Vereinigungskirche
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Die Vereinigungskirche, auch als Moon-/Mun-Sekte bekannt, ursprünglich The Holy Spirit Association for the Unification of World Christianity, ist eine neue religiöse Bewegung, die 1954 von dem Koreaner Sun Myung Moon gegründet wurde.<ref>Südkoreas Sektengründer Sun Myung Moon gestorben. In: Zeit Online. 3. September 2012, abgerufen am 12. Mai 2020.</ref><ref>Peter T.Schmidt: Schloss Fürstenried:Die Sekte war schon öfter hier. In: Merkur.de. 7. November 2015, abgerufen am 14. Juni 2023.</ref><ref>Warum Moons Bewegung auch Sekte genannt wird. In: Neue Zürcher Zeitung. 3. September 2012, abgerufen am 12. Mai 2020.</ref> Bekannt ist die Vereinigungskirche für ihre zu einem festgelegten Zeitpunkt an einem zentralen Ort in Südkorea stattfindenden Massenhochzeiten.<ref>Mun-Sekte in Südkorea: Erste Massenhochzeit nach Tod von Gründer. In: Der Spiegel. 17. Februar 2013, abgerufen am 12. Mai 2020.</ref><ref>Glaube und enttäuschende Wirklichkeit in der Vereinigungskirche von Sun Myung Moon. In: Sekten-Info NRW. 20. März 2014, abgerufen am 12. Mai 2020.</ref><ref>Mun-Sekte. In: Sekten und Weltanschauungen in Sachsen. Abgerufen am 2. Mai 2023.</ref> Seit 1996 trägt die Organisation den Namen Familienföderation für Weltfrieden und Vereinigung.<ref>Familienföderation für Weltfrieden in Österreich. Abgerufen am 26. Juni 2023.</ref>
Die Organisation schuf ein breit gefächertes Wirtschaftsimperium (Tongil Group), zu dem Rüstungsunternehmen, Pharmaunternehmen, Restaurantketten, Zeitungen wie die konservative Washington Times und die Nachrichtenagentur UPI gehörte. Durch die Medienunternehmen sicherte sie sich Einfluss in der US-Hauptstadt.
Die wichtigsten Lehren dieser vorgeblich religiösen Gemeinschaft stehen in dem Buch Das Göttliche Prinzip, das unter der Anweisung Moons geschrieben wurde. Die Organisation hatte 2007 im deutschsprachigen Raum etwa 1200 Mitglieder. In Japan, Südkorea und den Vereinigten Staaten ist durch höhere Mitgliederzahlen ihr politischer und wirtschaftlicher Einfluss größer. Die Vereinigungskirche ist streng hierarchisch strukturiert. Ihr Gründer gilt als Messias und „Herr der Wiederkunft“.
Der Hauptsitz der Bewegung befindet sich in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Nach Moons Tod im September 2012 waren seine Witwe Hak Ja Han und ihr jüngster Sohn Hyung Jin „Sean“ Moon gemeinsam die Vorsitzenden der Vereinigungskirche International.<ref>Südkoreas Sektengründer Sun Myung Moon gestorben. In: Zeit online. 3. September 2012, abgerufen am 22. Januar 2021.</ref> Hyung Jin Moon hatte diese Position bereits seit April 2008 inne. Seit 2005 ist der viertgeborene Sohn Kook Jin Moon Vorsitzender des Wirtschaftsunternehmens der Vereinigungskirche (Tongil Group). Nach Moons Tod am 3. September 2012 sollten somit Hak Ja Han, Hyung Jin Moon und Kook Jin Moon die Leitung über die Vereinigungskirche haben.<ref>Kim Hoo-ran: Unification Church founder dies. The Korea Herald vom 3. September 2012 (englisch).</ref> Allerdings hat Sean Moon inzwischen seine eigene Bewegung „World Peace Sanctuary“ (auch unter den Namen „Sanctuary Church of Newfoundland, PA“ oder neuerdings Rod of Iron Ministries bekannt<ref>Gun Church That Worships With AR-15s Bought a 40-Acre Compound in Texas for Its ‘Patriots’, Vice, 27. Mai 2021.</ref>) gegründet und sich mit seinen Anhängern von der Vereinigungskirche abgespalten.
Geschichtliche Entwicklung
International
Sun Myung Moon (geboren 1920) hatte nach eigenen Angaben am Ostersonntag, dem 17. April 1935, eine Vision von Jesus Christus. Jesus habe ihn gebeten, seine Mission zu vollenden und die Welt zu erlösen.<ref>Michael Breen: Sun Myung Moon – The Early Years 1920–53. Refugee Books, Hustpierpoint, West Sussex 1997, ISBN 0-9531637-0-9, S. 31.</ref> Moon war daraufhin Mitglied in verschiedenen Kirchen und versuchte mehrere Jahre mit etablierten christlichen Erweckungsbewegungen in Korea zusammenzuarbeiten (wie beispielsweise der Inside Belly Church, Leuchtendes Meer).<ref name="Hummel_S17" /><ref>Chung Hwan Kwak (Hg.): One Family Under God – The Life of Sun Myung Moon. Universal Peace Federation, New York 2008, ISBN 978-1-930549-59-3, S. 21.</ref>
Als diese Bemühungen scheiterten, gründete Moon 1954 die Heilig Geist Gesellschaft zur Vereinigung des Weltchristentums (Segye Kidokkyo Tongil Sillyon), die später als Vereinigungskirche (Tongil Kyo-hae) bekannt wurde.<ref name="Handbuch">Handbuch Religiöse Gemeinschaften. Herausgegeben im Auftrag der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland (VELKD) von Hans Krech und Matthias Kleiminger. 6., neu bearb. und erw. Aufl. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2006, ISBN 3-579-03585-1, ISBN 978-3-579-03585-7, S. 455.</ref> Bis 1957 bildeten sich in 30 Städten in Südkorea Kirchengemeinden.<ref>Massimo Introvigne: The Unification Church. Signature Books Inc., Salt Lake City, Utah 2000, ISBN 978-1-56085-145-5.</ref><ref name="hck22">Chung Hwan Kwak (Hrsg.): One Family Under God – The Life of Sun Myung Moon. Universal Peace Federation, New York 2008, ISBN 978-1-930549-59-3, S. 22.</ref> Die grundlegende Lehre der Vereinigungskirche wurde 1950–52 von Hyo-Won Eu, dem ersten Vorsitzenden der Heilig Geist Gesellschaft, niedergeschrieben und unter dem Titel Wôl Li Hae Sôl (Erklärungen zum Göttlichen Prinzip) im Jahr 1957 zum ersten Mal gedruckt.<ref name="Hummel_S20" /><ref>Vereinigungskirche e. V. (Hrsg.): Das Göttliche Prinzip. Kando Verlag, Schmitten 2003, ISBN 3-922947-30-1, S. XXV.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />FFWPU Ozeanien, The Life of Sun Myung Moon – Pioneer-Witnessing and Publication of Wolli Haesol ( vom 19. Juli 2008 im Internet Archive), 15. April 2009.</ref> Ende der 1950er Jahre wurden die ersten Missionare nach Japan und in die Vereinigten Staaten entsendet (Sang-ik Choi, Young-oon Kim, Bo-hi Pak, David Kim).<ref name="Handbuch" /><ref name="hck22" /><ref name="Hummel_S21" /><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />FFWPU Ozeanien, The Life of Sun Myung Moon – Missionaries Sent Abroad ( vom 19. Juli 2008 im Internet Archive), 15. April 2009.</ref>
1960er Jahre
