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Metachromatische Leukodystrophie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Klassifikation nach ICD-10
E75.2 Sonstige Sphingolipidosen
Metachromatische Leukodystrophie
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Vorlage:Infobox International Classification of Diseases 11 Die metachromatische Leukodystrophie (von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) (im Sinne einer Abweichung) und {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), siehe auch Metachromasie, sowie {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) und {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)), MLD, auch Arylsulfatase-A-Mangel genannt, gehört zur Gruppe der Lipidspeicherkrankheiten (Sphingolipidosen). Sie führt zu einer Degeneration der weißen Substanz oder einer Demyelinisation.

Epidemiologie

Die Häufigkeit wird mit 1:40.000 angegeben ohne Geschlechterpräferenz.<ref name="Caffey">J. P. Kuhn, T. L. Slovis, J. O. Haller (Hrsg.): Caffey’s Pediatric Diagnostic Imaging. 10. Auflage. Mosby, 2004, ISBN 0-323-01109-8.</ref> Die Erkrankung scheint autosomal-rezessiv vererbt zu werden, wobei verschiedene Gene beteiligt sind.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />MLD Foundation. (Memento vom 30. Dezember 2013 im Internet Archive) abgerufen am 4. April 2024.</ref>

Klinik

Je nach Manifestationsalter werden verschiedene Unterformen unterschieden:<ref name="Knaap">M. van derKnaap, J. Valk: Magnetic Resonance of Myeliation and Myelin Disorders. Springer, 2005, ISBN 3-540-22286-3.</ref><ref name="Leiber"></ref>

  • Spätinfantile Form (40 %), Synonyme: Metachromatische Leukodystrophie Typ Greenfield; spätinfantile Form
  • Juvenile Form (40 %), Synonyme: Metachromatische Leukodystrophie Typ Scholz; juvenile Form
  • Adulte Form (20 %), Synonyme: Metachromatische Leukodystrophie Typ Austin; adulte Form

Die ersten Symptome treten bei zuvor unauffälligen Kindern auf mit chronischer Verschlechterung. Als Hauptsymptome treten zunächst Gangunsicherheit, Ataxie,<ref name="Caffey" /> Verlust der Sprachfähigkeiten<ref name="Myelinprojekt"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Metachromatiche Leukodystrophie. (Memento vom 31. Dezember 2013 im Internet Archive) Myelinprojekt; abgerufen am 4. April 2024.</ref> sowie schlaffe Lähmungen auf. Im Verlauf entwickeln sich spastische Lähmungen. Typisch ist auch ein Visusverlust, der durch eine Optikusatrophie verursacht wird und sich in der Augenhintergrundspiegelung durch eine abgeblasste Papille darstellen lässt. Weitere Symptome sind Demenz, Gallenblasenentzündung und die Bildung von Gallensteinen, die zu Koliken führen können.

Ursache

Die metachromatische Leukodystrophie wird durch einen Mangel an Arylsulfatase A verursacht. Dadurch kann die Sulfatgruppe sulfatierter Glycosphingolipide nicht abgespalten und die Lipide können nachfolgend nicht wie üblich im Lysosom weiter degradiert werden: Sie akkumulieren dort. Es kommt zu einer Speicherung von Sulfatid vor allem in den Markscheiden des ZNS und PNS mit nachfolgender Markscheidendegeneration.

Diagnose

Die Störung der weißen Substanz kann durch eine Schädel-Magnetresonanztomographie entdeckt werden. Typische Befunde sind:

Differentialdiagnostisch sind Morbus Krabbe, ADEM, Adrenoleukodystrophie und Multipler Sulfatase-Mangel abzugrenzen.<ref name="Knaap" />

Bestätigt wird die Diagnose über die Bestimmung der Arylsulfatase A im Harn. Als spezifisch gilt die verminderte Aktivität der Arylsulfatase A in Leukozyten.<ref name="Myelinprojekt" />

In der Skelettmuskulatur dominiert eine Typ-1-Muskelfaseratrophie.<ref name="Zierz">Tobias Müller, Stephan Zierz: Pathologie der Skelettmuskulatur. In: Stephan Zierz (Hrsg.): Referenz-Reihe Neurologie: Klinische Neurologie: Muskelerkrankungen. Thieme Stuttgart, 2014, S. 41; doi:10.1055/b-0034-97105.</ref>

Therapie

Bis Anfang 2021 gab es keine kausale Therapie, so dass nur symptomatische Therapie versucht werden konnte. Seit Mai 2021 ist eine Gentherapie mit dem Handelsnamen Libmeldy (Hersteller: Orchard Therapeutics) in Deutschland und anderen Ländern verfügbar.<ref>Libmeldy. (PDF) European Medicines Agency, abgerufen am 23. Mai 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Pipeline. Abgerufen am 18. Mai 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Dabei wird mit Hilfe transgener, also veränderter Lentiviren die intakte Nukleinsäure-Sequenz des für die Krankheit verantwortlichen Gens in die Blutstammzellen des Patienten integriert. Das Verfahren macht sich den Umstand zunutze, dass Lentiviren, wie beispielsweise das HIV, Teile ihres Genoms in das Genom der Wirtszellen integrieren.<ref>Alessandra Biffi u. a.: Lentiviral Hematopoietic Stem Cell Gene Therapy Benefits Metachromatic Leukodystrophy. sciencemag.org, 2013.</ref> Im November 2021 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) Libmeldy bewertet und einen erheblichen „Zusatznutzen“ gesehen / bestätigt. Die Kosten für die einmalige Anwendung liegen bei ca. 2,3 Mio. Euro.<ref>Arzneimittel gegen seltene Krankheiten: Gentherapie Libmeldy® zeigt Zusatznutzen – Zelltherapie Zolgensma® dagegen nicht. G-BA, Pressemitteilung, 4. November 2021; abgerufen am 4. November 2021</ref>

Andere Ansätze untersuchen die Gabe gentechnisch hergestellter Arylsulfatase A über einen Katheter in das Gehirn.<ref>clinicaltrials.gov</ref>

Literatur

  • K. Masuhr, M. Neumann: Duale Reihe – Neurologie. 4. Auflage. Hippokrates Verlag, 1998, ISBN 3-7773-1334-3.
  • A. Biffi u. a.: Lentiviral Hematopoietic Stem Cell Gene Therapy Benefits Metachromatic Leukodystrophy. In: Science Express, 11. Juli 2013; doi:10.1126/science.1233158.
  • Kerstin A. Gräfe: Gentherapie für Kinder mit seltener Erbkrankheit. In: Pharmazeutische Zeitung, 3. Juni 2021.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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