Notice: Unexpected clearActionName after getActionName already called in /var/www/html/includes/context/RequestContext.php on line 338
Michelozzo di Bartolommeo – Wikipedia Zum Inhalt springen

Michelozzo di Bartolommeo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Michelozzo di Bartolomeo)

Michelozzo di Bartolom(m)eo Michelozzi, genannt Michelozzo (* um 1396 in Florenz; † 7. Oktober 1472 ebenda), war ein vor allem in Florenz, aber auch in Prato, Montepulciano und Dubrovnik aktiver Bildhauer, Bronzegießer, Goldschmied und Architekt des 15. Jahrhunderts.

Leben und Werke

Michelozzo war der Sohn des aus Lyon im Burgund eingewanderten Schneiders Bartolomeo di Gherardo und der Antonia di Leonardo Porcellini;<ref>Daten zu Leben und Werk Michelozzos in Vasari/Pfisterer 2013, S. 160.</ref> sein genaues Geburtsjahr ist nicht bekannt. In Florenz lebte die Familie in der Via Larga, unweit des Familiensitzes der Medici, der Casa vecchia.

Datei:Grabmaljohannes13.jpg
Donatello, Michelozzo und Pagno di Lapo Portigiani, Grabmal des Gegenpapstes Johannes XXIII., 1422–1428, Baptisterium, Florenz

Von 1410 an war Michelozzo über fast drei Jahrzehnte immer wieder als Graveur von Prägestempeln in der Florentiner Münze beschäftigt.<ref>Ferrara/Quinterio 1984, S. 12.</ref> Wegen Erfahrungen im Bronzeguss wurde er vermutlich 1417,<ref>Ferrara/Quinterio 1984, S. 13.</ref> sicher aber ab 1420 Mitarbeiter von Lorenzo Ghiberti,<ref>Krautheimer 1956, S. 87, 111, doc. 34.</ref> in dessen Werkstatt er bis 1424 an der Fertigstellung des hl. Matthäus für Orsanmichele und Ghibertis erstem Portal, dem Nordportal des Baptisteriums San Giovanni mitwirkte. 1437 arbeitete Michelozzo bei der Fertigstellung der Paradiestüre wieder in der Ghiberti Werkstatt.<ref>Krautheimer 1956, S. 87, Dig. 200.</ref> Im Jahr 1424 gründeten Michelozzo und Donatello eine Werkstattgemeinschaft, in diese Zeit fiel auch die Fertigstellung des heiligen Ludwigs von Toulouse von Donatello für Orsanmichele, seine erste große Bronze.<ref>Krautheimer 1956, S. 87.</ref><ref>Harriet MacNeal Caplow: Sculptors’ Partnerships in Michelozzo’s Florence. In: Studies in the Renaissance. Band 21, 1974, S. 145–175.</ref> In den darauffolgenden Jahren war Michelozzo an mehreren bedeutenden Projekten beteiligt. 1424–1427 entstand gemeinsam mit Donatello und Pagno di Lapo Portigiani das Grabmal für den 1415 in Florenz verstorbenen ehemaligen Gegenpapst Johannes XXIII. im Baptisterium. Von 1426 bis 1428 arbeiteten alle drei Künstler in Pisa am Grabmal für den Kardinal Rainaldo Brancacci, das nach seiner Fertigstellung nach Neapel verschifft wurde und dort in der Kirche Sant’Angelo a Nilo Aufstellung fand. Den Auftrag für das Grabmonument des Bartolomeo Aragazzi, ein humanistisch gebildeter Kleriker im Dienste Johannes’ XXIII. und dann Martins V., im Dom von Montepulciano (1427–1438) scheint Michelozzo ohne deren Beteiligung ausgeführt zu haben; das Grabmal ist nur in Einzelteilen erhalten. 1428 erhielten beide Künstler den Auftrag, für den Dom in Prato eine neue Außenkanzel für die Präsentation des Heiligen Gürtels zu entwerfen und auszuführen; die Arbeiten waren im Sommer 1438 abgeschlossen. Neben Michelozzo und Donatello waren an der Ausführung wiederum Pagno di Lapo Portigiani und der Bronzespezialist Maso di Bartolomeo beteiligt.

Datei:Donatello, michelozzo e aiuti, monumento bracaccio in s. angelo a nilo, 1426-28, 00.JPG
Donatello, Michelozzo und Pagno di Lapo Portigiani, Grabmal für Kardinal Rainaldo Brancacci, 1426–1428, Marmor, Sant'Angelo a Nilo, Neapel

