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Lübke-Englisch

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Unter der Bezeichnung Lübke-Englisch wurde eine Art von englischen Texten bekannt, die durch eine wortwörtliche Übersetzung der einzelnen Wörter aus dem Deutschen entstanden.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Learnen von Lübke.] Hamburger Abendblatt, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 5. Februar 2010.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Durch Interferenz entstehen hierbei oft auf Englisch sinnentstellte bis sogar amüsante Texte. Lübke-Englisch kann „Falsche Freunde“ beinhalten, hat aber nichts mit dem späteren Phänomen des Denglisch zu tun.

Begriffsprägung und Rezeption

Lübke-Englisch wurde nach dem früheren Bundespräsidenten Heinrich Lübke (1894–1972) benannt, dessen Englischkenntnisse angeblich zu solchen Konstruktionen führten.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig What shalls.] derStandard.at, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 5. Februar 2010.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Beispielsweise soll Heinrich Lübke bei einem Staatsbesuch von Elisabeth II., während sie auf den Beginn eines Pferderennens warteten, gesagt haben: Equal goes it loose, was Gleich geht es los bedeuten sollte. Dieses sowie andere angebliche Zitate waren jedoch Erfindungen der Spiegel-Redaktion.<ref>konkret 3/2006, S. 74: „In Wahrheit ist das angebliche Lübke-Zitat ‚Equal goes it loose‘ […] eine Erfindung des Bonner Spiegel-Korrespondenten Ernst Goyke, genannt Ego […] Auch alle anderen Beiträge zum »Lübke-Englisch« haben in der Woche nach Egos Story Redakteure des Spiegel unter falschen Absendern für die Leserbrief-Seiten des Magazins verfasst.“</ref> Als „Staatsoberhaupt mit den ausgewiesen miserablen Englisch-Kenntnissen“ habe man ihm nach Ansicht der Frankfurter Allgemeinen solche Zitate jedoch durchaus zugetraut. Als Ausdruck vieler Zeitgenossen, „sich Wort für Wort durch die Weltsprache zu hangeln und zu haspeln“, habe diese deutsche Eigenart „Eingang ins kollektive Gedächtnis“ gefunden.<ref>Alex Westhoff: Englisch-Kenntnisse – I understand only railway station! faz.net, 5. November 2013</ref> Lübkes Sprachbemühungen sind auch nicht die einzige schwer zu belegende Anekdote zum großen Staatsbesuch der Queen 1965.

Begünstigt wurde diese Form der medialen Rezeption jedoch nicht hauptsächlich durch mangelnde Sprachkenntnisse Lübkes, sondern durch seine rasch fortschreitende Zerebralsklerose, die zu Wortfindungsstörungen führte. Zudem ignorierte Lübke gerne vorhandene Redemanuskripte und versuchte frei zu sprechen. So erinnerte die Wirtschaftswoche an eine Ansprache Lübkes in Helmstedt, „bei der ihm der Name der Stadt nicht einfiel, obwohl er direkt vor einem entsprechenden Schild auf dem Bahnhof stand.“<ref>Versprecher – Die peinlichsten Patzer von Politikern. wiwo.de, 10. September 2012</ref> Im geschichtlichen Rückblick stehen die Englischschwächen Lübkes im Vordergrund. Die Germanisten Georg Stötzel und Martin Wengeler sehen diese Lübke-Zitate ebenso wie die Filser-Briefe<ref>„Filserbrief“: sprichwörtlich für Schriftstücke mit groben Schreib- und Stilfehlern sowie die damit verbundenen Verständnisschwierigkeiten.</ref> in einem Zusammenhang mit der Entstehung einer spezifischen deutsch-englischen unübersetzbaren Sprach-Mischungskultur, in deren Tradition nicht nur Helmut Kohl<ref>Georg Stötzel, Martin Wengeler: Kontroverse Begriffe: Geschichte des öffentlichen Sprachgebrauchs in der Bundesrepublik Deutschland. Walter de Gruyter, 1995 (S. 263 – Auszug online bei Google Books)</ref> getreten sei, sondern auch andere wie Günther Oettinger, die der Focus als „Lübkes Erben“ bezeichnet.<ref>Lübkes Erben: „Politicians heavy on the wire“. Focus Online, 27. Januar 2010</ref> Guido Westerwelle versuchte Peinlichkeiten zu vermeiden, indem er auf einer Pressekonferenz in Berlin eine auf Englisch gestellte Frage nicht beantworten wollte, doch auch das brachte ihm Kritik und Häme ein.<ref>Westerwelle 'Plucks Chicken With Press Speaker' Germans Poke Fun at Their New Foreign Minister (2009, G. W. war Außenminister in spe) bei spiegel.de (auf Englisch). In diesem Beitrag wird das Lübke-Zitat von 1965 übrigens in einen Schlossgarten verlegt. Man habe auf den Beginn von The Last Post gewartet.</ref>

Wie Wortspiele oder Stilblüten hat auch der Prototyp des „Lübke-Englisch“ vielfach im Unterhaltungsbereich Einsatz gefunden.

Einzelnachweise

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