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Voltait

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(Weitergeleitet von Monsmedit)
Voltait
Datei:Voltaite-203801.jpg
Perfekter Voltaitkristall in Oktaederform aus der Rio-Tinto-Mine bei Minas de Riotinto, Huelva, Andalusien, Spanien (Bildbreite 0,8 mm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Vlt<ref name="Warr" />

Andere Namen
  • Monsmedit
  • Pettkoit
Chemische Formel K2Fe2+5Fe3+3Al[SO4]12·18H2O<ref name="StrunzNickel" /><ref name="IMA-Liste" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfate (Selenate usw.) ohne zusätzliche Anionen, mit H2O
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VI/C.08 – Anhang
VI/C.14-050

7.CC.25
29.09.01.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem kubisch
Kristallklasse; Symbol hexakisoktaedrisch; 4/m32/m<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe Fd3c (Nr. 228)Vorlage:Raumgruppe/228<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 27,25 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 16<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,645 (synthetisch); berechnet: 2,663<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit keine
Bruch; Tenazität muschelig, spröde
Farbe grünlichschwarz, schwarz, dunkelolivgrün; hellgrün bis olivgrün im Durchlicht<ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe graugrün
Transparenz undurchsichtig, durchscheinend in dünnen Schichten
Glanz Harzglanz
Kristalloptik
Brechungsindex n 1,593 bis 1,608<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung 0,000 (isotrop)
Optischer Charakter gewöhnlich in Sektoren anomal zweiachsig<ref name="Handbookofmineralogy" />
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten wasserlöslich (bildet saure, zitronengelbe Lösung), säurelöslich<ref name="Handbookofmineralogy" />

Voltait ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfate (und Verwandte)“. Es kristallisiert im kubischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung K2Fe52+Fe33+Al[SO4]12·18H2O<ref name="StrunzNickel" /> und ist damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Kalium-Eisen-Aluminium-Sulfat.

Voltait entwickelt meist oktaedrische oder dodekaedrische Kristalle und Kombinationen bis etwa zwei Zentimetern Größe<ref name="Handbookofmineralogy" />, aber auch körnige bis massige Mineral-Aggregate und Ausblühungen von dunkelgrüner bis schwarzer Farbe bei graugrüner Strichfarbe.

Das Mineral ist gewöhnlich undurchsichtig und nur in dünnen Schichten grün durchscheinend. Die spröden Kristalle brechen muschelig wie Glas und weisen auf ihren Flächen einen harzähnlichen Glanz auf. Mit einer Mohshärte von 3 gehört Voltait ähnlich wie das Referenzmineral Calcit zu den mittelharten Mineralen, die sich mit einer Kupfermünze ritzen lassen.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Voltait an den Fumarolen der Solfatara bei Pozzuoli in der italienischen Region Kampanien.

Eine erste Erwähnung des Minerals stammt von Scipione Breislak, der es 1792 in einem „Essai minerologique sur la solfatare de Puozzole“ beschreibt. Eindeutig analysiert wurde Voltait aber erst 1841 durch Arcangelo Scacchi, der das Mineral nach Alessandro Volta benannte, um dessen Leistung auf den Gebieten der Physik und Elektrizität zu ehren.<ref name="Blaas" />

Ein von A. Paulinyi 1867 beschriebenes und von ihm als Pettkoit bezeichnetes Mineral aus Kremnitz (Kremnica) in der Slowakei wurde nach Prüfung durch Gustav Tschermak als Voltait identifiziert. Die Zweitbezeichnung Pettkoit musste daher zurückgezogen werden.<ref name="Tschermak" />

Ein zunächst für ein Tellur-Analogon des Voltait gehaltenes, dunkelgrünes Mineral aus Baia Sprie (Rumänien) wurde 1965 von Manilici et al. beschrieben und als Monsmedit bezeichnet. Neuere Untersuchungen ergaben allerdings, dass das Mineral mit Voltait identisch ist, woraufhin der Name Monsmedit diskreditiert wurde.<ref name="Johan-et-al" />

Da der Voltait bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Voltait als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.<ref name="IMA-Liste" /> Die ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) lautet „Vlt“.<ref name="Warr" />

Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist bisher nicht bekannt.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" />

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Voltait zur Mineralklasse der „Sulfate, Chromate, Molybdate, Wolframate“ und dort zur Abteilung „Wasserhaltige Sulfate ohne fremde Anionen“, wo er als einziger Vertreter im Anhang zur „Alaun-Gruppe“ mit der Systemnummer VI/C.08 und den Hauptmitgliedern Alaun-(K), Alaun-(Na) und Tschermigit steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VI/C.14-050. Dies entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate, Molybdate und Wolframate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Sulfate, ohne fremde Anionen“, wo Voltait zusammen mit Alaun-(K), Alaun-(Na), Ammoniomagnesiovoltait, Lanmuchangit, Lonecreekit, Pertlikit, Tschermigit und Zincovoltait eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VI/C.14 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Voltait in die Klasse der „Sulfate (Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)“ und dort in die Abteilung „Sulfate (Selenate usw.) ohne zusätzliche Anionen, mit H2O“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen und großen Kationen“ zu finden, wo es zusammen mit Pertlikit und Zincovoltait die „Voltaitgruppe“ mit der Systemnummer 7.CC.25 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Voltait die System- und Mineralnummer 29.09.01.01. Das entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Säuren und Sulfate“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Säuren und Sulfate mit verschiedenen Formeln“ in der „Voltaitgruppe“, in der auch Zincovoltait und Pertlikit eingeordnet sind.

