Gewöhnlicher Gilbweiderich
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| Gewöhnlicher Gilbweiderich | ||||||||||||
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| Datei:Lysimachia vulgaris.jpeg
Gewöhnlicher Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Lysimachia vulgaris | ||||||||||||
| L. |
Der Gewöhnliche Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris),<ref name="FloraWeb" /> auch Rispen-Gilbweiderich und Gewöhnlicher Felberich genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Gilbweiderich (Lysimachia) in der Unterfamilie der Myrsinengewächse (Myrsinoideae) innerhalb der Familie Primelgewächse (Primulaceae). Sie ist in Eurasien verbreitet.
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Der Gewöhnliche Gilbweiderich ist eine sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 40 bis 150 Zentimetern erreicht. Der aufrechte Stängel ist stumpfkantig, behaart und im oberen Bereich oft verzweigt.<ref name="FloraWeb" /><ref name="Hegi1966" />
Die Laubblätter sind gegenständig oder zu dritt bis viert quirlig am Stängel angeordnet. Die Blätter sind kurz gestielt und ganzrandig.<ref name="Hegi1966" /> Die Blattspreite ist bei einer Länge von bis zu 12, selten bis zu 15 Zentimetern und einer Breite von 3,5 Zentimetern eiförmig-lanzettlich und nicht drüsig punktiert.<ref name="FloraWeb" /><ref name="Hegi1966" />
Generative Merkmale
Der Gewöhnliche Gilbweiderich blüht von Juni bis August. Endständig und in den Achseln der oberen Blätter befinden sich rispige oder traubige Blütenstände.<ref name="FloraWeb" /> Die Blütenstiele sind etwa 1 Zentimeter lang und damit 1,5- bis 3-mal so lang als die linealen Hüllblätter.<ref name="Hegi1966" /> Die Blüte ist radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Kelch ist 2 bis 4 Millimeter lang und bis fast zum Grund in breit-lanzettliche zugespitzte Zipfel geteilt.<ref name="Hegi1966" /> Die Kelchzipfel sind häufig rötlich überlaufen oder berandet.<ref name="FloraWeb" /> Die fünf gelb und häufig innerseits rötlich gefärbten Kronblätter sind nur an ihrer Basis verwachsen.<ref name="FloraWeb" /> Die 7 bis 12 Millimeter langen Kronblattzipfel sind am Rand kahl.<ref name="FloraWeb" /> Die Staubfäden der fünf Staubblätter sind zu einer Filamentröhre verwachsen, die den Fruchtknoten einschließt.<ref name="Hegi1966" /> Der Griffel ist fadenförmig, nach oben verbreitert und etwas länger als die Staubblätter.<ref name="Hegi1966" /> Die Blütenformel lautet: <math>\star K_5 \; C_{(5)} \; A_5 \; G_{\underline1} </math>.
Die aufrechte, einfächerige Kapselfrucht ist 4 bis 5 Millimeter lang<ref name="Hegi1966" /> und öffnet sich mit fünf Fruchtklappen. Die Samen sind 1 bis 1,8 Millimeter lang<ref name="BiolFlor" />, dreikantig und dicht mit langen Warzen bedeckt.<ref name="Hegi1966" />
Die Chromosomengrundzahl beträgt x =14; der Ploidiegrad ist unterschiedlich mit Chromosomenzahlen von 2n = 28 (diploid) oder 2n = 56 (hexaploid).<ref name="Oberdorfer2001" /><ref name="BiolFlor" />
Ökologie und Phänologie
Der Gewöhnliche Gilbweiderich ist ein helomorpher Hemikryptophyt,<ref name="FloraWeb" /> eine Schaftpflanze, eine Sumpfpflanze und ein Tiefwurzler. Vegetative Vermehrung erfolgt durch unterirdische Ausläufer.
Es handelt sich blütenbiologisch um eine sogenannte homogame Scheibenblume. Drüsenhaare oder Safthaare befinden sich an der Außenseite dieser Filamentröhre. Über sie scheidet die Pflanze Lipide aus, mit denen bestäubende Insekten herangelockt werden. Der Gewöhnliche Gilbweiderich gehört zu den wenigen Arten in der mitteleuropäischen Flora, die ihre Bestäuber statt mit Nektar mit Öl lockt. Zu den häufigsten Blütenbesuchern zählt die Schenkelbiene (Macropis europaea), die in ihrem Vorkommen offensichtlich an die Verbreitung des Gewöhnlichen Gilbweiderichs gebunden ist. Die Weibchen sammeln das Öl mit Hilfe von Saugpolstern an ihren Mittelbeinen und streichen es in ihre Hinterschenkelbürsten, wo es sich mit dem gesammelten Pollen zu einem dicken Klumpen vermischt. Dieser dient als Nährpaste für die Larven. Neben dieser Bienenart sind außerdem immer wieder pollenfressende Schwebfliegen an der Blüte zu beobachten. Der Gewöhnliche Gilbweiderich ist allerdings auch zur Selbstbestäubung in der Lage.