Am 16. März 1960 heiratete Moon in zweiter Ehe Hak Ja Han. Dieses Ereignis gilt innerhalb der Vereinigungskirche als „die Hochzeit des Lammes“ (Vorlage:Bibel/Link) und erhält somit den Status eines Heilsereignisses, auf dem wesentliche Prinzipien und Ideale der Gemeinschaft fußen (insbesondere die wesentliche Rolle, die der Ehe, Partnerschaft und Familie zugeschrieben wird).<ref name="Handbuch" /><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />FFWPU Ozeanien, The Life of Sun Myung Moon – The Holy Wedding of the True Parents ( vom 19. Juli 2008 im Internet Archive), 15. April 2008.</ref> Das Ehepaar inszenierte sich innerhalb der Vereinigungskirche genealogisch als die „wahren Eltern“ einer neuen Menschheit. Beide führten in ästhetisch inszenierten Massenzeremonien „vollkommene Ehen“ durch, die eine Vielzahl von Paaren anzog, die hofften in der Zeremonie von der „ursprünglichen Sünde“ befreit zu werden.<ref>https://www.ezw-berlin.de/html/3_3065.php.</ref><ref name="Hummel_S22" /> Ab Juli 1960 wurden in Südkorea jährlich im Sommer Projekte durchgeführt, bei denen sich über 400 christliche Kirchen beteiligten; dabei wurden Bibelwissen und die Lehre Moons verbreitet sowie gemeinnützige Arbeit durchgeführt.<ref>Chung Hwan Kwak (Hg.): One Family Under God – The Life of Sun Myung Moon. Universal Peace Federation, New York 2008, ISBN 978-1-930549-59-3, S. 24.</ref>
Im Rahmen seiner ersten Welttour im Jahre 1965 hielt Moon in 40 Nationen Reden und errichtete an mehreren Orten sogenannte Holy Grounds (unter anderem auch in Berlin, Frankfurt am Main und Essen).<ref name="Hummel_S22" /><ref>Chung Hwan Kwak (Hg.): One Family Under God – The Life of Sun Myung Moon. Universal Peace Federation, New York 2008, ISBN 978-1-930549-59-3, S. 25.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />15. April 2009 FFWPU Ozeanien, The Life of Sun Myung Moon – The First World Tour ( vom 19. Juli 2008 im Internet Archive), 15. April 2008.</ref> Auf seiner Reise in die Vereinigten Staaten traf Moon auf den ehemaligen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower.<ref name="Hummel_S22" /> 1966 wurde die zweite Ausgabe der Lehre der Vereinigungskirche Wôl Li Kang Ron (Erläuterung des Göttlichen Prinzips) in Koreanisch herausgegeben, welche das grundlegende Textbuch der Lehre von Sun Myung Moon ist.<ref>Vereinigungskirche e. V. (Hrsg.): Das Göttliche Prinzip. Kando Verlag, Schmitten 2003, ISBN 3-922947-30-1, S. XXV.</ref>
1969 reiste Moon nach Europa, Japan und in die Vereinigten Staaten. In Deutschland erhielten zu dieser Zeit zum ersten Mal internationale Paare die heilige Ehesegnung.<ref>Chung Hwan Kwak (Hg.): One Family Under God – The Life of Sun Myung Moon. Universal Peace Federation, New York 2008, ISBN 978-1-930549-59-3, S. 25.</ref>
1970er Jahre
Mit dem Umzug von Sun Myung Moon in die USA 1971 verlegte sich der Schwerpunkt der Arbeit der internationalen Vereinigungskirche von Südkorea in die USA. Einige Monate später veranstaltete die Vereinigungskirche die Day-of-Hope-Ansprachentour, auf der Moon in 50 amerikanischen Bundesstaaten sprach, darunter in sieben Großstädten, beginnend am 3. Februar 1972 im Lincoln Center in New York City. Zwei weitere Ansprachentouren durch amerikanische Großstädte folgten (Christianity in Crisis: New Hope). 1972 hatte die Vereinigungskirche Gemeindezentren in zehn verschiedenen Bundesstaaten der USA.
1973 entstand die erste Übersetzung des Wôl Li Kang Ron ins Englische unter dem Titel The Divine Principle, fast zeitgleich mit der deutschen Übersetzung.<ref>Vereinigungskirche e. V. (Hrsg.): Das Göttliche Prinzip. Kando Verlag, Schmitten 2003, ISBN 3-922947-30-1, S. XXV.</ref>
Nach der Watergate-Affäre von US-Präsident Richard Nixon rief die Vereinigungskirche in einer Kampagne Forgive, Love and Unite die amerikanische Bevölkerung dazu auf, dem Präsidenten eine zweite Chance zu geben.<ref name="Hummel_S26" /> Zu diesem Anlass fand 1974 ein Treffen zwischen Nixon und Moon statt. Daraufhin begann die vierte amerikanische Ansprachentour von Moon durch mehrere amerikanische Großstädte. Sie begann mit einer Großveranstaltung im Madison Square Garden in New York City am 18. September 1974, zu der 25.000 Zuhörer kamen.<ref>Hwan Chung Kwak (Hrsg.): One Family Under God – The Life of Sun Myung Moon. Universal Peace Federation, New York 2008, ISBN 978-1-930549-59-3, S. 39–41.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />FFWPU Ozeanien, The Life of Sun Myung Moon – Madison Square Garden Rally ( vom 19. Juli 2008 im Internet Archive), 15. April 2009.</ref> Daraufhin kehrte Moon nach Südkorea zurück, um dort und später auch in Japan weitere Ansprachen zu halten.<ref name="Life of SMM, S.42">Chung Hwan Kwak (Hrsg.): One Family Under God – The Life of Sun Myung Moon. Universal Peace Federation, New York 2008, ISBN 978-1-930549-59-3, S. 42.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />FFWPU Ozeanien, The Life of Sun Myung Moon – Day of Hope Tours ( vom 19. Juli 2008 im Internet Archive), 15. April 2008.</ref>
Nach Aufbau der Vereinigungskirche in Japan, Südkorea den USA und Westeuropa wurden im Mai 1975 Missionare in 120 Nationen in Asien, Afrika, Ozeanien, Südamerika und den Nahen Osten entsendet.<ref name="Life of SMM, S.42" /><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />FFWPU Ozeanien, The Life of Sun Myung Moon – Dispatch of Missionaries Throughout the World ( vom 19. Juli 2008 im Internet Archive), 16. April 2009.</ref> Nachdem Südvietnam am 30. April 1975 von den kommunistischen Truppen eingenommen worden war, veranstaltete die Koreanische Vereinigungskirche die World Rally for Korean Freedom am 7. Juni 1975 in Seoul, bei der Moon die Hauptansprache hielt, um ein Bewusstsein für die behauptete Gefahr des Kommunismus (vor allem Nordkoreas) zu schaffen, an der über eine Million Menschen teilnahmen.<ref>Chung Hwan Kwak (Hg.): One Family Under God – The Life of Sun Myung Moon. Universal Peace Federation, New York 2008, ISBN 978-1-930549-59-3, S. 43.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />FFWPU Ozeanien, The Life of Sun Myung Moon – World Rally for Korean Freedom ( vom 19. Juli 2008 im Internet Archive), 15. April 2009.</ref>
Anlässlich der Zweihundertjahrfeier der Gründung der Vereinigten Staaten 1976 hielt Sun Myung Moon zwei Ansprachen: am 1. Juni im Yankee Stadium in New York City und eine andere am 18. September auf dem Bicentennial God Bless America Festival am Washington Monument.<ref>Chung Hwan Kwak (Hg.): One Family Under God – The Life of Sun Myung Moon. Universal Peace Federation, New York 2008, ISBN 978-1-930549-59-3, S. 43–45.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />FFWPU Ozeanien, The Life of Sun Myung Moon – Yankee Stadium Rally ( vom 19. Juli 2008 im Internet Archive), 15. April 2009.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />FFWPU Ozeanien – The Life of Sun Myung Moon ( vom 19. Juli 2008 im Internet Archive), 15. April 2009.</ref>
1978 startete die Vereinigungskirche auf Initiative Moons das Projekt Home Church. Dieses sollte die Kirche bekannt machen, indem man bedürftigen Familien in der unmittelbaren Nachbarschaft Hilfeleistungen anbot.<ref>Chung Hwan Kwak (Hg.): One Family Under God – The Life of Sun Myung Moon. Universal Peace Federation, New York 2008, ISBN 978-1-930549-59-3, S. 46.</ref>
Im selben Jahr beschuldigte das Subcommittee on International Organizations, ein Unterausschuss des Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten, die Vereinigungskirche unter anderem, mit dem südkoreanischen Geheimdienst KCIA zusammenzuarbeiten, was als Koreagate-Affäre bekannt wurde.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Auszug aus dem Abschlussbericht des Subcommittee on International Organizations vom 31. Oktober 1978 ( vom 15. März 2007 im Internet Archive) (PDF-Datei; 167 kB), Link vom 15. April 2009.</ref> Dabei berief sich der Ausschuss unter anderem auf drei ungeprüfte CIA-Berichte aus den 1960er Jahren, in denen behauptet wird, die Vereinigungskirche sei vom KCIA im Jahre 1961 gegründet worden.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Auszug aus dem Abschlussbericht des Subcommittee on International Organizations vom 31. Oktober 1978 ( vom 15. März 2007 im Internet Archive) (PDF-Datei; 167 kB), S. 389, Link vom 15. April 2009.</ref> Der Vorsitzende des Komitees Donald M. Fraser verlangte von Colonel Bo Hi Pak, einem engen Vertrauten Moons, der in den Koreagate-Skandal involviert sein sollte, eine Klarstellung.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Auszug aus dem Abschlussbericht des Subcommittee on International Organizations vom 31. Oktober 1978 ( vom 15. März 2007 im Internet Archive) (PDF-Datei; 167 kB), S. 354, Link vom 15. April 2009.</ref> Letzterer sagte drei Mal vor dem Ausschuss von Fraser aus und bestritt dabei jegliche Verbindungen zwischen der Vereinigungskirche und dem KCIA.<ref>Carlton Sherwood: Inquisition. Regnery Gateway, Washington, D.C. 1991, ISBN 0-89526-532-X, S. 557.</ref><ref>Bo Hi Pak: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Truth is my Sword I. 1999, ISBN 0-910621-92-6 ( vom 19. November 2008 im Internet Archive), S. 49–85.</ref> Fraser konnte seine Anschuldigungen letztendlich nicht beweisen und Bo Hi Pak und die Vereinigungskirche wurden freigesprochen.<ref>Vgl. Presseerklärung Bo Hi Paks vom 17. Januar 1979, Link vom 16. April 2009.</ref> Der Bericht wurde von zahlreichen Massenmedien aufgegriffen und trug zu einem negativen Bild der Vereinigungskirche in der Öffentlichkeit bei.<ref>Vgl. dazu Carlton Sherwood: Inquisition. Regnery Gateway, Washington, D.C. 1991, ISBN 0-89526-532-X, S. 523–563, genauer S. 556.</ref> Die Vereinigungskirche verfasste eine Stellungnahme zu den Anklagen Frasers mit dem Titel Our Response.<ref>Carlton Sherwood: Inquisition. Regnery Gateway, Washington, D.C. 1991, ISBN 0-89526-532-X, S. 559.</ref>
Moon wurde 1984 zu einer Gefängnisstrafe wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Bürgerrechtsbewegungen, liberale und konservative (auch rechte) christliche Bewegungen und Pfarrer wie beispielsweise Jerry Falwell, aber auch Joseph Lowery hielten die Anklage für nicht gerechtfertigt und für einen Verstoß gegen die Religionsfreiheit.<ref>Moon loses tax appeal case in high court, must go to jail, Pittsburgh Post-Gazette, 15. Mai 1984.</ref><ref>The Role of Rev. Sun Myung Moon in Downfall of Communism, Danbury and CAUSA.</ref> Die niederländische Moon-Bewegung pflegte in den 1980er Jahren zahlreiche Kontakte zu rechtsextremen Gruppierungen.<ref>Joris van Ejnatten, Fred van Lieburg: Niederländische Religionsgeschichte. Göttingen 2011, S. 432.</ref>
Die Organisation erregte zuletzt im Oktober 2019 großes öffentliches Interesse. Im niederländischen Ruinerwold war eine in einem engen Raum isoliert lebende Kleingruppe (darunter auch Jugendliche) entdeckt worden, die das Ende des Weltzeitalters erwartete.<ref>„Und dann ging das Hoftor auch immer schnell wieder zu“. In: Welt online. 17. Oktober 2019, abgerufen am 22. Januar 2021.</ref> Im Hinblick auf diese Gruppe distanzierte sich die Vereinigungskirche in Österreich in einer Presseaussendung von deren Mitgliedern. Die Vereinigungskirche stellte klar, dass die betreffenden Personen entgegen anderslautenden Behauptungen keine Mitglieder ihrer Organisation sind.<ref>Holland/Ruinerwold - Familie in Bauernhaus. Familienangehörige und Josef B sind keine Mitglieder der Vereinigungskirche. In: OTS. 18. Oktober 2019, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 25. Januar 2025; abgerufen am 19. Oktober 2025.</ref>
Deutschland
Der erste Missionar in Deutschland war Peter Koch, der die Lehre Sun Myung Moons in Amerika kennengelernt hatte. Ein Jahr nach seiner Ankunft in Deutschland wurde am 11. Dezember 1964 die Gesellschaft zur Vereinigung des Weltchristentums (GVW) in Frankfurt am Main gegründet.<ref>Bert Hardin, Wolfgang Kuner: Entstehung und Entwicklung der Vereinigungskirche in der Bundesrepublik Deutschland. In: Günter Kehrer (Hrsg.): Das Entstehen einer neuen Religion – Das Beispiel der Vereinigungskirche. Kösel-Verlag, München 1981, ISBN 3-466-25016-1, S. 131.</ref>
Im Zuge einer Welttour besuchte Moon 1965 das erste Mal Deutschland und gründete drei Heilige Gründe in Berlin, Frankfurt am Main und Essen. Er beauftragte die Mitglieder, Missionare ins Ausland zu entsenden. Daraufhin gingen vereinzelt Missionare ins Ausland, beispielsweise nach Spanien und Frankreich.<ref>Bert Hardin, Wolfgang Kuner: Entstehung und Entwicklung der Vereinigungskirche in der Bundesrepublik Deutschland. In: Günter Kehrer (Hrsg.): Das Entstehen einer neuen Religion – Das Beispiel der Vereinigungskirche. Kösel-Verlag, München 1981, ISBN 3-466-25016-1, S. 132.</ref>
Mit dem Besuch Moons 1969 kam es zu einem ersten Leiterwechsel, Peter Koch wurde Landesleiter in Österreich, Paul Werner war für die deutsche Vereinigungskirche verantwortlich.<ref>Bert Hardin, Wolfgang Kuner: Entstehung und Entwicklung der Vereinigungskirche in der Bundesrepublik Deutschland. In: Günter Kehrer (Hrsg.): Das Entstehen einer neuen Religion – Das Beispiel der Vereinigungskirche. Kösel-Verlag, München 1981, ISBN 3-466-25016-1, S. 137.</ref> Werner legte einen neuen Schwerpunkt auf das Verteilen von Einladungen und andere Straßenaktionen sowie die Eröffnung neuer Gemeindezentren.<ref>Bert Hardin, Wolfgang Kuner: Entstehung und Entwicklung der Vereinigungskirche in der Bundesrepublik Deutschland. In: Günter Kehrer (Hrsg.): Das Entstehen einer neuen Religion – Das Beispiel der Vereinigungskirche. Kösel-Verlag, München 1981, ISBN 3-466-25016-1, S. 139–142.</ref> 1971 gab es in Deutschland 21 Gemeindezentren und 100 Mitglieder.
