inferred by nuclear rDNA ITS sequences. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. Band 33, Nr. 2, 2004, S. 289–299, doi:10.1016/j.ympev.2004.05.012.
  • Sabine S. Jakob, Frank R. Blattner: Two extinct diploid progenitors were involved in allopolyploid formation in the Hordeum murinum (Poaceae: Triticeae) taxon complex. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. Band 55, Nr. 2, 2010, S. 650–659, doi:10.1016/j.ympev.2009.10.021.
  • Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Unsere Gräser. Süßgräser, Sauergräser, Binsen (= Kosmos-Naturführer). 7. Auflage. Franckh, Stuttgart 1984, ISBN 3-440-05284-2.
  • Ernst Klapp, Wilhelm Opitz von Boberfeld: Taschenbuch der Gräser. Erkennung und Bestimmung, Standort und Vergesellschaftung, Bewertung und Verwendung. 11. überarbeitete Auflage. Paul Parey, Berlin/Hamburg 1983, ISBN 3-489-60810-0.
  • <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Pooideae in Australien - Hordeum murinum - Steckbrief. (Memento vom 22. Februar 2008 im Internet Archive)

Einzelnachweise

<references> <ref name="Scholz-Raus1997">Hildemar Scholz, Thomas Raus: Zwei neue Unterarten des Hordeum murinum (Gramineae) aus Griechenland und Spanien. In: Feddes Repertorium. Band 108, Nr. 7–8, 1997, S. 527–531, doi:10.1002/fedr.19971080704.</ref> <ref name="WCSP">Vorlage:WCSP</ref> <ref name="Conert1997">Hans Joachim Conert: Familie Poaceae. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 3. Auflage, Band I, Teil 3, S. 814–816. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1997, ISBN 3-489-52020-3.</ref> <ref name="InfoFlora"> Hordeum murinum L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="Euro+Med"> B.Valdés, H.Scholz; with contributions from E. von Raab-Straube & G.Parolly (2009+): Poaceae (pro parte majore). Datenblatt Hordeum murinum In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Schmeil und Fitschen2024">Michael Koltzenburg: Hordeum. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024, ISBN 978-3-494-01943-7. S. 303.</ref> </references>

Weblinks

Commons: Mäuse-Gerste (Hordeum murinum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien