Marion Maréchal
Marion Maréchal (* 10. Dezember 1989 in Saint-Germain-en-Laye), die bis Mai 2018 unter dem Nachnamen Maréchal-Le Pen auftrat, ist eine französische rechtspopulistische Politikerin. Bei der Europawahl 2024 wurde sie ins Europäische Parlament gewählt. Zuvor war die Enkelin von Jean-Marie Le Pen, dem Gründer der rechtsextremen Front National, und Nichte von Marine Le Pen von 2012 bis 2017 Abgeordnete für die Partei Rassemblement National in der Nationalversammlung. Bei der Präsidentschaftswahl 2022 unterstützte sie Éric Zemmour, den rechtsextremen Konkurrenten ihrer Tante.
Werdegang
Marion Maréchal ist die Tochter von Yann Le Pen, die Enkelin des Front-National-Gründers Jean-Marie Le Pen und die Nichte von Marine Le Pen, der Parteivorsitzenden des Rassemblement National. Nach Angaben ihrer Mutter ist der 2014 verstorbene Diplomat, Journalist und Spion Roger Auque der biologische Vater. Der von 1993 bis 2007 mit Yann Le Pen verheiratete ehemalige Wahlkampfmanager von Jean-Marie Le Pen, Samuel Maréchal, erkannte Marion als seine Tochter an.<ref>L’identité du véritable père de Marion Maréchal-Le Pen dévoilée. Le Parisien, 7. November 2013</ref> Bereits mit zwei Jahren war sie auf einem Wahlplakat der Front National auf dem Arm ihres Großvaters abgebildet.
Sie wuchs in einer abgeschlossenen Wohnanlage im Pariser Vorort Saint-Cloud auf. Bis zur dritten Klasse ging sie auf eine öffentliche Schule, schließlich wechselte sie aus „Sicherheitsgründen“ auf eine private, katholisch-traditionalistische Mädchenschule.<ref>Tugdual Denis: Marion Maréchal-Le Pen, l’effrontée nationale. In: L’Express, 18. März 2015.</ref> Eine Klassenkameradin war Madeleine de Jessey, spätere Politikerin der konservativen Républicains und Anführerin der Proteste gegen die gleichgeschlechtliche Ehe.<ref>Michaela Wiegel: Marion Maréchals Mission – Eine Frau geht ihren rechten Weg. In: Frankfurter Allgemeine, 1. Juni 2018.</ref> Sie absolvierte ein Master-Studium in öffentlichem Recht an der Universität Paris II (Panthéon-Assas), das sie 2012 abschloss.<ref>Virginie Le Guay: Marine et Marion Le Pen: le choc des ambitions. In: Paris Match, 18. Oktober 2012.</ref>
Mit 18 Jahren trat sie dem Front National bei.<ref>Chloé Woitier: Marion, le nouveau visage du clan Le Pen. In: lefigaro.fr. 25. April 2012, abgerufen am 18. Juni 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Erstmals um ein öffentliches Amt bewarb sie sich – erfolglos – bei den Regionalwahlen 2010 auf dem zweiten Platz der FN-Liste im Département Yvelines.<ref>Französisches Innenministerium</ref> Im selben Jahr ergänzte sie ihren Nachnamen um den der Mutter zu Marion Maréchal-Le Pen.<ref>Frankreichs führender rechter Clan: Nicht mehr in Opas Namen. In: taz.de. 25. Mai 2018, abgerufen am 13. Januar 2022.</ref>
Am 10. Juni 2012 kam sie im ersten Wahlgang der französischen Parlamentswahlen im als FN-Hochburg bekannten Carpentras (Départements Vaucluse) mit 34,6 Prozent auf den ersten Platz.<ref>Marion Maréchal-Le Pen en tête dans le Vaucluse, Le Nouvel Observateur</ref> Im zweiten Wahlgang wurde sie mit 42,09 Prozent der Stimmen vor Catherine Arkilovitch von den Sozialisten und dem bisherigen konservativen Abgeordneten Jean-Michel Ferrand (UMP), der dieses Amt insgesamt sechs Legislaturperioden lang innehatte, gewählt.<ref>Législatives 2012: entendu au marché avec Marion Marechal-Le Pen, candidate dans le Vaucluse, Huffington Post</ref>
Sie wurde dabei mit 22 Jahren die jüngste Abgeordnete in die Nationalversammlung der Fünften Französischen Republik.<ref>Marion Le Pen plus jeune députée de la Ve République, Le Figaro</ref> Sie war in dieser Legislaturperiode bis 2017 eine von zwei Abgeordneten ihrer Partei (neben Gilbert Collard).
Nach der Niederlage Marine Le Pens bei den Präsidentschaftswahlen im Mai 2017 erklärte Marion Maréchal-Le Pen ihren Rückzug aus der Politik. Beobachter sahen darin u. a. die Absicht, sich nicht in einen offenen Machtkampf mit ihrer Tante ziehen zu lassen.<ref>Hugo Domenach: Marion Maréchal-Le Pen : un départ qui va laisser des traces. In: lepoint.fr. 11. Mai 2017, abgerufen am 16. Mai 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Alexandre Devecchio: «Le départ de Marion Maréchal-Le Pen, adieu ou au revoir?» In: lefigaro.fr. 10. Mai 2017, abgerufen am 16. Mai 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Nach ihrem zeitweiligen Rückzug aus der Politik gründete sie im Mai 2018 die private Hochschule Institut des sciences sociales économiques et politiques (Issep; Institut für Sozialwissenschaften, Wirtschaft und Politik) in Lyon. Sie ist seither Direktorin des Instituts, an dem 2019 sechzig Studenten eingeschrieben waren.<ref>Christel Haas, Cornelia Laqua: Marion Maréchal: Die rechte Kaderschmiede der Le-Pen-Nichte. In: ZDF Heute. 22. Februar 2019, abgerufen am 6. Juni 2019.</ref> Im Mai 2018 gab sie den Namenszusatz Le Pen in ihrem Nachnamen auf.
2022 machte sie in der Präsidentschaftswahl in Frankreich 2022 ihre Unterstützung für den rechtsextremen Kandidaten Éric Zemmour öffentlich und nahm in dessen Partei Reconquête die Stellung der Vizepräsidentin an. Sie wandte sich damit von ihrer Tante Marine Le Pen ab, die ebenfalls für das Amt kandidierte.<ref>Kim Son Hoang: Die Nichte, die Marine Le Pen in den Rücken fällt. In: derstandard.at. 1. Februar 2022, abgerufen am 2. Februar 2022.</ref> Sie stand an der Spitze der Wahlliste für Reconquête in der Europawahl 2024 und wurde als Abgeordnete ins Europäische Parlament gewählt.<ref>Célestine Gentilhomme: Européennes : Marion Maréchal sauve les meubles et offre ses premiers élus à Reconquête. In: lefigaro.fr. 9. Juni 2024, abgerufen am 10. Juni 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Für die vorgezogenen Parlamentswahl in Frankreich 2024 versuchte sie ohne Abstimmung mit ihrer Partei ein Wahlbündnis mit dem Rassemblement Nationale auszuhandeln; nachdem eine Einigung auf gemeinsame Kandidaten gescheitert war, rief Maréchal dazu auf, für Kandidaten des Rassemblement National zu stimmen. Éric Zemmour warf ihr „Verrat“ vor; sie wurde daraufhin aus Reconquête ausgeschlossen.<ref>Éric Zemmour, qui se dit « trahi », annonce l’exclusion de Marion Maréchal de Reconquête. In: huffingtonpost.fr. 12. Juni 2024, abgerufen am 14. Juni 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Frankreich: Zemmour schließt Marion Marechal aus der Partei aus. Agentur Nova, 12. Juni 2024, abgerufen am 13. Juni 2024.</ref> Sie gründete im Oktober 2024 ihre eigene Partei Identité-Libertés.<ref>Marion Maréchal lance son parti, mais ne récolte que l’indifférence du Rassemblement national. 11. Oktober 2024 (lemonde.fr [abgerufen am 16. Oktober 2024]).</ref>
Politische Standpunkte
Maréchal-Le Pen hat sich öffentlich dagegen gewehrt, als rechtsextrem bezeichnet zu werden.<ref>Marion Maréchal-Le Pen sur RTL : «Je ne suis pas d’extrême droite». RTL.fr, 8. November 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 10. November 2012; abgerufen am 20. März 2013 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im Gegensatz zu vielen Anhängern des Rassemblement National hat sie sich gegen die Todesstrafe ausgesprochen, allerdings für eine „wirklich lebenslange“ Gefängnisstrafe.<ref>« Peine de mort : Marion Maréchal-Le Pen dit non ». In: 20minutes.fr. 11. Oktober 2012, abgerufen am 20. März 2013 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Sie ist keine Gegnerin des gesetzmäßigen Schwangerschaftsabbruchs bei medizinischen oder sozialen Indikationen, lehnt aber die Kostenübernahme des Eingriffs durch die Krankenkassen ab, wenn dieser wiederholt erfolgt.