1440 ist Michelozzo erstmalig im Zusammenhang mit einem architektonischen Entwurf – eine Zeichnung für die Fassade des Palazzo comunale in Montepulciano – dokumentiert.<ref>Howard Saalman: The Palazzo Comunale in Montepulciano. An Unknown Work by Michelozzo. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte. Band 28, 1965, S. 1–46.</ref> Anfang der 1430er Jahre war er bereits von der Stadtregierung von Florenz mit Arbeiten am Castello (heute Fortezza medicea) beauftragt worden, ohne dass sich der Charakter seiner Aufgabe genauer bestimmen ließe. Weitere Bauprojekte Ende der 1430er bis 1450er Jahre – u. a. das Kloster von San Marco, der Palazzo Medici, der Palazzo Tornabuoni, die Villa Medici von Fiesole und die Medici-Villen in Trebbio, Careggi und Cafaggiolo sowie das Bankhaus der Medici in Mailand – wurden Michelozzo von Giorgio Vasari zugeschrieben.<ref>Vasari/Pfisterer 2013, S. 69–90.</ref> Besonders ausführlich beschreibt Vasari die umfangreichen Renovierungsarbeiten im Innenhof des Palazzo della Signoria, mit denen Michelozzo – wie später Vasari selbst – angeblich betraut war. Vasari versucht in der Vita Michelozzos, diesen zum Hausarchitekten der Medici und damit zu seinem Vorgänger zu stilisieren; für keines der genannten Bauprojekte ist jedoch eine Beteiligung Michelozzos zweifelsfrei dokumentiert.<ref>Vasari/Pfisterer 2013, S. 73–79, bes. Anm. 11, S. 142. Das Anwachsen der allein auf vagen stilistischen Zuschreibungen beruhenden Zahl von Werken kritisierte auch der Architekturhistoriker Hans Teubner (Teubner 1979, S. 256–257, Anm. 34). Skepsis gegenüber der Rolle Michelozzos beim Bau des Medici-Palastes äußerte beispielsweise die Kunsthistorikerin Brenda Preyer (Preyer 1998, S. 325–331).</ref>

Belegt ist hingegen die Anfertigung von Entwürfen für die Serviten-Kirche Santissima Annunziata (ab 1444)<ref>Alana O’Brien: Patronage, Liturgy, Art and Devotion Under the Tribune of the Santissima Annunziata, Florence, Mid-Fifteenth to Early Seventeenth Centuries. In: Römisches Jahrbuch der Bibliotheca Hertziana. Band 44 (2019/2020), 2021, S. 83–167.</ref> sowie die Leitung der Dom-Bauhütte in Florenz (1446–1451, v. a. Arbeiten an der Laterne der Domkuppel) und der Bauarbeiten am Ospedale di San Paolo (1459–1460, Loggia)<ref>Richard Goldthwaite, William R. Rearick: Michelozzo and the Ospedale di San Paolo in Florence. In: Mitteilungen des Kunsthistorischen Institutes in Florenz. Band 21, Nr. 3, 1977, S. 221–306.</ref> an der Piazza Santa Maria Novella. Der Architekturhistoriker Marvin Trachtenberg brachte Michelozzo mit der Planung und Ausführung der Cappella Pazzi (1441–1478) in der Florentiner Franziskanerkirche Santa Croce in Verbindung, die gemeinhin dem allerdings bereits 1446 verstorbenen Filippo Brunelleschi zugeschrieben wird.<ref>Marvin Trachtenberg: Brunelleschi, Michelozzo, and the Problem of the Pazzi Chapel. Yale University Press, New Haven 2012, ISBN 978-0-300-11831-5.</ref> Nach Auffassung des Kunsthistorikers Pietro Ruschi war Michelozzo für den Umbau und die Sgraffito-Dekoration des Palazzo Dietisalvi Neroni (um 1450) verantwortlich.<ref>Pietro Ruschi: Conferme michelozziane per il Palazzo di Dietisalvi Neroni a Firenze. In: Gabriele Morolli (Hrsg.): Michelozzo, scultore e architetto (1396–1472). Centro Di, Florenz 1998, S. 215–230.</ref>

1461 verließ Michelozzo Florenz, um in der dalmatischen Stadt Ragusa (Dubrovnik) die städtischen Befestigungsanlagen auszubauen. 1464 scheint er einen Vertrag für ähnliche Aufgaben auf der damals zum genuesischen Besitz gehörenden Insel Chios abgeschlossen zu haben. 1465 kehrte er nach Florenz zurück; weitere Aufträge sind nicht bekannt.

Neben seiner Tätigkeit als Architekt arbeitete Michelozzo noch in anderen Bereichen: 1448 übernahm er den Guss einer Glocke für den Palazzo della Signoria, 1452 entstand eine Silberfigur Johannes des Täufers für den Altar des Baptisteriums San Giovanni, zwei Jahre darauf eine etwa lebensgroße, ursprünglich farbig gefasste Terrakotta-Plastik des Täufers für Santissima Annunziata.<ref>Giovanna Agosti: Problemi di restauro di una statua in terracotta policroma. Il "San Giovanni Battista" di Michelozzo. In: OPD restauro. Nr. 12, 2000, S. 151–158.</ref>

Datei:Michelozzo, frammenti del monumento di bartolomeo aragazzi, m. 1435, virtù 02.jpg
Michelozzo und Werkstatt, Tugend-Statue vom Grabmal des Bartolomeo Aragazzi, Marmor, um 1435, Dom, Montepulciano