Im September 1971 reisten zwei Missionsteams mit je 12 Mitgliedern durch verschiedene Städte Deutschlands, um dort neue Kirchenmitglieder zu finden.<ref>Bert Hardin, Wolfgang Kuner: Entstehung und Entwicklung der Vereinigungskirche in der Bundesrepublik Deutschland. In: Günter Kehrer (Hrsg.): Das Entstehen einer neuen Religion – Das Beispiel der Vereinigungskirche. Kösel-Verlag, München 1981, ISBN 3-466-25016-1, S. 140.</ref> 1972 hielt Moon im Rahmen der „Day-of-Hope“-Ansprachentour erstmals drei öffentliche Reden in Deutschland, genauer in Essen. Kurze Zeit später wurden als Teil der One World Crusade neue Missionsteams in München gebildet.<ref>Bert Hardin, Wolfgang Kuner: Entstehung und Entwicklung der Vereinigungskirche in der Bundesrepublik Deutschland. In: Günter Kehrer (Hrsg.): Das Entstehen einer neuen Religion – Das Beispiel der Vereinigungskirche. Kösel-Verlag, München 1981, ISBN 3-466-25016-1, S. 142.</ref>
Der Bundesgerichtshof (BGH) verwarf mit Beschluss vom 1. Februar 1983 - IV ZR 116/82 — (veröffentlicht in NJW 1983, S. 2572) die Revision der Vereinigungskirche e. V. (sogenannte Mun-Sekte) gegen ein Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main aus formellen Gründen als unzulässig.<ref>Oberlandesgericht Frankfurt am Main. Im Namen des Volkes Urteil 12U 173/80, 3 0 381/80. 3. April 1982, abgerufen am 23. Oktober 2025.</ref><ref>Bundesgerichtshof: Beschluss VI ZR 116/82. Abgerufen am 23. Oktober 2025.</ref> Nach Auffassung der Bundesregierung ließen sich aus dieser Entscheidung keine unmittelbaren Folgerungen ziehen.<ref name=":2" />
Das Urteil des Oberlandesgerichts, gegen das die Revision gerichtet war, enthielt die Feststellung, dass „über die Mun-Sekte in der Bundesrepublik Deutschland behauptet werden“ dürfe, sie sei eine kriminelle Vereinigung, proklamiere ein faschistisches System, habe mehrere junge Menschen in den Suizid getrieben und setze Menschen einem Psychoterror aus.<ref name=":2">dipbt.bundestag.de/doc/btd/10/020/1002094. PDF Seite 4.</ref>
Entsprechend hieß es im Spiegel vom 14. Dezember 1987, nach dem „Vierten Carp-Weltstudentenkongreß“ „der internationalen Studentenorganisation der Mun-Sekte“ im August 1987 in Berlin: Muns „religiöse Lehre ist ein seltsames Sammelsurium von ‚Prinzipien‘, die durch ihre radikal antikommunistische Tendenz, durch rassistisch-faschistische Ansätze und einen grotesken Weltbeherrschungsanspruch gekennzeichnet sind.“<ref>Mun und seine Kirche. In: Der Spiegel. 14. Dezember 1987, abgerufen am 22. Januar 2021.</ref>
Von 1995 bis 2006 galt wegen der Gefährlichkeit der Vereinigungskirche als Psycho- und Jugendsekte ein Einreiseverbot des deutschen Bundesinnenministeriums für Mun und seine Frau, das 2006 vom Bundesverfassungsgericht aufgehoben wurde.<ref>Umstritten und verehrt: Führer der umstrittenen Mun-Sekte stirbt mit 92, focus.de, 16. November 2013.</ref>
Es gibt in Deutschland zehn offizielle Gemeindezentren: Berlin, Hamburg, Hannover, Düsseldorf, Bonn, Gießen, Frankfurt, München, Stuttgart und Nürnberg.<ref>Zentren in Deutschland auf der offiziellen Website der Tongil Gyo Vereinigungsbewegung. Abgerufen am 11. Mai 2013.</ref>
Österreich
Der erste Pionier der Vereinigungskirche in Österreich war Paul Werner, der am 19. Mai 1965 in Wien ankam.<ref>Lukas Pokorny, Simon Steinbeiß: ‘To Restore This Nation’: The Unification Movement in Austria. Background and Early Years, 1965–1966. In: Hans G. Hödl, Lukas Pokorny (Hrsg.): Religion in Austria. Bd. 1. Wien 2012, S. 175–180.</ref> Im Mai 1966 wurde die „Gesellschaft zur Vereinigung des Weltchristentums“ bei der Sicherheitsdirektion als Verein eingetragen (Vorsitzender: Paul Werner).<ref>Lukas Pokorny, Simon Steinbeiß: ‘To Restore This Nation’: The Unification Movement in Austria. Background and Early Years, 1965–1966. In: Hans G. Hödl, Lukas Pokorny (Hrsg.): Religion in Austria. Bd. 1. Wien 2012, S. 180–181.</ref> Innerhalb von fünf Jahren baute Werner eine Gemeinschaft von über 30 Mitgliedern auf.<ref>Lukas Pokorny, Simon Steinbeiß: ‘Pioneers of the Heavenly Kingdom’: The Unification Movement in Austria, 1966–1969. In: Hans G. Hödl, Lukas Pokorny (Hrsg.): Religion in Austria. Bd. 2. Wien 2014, S. 195.</ref> Im Jänner 1974 wurde der Vereinsstatus der rasch wachsenden religiösen Gemeinschaft aus „formalen Gründen“ durch die Sicherheitsdirektion Wien wieder zurückgezogen. Bis zur Vereinsgründung der österreichischen Familienföderation für Weltfrieden im Jahr 1997 existierte die Vereinigungskirche daher lediglich als Gesellschaft bürgerlichen Rechts.<ref>Österreich: Vereinigungskirche als eingetragene Bekenntnisgemeinschaft anerkannt, FFWPU Österreich, 15. Juni 2015</ref> Bereits früh avancierte die österreichische Vereinigungskirche zu einer der führenden nationalen Gruppen in Europa und entsandte Missionare in die Schweiz (1968), in die Tschechoslowakei (1968), in die USA (ab 1972), nach Deutschland (1975) und in diverse Länder des kommunistischen Ostblocks (1980er Jahre).<ref>Lukas Pokorny, Simon Steinbeiß: ‘Pioneers of the Heavenly Kingdom’: The Unification Movement in Austria, 1966–1969. In: Hans G. Hödl, Lukas Pokorny (Hrsg.): Religion in Austria. Bd. 2. Wien 2014, S. 195.</ref>
Am 15. Juni 2015 wurde die Vereinigungskirche durch das österreichische Kultusamt als „staatlich eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaft“ anerkannt.<ref name=":1"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Staatlich eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaften, Kultusamt der Republik Österreich ( vom 23. September 2015 im Internet Archive) 15. Juni 2015.</ref> (Zum österreichischen Religionsrecht siehe Anerkannte Religionsgemeinschaften in Österreich.) Zurzeit führt die österreichische Vereinigungskirche sechs offizielle Gemeindezentren in der Bundeshauptstadt Wien (nationales Hauptquartier) sowie den Landeshauptstädten Linz, Graz, Klagenfurt, Salzburg und Innsbruck.<ref>Lukas Pokorny: Millenarian Retrospects and Prospects: The Post-Mun Unification Movement in Austria. In: Hans G. Hödl, Lukas Pokorny (Hrsg.): Religion in Austria. Bd. 2. Wien 2014, S. 132–133.</ref> Nach eigenen Angaben zählt die Vereinigungskirche in Österreich rund 700 Mitglieder.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., 16. Juni 2015.</ref>
Japan
Der zweimalige Premierminister Shinzō Abe trat bei Veranstaltungen der Vereinigungskirche als bezahlter Redner auf, zuletzt am 11. September 2021 auf einer virtuellen Rally of Hope, die von der Universal Peace Federation organisiert wurde, und an der auch der ehemalige US-Präsident Donald Trump teilnahm.<ref>How Abe and Japan became vital to Moon’s Unification Church, Washington Post, 12. Juli 2022</ref> Abe ehrte in seiner Rede Moons Witwe Hak Ja Han Moon, die nach dem Tod ihres Mannes die Kontrolle über das Vermögen der Moon-Bewegung übernommen hat, und drückte seinen tiefen Dank für die unermüdlichen Bemühungen der Vereinigungskirche zur Lösung von Konflikten in der Welt aus.<ref>Shinzo Abe Address to Rally of Hope VII. In: upf.org. 12. September 2021, abgerufen am 13. Juli 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>安倍元総理がFFWPU(旧統一教会)系イベントにて堂々と演説! Shinzo Abe spoke at Rally of Hope Think Tank 2022. auf YouTube, 13. September 2021, abgerufen am 13. Juli 2022.</ref> Am 8. Mai 2021 fand eine weitere Rally of Hope-Veranstaltung statt, bei der mehrere US-Politiker Reden hielten: der ehemalige Vizepräsident Mike Pence, der ehemalige Außenminister und CIA-Direktor Mike Pompeo, der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses Newt Gingrich und der ehemalige Verteidigungsminister Mark Esper.<ref>How Abe and Japan became vital to Moon’s Unification Church Trump praises Christian-fascist Unification Church leader at “Rally of Hope” conference, 12 September 2021</ref>
Shinzō Abe wurde am 8. Juli 2022 von einem Gegner der Vereinigungskirche bei einem Attentat getötet. Der Täter gab als Motiv für die Tat Abes Unterstützung für die Vereinigungskirche an. Die Mutter des Attentäters habe demnach der Vereinigungskirche große Summen zukommen lassen und auf diese Weise seine Familie ruiniert.<ref>Martin Fritz: Ermittler. Abe-Attentäter handelte aus Hass auf Moon-Bewegung. Der Standard, 12. Juli 2022 (Online).</ref>
Drei Monate nach dem Attentat ordnete der japanische Ministerpräsident Kishida Ermittlungen gegen die Organisation an<ref>Japans Regierung untersucht Vorgehen der Moon-Sekte. In: faz.net. 17. Oktober 2022, abgerufen am 28. März 2025.</ref> und forderte im Oktober 2023, ihr den Status als religiöse Gemeinschaft abzuerkennen.<ref>Tim Kelly: Japan to ask court to strip Unification Church of religious. In: reuters.com. 12. Oktober 2023, abgerufen am 28. März 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im März 2025 ordnete ein Gericht die Auflösung der Kirche an und entzog ihr den Status als religiöse Gemeinschaft sowie Steuerprivilegien.<ref>Gericht ordnet Auflösung der Mun-Sekte an. 26. März 2025, abgerufen am 28. März 2025.</ref> Der Organisation werden „manipulative Geldbeschaffungs- und Rekrutierungstaktiken“ vorgeworfen, die unter ihren Anhängern „Angst schürten und ihren Familien schadeten“. Die Organisation bestreitet die Vorwürfe und will sich gegen das Urteil wehren.<ref>Associated Press: Tokyo court orders dissolution of ‘Moonies’ Unification church. In: guardian.com. 25. März 2025, abgerufen am 28. März 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Irene Wang, Rocky Swift: Head of Japan's Unification Church vows to fight loss of legal protections. In: reuters.com. 27. März 2025, abgerufen am 28. März 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Wie japanische Medien berichteten, hat ein japanisches Gericht die Anordnung zur Auflösung der Vereinigungskirche (offiziell: Familienföderation für Weltfrieden und Vereinigung) bestätigt. Damit folgte das Gericht dem Antrag der Regierung, der mit systematischen Rechtsverletzungen und finanzieller Ausbeutung von Mitgliedern begründet wurde.<ref>Shaimaa Khali, Koh Ewe: Japanese court upholds order to dissolve Unification Church. In: BBC News. 3. März 2026, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 4. März 2026; abgerufen am 6. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Urteil im Fall Shinzō Abe
Rund dreieinhalb Jahre nach dem Attentat auf den ehemaligen japanischen Premierminister Shinzō Abe wurde der Angeklagte zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.
In der Urteilsbegründung bzw. im Verfahrensverlauf standen sich folgende Positionen gegenüber:
- Bewertung der Tat: Die Staatsanwaltschaft stufte das Attentat als „außergewöhnlich bösartig“ und „beispiellos in der japanischen Nachkriegsgeschichte“ ein.
- Hintergründe des Täters: Während die Verteidigung auf die persönlichen Lebensumstände des Angeklagten verwies, maß das Gericht diesen Faktoren nur einen geringen Einfluss auf die strafrechtliche Bewertung der Tat bei.<ref>Mord an Japans Ex-Premier Abe: Täter zu lebenslanger Haft verurteilt. In: Der Standaed. 21. Januar 2026, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 22. Januar 2026; abgerufen am 25. Januar 2026.</ref>
Nach dem Tod von Moon
Nach dem Tod von Sun Myung Moon gab es Kontroversen über sein Erbe. Moons Sohn Kook Jin Moon wurde schon kurz nach dem Ableben seines Vaters im September 2012 von dessen Witwe Hak Ja Han von allen führenden Posten entlassen, die faktisch die Nachfolge Moons antrat.<ref name=EZW2>Vereinigungskirche (Moon-Bewegung) Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen.</ref> Ein anderer Sohn, der ursprünglich als Nachfolger Moons vorgesehene Hyung Jin Moon, gründete 2013 eine eigene Bewegung (World Peace and Unification Sanctuary), die den Anspruch erhebt, die ursprüngliche Lehre der Vereinigungskirche zu vertreten.<ref>Webseite der World Peace and Unification Sanctuary, abgerufen am 11. Juli 2024.</ref> Inzwischen wird Hak-Ja Moon als Hure Babylon bezeichnet.<ref>Cheon Il Guk State of the Union Address 2022, World Peace and Unification Sanctuary, abgerufen am 11. Juli 2024.</ref>
Lehre
Die Lehre der Vereinigungskirche stammt von dem Gründer Sun Myung Moon. Moons Offenbarung wird als der Schlüssel für das Verständnis der christlichen Bibel und als Anleitung zur Wiederherstellung der Welt verstanden. Die Hauptwerke über die Lehre der Vereinigungskirche sind Das Göttliche Prinzip und Cheon Seong Gyeong (Heilige Schrift des Himmels).
Gottesbild
Es gibt einen einzigen Gott, der absolut, unveränderlich, allmächtig und ewig ist. Er ist unsichtbar, übersteigt Raum und Zeit und ist Schöpfer des Universums. Als Geschöpf Gottes ist die Welt der physische Ausdruck seines Wesens. Die Eigenschaften, die in Gott vereint sind, werden somit in der Schöpfung reflektiert, zu denen polare Wesenszüge (Yin und Yang) zählen, wie zum Beispiel Maskulinität und Femininität.
Gott ist die Quelle der Wahrheit, Schönheit, des Guten und der Liebe. Gott steht nicht in der Position eines Richters, sondern in der Position von Eltern der Menschheit. Als Eltern hat er sowohl den väterlichen Aspekt der Rechtschaffenheit als auch den mütterlichen Aspekt der Vergebung und Fürsorge in sich.
Ursprüngliches Schöpfungsideal
Gott schuf das Universum, um in Beziehungen zu Objektpartnern Liebe und Freude erfahren zu können. Menschen sind die wichtigsten Wesen der Schöpfung, da sie Gottes Kinder sind, die die Fähigkeit besitzen, selbst Schöpfer zu sein. Des Weiteren können die Menschen auf der Grundlage ihrer von Gott gegebenen Freiheit ihre Charakterentwicklung selbst bestimmen, welche im Zusammenhang damit steht, in welchem Maße sie Gottes Liebe empfangen und erwidern können.
Gott, als Eltern der Menschen, gab dem Menschen den Lebenszweck, Freude zu erfahren, was sich ausdrückt in den ‚Drei Großen Segen‘ (Vorlage:Bibel/Link): Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, […] und herrscht über die Fische und Meere, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen.
- „Seid fruchtbar“ steht für die Erlangung geistiger und körperlicher Reife, also für Harmonie zwischen Geist und Körper, ausgerichtet auf Gott.
- „Vermehrt euch“ bedeutet die Errichtung einer idealen Familie mit Gott im Mittelpunkt.
- „Herrscht“ über alle Lebewesen auf der Erde fordert vom Menschen, eine verantwortungsbewusste Führung über das gesamte Universum zu übernehmen und als Mittler zwischen Gott und der physischen Welt alle Dinge im Einklang mit Gottes Ideal zu gebrauchen, damit sie wiederum ihren Schöpfungszweck erfüllen können.
Gottes Schöpfungsideal ist dann erfüllt, wenn Gott und die Menschheit in einer Beziehung der Liebe stehen und der Mensch die ‚Drei Großen Segen‘ erfüllt hat.
Geistige Welt
Der Mensch wird als Mittler der geistigen und physischen Welt gesehen, da er sowohl ein physisches als auch ein geistiges Selbst besitzt. Das geistige Selbst lebt nach dem Tod des physischen Selbst ewig in der geistigen Welt weiter. Verstorbene Menschen und Engel können mit dem geistigen Selbst von Lebenden interagieren oder es beeinflussen. Engel wurden geschaffen, um den Menschen bei der Erfüllung der ‚Drei Großen Segen‘ zu helfen. Der vollkommene Mensch steht über den dienenden Engeln.
Der Sündenfall
Der Sündenfall der ersten menschlichen Vorfahren Adam und Eva aus der Bibel ist, den Göttlichen Prinzipien zufolge, ein tatsächliches historisches Ereignis. Jedoch werden Elemente der Geschichte, wie zum Beispiel der Baum des Lebens, der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse, die verbotene Frucht und die Schlange, als symbolische Metaphern für einen idealen Mann, eine ideale Frau, sexuelle Liebe und den Erzengel Luzifer interpretiert.
Der Sündenfall setzt sich aus dem geistigen und dem physischen Fall zusammen. Unter dem geistigen Fall versteht man die verbotene sexuelle Beziehung zwischen dem Erzengel Luzifer und der noch unreifen Eva. Diese Beziehung war entgegen dem ursprünglich vorgesehenen Verhältnis zwischen Mensch und Engel.
Mit dem physischen Fall wird die darauffolgende sexuelle Vereinigung von Eva mit Adam beschrieben, welche zu diesem Zeitpunkt noch nicht von Gott gesegnet war. Dabei übertrug Eva Elemente aus der Beziehung mit Luzifer an Adam, und über ihre Kinder wurden sie an die gesamte Menschheit weitervererbt. Aus diesem Grund steht nicht Gott im Mittelpunkt der menschlichen Gesellschaft, sondern Luzifer, was dem Ideal Gottes entgegensteht.