<ref>Marion M. Le Pen sur les IVG : « l’État n’a pas à rembourser l’inattention de certaines femmes ». ladepeche.fr, 11. Oktober 2012, abgerufen am 20. März 2013 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Sie hat sich außerdem gegen die Gleichberechtigung eingetragener homosexueller Partnerschaften mit der Ehe ausgesprochen und an öffentlichen Demonstrationen dagegen teilgenommen.<ref>Ivan Valerio: «Marion Maréchal Le Pen agite l’argument de la polygamie». In: europe1.fr. 29. November 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 7. Januar 2013; abgerufen am 20. März 2013 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Bei einer Veranstaltung der royalistisch-rechtsextremen Action française bekannte sie, sie gehöre einer Generation an, die von den Werten der Republik „genervt“ sei (« saoulée par les valeurs de la République »), die „man uns ständig serviert und von denen man nicht weiß, was sie einfordern“. Die Republik habe für sie keinen Vorrang vor Frankreich, sie verteidige die Fünfte Republik, aber diese sei nur ein politisches System. Ihr Land sei Frankreich, das bereits Jahrhunderte vor der Französischen Revolution existiert habe.
Charles Maurras, den historischen Anführer der Action française, bezeichnete sie – auch wenn sie nicht in allem mit ihm übereinstimme – als „politischen Denker ersten Ranges“.<ref>Maréchal-Le Pen juge sa génération «saoulée par les valeurs de la République». www.lefigaro.fr, 27. April 2016</ref> Maréchal-Le Pen galt unter den Anhängern des Front National als sehr beliebt, besonders im Süden Frankreichs zog sie bei Wahlveranstaltungen regelmäßig große Menschenmengen an.
In den Augen ihrer Anhänger wurde sie auch als mögliche Nachfolgerin ihrer Tante Marine Le Pen gesehen; dabei wurden ihre Positionen oft als gegensätzlich zu den anti-europäischen Stellungnahmen Marine Le Pens und ihres damaligen Stellvertreters Florian Philippot interpretiert.
Privates
Maréchal heiratete im Juli 2014 den Unternehmer Matthieu Decosse. Im September 2014 brachte sie eine Tochter zur Welt. Sie trennte sich 2016 von Decosse. Seit 2021 ist sie mit dem italienischen Politiker Vincenzo Sofo verheiratet.<ref>Mariage de Marion Maréchal : Jean-Marie Le Pen lui a volé la vedette à l'église! 17. September 2021, abgerufen am 11. Juni 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Mariage de Marion Maréchal : sa tante Marine Le Pen absente. 3. September 2021, abgerufen am 15. September 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> 2022 kam eine gemeinsame Tochter des Paares zur Welt.<ref>Marion Maréchal maman : rare photo de son bébé Clotilde dévoilée par son mari Vincenzo Sofo. 5. Juli 2022, abgerufen am 15. September 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Sofo ist seit 2020 Mitglied des Europäischen Parlaments (bis Februar 2021 Lega Nord, seitdem Fratelli d’Italia).
Schriften
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- Si tu te sens Le Pen. Fayard, 2026, ISBN 978-2213734637.
Weblinks
- Website von Marion Maréchal-Le Pen (französisch)
- Angaben zur Abgeordneten auf der Seite der Nationalversammlung (französisch)
- Marion Maréchal in der Abgeordnetendatenbank des Europäischen Parlaments
Einzelnachweise
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Maréchal, Marion |
| KURZBESCHREIBUNG | französische Politikerin, Abgeordnete der Nationalversammlung |
| GEBURTSDATUM | 10. Dezember 1989 |
| GEBURTSORT | Saint-Germain-en-Laye, Département Yvelines |
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- Mitglied des Europäischen Parlaments für Frankreich
- Mitglied der Nationalversammlung (Frankreich)
- FN-Mitglied (Frankreich)
- Politiker (21. Jahrhundert)
- Franzose
- Geboren 1989
- Frau