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Verhörer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Mondegreen)

Ein Verhörer ist eine auditiv falsch verstandene Formulierung. Im engeren Sinne sind Verhörer auf Homophonien basierende Wortspiele, die sich auf falsch verstandene Formulierungen in Liedtexten oder Gedichten beziehen. Es kann sich dabei um Verballhornungen, Malapropismen oder Eggcorns handeln. Textteile, die von Muttersprachlern in ihrer eigenen Sprache falsch verstanden werden, werden auch als {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) bezeichnet. Der Vorgang, bei dem Wörter einer fremden Sprache als gleich klingende Wörter einer anderen, meist der eigenen Sprache interpretiert werden, wird im Japanischen mit dem Wort Soramimi (japanisch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) bezeichnet.<ref name="so">Sven Stillich: Falsch verstandene Songzeilen: Wer nicht hören will, muss kichern. In: Der Spiegel. 17. Dezember 2009 (spiegel.de [abgerufen am 7. Februar 2022]).</ref>

„Mondegreens“ im Englischen

Die amerikanische Autorin Sylvia Wright prägte den englischen Ausdruck Mondegreen und verwendete ihn erstmals 1954 in einem Artikel in der Zeitschrift Harper’s Magazine. Sie hatte als Kind die alte schottische Ballade {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) gehört, in der ihrer Meinung nach die Zeile vorkam:

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(„Sie haben den Earl of Moray erschlagen / Und Lady Mondegreen.“)

Später erfuhr sie, dass die Zeilen in Wahrheit lauteten:

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(„Sie haben den Earl of Moray erschlagen / Und legten ihn aufs Gras.“)

Historische Mondegreens der englischen Sprache, die sich durch Reanalyse lexikalisierten, sind beispielsweise an ewta newt, an ekename → a nickname, a naddre → an adder, a naranjan orange oder sam-blindsand blind.<ref>William Cowan, Jaromira Rakus̆an: Source Book for Linguistics. 3. überarbeitete Auflage. John Benjamins Publishing Company, Amsterdam, Philadelphia 1998, ISBN 1-55619-516-8, S. 179.</ref> Im Spanischen führte ein ähnlicher Vorgang zur Namensform Diego für Jakob.

Der Name des australischen Verlags Lonely Planet ist ebenfalls auf einen Verhörer zurückzuführen. Der Autor Tony Wheeler hörte den Song Space Captain von Joe Cocker und Leon Russell in dem Film Mad Dogs & Englishmen und verstand in der Textpassage „once while travelling across the sky this lovely planet caught my eye“ statt lovely planet die Worte lonely planet.

Deutsche Verhörer

Axel Hacke und Michael Sowa stellten 2004 mit ihrem Büchlein Der weiße Neger Wumbaba – Das kleine Handbuch des Verhörens (als Verhörer von „der weiße Nebel wunderbar“ aus dem Lied Der Mond ist aufgegangen) vor allem deutsche Verhörer-Beispiele vor. Nach einigen Kolumnen in der Süddeutschen Zeitung erhielt Hacke immer mehr Zuschriften mit Verhörern, die zu dem Buch führten. Er kam zu dem Schluss, dass „kaum ein Mensch je einen Liedtext richtig“ verstehe und diese wohl überhaupt nur dazu da seien, „den Menschen Material zu liefern, damit ihre Phantasie wirken kann“. Mittlerweile gibt es die Folgebände Der weiße Neger Wumbaba kehrt zurück (2007), Wumbabas Vermächtnis (2009) und Von Kanada bis Wumbaba (2010).

Im Jahr 2005 erschien das Buch Von Eisbärsalat bis Knöchelverzeichnis. Die besten Verhörer der deutschen Sprache des Wiener Autors Roman Kellner. Neben vor allem österreichischen Verhörern findet sich darin auch ein Kapitel über die psycholinguistischen Hintergründe für das Verhören. 2012 erschien das Buch Luftabong & Popapier, in dem die Kinderbuchautorin Charlotte Habersack Verhörer von Kindern gesammelt hat.

Seit 2007 laufen in vielen Radioprogrammen Programmecken, in denen unter verschiedenem Namen regelmäßig von Hörern „gemeldete“ Verhörer gesendet werden. Dabei handelt es sich um deutsche Textpassagen, die in hauptsächlich englischen Stücken gehört werden.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Verhörhämmer (Memento vom 20. November 2010 im Internet Archive) bei Bayern 3</ref>

Beispiele hierfür sind „Agathe Bauer“<ref>Agathe-Bauer-Songs bei Hitradio RTL Sachsen</ref> (statt „I’ve got the power“ aus dem Song The Power von SNAP!) und „Anneliese Braun“<ref>Anneliese Braun / Agathe Bauer Songs. Abgerufen am 7. Februar 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> (statt „All the leaves are brown“ aus California Dreamin’ von The Mamas and the Papas). Aus der italienischen Textzeile „Mi manca da spezzare“ im Lied Laura non c’è von Nek wurde „Niemand kann das bezahlen“.<ref name="so" />

Weblinks

Wiktionary: Verhörer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Kiss this Guy, ein englischsprachiges Archiv von falsch verstandenen Liedtexten (englisch)
  • Am I right, ähnlich wie oben (englisch)

Literatur

  • Axel Hacke: Der weiße Neger Wumbaba I–III: Alle Handbücher des Verhörens. Illustriert von Michael Sowa. Piper, München/Zürich 2011, ISBN 978-3-492-27401-2.
  • Anna Zett: I’ve Got The Power, Agathe Bauer. In: Anna Zett: Artificial Gut Feeling. 2. Aufl. Divided Publishing, Brüssel 2022, ISBN 978-1-9164250-3-3, S. 19–23.

Einzelnachweise

<references />