Kristallstruktur

Voltait kristallisiert kubisch in der Raumgruppe Fd3c (Raumgruppen-Nr. 228)Vorlage:Raumgruppe/228 mit dem Gitterparameter a = 27,25 Å sowie 16 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Eigenschaften

In Wasser zersetzt sich Voltait und bildet eine säurehaltige Lösung mit zitronengelbem Rückstand. Er ist ebenfalls löslich in Säuren.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Bildung und Fundorte

Datei:Coquimbite, Voltaite-256100.jpg
Voltait und Coquimbit (ganz links, violett) aus dem Bergwerk Dexter Nr. 7 bei Calf Mesa, San Rafael, Emery County, Utah, USA (Gesamtgröße der Stufe: ca. 2,54 cm × 2,54 cm × 2,54 cm)

Voltait bildet sich sekundär als Umwandlungsprodukt in Pyrit-Lagerstätten, vorwiegend unter ariden Bedingungen, wo er möglicherweise auch aufgrund von Bergbautätigkeiten sekundär entstehen kann. Begleitminerale sind unter anderem Alunogen, Botryogen, Copiapit, Coquimbit, Goldichit, Halotrichit, Hexahydrit, Jarosit, Krausit, Melanterit, Metavoltin, Pickeringit, Rhomboklas und Römerit.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Als seltene Mineralbildung konnte Volait nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher rund 120 Fundorte dokumentiert sind (Stand: 2023).<ref name="MindatAnzahl" /> Neben seiner Typlokalität „Solfatara di Pozzuoli“ trat das Mineral in Italien noch im „Atrio del Cavallo“ zwischen Vesuv und Monte Somma, an mehreren Stellen auf der Insel Vulcano (Sizilien) sowie in den Gruben Campiano (Montieri), Pereta, Cape Calamita (Capoliveri) und Cava del Ferro (Fornovolasco) in der Toskana auf.

In Deutschland fand man Voltait bisher in der Grube Clara bei Oberwolfach (Baden-Württemberg), der Grube „Bayerland“ bei Pfaffenreuth (Leonberg (Oberpfalz)), am Rammelsberg (Niedersachsen), in den nordrhein-westfälischen Gruben bzw. Zechen Anna, Julia und Auguste Victoria, der „Grube Einheit“ bei Elbingerode (Sachsen-Anhalt), den Gruben „Carola“ und „Willi Agatz“ bei Dresden (Sachsen) sowie ehemals auch in den Absetzerhalden bei Ronneburg (Thüringen).

In Österreich konnte Voltait bisher nur in der Steiermark, genauer bei Zangtal im Braunkohlelager von Köflach-Voitsberg und im Steinbruch Spitzmühle bei Leutschach gefunden werden.

Der einzige bisher bekannte Fundort in der Schweiz am Mont Chemin bei Bovernier im Kanton Wallis.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Australien, Belgien, Bolivien, Chile, China, Griechenland, Frankreich, Iran, Japan, Kanada, Mexiko, Polen, Slowakei, Spanien, Tadschikistan, Tschechien, Ungarn, den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und Zypern.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Commons: Voltaite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

<references> <ref name="Blaas"> J. Blaas: Beiträge zur Kenntniss natürlicher wasserhaltiger Doppelsulfate. In: Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 87 (Abteilung 1). Wien 1883, S. 143–155 (rruff.info [PDF; 989 kB; abgerufen am 24. September 2017] Vorgelegt In der Sitzung am 1. Februar 1883). </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> Voltaite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 54 kB; abgerufen am 12. Januar 2023]). </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Voltait beim Mineralienatlas und bei Mindat (englisch), abgerufen am 12. Januar 2023. </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – V. (PDF 156 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 12. Januar 2023. </ref> <ref name="Johan-et-al"> Zdenek Johan, Gheorge Udubasa, Josef Zemann: “Monsmedite”, a discredited potassium thallium sulphate mineral from Baia Sprie and its identity with voltaite: The state of the art. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie - Abhandlungen. Band 186, Nr. 1. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 2009, S. 63–66, doi:10.1127/0077-7757/2009/0137. </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Voltaite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 12. Januar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Localities for Voltaite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 12. Januar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Tschermak"> Gustav Tschermak: Die Verbreitung des Olivin in den Felsarten. In: Verhandlungen der k.k. Geologischen Reichsanstalt. Wien 1867, S. 160 (geologie.ac.at [PDF; 84 kB; abgerufen am 12. Januar 2023]). </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Volaite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 12. Januar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>