Vergrämung
Vergrämung bzw. Vergrämen (aus der Jägersprache, Wortherkunft von Gram: ursprüngliche Bedeutung „Groll“, heute eher „Sorge“) bezeichnet die wiederholte Störung und das dadurch bewirkte Vertreiben von Wildtieren.<ref>vergrämen | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. In: Duden. Abgerufen am 17. Dezember 2020: „vergrämen [...] wiederholt stören und dadurch verscheuchen“</ref><ref>vergrämen. In: DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Abgerufen am 17. Dezember 2020: „vergrämen [...] wiederholt stören u. dadurch verscheuchen“</ref><ref>Haseder, S. 831</ref> Vergrämung wird sowohl im Wildtiermanagement<ref name=":0">Geva Peerenboom, Fanny Betge, Christof Janko und Ilse Storch: Wildtiermanagement im Siedlungsraum – Ein Handbuch für Kreise und Kommunen in Baden-Württemberg. Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau, Freiburg im Breisgau 2020, ISBN 978-3-00-056272-3, Vergrämung, S. 63 (d-nb.info [PDF]).</ref> als auch bei Konflikten mit Wildtieren in Wohn- und Wirtschaftsgebäuden eingesetzt.
Methoden
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden. Wenn die Störungen nicht mit unmittelbar negativen Erfahrungen verbunden sind, kann es zu Gewöhnungseffekten bei den Wildtieren kommen, welche die Wirksamkeit der Maßnahmen reduzieren (so z. B. bei der klassischen Vogelscheuche, welche nach kurzer Zeit ihren Effekt verliert).<ref name=":0" /> Um den erwünschten Effekt zu erzielen, kann es zudem notwendig sein, die angewandten Vergrämungsmaßnahmen zu wiederholen.<ref name=":2">Ilka Reinhardt, Petra Kaczensky, Jens Frank, Felix Knauer, Gesa Kluth: Konzept im Umgang mit Wölfen, die sich Menschen gegenüber auffällig verhalten - Empfehlungen der DBBW (= BfN-Skripten. Nr. 502). Bundesamt für Naturschutz (BfN), Bonn 2018, ISBN 978-3-89624-239-6, S. 10, doi:10.19217/skr502 (archive.org [PDF; abgerufen am 1. Juni 2020]).</ref> Andernfalls ist es möglich, dass die vergrämten Tiere zwar den betreffenden Ort wechseln bzw. meiden, es aber nicht zu einer Verknüpfung des unerwünschten Verhaltens mit dem Störreiz kommt und eine Verhaltensänderung des Tieres im Sinne einer negativen Konditionierung somit ausbleibt.<ref name=":2" /> Damit es zu einer erfolgreichen negativen Konditionierung kommt, ist es daher wichtig, dass das Tier im Rahmen der Vergrämung in klar erkennbaren Situationen wiederholt mit Strafreizen konfrontiert wird.<ref name=":2" />
Wenn Vergrämung mit dem Töten von Individuen oder der Zerstörung von Nestern einhergeht, so unterliegt dies dem jeweiligen Naturschutz- bez. Jagdrecht. Dabei gelten für invasive Arten, wie z. B. Nutrias, oft andere Regelungen als für im Gebiet heimische Arten.<ref>Nutria. Management- und Maßnahmenblatt Bundesamt für Naturschutz, abgerufen am 2. September 2024</ref>
Mögliche Methoden zur Vergrämung sind:
- gezielte Tötung einzelner Individuen, um die übrigen Individuen zum Verlassen der Gegend zu bewegen,<ref name=":0" />
- Zerstörung von Nistplätzen (oder Gelegen), Schlafplätzen, Höhlen, Bauten, Rückzugsorten u. Ä.<ref>Sascha Rösner, Thomas Isselbächer: Gutachten zur Abwehr von Vögeln in der Landwirtschaft in Rheinland-Pfalz. Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz, Marburg a. d. Lahn 2003 (117 S., archive.org [PDF]).</ref>
- Konfrontation mit natürlichen Fressfeinden, wie etwa Greifvögeln im Rahmen der Beizjagd oder durch den Einsatz von Hunden<ref name=":0" /> oder deren Imitation, etwa durch Flugdrohnen oder Fesseldrachen<ref name=":1">Wildgänse: Vergrämung. In: lfl.bayern.de. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), abgerufen am 18. Dezember 2020.</ref>
- Schmerzimpulse, z. B. durch Gummigeschosse oder elektrische Schläge an Elektrozäunen<ref name=":2" />
- akustische Störungen, z. B. durch Schreckschusswaffen, Knallgeräte, Ultraschallgeräte, Sprengstoff (Vergrämungsexplosion),<ref>Hunderte Fische im Main qualvoll verendet: So gehen die Fischer mit dem Schaden um. 16. April 2019, abgerufen am 5. September 2021.</ref> Prädatorenrufe vom Tonband, o. ä.<ref name=":3" />
- optische Störungen, z. B. irritierende bzw. reflektierende Gegenstände<ref name=":1" />
- olfaktorische Störungen, z. B. unter Zuhilfenahme übelriechender Substanzen<ref name=":3" /> oder dem gezielten Einsatz von Pheromonen
- bauliche Maßnahmen bei Wohn- und Wirtschaftsgebäuden (defensive Architektur, sowie nachträgliche bauliche Veränderungen<ref>Bauschäden. Marder vertreiben – so werden Sie Marder langfristig los Selber machen, abgerufen am 2. September 2024</ref>)
- unerreichbar aufbewahrte Abfälle, z. B. durch speziell gesicherte Behälter für Bio- und Restmüll, z. B. um Waschbären fernzuhalten<ref>Waschbär im Garten? Spannende Fakten zum maskierten Bären. Intelligenz: Waschbär knackt jedes Schloss Lebendiges Museum Online, abgerufen am 1. September 2024</ref>
Zur Durchführung der Vergrämungsmaßnahmen werden mitunter spezielle Personen angestellt, so z. B. mit den vor allem in historischen Zeiten existenten, sogenannten „Wingertschützen“ (auch Weinbergsschützen bzw. Feld-/Weinbergshüter) oder in neuerer Zeit die mit der Vogelabwehr zwecks Vermeidung von Vogelschlag beauftragten Berufsjäger an großen Flughäfen.<ref name=":3">Sascha Rösner, Thomas Isselbächer: Gutachten zur Abwehr von Vögeln in der Landwirtschaft in Rheinland-Pfalz. Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz, Marburg a. d. Lahn 2003 (117 S., archive.org [PDF]).</ref><ref>David Krenz: Vogelvergrämer am Flugplatz: Alle Vögel sind schon weg. In: spiegel.de. Der Spiegel, 12. Januar 2012, abgerufen am 18. Dezember 2020.</ref>
Literatur
- Ilse Haseder, Gerhard Stinglwagner: Knaurs Großes Jagdlexikon, Weltbild, Augsburg 2000, ISBN 3-8289-1579-5
Weblinks
Einzelnachweise
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