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Lysergsäure

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Strukturformel
Struktur von Lysergsäure
Allgemeines
Name Lysergsäure
Andere Namen
  • D-(+)-6-Methyl-9,10-didehydro-ergolin-8-carbonsäure
  • (5R,8R)-6-Methyl-9,10-didehydro-ergolin-8-carbonsäure
Summenformel C16H16N2O2
Kurzbeschreibung

blättchenförmige Kristalle<ref name="Römpp" />

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 201-431-9
ECHA-InfoCard 100.001.302
PubChem 6717
ChemSpider 6461
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 268,31 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

240 °C (Zersetzung)<ref name="MerckIndex">The Merck Index. An Encyclopaedia of Chemicals, Drugs and Biologicals. 14. Auflage. 2006, ISBN 0-911910-00-X, S. 977.</ref>

pKS-Wert

3,3<ref name="williams">pKa Data, Compiled by R. Williams, chem.wisc.edu (PDF; 78 kB).</ref>

Löslichkeit
  • mäßig in Pyridin<ref name="Römpp">Eintrag zu Lysergsäure. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>
  • wenig in Wasser und organischen Lösungsmitteln<ref name="Römpp" />
  • löslich in saurer und alkalischer Lösung<ref name="Römpp" />
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="Registrierungsdossier">Registrierungsdossier zu Vorlage:Linktext-Check (Abschnitt GHS) bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA)Vorlage:Abrufdatum</ref>
Gefahrensymbol

Achtung

H- und P-Sätze H: 341
P: 501​‐​201​‐​202​‐​308+313​‐​405<ref name="Registrierungsdossier" />
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Die Lysergsäure ist eine tetracyclische (Struktur mit vier Ringen) β-Aminosäure. Die D-(+)-Lysergsäure ist die Vorstufe für eine Vielzahl von Mutterkornalkaloiden, die von dem Mutterkornpilz Claviceps purpurea, weiteren Schlauchpilzen und wenigen höheren Pflanzen aus der Gruppe der Windengewächse (Convolvulaceae) produziert werden.<ref name="Römpp" /> Der Name leitet sich ab von Ergot, dem französischen Wort für ‚Mutterkorn‘ und lysis (griechisch für ‚Auflösung‘).

Struktur

Der erste korrekte Strukturvorschlag stammt von W. A. Jacobs<ref>L. C. Craig, T. Shedlovsky, R. G. Gould, W. A. Jacobs in: J. Biol. Chem. Vol. 125, 1938, S. 289.</ref> und wurde durch Synthese von Dehydrolysergsäure von Arthur Stoll, Albert Hofmann und Franz Troxler bestätigt.<ref name="DOI10.1002/hlca.19490320219">A. Stoll, A. Hofmann, F. Troxler: Über die Isomerie von Lysergsäure und Isolysergsäure. 14. Mitteilung über Mutterkornalkaloide. In: Helvetica Chimica Acta. 32, 1949, S. 506–521, doi:10.1002/hlca.19490320219.</ref><ref>M. Volkan Kisakürek, Edgar Heilbronner: Highlights of chemistry. Wiley-VCH-Verlag, Weinheim 1994, S. 164 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Das Molekül besitzt zwei Stereozentren, dementsprechend gibt es vier Stereoisomere: D-Lysergsäure, L-Lysergsäure, D-Isolysergsäure und L-Isolysergsäure. Die relative Konfiguration der beiden Stereozentren wurde 1954 von Stoll et al. abgeleitet.<ref>A. Stoll, T. Petrzilka, L. Rutschmann, A. Hofmann, H. H. Günthard: Über die Stereochemie der Lysergsäuren und der Dihydro-lysergsäuren. 37. Mitteilung über Mutterkornalkaloide. In: Helvetica Chimica Acta, 1954, Band 37, Nr. 7, S. 2039–2057, doi:10.1002/hlca.19540370716.</ref> Die absolute Konfiguration der natürlichen Lysergsäure wurde 1962 von Stadler und Hofmann durch chemischen Abbau und Verknüpfung mit D-(−)-N-Methylasparaginsäure bestätigt.<ref>P. A. Stadler, A. Hofmann in: Helvetica Chimica Acta. Bd. 45, 1962, S. 2005–2011.</ref>

Übersicht über die vier Stereoisomere der Lysergsäure
Epimere (+)-Enantiomer (−)-Enantiomer
Lysergsäure Datei:(+)-Lysergsäure.svg
(5R,8R)
Datei:(-)-Lysergsäure.svg
(5S,8S)
Isolysergsäure Datei:(+)-Isolysergsäure.svg
(5R,8S)
Datei:(-)-Isolysergsäure.svg
(5S,8R)

Synthese

Die erste Totalsynthese racemischer Lysergsäure gelang im Jahr 1954 Ed Kornfeld und Robert Woodward als Mitarbeiter von Eli Lilly.<ref>E. C. Kornfeld, E. J. Fornefeld, G. B. Kline, M. J. Mann, D. E. Morrison, R. G. Jones, R. B. Woodward in: J. Am. Chem. Soc. Vol. 78, 1956, S. 3087.</ref> Die effiziente Wipf-Methode aus dem Jahr 2022 eignet sich zur Erzielung von Gramm-Ausbeuten und bedient sich der Mizoroki-Heck-Kreuzkupplung zum Schließen des Rings C.<ref>Nutt MJ, Nick Woolf N, Stewart GS, 2023: Overview of the synthetic approaches to lysergic acid as a precursor to the psychedelic LSD, Australian Journal of Chemistry.</ref><ref>Tasker NR, Wipf P, 2022: A Short Synthesis of Ergot Alkaloids and Evaluation of the 5-HT1/2 Receptor Selectivity of Lysergols and Isolysergols, Org. Lett., S. 7255–7259</ref> Die Biosynthese der Lysergsäure geht – wie bei allen Mutterkornalkaloiden – vom Tryptophan aus.<ref name="Römpp" />

Vorkommen

Datei:Mutterkorn 090719.jpg
Roggenähre mit Purpurbraunem Mutterkornpilz

Mutterkornpilze (Claviceps), Trichterwinden (z. B. Ipomoea tricolor oder Turbina corymbosa) (Produzent bei den Winden sind durch die Samen übertragene epibiotische Pilze der Clavicipitaceae-Familie<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>).

Verwendung

Lysergsäure und ihre Amide – die Lysergsäureamide – haben eine erhebliche therapeutische Breite. Lysergsäure in ihrer Grundform wurde in der frühen Neuzeit erstmals zum Auslösen von Wehen eingesetzt.

Bekannter ist sie jedoch als Basis des Halluzinogens Lysergsäurediethylamid (LSD).

Rechtsstatus

Lysergsäure fällt unter die Kategorie 1 des Grundstoffüberwachungsgesetzes als direkter Vorläufer von Betäubungsmittel. Damit ist der Handel, Herstellung, die Ein- und Ausfuhr genehmigungs- und meldepflichtig.<ref>Verordnung (EU) Nr. 111/2005 zur Festlegung von Vorschriften für die Überwachung des Handels mit Drogenaustauschstoffen zwischen der Gemeinschaft und DrittländernVorlage:Abrufdatum</ref>

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein