Mozartfest Würzburg
Das Mozartfest Würzburg ist das älteste Mozartfestival Deutschlands und findet seit 1921<ref>100 Jahre Mozartfest Würzburg eröffnet mit Steinmeier. In: Süddeutsche Zeitung. 27. Mai 2021, abgerufen am 19. Juli 2022.</ref> während der Sommermonate in der Würzburger Residenz statt. Es zählt heute mit zirka 80 Einzelkonzerten<ref>Das sind die Highlights beim Mozartfest Würzburg 2022. In: Bayerischer Rundfunk. 23. Mai 2022, abgerufen am 19. Juli 2022.</ref> neben den Salzburger Festspielen zu den renommiertesten Festivals für klassische Musik im deutschsprachigen Raum. 2025 kamen 36.700 Besucher<ref>Mathias Wiedemann: Wichtiger Preis geht in Würzburger Luftschutzkeller: Opus Klassik für Mozartfest mit "Hell ist die Nacht". In: Main Post. 25. Juni 2025, abgerufen am 2. Februar 2026.</ref> mit einer Rekordauslastung von 94 %<ref>Mathias Wiedemann: Wichtiger Preis geht in Würzburger Luftschutzkeller: Opus Klassik für Mozartfest mit "Hell ist die Nacht". In: Mainpost. 25. Juni 2025, abgerufen am 2. März 2026.</ref> zu den rund 85 Veranstaltungen, die in dem historischen Gebäude der Residenz, im Hofgarten und weiteren Spielstätten in und um Würzburg stattfinden.
Geschichte
Ein erstes öffentliches klassisches Konzert erklang im Kaisersaal der Residenz, nachdem diese 1919 für gemeinnützige Veranstaltungen freigegeben wurde. 1921 veranstaltete Hermann Zilcher, Direktor des Staatskonservatoriums, das „Residenzfest“ mit Werken klassischer Orchester- und Kammermusik. Zilcher entdeckte dabei, dass Mozarts Werke besonders mit Ambiente und Architektur der Residenz harmonieren. Daher organisierte er im Folgejahr die erste „Mozartwoche in der Residenz“, welche im Juni 1922<ref>Sybille Grübel: Zeittafel zur Geschichte der Stadt von 1814–2006. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. Band 2, 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 1225–1247; hier: S. 1237.</ref> stattfand. Neben Kaisersaal und Gartensaal der Residenz wurden als weitere Spielorte die Neubaukirche und das Stadttheater einbezogen und erprobt. Eine gewisse Verbindung von Wolfgang Amadeus Mozart mit Würzburg wurde aus einem Brief vom 28. September 1790 an seine Frau Constanze hergeleitet. Darin beschreibt er, wie er in Würzburg Kaffee trank und die Stadt als „eine schöne, prächtige Stadt“ wahrgenommen hat.<ref>Mathias Wiedemann: Würzburg und Mozarts berühmte Tasse Kaffee. In: mainpost.de, 11. Oktober 2020, www.</ref><ref>Faksimile über Mozarts Besuch in Würzburg aus der Druckerei - Besonderer Auftrag zum 100. Jubiläum des Mozartsfests. In: abtei-muensterschwarzach.de, Abtei Münsterschwarzach, Meldung o. D.</ref>
Aus den Erfahrungen dieser Festwoche entwickelte Zilcher das Konzept des Mozartfestes, das nun jährlich stattfinden sollte. Fester Bestandteil wurde die Nachtmusik im Hofgarten. Das Festival wurde über zwei Jahrzehnte maßgeblich von Zilcher betreut und gestaltet. 1942 konnte es noch in der traditionellen Form stattfinden. 1943/44 wurde es stärker im Sinne der „Kraft durch Freude“-Veranstaltungen durch die Nationalsozialisten vereinnahmt und als Würzburger Musiksommer auf vier Wochen ausgedehnt. 1943 wurde Zilcher die Gesamtleitung des Mozartfestes entzogen.<ref>Peter Weidisch: Würzburg im »Dritten Reich«. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 196–289 und 1271–1290; hier: S. 260.</ref> Mit Zerstörung der Residenz beim Bombenangriff 1945 war der Festzyklus zunächst beendet. Zilcher verstarb 1948.
Durch den Einsatz von Oberbürgermeister Franz Stadelmayer konnte das Mozartfest 1951 wieder erstehen. Entscheidend war die Unterstützung des Bayerischen Rundfunks, der sowohl finanziell beim Aufbau der Konzertsäle in der Residenz half als auch die künstlerische Leitung übernahm. Ab 1975 fand bis 2006 alle zwei bis drei Jahre zeitgleich zum Würzburger Mozartfest der Mozartfest-Wettbewerb für Gesang statt, der von der Hochschule für Musik Würzburg ausgerichtet wurde. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums würdigte Bundespräsident Steinmeier die Veranstaltung.<ref>Gaby Reucher: 100 Jahre Mozartfest. In: dw.com. 29. Mai 2021, abgerufen am 30. Mai 2021.</ref><ref>Carolin Hasenauer: 100-Jahr-Feier - Würzburger Mozartfest startet trotz Corona, Meldung vom 28. Mai 2021, www.br.de/nachrichten/bayern/mozartfest-trotz-pandemie-wie-das-festival-ein-zeichen-setzt,SYWAmAB</ref><ref>Michael Stallknecht: Für Prominez und Pauke, Süddeutsche Zeitung, 30. Mai 2021, www.sueddeutsche.de/muenchen/wuerzburger-mozartfest-fuer-prominenz-und-pauke-1.5307935</ref>
Inhaltliche Gestaltung
Neben verschiedenen Konzerten, an verschiedenen Orten in Würzburg und der Umgebung (z. B. Kloster Bronnbach im Taubertal) wird das Mozartfest auch durch eine Anzahl an wissenschaftlichen Begleitveranstaltungen<ref>Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e. V. Würzburg: Würzburg zur Zeit Mozarts Beitrag aus 2021 unter www.freunde-mainfranken.de/wuerzburg-zur-zeit-mozarts-projekt-100-fuer-100.html</ref> sowie weiteren Aktionen in Schulen der Region Würzburg begleitet. Wesentliche Spielorte sind der Kaisersaal der Residenz Würzburg sowie der dahinter liegende Residenzgarten.
Seit einigen Jahren steht jede Saison unter einem Motto. 2022 lautete es „Alles in einem – Freigeist Mozart“.<ref>Jutta Czeguhn: Feier Gesit, Süddeutsche Zeitung vom 17. Mai 2022, www.sueddeutsche.de/muenchen/mozartfest-wuerzburg-isabel-mundry-festival-programm-1.5586352</ref> Das Motto 2025 lautet "Freund Mozart", da seine Inspirationen vornehmlich aus (zwischen-)menschlichen Themen bezog.<ref>Matthias Wiedemann: ''Über Mozart als Mensch", in: Main-Post (Regionalausgabe Würzburg), Nr. 122 vom 21. Mai 2025, S. 8.</ref> 2026 steht das Mozartfest unter dem Motto "Beschworene Schönheit - Idol Mozart" und begibt sich damit auf eine Spurensuche nach der Bedeutung klassischer Schönheit in einer aus den Fugen geratenen Welt.<ref>Diana Seufert: Würzburg: Wie Mozart zum Idol wurde. 1. Februar 2026, abgerufen am 2. März 2026.</ref>
Renommierte Klangkörper wie das Scottish Chamber Orchestra<ref>Würzburg Erleben: Scottish Chamber Orchestra mit besonderem Meisterwerk beim Mozartfest, Beitrag vom 23. Mai 2022, www.wuerzburgerleben.de/2022/05/23/scottish-chamber-orchestra-mit-besonderem-meisterwerk-beim-mozartfest/</ref> und die Bamberger Symphoniker<ref>BR-Klassik: Bamberger Symphoniker - Eröffnungskonzert Mozartfest Würzburg, Meldung vom 21. Mai 2022, /www.br-klassik.de/audio/eroeffnungskonzert-mozartfest-wuezburg-100.html</ref> treten ebenso auf wie kleinere, eher Insidern bekannte Formationen, wie z. B. die Lautten Compagney Berlin<ref>Angelika Silberbach u. a.: Würzburger Mozartfest - Das waren die 4 Höhepunkte in Woche 4, und darauf kann man sich noch freuen, Main-Post vom 16. Juni 2022, www.mainpost.de/ueberregional/kulturwelt/kultur/wuerzburger-mozartfest-das-waren-die-4-hoehepunkte-in-woche-4-und-darauf-kann-man-sich-noch-freuen-art-10817813</ref>, oder regional bekannte Orchester, wie das Hochschulsinfonieorchester Würzburg.<ref>Timo Lechner: Hochschulsinfonieorchester Würzburg bei Corona-Nachtmusik, Katholisches Sonntagsblatt vom 19. Juni 2021, www.sonntagsblatt.de/artikel/kultur/hochschulsinfonieorchester-wuerzburg-bei-der-corona-nachtmusik</ref> Eine wesentliche Neuerung wurde 2014 eingeführt, mit einer bzw. einem artiste étoile.<ref>Jörg Widmann: Keine Angst vor neuen Klängen. In: Main Post. 9. Mai 2014, abgerufen am 19. Juli 2022.</ref> 2022 war dies Isabel Mundry.<ref>Permin Breninek: Das sind die Highlights beim Mozartfest Würzburg 2022, Meldung des Bayerischen Rundfunks vom 23. Mai 2022, www.br.de/nachrichten/kultur/das-sind-die-highlights-beim-mozartfest-wuerzburg-2022,T6ID5xU</ref><ref>Stefan Lang für Deutschlandfunk Kultur: Mozartfest Würzburg - Neues inmitten Mozarts Musik, Sendung vom 27. Mai 2022, www.deutschlandfunkkultur.de/mozartfest-wuerzburg-leleux-100.html</ref><ref>Jan Brachmann: Im Auf-Hören liegt der Gewinn von Freiheit, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Mai 2022, www.faz.net/aktuell/feuilleton/buehne-und-konzert/isabel-mundry-beim-mozartfest-wuerzburg-18051080.html</ref>
2025 gelang dem Mozartfest ein nationaler Erfolg: die Produktion "Hell ist die Nacht" setzte sich unter 600 Bewerbungen in 30 Kategorien durch und gewann die begehrte Klassiktrophäe "Opus Klassik" in der Kategorie "Innovatives Konzert des Jahres". Bereits 2021 holte das Mozartfest den wichtigsten Preis für klassische Musik in Deutschland für das Partizipationsprojekt "100 für 100" nach Würzburg.<ref>Nationaler Erfolg: Der „Opus Klassik 2025“ geht an das Mozartfest Würzburg. 19. Oktober 2025, abgerufen am 2. März 2026.</ref>
Eröffnet wird das Mozartfest seit einigen Jahren mit einem Eröffnungskonzert sowie einem Abschlusskonzert mit anschließendem Staatsempfang.<ref>Heribert Kriener: Mozartfest Würzburg - So war der Staatsempfang in der Residenz und das sind die schönsten Fotos, Main-Post, 19. Juni 2022,www.mainpost.de/regional/wuerzburg/mozartfest-wuerzburg-so-war-der-staatsempfang-in-der-residenz-und-das-sind-die-schoensten-fotos-art-10819779 </ref><ref>BR24-Redaktion: Schlussakkord fürs Mozartfest - 35.000 verkaufte Tickets, Meldung des Bayerischen Rundfunks vom 19. Juni 2022, www.br.de/nachrichten/kultur/schlussakkord-fuers-mozartfest-35-000-verkaufte-tickets,T9Bzjkh</ref> Den inoffiziellen Endpunkt bildet die so genannte „Jupiternacht“.<ref>Marcel Dinkel: Abrocken bei der Jupiternacht, Main-Post, Nr. 140, 21. Juni 2022, S. V1; www.mainpost.de/ueberregional/kulturwelt/kultur/finale-mozartfest-2022-abrocken-mit-purcell-und-beatles-bei-der-jupiternacht-in-der-blauen-halle-art-10820375</ref>
Künstlerische Leitung
Als Intendant bzw. Intendantin des Mozartfests wirkten bisher:
- Hermann Zilcher (1921–1944)
- Eugen Jochum (1951–1961?)
- Rafael Kubelik (1962? -)
- Jonathan Seers (1992–2000)
- Daniel Klajner (2001–2008)
- KMD Christian Kabitz (2009–2013)
- Evelyn Meining (seit 2014)<ref>o. V.: 11 Fragen an Evelyn Meining, in: Neue Musik-Zeitung, 65. Jg., Nr. 4/2016, www.nmz.de/artikel/11-fragen-an-evelyn-meining</ref><ref>Mathias Wiedemann: Mozartfest - Vertrag mit Intendantin Evelyn Meining verlängert, Main-Post, 10. Juni 2021</ref>
Förderung des Mozartfests
Die Finanzierung des Mozartfests erfolgt neben Eintrittsgeldern und Zuwendungen der Stadt Würzburg über einen großen Unterstützerkreis aus dem öffentlichen Leben der Stadt Würzburg und verschiedenen Unternehmen bzw. Stiftungen. Einen wesentlichen Anteil bestreitet zudem das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst.
Literatur
- Oskar Kaul: Musica Herbipolensis. Aus Würzburgs musikalischer Vergangenheit. Verlag Siegfried Greß, Marktbreit 1980. ISBN 3-920094-16-6
- Hans Schneider: Das Mozartfest Würzburg – Seine Geschichte, seine Werke und seine Künstler, Würzburger Universitätsdruckerei Stürtz Würzburg 1967.
- Stephan Mösch (Hrsg.): "Weil jede Note zählt": Mozart interpretieren, Springer-Verlag GmbH. ISBN 3-662-61380-8
- Stephan Mösch (Hrsg.): Wie viel Mozart braucht der Mensch? – Musik im Wertewandel, Bärenreiter-Verlag 2022, ISBN 3-7618-2343-6
Weblinks
Einzelnachweise
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