Melitta Sundström
Melitta Sundström (* 31. Oktober 1963; † 8. September 1993 in Berlin; bürgerlich Thomas Gerards, weiteres Pseudonym Hanne Fisch) war ein deutscher Unterhaltungskünstler.
Leben
Thomas Gerards stammte aus Bad Kreuznach. Nach seinem Umzug nach Berlin trat er als Tunte Melitta Sundström in den schwulen Szene-Lokalitäten Berlins, zum Beispiel dem SchwuZ und Café Graefe, auf.<ref name=":0">Else Lemcke, Püppi, Melitta Poppe, Mignon, Chou-Chou de Briquette: Die Diva hat es geschafft. In: Die Tageszeitung: taz. 11. September 1993, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 12. November 2025]).</ref><ref name=":1">Paul Schulz: „Wenn sie irgendwo spukt, dann hier“. In: magazin.hiv. 14. Dezember 2011, abgerufen am 12. November 2025.</ref><ref name=":2">BeV StroganoV: Tuntenmuseum in memoriam MELITTA SUNDSTRÖM. 2016, abgerufen am 12. November 2025.</ref> Er gründete zusammen mit Melitta Poppe, Pepsi Boston, Chou Chou de Briquette, Ichgola Androgyn, Tima die Göttliche und BeV StroganoV sowie weiteren Beteiligten das Tuntenensemble Ladies Neid.<ref>BeV StroganoV: Objekt des Monats Februar: Ladies Neid. In: Schwules Museum. 1. Februar 2018, abgerufen am 12. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Sundström bezeichnete sich als „Soul-Tunte“<ref name=":2" />.
Im queeren Berliner Stadtmagazin Siegessäule schrieb Gerards unter dem Pseudonym Hanne Fisch mehrere Jahre lang für verschiedene Rubriken.<ref name=":2" /><ref name=":0" /> 1987 übernahm er in der Uraufführung des Theaterstückes Die Schönheit von Ronald M. Schernikau im SchwuZ die männliche Hauptrolle.<ref name=":2" /> Ab 1990 trat er als Melitta Sundström mit den Soloprogrammen Mein Kampf – Krämpfe einer Damendarstellerin und Ein Leben im Liegen (u. a. im BKA-Theater, Berlin und Schmidt Theater, Hamburg) auf.<ref name=":0" />
Gerards war mit HIV infiziert und thematisierte dies in seinen Auftritten und Liedern als Melitta Sundström.<ref name=":0" /><ref name=":1" /><ref name=":3">queer.de: Unvergessen: Melitta Sundström. 15. März 2018, abgerufen am 12. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Nur vier Tage vor seinem Tod veröffentlichte er das Album Sundström, welches Die Tageszeitung (taz) in einer lobenden Rezension als „Vermächtnis“<ref name=":4">Klaudia Brunst: Ein Date mit Melitta. In: Die Tageszeitung: taz. 24. September 1993, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 17. November 2025]).</ref> bezeichnete.<ref name=":4" /> Das Musikalbum besteht aus selbstverfassten deutschen Texten, die Sundström zu Melodien unter anderem von Diana Ross, Sezen Aksu und ABBA vorträgt. Zudem umfasst es Coverversionen, zum Beispiel von What a Diff’rence a Day Makes.<ref>Melitta Sundström. 1993. Sundström (CD-Booklet). Liedstrich Records.</ref>
Am 8. September 1993 erlag Thomas Gerards den Folgen der Immunschwächekrankheit AIDS.<ref name=":1" /> Er ist in Meisenheim (Glan) in Rheinland-Pfalz begraben.<ref name=":1" />
Veröffentlichungen
- 1988: Melitta Sundström, EP
- 1993: Sundström, Album
Filmografie
- 1988: Bon Appetit, Teufelsberg Produktion, Regie: Ades Zabel
- 1990: Feuer unterm Arsch, Regie: Rosa von Praunheim<ref>Feuer unterm Arsch. In: filmportal.de. Deutsches Filminstitut, abgerufen am 12. November 2025.</ref>
Gedenken
Im März 2013 brachte die SPD-Fraktion im Bezirk Tempelhof-Schöneberg einen Antrag in die Bezirksverordnetenversammlung ein, nach dem die Grünanlage an der Ecke Eisenacher Straße und Fuggerstraße in Melitta-Sundström-Platz benannt werden sollte.<ref>Benennung eines Platzes nach Melitta Sundström. SPD-Fraktion Tempelhof-Schöneberg, abgerufen am 29. März 2019.</ref> Im Oktober 2016 beriet der Kulturausschuss den Antrag. Die SPD-Fraktion zog ihn jedoch zurück, weil sie befürchtete, keine Mehrheit zu erhalten.<ref>Kein Platz für Melitta Sundström: SPD zieht Antrag zurück. Berliner Woche, abgerufen am 29. März 2019.</ref>
2019 forderte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg eine Umbenennung mehrerer nach preußischen Generälen benannter Straßen.<ref>Bündnis 90/Die Grünen, Werner Heck: DS/1154/V - Entmilitarisierung des öffentlichen Raums. 7. März 2019, abgerufen am 12. November 2025.</ref> Der Antragssteller Werner Heck schlug als möglichen Alternativnamen der Yorckstraße einen „Melitta-Sundström-Boulevard“ vor.<ref>Antje Lang-Lendorff: Straßen umbenennen in Berlin: Was Kreuzberg im Schilde führt. In: Die Tageszeitung. 19. März 2019, abgerufen am 29. März 2019.</ref> Die Idee wurde nicht umgesetzt (Stand: November 2025).
Der Name des Cafés Melitta Sundström, eines der ältesten Szenecafés Berlins, am Mehringdamm 61 in Berlin-Kreuzberg erinnert an den Künstler.<ref name=":1" /><ref>Siegessäule: Jubiläum: 30-jähriges Bestehen der Bar Melitta Sundström. 2025, abgerufen am 12. November 2025.</ref>
Der Berliner Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz trägt in den Hausnamen „Erzmutterhaus Sankta Melitta Iuvenis“, also die Heilige Melitta die Jüngere, um eine Verwechslung mit der älteren Melitta Poppe zu vermeiden.<ref name=":1" />
Das SchwuZ veröffentlichte 2017 eine limitierte CD mit Sundströms gesammelten Liedern.<ref name=":3" />
Kurz nach Sundströms Tod 1993 widmeten Rosenstolz ihr bei einem Auftritt das Lied Lachen. Beide waren mehrfach gemeinsam in Berlin und Hamburg aufgetreten. Peter Plate schrieb das Lied am Tag von Sundströms Tod „in der Auseinandersetzung mit Aids“<ref name=":5" details="S. 145">Rosenstolz: Lieb mich, wenn du kannst, nimm mich, nimm mich ganz: Leben, Geschichten, Lieder. Hrsg.: Kai Precht (= dtv. Nr. 20058). 3. Auflage. dtv, München 1998, ISBN 978-3-423-20058-5.</ref> und dem Verlust eines geliebten Menschen.<ref name=":5" details="S. 142, 145" />
Weblinks
- Gedenkseite für Melitta Sundström in BeV StroganoV Tuntenmuseum
- Melitta Sundström bei Discogs
Einzelnachweise
<references> </references>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sundström, Melitta |
| ALTERNATIVNAMEN | Gerards, Thomas (wirklicher Name); Fisch, Hanne (Pseudonym) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Unterhaltungskünstler |
| GEBURTSDATUM | 31. Oktober 1963 |
| STERBEDATUM | 8. September 1993 |
| STERBEORT | Berlin |