Wiederherstellung des ursprünglichen Ideals
Die Lehre der Vereinigungskirche besagt, dass die gesamte menschliche Geschichte seit dem Sündenfall ein andauernder Kampf zwischen den Kräften von Gott und Satan ist, um die ursprünglichen Sünde zu bereinigen und die ursprüngliche Liebe wiederherzustellen. Dieser Prozess ist die treibende Kraft der menschlichen Geschichte, die eine Geschichte der Wiederherstellung und Wiedergutmachung ist. Die Wiederherstellung der satanischen Erblinie in die göttliche Erblinie ist die zentrale Aufgabe des Messias. Der Wechsel der Erblinie wird durch die Teilnahme an der „heiligen Ehesegnung“ erreicht.
Die Geschichte der Religionen ist die Geschichte göttlicher und menschlicher Anstrengung, um das Ideal, das sich in der Verwirklichung der „Drei Großen Segen“ ausdrückt, zu verwirklichen. Im Laufe der Geschichte sind verschiedene bedeutende Persönlichkeiten erschienen, die auf der Seite Gottes oder Satans standen und dem Prozess der Wiederherstellung entweder dienten oder ihm entgegenwirkten.
Der Messias kann die Menschen lediglich von der ursprünglichen Sünde befreien und sie durch seine Lehre führen. Die Verantwortung, persönliche und ererbte Sünden zu bereinigen, trägt jeder Mensch selbst.
Die Mission des Messias und die Rolle Sun Myung Moons
Nach der Lehre der Vereinigungskirche ist der Messias ein Mensch, der ohne ursprüngliche Sünde und aus der göttlichen Natur Gottes geboren wurde. Er ist mit Gott verbunden, jedoch nicht Gott selbst. Der Messias steht in der Position des ersten Menschen Adam. Seine Mission ist es, den Sündenfall wiedergutzumachen und das Schöpfungsideal zu erfüllen. Dafür muss er eine Frau (in der Position Evas) zu geistiger Reife führen und mit ihr eine Familie gründen. Die Vereinigungskirche versteht die Hochzeit des Lammes (Vorlage:Bibel/Link) demnach als buchstäbliche Hochzeit zwischen dem Messias und einer wiederhergestellten Frau.
Jesus war der Messias. Wegen des Unglaubens der Menschen wurde Jesus jedoch gekreuzigt, bevor er die messianische Aufgabe auf der Erde vollenden konnte. Dem Göttlichen Prinzip zufolge war Jesu Kreuzestod weder notwendig noch der Wille Gottes. Jesus hätte während seiner Lebzeiten das Königreich Gottes errichten sollen (Vorlage:Bibel/Link, Vorlage:Bibel/Link). Der Opfertod am Kreuz war dennoch nicht vergebens. Auf dem siegreichen Fundament des Kreuzes konnte Jesus auferstehen und der Menschheit geistige Erlösung bringen.
Der Messias muss wiederkommen, um die Menschheit auch physisch zu erlösen. Sun Myung Moon gilt als dieser zweite Messias (Herr der Wiederkunft). Er hat demnach die Aufgabe, die Mission Jesu zu Ende zu führen. Zusammen mit seiner Frau Hak Ja Han nimmt er die Rolle von Wahren Eltern ein. Durch sie sei zum ersten Mal Gottes Ideal eines vollkommenen Elternpaars erfüllt. Dementsprechend bezeichnen Mitglieder der Vereinigungskirche Sun Myung Moon als Wahren Vater, Hak Ja Han als Wahre Mutter und ihre gesamte Familie als Wahre Familie, was der hierarchischen Strukturierung der Gemeinschaft und ihrer unkritischen Obrigkeitshörigkeit zuträglich ist. Moon rief mehrfach neue weltgeschichtliche Epochen aus und berechnete mehrfach genaue Zeitpunkte einer angeblichen Endzeit. Durch die Wahren Eltern soll die gesamte Menschheit an die Erblinie Gottes angepfropft werden. Die Wahren Eltern sollen allen Menschen den Weg zeigen, selbst Wahre Eltern zu werden und wahre Familien zu gründen.
Symbol
In der Mitte des Symbols ist ein Kreis, welcher für Gott, Wahrheit, Leben und Licht steht. Von diesem Kreis gehen für jeweils eins dieser Elemente vier große dreiecksförmige Strahlen aus sowie weitere acht kleinere. Insgesamt ergibt dies zwölf Strahlen, die an die Sonne und deren Strahlen erinnern sollen. Diese sollen die Zwölf als biblisch wichtige Zahl aufgreifen: Die zwölf Strahlen korrespondieren zu den in der Apokalypse genannten zwölf Perlentoren, die alle in die heilige Stadt Jerusalem führen oder sich beispielsweise auch auf die zwölf Jünger Jesu beziehen. Die vier, bzw. zwölf „Sonnenstrahlen“ stehen darüber hinaus für die Himmelsrichtungen und dafür, dass die Wahrheit auf zwölf Wegen verbreitet werden kann. Sie können auch die zwölf Typen des menschlichen Charakters darstellen.
Das Quadrat in der Mitte symbolisiert mit seinen vier Ecken die Vier-Positionen-Grundstruktur, also die Einheit von Ursprung, dessen Teilung und deren Einheit (Beispiel: Gott als Ursprung, Mann und Frau als Ausdruck seines Wesens auf zwei Objekte aufgeteilt, Kind als Einheit von Mann und Frau).
Der äußere Kreisring repräsentiert das Prinzip des Gebens und Empfangens, das Grundlage aller Existenz und somit des Kosmos ist.
Der Gründer Sun Myung Moon lehrt, dass die Struktur des Himmelreiches nach dem Muster dieses Symbols errichtet werden wird, also durch zwölf Stämme und zwölf Charaktertypen, durch die Errichtung der Vier-Positionen-Grundstruktur, ausgerichtet auf Gott in harmonischem Geben und Empfangen.
Entgegen oftmaliger Behauptungen stellt das Symbol in keiner Weise eine Hommage an die Flagge der japanischen Marine dar.
Politische Einflussnahme
In Verfolgung ihrer antikommunistischen Ziele bemühte sich die Vereinigungskirche seit den 1970er Jahren verstärkt um Einflussnahme auf die Politik.
Zur Einflussnahme auf die Öffentlichkeit benutzt die Vereinigungskirche verschiedene Unterorganisationen. Die CAUSA propagierte insbesondere in den 1980er Jahren die Philosophie der Vereinigungskirche, den „Gottismus“. Ihr Vorsitzender war in den 1980er Jahren Bo Hee Park. In Deutschland führte die CAUSA Deutschland e. V. verschiedene Tagungen durch. Die Vorträge wurden regelmäßig in der CAUSA-Zeitschrift Forum für geistige Führung veröffentlicht. Referenten waren unter anderem Günter Rohrmoser, Helmut Bärwald, Konrad Löw und Klaus Hornung.
Gezielt an Akademiker wendet sich die International Conference of the Unity of Sciences (ICUS), eine Unterorganisation der gleichfalls der Kirche unterstehenden International Cultural Federation mit Sitz in New York. Die ICUS hält jährlich Kongresse ab, auf denen die teilnehmenden Wissenschaftler 1000 $ für jede Rede und 500 $ für jeden eingereichte Artikel erhalten sowie noch einmal 500 $ für dessen Veröffentlichung. Senior Consultants erhalten 5000 $ im Jahr. An den Konferenzen nehmen namhafte Wissenschaftler, auch Nobelpreisträger, teil. Der Soziologe Irving Horowitz nannte sie eine „brillante Marketingstrategie“. Eine weitere Unterorganisation, die World Media Association, organisiert Reisen für Journalisten, speziell von kleineren und mittleren US-Tageszeitungen. „Ich dachte, das sei die einzige Möglichkeit für mich, nach Asien zu kommen“, sagte ein Journalist der Palm Beach Post nach der Teilnahme an einer solchen Reise.<ref name="wp-cit">Washington Post, cit.</ref> Eine andere Unterorganisation Freedom Leadership Foundation finanzierte 1984 die Reise eines Senatsausschusses nach Zentralamerika.<ref>Michael Isikoff: Church Spends Millions On Its Image. Washington Post, 17. September 1984, S. A01 (online).</ref> Die Aktivitäten des National Conservative Political Action Committee wurden im selben Jahr mit 500.000 Dollar unterstützt. Ferner gründete die Kirche ein Washington Institute for Values in Public Policy, das konservativ orientierte Forschung an verschiedenen Universitäten, unter anderem in Stanford, unterstützt. Zur Finanzierung ihrer Aktivitäten transferierte die Kirche von 1975 bis 1984 800 Mio. Dollar aus Japan in die USA; den Erlös aus Spenden- und Verkaufsaktionen in den USA gab sie mit 20 Mio. Dollar an. Eine wichtige Einnahmequelle ist der Verkauf von Blumen und Schmuck durch Anhänger, die sich verpflichten, mindestens 100 Dollar pro Tag einzunehmen. Spendensammlern ist ausdrücklich erlaubt, die Zugehörigkeit zur Kirche und den Verwendungszweck der Spenden zu leugnen (heavenly deception).<ref>Robert J. Lifton: Cult Formation. In: Cultic Studies Journal, 1991, Bd. 8, Nr. 1, ISSN 0748-6499, S. 1–6 (online).</ref><ref>Alan E. Aldridge: Religion in the contemporary world. Wiley-Blackwell, 2000, S. 20.</ref><ref>Linda Woodhead: Religions in Modern World. Routledge, 2004, S. 330.</ref><ref>Florence Whiteman Kaslow, Marvin B. Sussman: Cults and the family. Haworth Press, 1982, S. 34.</ref><ref>J. Isamu Yamamoto, E. Calvin Beisner, Robert M. Bowman Jr., Alan W. Gomes: Unification Church. Zondervan, 1995, S. 13.</ref> Bo Hee Park definierte den Zweck des politischen Engagements 1984 wie folgt:
- „Wir wollen die Welt erwecken und erreichen, dass dieses gottlose, totalitäre System verschwindet […] Es ist ein totaler Krieg. Hauptsächlich ein Krieg der Ideen, der Köpfe, des menschlichen Verstandes. Dort wird die Schlacht geschlagen. In diesem Krieg wird alles mobilisiert: politische, soziale, ökonomische und propagandistische Mittel […] Die Medienorganisation, die wir schaffen, soll als Instrument unserer Sache eingesetzt werden, als Instrument Gottes.“<ref name="wp-cit" />
Seit 1991 missioniert die Vereinigungskirche verstärkt in den Ländern der ehemaligen UdSSR.
Kritik an der Vereinigungskirche
Politische Kritik
Die baden-württembergische Landesregierung bezeichnete das Auftreten der „Vereinigungskirche“ 1995 als „exemplarisch für die Instrumentalisierung der Religion für die Durchsetzung politischer Ziele“.<ref name=":0">Landtag von Baden-Württemberg, Drucksache 11/5501 vom 17. Februar 1995, S. 8 (online; PDF; 494 kB).</ref>
Verhältnis zu anderen Kirchen
Die Vereinigungskirche wurde lange als Sekte bzw. destruktiver Kult betrachtet, das wurde auch von anderen Kirchen so gesehen. Durch einen „Entradikalisierungsprozess“ der Organisation hat sich dies inzwischen relativiert.<ref name=EZW1>Siehe die Beschreibung der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen.</ref>
Mit zum schlechten Image der Organisation trug auch das Handeln mittels Unterorganisationen bei, deren Beziehungen zur Vereinigungskirche nicht sofort ersichtlich war, wie die Studentenorganisation CARP, UPF, die Internationale religiöse Stiftung („Internationonal Religious Foundation“ – IRF) oder die „Interreligious and International Federation for World Peace“ (IIFWP).<ref name=EZW1/> Kritiker werfen der Bewegung auch „eine nach dem Führerprinzip organisierte Kader-Organisation mit Absolutheitsanspruch, die ein theokratisches Staatsmodell mit einer ‚heiligen Elite‘ propagiere“ vor.<ref name=":0" />
Verbreitung und Mitgliedschaft
In den Anfangszeiten der Bewegung lebten die Mitglieder häufig in Wohngemeinschaften und missionierten auf der Straße („Witnessing“). Zur Finanzierung der Zentren und der Missionsarbeiten gingen Mitglieder von Tür zu Tür und verkauften Pflanzen, Schmuck oder andere Gegenstände („Fundraising“). Die meisten Mitglieder waren Vollzeit mit der Mission beschäftigt und nur wenige übten einen Beruf aus.
In den 1980er Jahren gründeten viele der Mitglieder, die als Jugendliche der Bewegung beigetreten waren, Familien. Sie zogen mit ihren Familien in eigene Wohnungen oder Häuser, sodass die Wohngemeinschaften aufgelöst wurden. In den meisten Familien sind einer oder beide Elternteile berufstätig.<ref>Gerhard Besier, Erwin K. Scheuch (Hrsg.): Die neuen Inquisitoren – Religionsfreiheit und Glaubensneid, Teil II. Verlag A. Fromm, Osnabrück, S. 346–348.</ref>
In Deutschland hatte die Vereinigungskirche im Jahr 2007 nach eigenen Angaben 1.300 Mitglieder und etwa 10.000 Sympathisanten,<ref>Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Mai 2007, S. 9.</ref> weltweit rechnet man mit 200.000 Mitgliedern. Nach Angaben der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands beträgt die Mitgliedschaft in Deutschland „mindestens 200“ Personen (inkl. Kinder: 350) plus etwa 1000 Sympathisanten.<ref>VELKD (Hrsg.): Handbuch Religiöse Gemeinschaften und Weltanschauungen, 6. Aufl. 2006, S. 469.</ref> Etwa 80 % der Mitglieder sind verheiratet und haben Kinder.<ref>Gerhard Besier, Erwin K. Scheuch (Hrsg.): Die neuen Inquisitoren – Religionsfreiheit und Glaubensneid, Teil II. Verlag A. Fromm, Osnabrück, S. 347.</ref>
Nach Angaben der Statistik Austria haben bei der Volkszählung 2001 in Österreich 297 Personen angegeben, zur Vereinigungskirche zu gehören.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bevölkerung 2001 nach Religionsbekenntnis und Staatsangehörigkeit ( vom 30. April 2009 im Internet Archive)</ref> Die Gemeinschaft erhielt hier 2015 den Status einer staatlich eingetragenen Bekenntnisgemeinschaft.<ref name=":1" /> Die Vereinigungskirche in Österreich wirkt im Religionsbeirat der Oberösterreichischen Landesregierung mit.
Bräuche
Durch zahlreiche Bräuche sollen unter den Mitgliedern das Zusammengehörigkeitsgefühl und die innere Ausrichtung auf Gott und Sun Myung Moon verstärkt werden. In den regionalen Gemeindezentren werden sonntags Gottesdienste abgehalten, deren Ablauf dem der evangelischen Kirchen ähnelt. So werden gemeinsam Kirchenlieder gesungen, es wird eine Predigt gehalten und eine Kollekte durchgeführt. Für die Kinder der Gemeindemitglieder werden Kindergottesdienste durchgeführt.
Die Vereinigungskirche hat eigene Feiertage. Das Datum der Feiertage richtet sich meistens nach dem chinesischen Kalender. Die vier wichtigsten Feiertage sind:
- Wahrer Gottestag (1. Januar)
- Wahrer Elterntag (1. März)
- Tag aller wahren Dinge (1. Mai)
- Wahrer Kindertag (1. Oktober)
Außerdem feiert die Bewegung:
- Tag des Sieges der Liebe (2. Januar)
- Chil Il Jeol: Tag der Deklaration von Gottes ewigem Segen (1. Juli)
- Chil Pal Jeol: Deklaration des Reiches des kosmischen Sabbats für Eltern von Himmel und Erde (1. August)
- Gründungstag der Nation des vereinigten Kosmos und Gründungstag der Vereinigungsbewegung (3. Oktober nach dem Mondkalender)
An Sonn- und Feiertagen sowie am Monatsersten wird üblicherweise im Familienkreise das sogenannte Familiengelöbnis<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Familiengelöbnis ( vom 26. Februar 2009 im Internet Archive)</ref><ref>siehe auch Tradition und Lebensart in der Vereinigungskirche</ref> gesprochen. Hierbei versammelt sich die Familie um fünf Uhr morgens am Hausaltar. Der Ablauf wird eingeleitet durch eine dreifache tiefe Verneigung vor den Bildern Sun Myung Moons sowie seiner Frau bzw. Familie. Im Anschluss daran wird gemeinsam das Familiengelöbnis rezitiert, an das häufig Gebete angeschlossen werden.
Es ist eine Tradition, jeden Morgen vor Beginn des üblichen Tagesablaufs Hoon Dok Hae abzuhalten. Dabei werden gemeinsam in einer Gruppe frühere Ansprachen von Sun Myung Moon oder Heilige Schriften gelesen. Dies dient dazu, sich täglich mit dem Wort Gottes zu befassen und es sich in Erinnerung zu rufen.
Netzwerk der Vereinigungskirche
Der Vereinigungskirche nahestehende Organisationen<ref>Vereinigungskirche (Moon-Bewegung). In: Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen EZW. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 1. Dezember 2023; abgerufen am 28. April 2024: „Mit einem weitverzweigten Netzwerk politischer, kultureller, religiöser und interreligiöser Organisationen wurde ein sympathisierendes Umfeld mit offeneren Formen des Engagements geschaffen, das mit der hierarchisch strukturierten VK im Mittelpunkt die Vereinigungsbewegung bildet.“</ref>
- IIFWP – Inter religious and International Federation for World Peace<ref>Alex Covone: Inter Religious Foundation for World Peace. History. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 6. Dezember 2023; abgerufen am 28. April 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „The Inter Religious Federation for World Peace (IRFWP) was founded in 1991 by Sun Myung Moon of Korea to bring under a single administration 14 years of global efforts for peace through interreligious dialogue, in a far reaching array of organizations, projects, and initiatives.“</ref>
- WANGO – World Association of NGOs<ref>History of WANGO: Select Historical Milestones. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 11. April 2024; abgerufen am 28. April 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- FFWPU – Familienföderation für Weltfrieden in Österreich<ref>Familienföderation für Weltfrieden in Österreich. Weltfriede durch liebende Familien. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 1. April 2024; abgerufen am 28. April 2024.</ref>
- WTF – The Washington Times Foundation<ref>The Washington Times Foundation. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 24. April 2024; abgerufen am 28. April 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- ICUS – International Conference on the Unity of the Science<ref>International Conference on the Unity of the Sciences. In: ICUS. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 5. April 2024; abgerufen am 28. April 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „While ignoring spirituality and being satisfied with reason and intellectual accomplishment, people have not been concerned about solving the urgent problems connected with their own ultimate purpose.—The Reverend Sun Myung Moon, ICUS XVI, Atlanta, Georgia“</ref>
- WUF – World University Federation<ref>World University Federation. 21. Februar 1996, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Januar 2022; abgerufen am 28. April 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „Educate young people of all nations as world citizens; promote education centred on harmony, purity, peace and unity; promote the establishment of an international network of higher learning institutions.“</ref>
- IRFWP – Inter-religious Federation for World Peace<ref>Inter Religious Federation for World Peace. Inter Religious Federation for World Peace, and the Founding of Twelve Gates Foundation. 31. Mai 2020, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 9. Dezember 2023; abgerufen am 28. April 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- WMA – World Media Association<ref>World Media Association (WMA). UIA - GLOBAL CIVIL SOCIETY DATABASE. 1978, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 7. Dezember 2023; abgerufen am 28. April 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- WCARP – World Collegiate Association for the Research of the Principle<ref>The Collegiate Association for the Research of Principles. Who we are, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 3. August 2022; abgerufen am 28. April 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- YFWP – Youth Federation for World Peace<ref>UN International Youth Day Celebrated in Nepal. A global Network of Peace Builders. In: Universal Peace Federation UPF. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 28. April 2024; abgerufen am 28. April 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „The Youth Federation for World Peace is a global alliance of young leaders and youth-related organizations dedicated to building a world of peace. It envisions a world of freedom, harmony, cooperation and prosperity for all.“</ref>
- PWPA – Professors World Peace Academy<ref>PWPA International - Professors World Peace Academy. A glonbal academic Community in the pursuit of World Peace. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. April 2024; abgerufen am 28. April 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- World Tong-Il Moo-Do Federation<ref>World Tong-il Moo-Do Federation. The Unified Martial Arts. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 9. September 2023; abgerufen am 28. April 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „Martial Arts Federation for World Peace was founded by Dr. Sun Myung Moon in March, 1997 in Washington D.C. in USA. Its 1st president was Duk Sun Myung, the 2nd president Dr. Joon Ho Seuk, and 3rd president is Pyun Rae Moon.“</ref>
Literatur
- San Myung Mun: Die Göttlichen Prinzipien (Wôl Li Wôn Bon, koreanisch ca. 1955, deutsch erstmals 1972). Frankfurt, Gesellschaft zur Vereinigung des Weltchristentums 1973
- Rainer Jetterv: Getarnter Rechtsradikalismus oder was will die C.A.R.P.? DVK-Verlag GmbH, 1978, ISBN 3-88107-018-4.
- Oliver von Hammerstein: Ich war ein Munie. München, Deutscher Taschenbuch-Verlag 1980, ISBN 978-3-423-01588-2
- Bert Hardin, Wolfgang Kuner: Entstehung und Entwicklung der Vereinigungskirche in der Bundesrepublik Deutschland. In: Günter Kehrer (Hrsg.): Das Entstehen einer neuen Religion – Das Beispiel der Vereinigungskirche. Kösel, München 1981, ISBN 3-466-25016-1.
- Kurt E. Becker und Hans-Peter Schreiner (Hrsg.): Neue Religionen – Heil oder Unheil? Beispiel: Vereinigungskirche Sun Myung Moons, Reihe „Frankenthaler Gespräche“, PVA, Landau/Pfalz 1982, ISBN 3-87629-022-8
- Massimo Introvigne: The Unification Church. Signature Books, Salt Lake City, Utah 2000, ISBN 1-56085-145-7.
- Reinhart Hummel: Vereinigungskirche – Die Moon-Sekte im Wandel. In: Werner Thiede (Hrsg.): Reihe Apologetische Themen. Band 9. Friedrich Bahn Verlag, Neukirchen-Vluyn 1998, ISBN 3-7615-4979-2.
- Eileen Barker: The Making of a Moonie: Choice Or Brainwashing? Gregg Revivals, 1993, ISBN 0-7512-0136-7.
- Hans G. Hödl, Lukas Pokorny: Religion in Austria. Praesens Verlag, Wien 2020, ISBN 978-3-7069-1101-6.
- Yuta Yagishita: Die Macht der Moonisten. Was die Ermordung von Shinzō Abe mit der Moon-Sekte zu tun hat. In: Le Monde diplomatique. Deutsche Ausgabe. Ausgabe: 08.06.2022. taz Entwicklungs GmbH & Co. Medien KG, Juni 2023, ISSN 1434-2561 (monde-diplomatique.de).
Weblinks
- Webseite der Familienföderation für Weltfrieden und Vereinigung in Deutschland: Willkommen! In: familyfed.de. 1. August 2023, abgerufen am 26. Januar 2021.
- Website der Vereinigungskirche in Österreich: Die Vereinigungskirche in Österreich (VKÖ). In: vereinigungskirche.at. 15. Juni 2015, abgerufen am 26. Januar 2021.
- Website der Vereinigungskirche in USA: Family Federation for World Peace and Unification USA. In: FFWPU, USA. 200, abgerufen am 26. Januar 2021.
- Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen – Lexikon – Vereinigungskirche (Moon-Bewegung). Überblick und Einschätzung der Gemeinschaft durch die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen. In: EZW. Abgerufen am 26. Januar 2021.
- Relinfo: Mun-Bewegung. Die evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zürich zur Vereinigungskirche. In: relinfo.ch. Abgerufen am 26. Januar 2021.
- AGPF: Literaturliste. In: AGPF – Aktion für Geistige und Psychische Freiheit Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e. V. Abgerufen am 26. Januar 2021.
- Anja Gollan: Verfassungsbeschwerde der deutschen Vereinigungskirche gegen das Einreiseverbot für San Myung Mun. In: Sekteninfo NRW. 13. März 2007, abgerufen am 23. Januar 2021.
- Religionsbeirat der Landesregierung in Oberösterreich
Einzelnachweise
<references responsive> <ref name="Hummel_S17"> Hummel: Vereinigungskirche – Die Moon-Sekte im Wandel. 1998, S. 17. </ref> <ref name="Hummel_S20"> Hummel: Vereinigungskirche – Die Moon-Sekte im Wandel. 1998, S. 20. </ref> <ref name="Hummel_S21"> Hummel: Vereinigungskirche – Die Moon-Sekte im Wandel. 1998, S. 21. </ref> <ref name="Hummel_S22"> Hummel: Vereinigungskirche – Die Moon-Sekte im Wandel. 1998, S. 22. </ref> <ref name="Hummel_S26"> Hummel: Vereinigungskirche – Die Moon-Sekte im Wandel. 1998, S. 26. </ref> </references>