Die Blüten sind je nach Belichtung verschieden; man spricht hier von Photodimorphismus. Bei den Lichtblüten sind die Kronblätter dunkelgelb, an der Basis rot und der Griffel ist deutlich länger als die Staubblätter und bei ihnen erfolgt Fremdbestäubung. Die Schattenblüten sind heller und kleiner, ihr Griffel ist so lang wie die Staubblätter, was nur spontane Selbstbestäubung begünstigt. Außerdem gibt es Übergänge zwischen beiden Blütentypen.
Die Diasporen werden durch den Wind und vorbeistreifende Tiere ausgestreut. Botaniker bezeichnen diese Ausbreitungsstrategie als Semachorie. Die Samen sind aufgrund einer luftgefüllten Schicht unter der Epidermis sehr leicht und können vom Wind als Körnchenflieger verbreitet werden (sogenannte Anemochorie). Fallen die Samen ins Wasser, sind sie wegen dieser Luftschicht bis zu einer Woche schwimmfähig und werden über die Wasserströmung weiter getragen (sogenannte Nautochorie). Gefressen werden die Samen im Herbst unter anderem von der Zippammer, die die Samen aus der Kapselfrucht frisst; auch dabei werden Samen verstreut. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Bearbeitungsausbreitung oder Dysochorie. Der Gewöhnliche Gilbweiderich ist ein Wintersteher und hat seine Fruchtreife im Oktober.
Vorkommen
Der Gewöhnliche Gilbweiderich ist ein boreales und mediterranes Florenelement. Er ist ursprünglich in Europa verbreitet und kommt außerdem in Algerien, in der Türkei, im Kaukasusraum, in Zentralasien, in Sibirien und im westlichen Xinjiang vor.<ref name="GRIN" /> Er steigt in den Bayerischen Alpen bis 1840 Meter Meereshöhe auf.<ref name="Hegi1966" />
In Mitteleuropa kommt er besonders in Gesellschaften des Verbandes Magnocaricion, Filipendulion oder Molinion vor.<ref name="Oberdorfer2001" /> Den Gewöhnlichen Gilbweiderich findet man häufig an lichten Waldstellen, in Sumpfgebüschen, Röhrichten, Bachsäumen und auf feuchten Wiesen in ganz Deutschland. Zerstreut kommt er zudem in Kalk- und Trockengebieten vor.<ref name="Oberdorfer2001" /> In Österreich tritt der Gewöhnliche Gilbweiderich in feuchten Gebüschen, Niedermooren, Sumpfwiesen und Erlenbruchwäldern auf der collinen bis montanen Höhenstufe in allen Bundesländern häufig auf.<ref name="ExFloraÖLS2008" />
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 4w+ (nass aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 2 (sauer), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />
Systematik
Die Erstveröffentlichung von Lysimachia vulgaris erfolgte 1753 durch Carl von Linné. Ein Synonym für Lysimachia vulgaris <templatestyles src="Person/styles.css" />L. ist Lysimachia westphalica <templatestyles src="Person/styles.css" />Weihe.<ref name="Euro+Med" />
Es gibt von Lysimachia vulgaris zwei Unterarten:<ref name="Euro+Med" />
- Lysimachia vulgaris <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. vulgaris
- Lysimachia vulgaris subsp. glandulosovillosa <templatestyles src="Person/styles.css" />(Beck) Peev: Sie kommt im früheren Jugoslawien und in Bulgarien vor.<ref name="Euro+Med" />
Verwendung in der Pflanzenheilkunde
In der Volksheilkunde wurde der Gewöhnliche Gilbweiderich früher bei Skorbut, Diarrhoe, Fieber und Geschwüren verabreicht<ref name="Hegi1966" /> und wegen seiner adstringierenden und schleimlösenden Eigenschaften zur Wundbehandlung und bei Atemwegsbeschwerden verwendet.<ref name="Kothe2012">Hans W. Kothe: Das große Kräuterlexikon. Naumann & Göbel, Köln 2012, ISBN 978-3-625-13441-1, S. 211.</ref> Der Gewöhnliche Gilbweiderich befindet sich daher häufig in der Nähe früherer mittelalterlicher Bauerngärten, von denen aus er verwilderte (sogenannte Ethelochorie). Rezent ist der Gewöhnliche Gilbweiderich weitgehend als Heilpflanze ungebräuchlich.
Einzelnachweise
<references> <ref name="BiolFlor"> Gewöhnlicher Gilbweiderich. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland. </ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="FloraWeb"> Lysimachia vulgaris L., Gewöhnlicher Gilbweiderich. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="ExFloraÖLS2008"> </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Euro+Med"> Karol Marhold: Primulaceae. Datenblatt Lysimachia vulgaris. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Berlin 2011. </ref> <ref name="InfoFlora"> Lysimachia vulgaris L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="Hegi1966">Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 3, Seite 1859–1861. Verlag Carl Hanser, München 1966.</ref> </references>
Literatur
- Angelika Lüttig, Juliane Kasten: Hagebutte & Co – Blüten, Früchte und Ausbreitung europäischer Pflanzen. Fauna Verlag, Nottuln 2003, ISBN 3-935980-90-6. (Abschnitt Ökologie)