Dem Künstler werden in der kunstwissenschaftlichen Forschung mehrere Reliefs zugeschrieben, vor allem Darstellungen der Madonna mit Kind.<ref>Anna Jolly: Madonnas by Donatello and His Circle. Lang, Frankfurt am Main 1998.</ref> Zu nennen sind hier unter anderem zwei Marmorreliefs im Museo nazionale del Bargello in Florenz (Bargello sculture Nr. 441, 473), ein Terrakotta-Relief (1437–1438) in Budapest,<ref>Relief of the Virgin and Child, auf Mfab.hu.</ref> ein Terrakotta-Relief in der Skulpturensammlung in Berlin (um 1440)<ref>Madonna, Relief im Rahmen, Inv.-Nr. 73, in der Online-Sammlung der Staatlichen Museen zu Berlin.</ref> und die so genannte Madonna Orlandini aus Marmor (um 1426?), ebenfalls in der Skulpturensammlung.<ref>Madonna und Kind (Die Orlandini Madonna), Relief, um 1426, Inv.-Nr. 55 mit ausführlichem Text und Bibliographie; siehe auch Neville Rowley, Paul Hofmann: Forschung und Restaurierung. Das Relief der "Orlandini-Madonna" aus dem Bestand der Skulpturensammlung, Inv.-Nr. 55, ein Werk Michelozzos? In: Jahrbuch der Berliner Museen. 2018, S. 47–52.</ref>

Michelozzo muss in den 1450er Jahren als Bildhauer einiges Ansehen genossen haben. Sein Zeitgenosse Filarete nennt ihn in seinem Architekturtrakat (Trattato d’architettura, 1460–1464) neben anderen bekannten Florentiner Meistern, deren Werke die Idealstadt Sforzinda schmücken sollen: „Aber da sah man einen Donatello, einen Luca, einen Agostino sammt seinem Bruder Ottaviano. Ferner war da ein berühmter Meister, namens Desiderio; ferner ein Dino, ein Michelozzo, ein Pagno, ein Bernardo nebst seinem Bruder.“<ref>Filarete: Antonio Averlino Filarete’s Tractat über die Baukunst nebst seinen Büchern von der Zeichenkunst und den Bauten der Medici. In: Wolfgang von Oettingen (Hrsg.): Quellenschriften für Kunstgeschichte und Kunsttechnik des Mittelalters und der Neuzeit. Band 3. Graeser, Wien 1890, S. 212.</ref>

Michelozzo starb 1472 in Florenz und wurde in San Marco bestattet. Er war mit Francesca Galigari verheiratet und hatte mit ihr fünf Kinder. Sein Sohn Niccolò (1444–1526), Schüler des humanistischen Philosophen Marsilio Ficino, hatte in Florenz wichtige politische Ämter inne.

Giorgio Vasaris Vita Michelozzos

Giorgio Vasaris Vita Michelozzos („Vita di Michelozzo Michelozzi scultore et architetto fiorentino“) in seinen Lebensbeschreibungen von Künstlern und Künstlerinnen (1550/1568) folgt auf die Biografie Donatellos. Sie scheint an vielen Stellen stark literarisiert. So betont Vasari immer wieder Michelozzos Nähe zu den Medici und behauptet gar, er sei Cosimo de’ Medici 1433 in die Verbannung gefolgt. Zweifelhaft ist auch die lange Aufzählung angeblicher Aufträge der Medici; nahezu alle größeren Bauprojekte Cosimos seien Vasari zufolge von Michelozzo verantwortet worden.

Die Vita enthält auch eine Lebensbeschreibung von Michelozzos und Donatellos langjährigem Mitarbeiter Pagno di Lapo Portigiani. Manche Zuschreibungen an Michelozzo ändert Vasari für die zweite Edition der Viten (1568) zugunsten Pagnos.

Werke

Soweit nicht anders angegeben sind die aufgeführten Werke nachweislich oder nach übereinstimmender Auffassung der Forschung von Michelozzo geschaffen worden.

Literatur

  • Hans Teubner: San Marco in Florenz: Umbauten vor 1500. Ein Beitrag zu Werk des Michelozzo. In: Mitteilungen des Kunsthistorischen Institutes in Florenz. Band 23, Nr. 3, 1979, S. 239–272.
  • James H. Beck: New Notices for Michelozzo, in: Andrew Morrogh, Gioffredi S. Fiorella (Hrsg.): Renaissance Studies in Honor of Craig Hugh Smyth, Bd. 2: Art, Architecture. Florenz, 1985. S. 23–35 (englisch).
  • Wolfgang von Löhneysen (Hrsg.): Der Humanismus der Architektur in Florenz : Filippo Brunelleschi und Michelozzo di Bartolomeo. Weidmann, Hildesheim 1999.
  • Gerardo Doti: MICHELOZZI, Michelozzo. In: Mario Caravale (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 74: Messi–Miraglia. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2010.
  • Giorgio Vasari: Das Leben des Florentiner Bildhauers und Architekten Michelozzo Michelozzi. In: Ulrich Pfisterer (Hrsg.): Das Leben des Donatello und des Michelozzo. Wagenbach, Berlin 2013, ISBN 978-3-8031-5059-2.

Weblinks

Commons: Michelozzo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein