Mogánit
| Mogánit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
1999-035<ref name="IMA-Liste" /> |
| IMA-Symbol |
Mog<ref name="Warr" /> |
| Andere Namen |
|
| Chemische Formel |
|
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Oxide und Hydroxide |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
IV/D.01-035 4.DA.20 75.01.04.02 |
| Ähnliche Minerale | mikrokristalliner Quarz (Chalcedon) |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | monoklin |
| Kristallklasse; Symbol | monoklin-prismatisch; 2/m<ref name="Webmineral" /> |
| Raumgruppe | I2/a (Nr. 15, Stellung 7)<ref name="StrunzNickel" /> |
| Gitterparameter | a = 8,76 Å; b = 4,88 Å; c = 10,71 Å β = 90,1°<ref name="StrunzNickel" /> |
| Formeleinheiten | Z = 12<ref name="StrunzNickel" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 6 bis 6,5 |
| Dichte (g/cm3) | 2,52 bis 2,58<ref name="AM-70" /> |
| Spaltbarkeit | nicht definiert |
| Bruch; Tenazität | nicht definiert |
| Farbe | farblos, weiß, grau, bräunlichweiß bis graubraun<ref name="Lapis" /> |
| Strichfarbe | weiß |
| Transparenz | durchsichtig |
| Glanz | Glasglanz |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα = 1,524 nγ 1,531<ref name="Mindat" /> |
| Doppelbrechung | δ 0,007<ref name="Mindat" /> |
| Optischer Charakter | zweiachsig |
Mogánit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Familie der Kieselsäuren innerhalb der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der chemischen Zusammensetzung SiO2·nH2O<ref name="IMA-Liste" /> und damit chemisch gesehen Siliciumdioxid mit einem variablen Anteil an Kristallwasser (H2O). Die mikrokristallinen Aggregate enthalten zwei bis drei Gewichtsprozent H2O.<ref name="AM-70" /><ref name="AM-78b" />
Mogánit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem, allerdings wurden mit bloßem Auge sichtbare nadelige bis haarförmige Kristalle von Mogánit bislang nur aus Achaten eines Vorkommens in der Mongolei beschrieben.<ref name="AM-78a" /> Ansonsten bildet Mogánit faserige Aggregate submikroskopischer leistenförmiger Kriställchen.
Etymologie und Geschichte
Entdeckt wurde Mogánit erstmals 1976 von O. W. Flörke, B. Jones, und Hans-Ulrich Schmincke<ref name="Flörke-1976" /> in Vulkaniten (rhyolitische Ignimbrite) auf Gran Canaria, Spanien. Die Erstbeschreibung erfolgte durch Flörke und U. Giese, die 1984 im Fachmagazin Neues Jahrbuch der Mineralogie, Abhandlungen veröffentlicht wurde. Die Autoren benannten das Mineral nach der Typlokalität Mogán auf Gran Canaria, Provinz Las Palmas, Kanarische Inseln, Spanien. Der Status als eigenständiges Mineral war lange umstritten,<ref name="AM-70" /><ref name="AM-75" /><ref name="AM-78a" /><ref name="AM-78b" /> bis 1999 Mogánit auch von der International Mineralogical Association (IMA) als Mineral anerkannt wurde.
In älteren Publikationen ist der Mineralname meist in der Schreibweise Moganit (ohne Akut) zu finden, was allerdings nicht den Vorgaben zur Mineralbenennung der IMA entspricht<ref name="IMA-Guidelines" />, nach der beispielsweise Minerale, die nach einem geographischen Fundort benannt wurden, darauf geachtet werden muss, dass die Schreibweise des Namens derjenigen an der Typlokalität entspricht. Die bei vielen Mineralen uneinheitliche Schreibweise ihrer Namen wurde mit der 2008 erfolgten Publikation „Tidying up Mineral Names: an IMA-CNMNC Scheme for Suffixes, Hyphens and Diacritical marks“<ref name="IMA-Tidying-up" /> bereinigt und der Mogánit wird seitdem international in der Schreibweise mit dem zugehörigen Akut geführt.<ref name="IMA-Liste-2009" /><ref name="IMA-Liste" />
Das Typmaterial des Minerals wird in der Sammlung des Instituts für Mineralogie, Geologie und Geophysik an der Ruhr-Universität Bochum unter der Inventarnummer 01009 (179) (HT) aufbewahrt.<ref name="Typmineral-Katalog-Deutschland" /> Der IMA-Typmaterial-Katalog führt diesen Aufbewahrungsort allerdings nicht auf.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" />
Klassifikation
Da der Mogánit erst 1999 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der seit 1977 veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/D.01-35. Dies entspricht der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 1 : 2 (MO2 und verwandte Verbindungen)“, wo Mogánit zusammen mit Bosoit, Chibait, Coesit, Cristobalit, Lechatelierit, Melanophlogit, Opal, Quarz, Seifertit, Stishovit und Tridymit die „Quarzreihe“ mit der Systemnummer IV/D.01 bildet (Stand 2018).<ref name="Lapis" />
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Mogánit ebenfalls in die Abteilung der „[Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis] Metall : Sauerstoff = 1 : 2 und vergleichbare“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und der Art der Verknüpfung des Oxidkomplexes. Eine Ausnahme bilden die Minerale der Kieselsäurefamilie mit kleinen Kationen, die eine eigenständige Unterabteilung bilden und zu der auch der Mogánit gehört, der hier als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 4.DA.20 bildet.
Im Gegensatz zur Strunz’schen Systematik ordnet die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana den Mogánit in die Klasse der „Silikate“ und dort in die Abteilung der „Gerüstsilikate“ ein. Hier ist er zusammen mit Coesit in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 75.01.04 innerhalb der Unterabteilung „Gerüstsilikate: tetraedrisches Si-Gitter, SiO2 mit [4]-koordiniertem Si“ zu finden.
Kristallstruktur
Mogánit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe I2/a (Raumgruppen-Nr. 15, Stellung 7) mit den Gitterparametern a = 8,76 Å; b = 4,88 Å; c = 10,71 Å und β = 90,1° sowie 12 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />
Die Struktur von Mogánit ist eng verwandt mit derjenigen von Quarz. Silicium ist so von 4 Sauerstoffatomen umgeben, dass die Sauerstoffanionen auf den Ecken eines Tetraeders liegen, in dessen Zentrum sich das Si4+-Kation befindet. Diese SiO4-Tetraeder sind über gemeinsame Sauerstoffe (Tetraederecken) miteinander zu einer Gerüststruktur verbunden.
Die Mogánitstruktur kann aus der Quarzstruktur als periodische Verzwillingung nach dem Brasilianer Gesetz auf Elementarzellebene abgeleitet werden. Die Mogánitstruktur baut sich demnach aus einer periodisch alternierenden Folge von Rechts- und Linksquarz auf, die nur eine Elementarzelle dick und entlang der (101)-Fläche miteinander verwachsen sind.<ref name="Heaney-Post-2001" />
Modifikationen und Varietäten
Mogánit ist eine Modifikation von SiO2. Es ist bei allen Drucken und Temperaturen metastabil und wandelt sich in geologischen Zeiträumen in α-Quarz um.<ref name="Heaney-Post-2001" />
Bei ca. 570 K wandelt sich der monokline α-Mogánit in den orthorhombischen β-Mogánit um.<ref name="Heaney-Post-2001" />
Als Lutecin oder auch Lutecit wird eine faserige Varietät des Mogánits bezeichnet, der eng verwachsen mit Chalcedon bzw. Quarz auftritt.<ref name="Lapis" />
Bildung und Fundorte
Mogánit findet sich eingewachsen in den meisten mikrokristallinen Kieselgesteinen (Chert bis über 75 %, Feuerstein 13–17 %, Hornstein usw.) und mikrokristallinen Quarzvarietäten (Achat, Chalcedon 5–20 %), die jünger als 100 Millionen Jahre sind.<ref name="Heaney-Post-1992" /> Mogánit scheidet sich bei niedrigen Temperaturen aus basischen Lösungen ab. Konzentrationen von über 20 Gewichtsprozent Mogánit in Kieselsäurekonkretionen deuten auf eine Bildung in evaporitischem Milieu.<ref name="Heaney-Post-2001" />
Beinahe alle Chalcedone enthalten Mogánit, aber nur in wenigen Vorkommen übersteigt der Anteil 20 %. Die Mineralproben aus der Lagerstätte in der Schlucht von Barranco del Medio Almud bei Mogán, welche die namensgebende Lokalität dieses Minerals ist, weisen mit 85 % bislang den weltweit höchsten Mogánit-Anteil auf.<ref name="Rebollar" />
Als seltene Mineralbildung konnte Mogánit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher nur rund 50 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2025).<ref name="Mindat-Anzahl" /> Außer an seiner Typlokalität bei Mogán auf Gran Canaria fand sich das Mineral in Spanien noch an einer Fundstelle im Iberischen Becken.
In Deutschland trat das Mineral bisher nur am Pionierweg bei Durbach in Baden-Württemberg, bei Bockenrod (Reichelsheim) in Hessen, am Mühlenberg in der saarländischen Gemeinde Freisen, in der Grube Maximilian bei Niederludwigsdorf (Görlitz) in Sachsen und in der Grube Arme Hilfe bei Ullersreuth in Thüringen auf.
Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist der Csaterberg in der Gemeinde Kohfidisch im Burgenland. In der Schweiz ist mit La Dôle bei Saint-Cergue westnordwestlich von Nyon im Kanton Waadt bisher ebenfalls nur ein Fundort bekannt.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Ägypten, auf King George Island in der Antarktis, in Westaustralien, Bulgarien, China, Finnland, Frankreich, Griechenland, Indien, Indonesien, Italien, Japan, auf Grand Manan Island in Kanada, Luxemburg, Myanmar, den Niederlanden, in Neuseeland, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, der Slowakei, Tschechien, der Ukraine, in Ungarn, im Vereinigten Königreich (England) und den Vereinigten Staaten von Amerika (Arizona, Colorado, Kalifornien, New Jersey, Pennsylvania).<ref name="Fundorte" />
Siehe auch
Literatur
- O. W. Flörke, J. B. Jones, Hans-Ulrich Schmincke: A new microcrystalline silica from Gran Canaria. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band 143, 1976, S. 156–165.
- O. W. Flörke, U. Flörke, U. Giese: Moganite, a new microcrystalline silica-mineral. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie Abhandlungen. Band 149, 1984, S. 325–336.
- Pete J. Dunn, Michael Fleischer, Richard H. Langley, James E. Shigley, Janet A. Zilczer: New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band 70, 1985, S. 871–881; hier: 874, Mogánite (minsocam.org [PDF; 1,2 MB; abgerufen am 16. September 2025]).
- John Leslie Jambor, Ernst A. J. Burke, Edward S. Grew, Jacek Puziewicz: New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band 78, 1993, S. 677–678; hier: 677–678, Moganite (minsocam.org [PDF; 1,2 MB; abgerufen am 16. September 2025]).
- Peter J. Heaney, Jeffrey E. Post: Evidence for an I2/a to Imab phase transition in the silica polymorph Mogánite at ~570 K. In: American Mineralogist. Band 86, 2001, S. 1358–1366 (rruff.info [PDF; 1,6 MB; abgerufen am 14. April 2023]).
Weblinks
- Mogánit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- Thomas Witzke: Foto und Mineralbeschreibung von Mogánit. In: strahlen.org/tw/.
- IMA Database of Mineral Properties – Mogánite. In: rruff.info. RRUFF Project (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Mogánite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Einzelnachweise
<references> <ref name="AM-70"> Pete J. Dunn, Michael Fleischer, Richard H. Langley, James E. Shigley, Janet A. Zilczer: New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band 70, 1985, S. 871–881; hier: 874, Mogánite (minsocam.org [PDF; 1,2 MB; abgerufen am 16. September 2025]). </ref> <ref name="AM-75"> John Leslie Jambor, Ernst A. J. Burke: New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band 75, 1990, S. 1435 (minsocam.org [PDF; 844 kB; abgerufen am 14. April 2023] Monoclinic polymorph of SiO2, S. 1435). </ref> <ref name="AM-78a"> John Leslie Jambor, Edward S. Grew: New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band 78, 1993, S. 236 (minsocam.org [PDF; 734 kB; abgerufen am 14. April 2023] Lutecite, S. 236). </ref> <ref name="AM-78b"> John Leslie Jambor, Ernst A. J. Burke, Edward S. Grew, Jacek Puziewicz: New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band 78, 1993, S. 677–678 (minsocam.org [PDF; 829 kB; abgerufen am 14. April 2023] Moganite, S. 677–678). </ref> <ref name="Flörke-1976"> O. W. Flörke, J. B. Jones, H.-U. Schmincke: A new microcrystalline silica from Gran Canaria. In: Zeitschrift für Kristallographie. 143 Datum= 1976, S. 156–165. </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Mogánit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 16. September 2025. </ref> <ref name="Heaney-Post-1992"> Peter J. Heaney, Jeffrey E. Post: The widespread distribution of a novel silica polymorph in microcrysalline quartz varieties. In: Science. Band 255, Nr. 5043, 1992, S. 441–444, doi:10.1126/science.255.5043.441. </ref> <ref name="Heaney-Post-2001"> Peter J. Heaney, Jeffrey E. Post: Evidence for an I2/a to Imab phase transition in the silica polymorph Mogánite at ~570 K. In: American Mineralogist. Band 86, 2001, S. 1358–1366 (rruff.info [PDF; 1,6 MB; abgerufen am 14. April 2023]). </ref> <ref name="IMA-Guidelines"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Vorlage:IMA-Liste </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Tidying-up"> Ernst A. J. Burke: Tidying up Mineral Names: an IMA-CNMNC Scheme for Suffixes, Hyphens and Diacritical marks. In: Mineralogical Record. Band 39, Nr. 2, März 2008, S. 134 (cnmnc.units.it [PDF; 733 kB; abgerufen am 16. September 2025]). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – M. (PDF 326 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 16. September 2025 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Mogánite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 16. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Anzahl"> Mogánite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 16. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Rebollar"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Typmineral-Katalog-Deutschland"> A. Matthies: Moganit. In: Typmineral-Katalog Deutschland. Mineralogisches Museum der Universität Hamburg, 27. April 2022, abgerufen am 16. September 2025. </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Moganite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 14. April 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>