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Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit – Wikipedia Zum Inhalt springen

Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit

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Datei:March on Washington edit.jpg
Blick auf das Washington Monument am 28. August 1963

Der Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit (kurz Marsch auf Washington, englisch March on Washington for Jobs and Freedom<ref>Die Doppelbedeutung der Präposition „on“ bzw. „auf“ statt „to“ oder „nach“ bezieht sich sowohl auf den Ort der Versammlung als auch auf dessen Bedeutung als Regierungssitz. (Tobias Dietrich 2008, S. 56)</ref>) war eine politische Demonstration am 28. August 1963. Er wird zusammen mit dem Civil Rights Act und der Verleihung des Friedensnobelpreises an Martin Luther King, die 1964 folgten, als einer der Höhepunkte der Bürgerrechtsbewegung in den USA gesehen. Es versammelten sich bis zu 250.000 Menschen vor dem Lincoln Memorial in Washington, D.C. und forderten das Ende der Rassendiskriminierung in den Vereinigten Staaten. King hielt auf der Veranstaltung seine berühmt gewordene Rede I Have a Dream.

Vorgeschichte und Organisation

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Programm der Veranstaltung

Bereits 1941 hatten Asa Philip Randolph, Bayard Rustin und Abraham J. Muste<ref>Biographie George Houser bei congressofracialequality.org. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 7. Oktober 2012; abgerufen am 26. September 2012.</ref> einen Marsch auf Washington geplant, um auf die schlechte wirtschaftliche Lage schwarzer Arbeiter in den Vereinigten Staaten aufmerksam zu machen. Der damalige Präsident Franklin D. Roosevelt kam dem Anliegen mit dem Fair Employment Act entgegen und der Marsch fand nicht statt.<ref>Tobias Dietrich 2008. S. 56</ref>

1962 nahm Randolph seinen früheren Plan wieder auf. Bei Roy Wilkins (NAACP) und Whitney Young (National Urban League) fand er zunächst ebenso wenig Zustimmung wie bei Martin Luther King. King hatte allerdings 1957 mitgeholfen, eine Prayer Pilgrimage for Freedom nach Washington zu organisieren, deren 25.000 Teilnehmer das dreijährige Jubiläum der als Brown v. Board of Education bekanntgewordenen Gerichtsentscheidung zugunsten schwarzer Schüler und Studenten begingen. King wollte an den damaligen Erfolg anschließen und unterstützte im Folgenden Randolphs Idee. Auch Roy Wilkins ließ sich überzeugen, um die NAACP nicht von den anderen Bürgerrechtsorganisationen zu isolieren.<ref>Tobias Dietrich 2008. S. 57</ref> Anna Arnold Hedgeman setzte sich für die Bündelung zweiter zunächst separat geplanter Märsche ein. Im Juni 1963 wurde der Termin festgelegt, der auf einen Mittwoch fiel, so dass Juden und christlichen Seelsorgern die Teilnahme ermöglicht wurde, ohne gegen ihre religiösen Verpflichtungen zu verstoßen. Randolph wurde zum Direktor der Vorbereitungsgruppe ernannt, Bayard Rustin sein Stellvertreter.

Unterstützer des Marsches waren die afroamerikanischen Bürgerrechtsgruppen:

Weitere Organisationen, unter ihnen der National Council of Churches, der American Jewish Congress, das National Community Relations Advisory Council unter Arnold Aronson und die United Auto Workers trugen den Marsch auf Washington mit.<ref>Tobias Dietrich 2008. S. 56</ref><ref>University of Chicago: Aronson, Arnold, abgerufen am 17. September 2020.</ref> Der amerikanische Präsident John F. Kennedy war zunächst um die öffentliche Sicherheit angesichts einer Massenkundgebung besorgt, bestärkte das Projekt jedoch durch seine eigene Politik, verfolgte die Veranstaltung im Fernsehen und empfing die Redner nach dem Ende der Veranstaltung.<ref>Tobias Dietrich 2008. S. 56,60.</ref> Die Organisation einer derartigen Massenzusammenkunft erforderte erhebliche Planung in Bezug auf Anreise, Sicherheit, medizinische und sanitäre Versorgung, Öffentlichkeitsarbeit und Finanzierung. Um eine übermäßig sichtbare Präsenz von Polizisten weißer Hautfarbe zu vermeiden, wurden Ordner aus den Reihen der afroamerikanischen Teilnehmer ausgebildet.<ref>Tobias Dietrich 2008. S. 58</ref>

Veranstaltung und Ziele

Datei:March on washington.ogv
Im Film festgehaltene Impressionen des Marsches auf Washington
Datei:Poitier Belafonte Heston Civil Rights March 1963.jpg
Harry Belafonte (Mitte) auf dem Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit mit Sidney Poitier (l.) und Charlton Heston (r.)

Einhundert Jahre nach der Emanzipations-Proklamation von Abraham Lincoln, die die Sklaverei in den amerikanischen Südstaaten abschaffte, marschierten über 200.000 Menschen sowohl weißer als auch schwarzer Hautfarbe nach Washington zu einem friedlichen Protest.<ref name="spon1">Spiegel online am 24. August 2003: Marsch auf Washington: Seit 40 Jahren ein Traum. Abgerufen am 27. März 2011.</ref> Am Vorabend waren die Teilnehmer mit Sonderzügen und -Bussen aus dem ganzen Land angereist. Gegen Mittag waren es bis zu 250.000 Personen, davon geschätzt zwanzig Prozent Weiße.

Der Weg in Washington führte entgegen der ursprünglichen Planung eines Zuges zum Kapitol auf Ersuchen der Behörden vom Washington Monument zum Lincoln Memorial. Die Verhinderung des Missbrauchs der Veranstaltung zur Selbstdarstellung einzelner Gruppen wurde durch vereinheitlichte Slogans und Transparente erreicht.<ref>Tobias Dietrich 2008. S. 58f.</ref> In der Wahl des Titels der Veranstaltung zeigte sich das Bemühen um Integration sowohl von Forderungen konkret wirtschaftlicher als auch politischer Art. In einem offiziellen Katalog der Ziele wurden zehn Forderungen aufgestellt, die John F. Kennedy in seiner Bürgerrechtspolitik unterstützten und die von zehn Rednern in jeweils fünf Minuten dargestellt werden sollten.

Einige bedeutende Bürgerrechtler waren an diesem Tag nicht anwesend: Der Redebeitrag von James Farmer fiel infolge seiner Haftstrafe aus; seine Botschaft wurde von Floyd McKissick verlesen.<ref>Programm der Veranstaltung bei crmvet.org. Abgerufen am 4. April 2011.</ref> W. E. B. Du Bois war einen Tag vorher in Ghana gestorben.<ref name="moosbrugger">Tobias Moosbrugger, S. 102 f.</ref> Die Witwe des kurz zuvor ermordeten Medgar Evers hob die Leistungen von Bürgerrechtlerinnen wie Daisy Bates, Diane Nash, Rosa Parks und anderen hervor.<ref name="obamaoffice">Holidash am 7. Januar 2010: Obama's Oval Office Rehab Salutes Martin Luther King, Jr. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 28. Dezember 2010; abgerufen am 28. März 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Rede von Martin Luther King wurde von Randolph an das Ende des Programms gestellt, um eine Ausdehnung der Redezeit für King, den er als den „moralischen Führer der Nation“ bezeichnete, zu ermöglichen.<ref>Tobias Dietrich 2008. S. 59</ref> Unter dem Titel I Have a Dream wurde sie weltweit bekannt.

Neben den Rednern traten auch verschiedene Musiker auf, darunter Joan Baez, Bob Dylan, Odetta Holmes, Mahalia Jackson, der Eva Jessye Choir, Peter, Paul and Mary und Marian Anderson<ref>Women Musicians Shined at the 1963 March on Washington for Jobs and Freedom. 23. August 2023, abgerufen am 6. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Civil Rights March. 1963, abgerufen am 6. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>. Auch Harry Belafonte und andere Prominente nahmen am Marsch auf Washington teil. Der orthodoxe Rabbiner Uri Miller sprach ein Gebet und der baptistische Pastor Benjamin Mays schloss die Kundgebung mit einem Segen. Durch die Veranstaltung führte das Schauspieler-Ehepaar Ruby Dee und Ossie Davis.<ref>NBC-Washington: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />10 Things You Didn't Know About the 1963 March on Washington (Memento vom 23. Juni 2015 im Internet Archive), 28. August 2013</ref>

Auswirkungen

Der Marsch auf Washington wurde über den neuen Satelliten Telstar weltweit im Fernsehen übertragen. US-amerikanische Fernsehgesellschaften übertrugen live aus Washington. Er brachte keine sofortigen politischen Veränderungen, hatte jedoch hohe symbolische Bedeutung, und löste in den USA und Europa großes mediales Echo aus. Im weiteren Sinne führte er auch zur Durchsetzung des Civil Rights Act und des Voting Rights Act von 1964 und 1965 durch Kennedys Amtsnachfolger Lyndon B. Johnson.<ref>Robert Dallek: Lyndon B. Johnson: Portrait of a President. Oxford University Press, ISBN 0-19-515921-7, S. 230 ff.</ref>

Der Marsch auf Washington war das Vorbild für den Millionen-Mann-Marsch von 1995. Vierzig Jahre nach dem Marsch auf Washington fand 2003 am selben Ort unter anderen thematischen Voraussetzungen und mit anderen politischen Forderungen, eine Gedenkveranstaltung statt, an der mehrere Tausend Demonstranten, unter ihnen Martin Luther King III, der älteste Sohn von Martin Luther King und Kings Witwe, Coretta Scott King teilnahmen.<ref name="spon1" /> Barack Obama dekorierte 2010 das Oval Office mit einer Büste von Martin Luther King und einem gerahmten Programm des Marsches auf Washington.<ref name="obamaoffice" />

Am 28. August 2020, dem 57. Jahrestag der Kundgebung von 1963, fand eine Neuauflage des Marsches auf Washington statt. Das Motto dieses Mal war „Nehmt euer Knie von unseren Hälsen“ („Get your knee off our necks“). Die Kundgebung stand im Zeichen der jüngsten Fälle von Polizeigewalt, die für Proteste infolge des Todes von George Floyd gesorgt hatten. Zehntausende Menschen demonstrierten und forderten – nach einem Sommer der Proteste gegen systemischen Rassismus und die Polizeigewalt – eine Strafrechtsreform und Wahlrechtsreform.<ref>Joan E Greve, Adam Gabbatt: Tens of thousands join Get Your Knee Off Our Necks march in Washington DC | US news. In: theguardian.com. 28. August 2020, abgerufen am 4. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Kings ältester Sohn sagte bei der Kundgebung: „Wir fordern echten, dauerhaften, strukturellen Wandel“. Kings zwölfjährige Enkelin Yolanda Renee versprach: „Wir werden die Generation sein, die systematischen Rassismus ein für alle Mal beendet, jetzt und für immer!“<ref>Johanna Roth: Marsch auf Washington: Damit sie nicht umsonst gestorben sind. In: zeit.de. 29. August 2020, abgerufen am 27. Januar 2024.</ref><ref>@1@2Vorlage:Toter Link/www.zdf.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Februar 2024. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot</ref><ref>„Nehmt euer Knie aus unseren Nacken“: Zehntausende demonstrieren bei neuem „Marsch auf Washington“. In: tagesspiegel.de. 28. August 2020, abgerufen am 31. Januar 2024.</ref><ref>Juliane Schäuble: Marsch auf Washington: „Nehmt euer Knie von unseren Nacken“. In: tagesspiegel.de. 28. August 2020, abgerufen am 31. Januar 2024.</ref>

Kritik

Die Zusammenarbeit von Staat und Veranstaltern und die hohe Integrations- und Kompromissbereitschaft lösten neben der Kritik von weißen Segregationisten auch Kritik aus den eigenen Reihen aus.<ref>Tobias Dietrich 2008. S. 58 f.</ref><ref name="moosbrugger" /> Martin Luther King habe keinen konkreten Weg aufgezeigt, seinen „Traum“ in Wirklichkeit zu verwandeln, und die wirtschaftlichen Forderungen der Demonstration seien in den Hintergrund geraten.<ref>Tobias Dietrich 2008. S. 67</ref> Radikalere Afroamerikaner konnten Kings Vision einer Gesellschaft, in der Schwarze und Weiße zu einem Gemeinwesen ohne Ansehen der Hautfarbe verschmelzen, nicht teilen. Der Bürgerrechtsaktivist Malcolm X, damals noch Mitglied der „Nation of Islam“, ging in seiner Rede Message to the Grass Roots im November desselben Jahres auch auf den Marsch ein und kritisierte die Teilnahme von Weißen, jüdischen und christlichen Geistlichen und den Verlust an schwarzer Militanz. Der Marsch sei zu einem „Zirkus“, einem „Picknick“ geworden und mit starkem, schwarzen Kaffee zu vergleichen, der mit weißer Milch verdünnt und geschwächt worden sei.<ref>The Speech Site: "Message to the Grass Roots" by Malcolm X delivered 10 November 1963 in Detroit, MI. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 24. August 2010; abgerufen am 27. März 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> In Anspielung auf Kings Rede äußerte er, er sehe einen „amerikanischen Alptraum“.<ref>die tageszeitung am 4. April 2008; Albert Scharenberg: Fromm, liberal, amerikanisch. Vor 40 Jahren wurde Martin Luther King ermordet. Doch die Bürgerrechtsbewegung konnte den informellen Rassismus nicht überwinden. Abgerufen am 27. März 2011.</ref>

Literatur

  • Lucy G. Barber: Marching on Washington: The Forging of an American Political Tradition. University of California Press, Berkeley 2004, ISBN 0-520-24215-7, S. 141–178 (= 4. “In the great Tradition”. The March on Washington for Jobs and Freedom, August 23, 1963).
  • Tobias Dietrich: Martin Luther King. Wilhelm Fink Verlag, Paderborn 2008, ISBN 978-3-8252-3023-4, S. 56–68.
  • Daniel Moosbrugger: Die amerikanische Bürgerrechtsbewegung: "schwarze Revolution" in den 1950er und 60er Jahren. ibidem Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-89821-415-X, S. 97–109.

Weblinks

Commons: Marsch auf Washington 1963 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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