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Spitzschuppiger Stachel-Schirmling

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Lepiota aspera)

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Spitzschuppiger Stachel-Schirmling
Datei:2012-10-03 Lepiota aspera (Pers.) Quél 268378 crop.jpg

Spitzschuppiger Stachel-Schirmling (Lepiota aspera)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Champignonverwandte (Agaricaceae)
Gattung: Schirmlinge (Lepiota)
Art: Spitzschuppiger Stachel-Schirmling
Wissenschaftlicher Name
Lepiota aspera
(Pers. : Fr.) Quél.

Der Spitzschuppige oder Raue Stachel-Schirmling (Lepiota aspera, syn. Echinoderma asperum, Lepiota acutesquamosa var. furcata<ref name="Gerhardt2002" details="193" /> und Lepiota friesii<ref name="Gerhardt2002" details="193" />) ist eine Pilzart aus der Familie der Champignonverwandten. Er kommt recht häufig in Laub- und Nadelwäldern, an Wegrändern und in Gärten vor. Die Fruchtkörper erscheinen von Sommer bis Herbst.

Merkmale

Datei:Spitzschuppiger Schirmling-2006-09-24-06.jpg
Die Hutunterseite des Spitzschuppigen Stachel-Schirmlings ist mit dicht gedrängten und zunächst weißlichen Lamellen besetzt.
Datei:Spitzschuppiger Schirmling-1.jpg
Spitzschuppiger Stachel-Schirmling (Lepiota aspera), Illustration von Albin Schmalfuß (1897)

Makroskopische Merkmale

Der anfangs kegelige bis glockige, später flach ausgebreitete Hut erreicht einen Durchmesser von 10–15 cm. Die ockerlich-cremefarbene Huthaut ist bis zum Rand dicht mit spitzkegeligen, bräunlichen Schüppchen besetzt, die in der Mitte selbst im Alter eine mehr oder weniger geschlossene Decke bilden. Die weißlichen, später bräunlichen Lamellen stehen dicht gedrängt und sind in Stielnähe oft gegabelt. Der 5–10 cm lange und 0,5–1,5 cm breite Stiel besitzt eine bis zu 2,5 cm knollig verdickte, bisweilen gerandete Basis. Das Teilvelum bleibt nach dem Aufschirmen des Huts am Stiel als vergänglicher und häutiger Ring hängen. Er hat eine weißliche Farbe und unten am Rand bräunliche Schüppchen. Über dem Ring ist der Stiel creme-, darunter hutfarben. Die Oberfläche ist vor allem im unteren Bereich faserig und schuppig strukturiert. Das weiße Fleisch riecht unangenehm leuchtgasartig<ref name="Gerhardt2002" details="193" /> bzw. nach dem Stink-Schirmling (Lepiota cristata).<ref name="Krieglsteiner2003" details="57–58" />

Mikroskopische Merkmale

Die länglich-spindeligen Sporen sind 7,5–9 Mikrometer lang und 2,5–3,5 µm breit. Die Zystiden an den Lamellenschneiden haben eine keulig-blasenförmige bis rundlich-gestielte Gestalt und kommen vereinzelt auch auf der Lamellenfläche vor.<ref name="Gerhardt2002" details="193" />

Artabgrenzung

Der sehr seltene Ringlose Stachel-Schirmling (Lepiota perplexa) riecht stärker und hat keine gegabelten Lamellen. Der Kegelschuppige Stachel-Schirmling (Lepiota hystrix) ist dunkler gefärbt und mikroskopisch durch kleinere, ovale Sporen gekennzeichnet. Der Igel-Stachel-Schirmling (Lepiota echinacea)<ref name="Gerhardt2002" details="194" /> erinnert an eine Miniaturausgabe des Spitzschuppigen Stachel-Schirmlings – mikroskopisch ist die Art durch das Fehlen von Cheilozystiden zu erkennen.<ref name="Gerhardt2002" details="193" /> Darüber hinaus kann der ungenießbare Spitzschuppige Stachel-Schirmling möglicherweise mit dem als Speisepilz geschätzten Gemeinen Riesenschirmling oder Parasol verwechselt werden, der an ähnlichen Standorten wächst. Letzterer besitzt jedoch einen doppelten, frei verschiebbaren Ring sowie ein nussig riechendes und schmeckendes Fleisch.

Ökologie und Phänologie

Der Spitzschuppige Stachel-Schirmling wächst in der Laub- und Nadelstreu verschiedener Laubwälder sowie Fichten- und Kiefernforsten, fehlt aber offenbar in naturnahen Nadelwäldern. Er gilt als Stickstoffzeiger und wächst auf basen- bzw. nährstoffreichen Böden. Dort kommt er häufig an Wegrändern unter Brennnesseln und anderen Ruderalstellen vor, seltener ist er in Gärten, unter Hecken, auf Äckern oder Wacholderheiden anzutreffen. Der Pilz wächst überwiegend zwischen 450 und 700 Höhenmetern, oberhalb ist er nur selten anzutreffen.<ref name="Krieglsteiner2003" details="58–59" />

Die Art fruktifiziert hauptsächlich von August bis Ende Oktober, vereinzelte Nachzügler können bis Dezember, bei günstiger Witterung auch bis Januar, gefunden werden.<ref name="Krieglsteiner2003" details="58" />

Verbreitung

Gminder (2003) beruft sich in Band 3 aus der Reihe Die Großpilze Baden-Württembergs auf Knudsen (1981) und definiert das Verbreitungsgebiet des Spitzschuppige Stachel-Schirmlings austral-austrosubtropisch, boreosubtropisch bis boreal. Nachweise bestehen aus Asien (Japan) und Amerika (Argentinien, Kanada, Mexiko, Paraguay und die USA). In Nordafrika kommt die Art in Algerien und Marokko vor. In Europa ist der Pilz im Mittelmeerraum (Italien, früheres Jugoslawien) eher selten zu finden. Ansonsten ist er zerstreut bis mäßig verbreitet, meidet aber ozeanisch getönte Gebiete.<ref name="Krieglsteiner2003" details="59" />

Verwandtschaft

Phylogenetische Analysen der amerikanischen Mykologin Else C. Vellinga deuten auf eine nahe Verwandtschaft des Spitzschuppigen Stachel-Schirmlings mit den Mehlschirmlingen (Cystolepiota) und Buntkörnchenschirmlingen (Melanophyllum) hin.<ref name="Vellinga2003" />

Bedeutung

Der Spitzschuppige Stachelschirmling ist kein Speisepilz. Er kann leichte gastrointestinale Symptome verursachen.<ref name=":0">Siegmar Berndt: Mitteilungen von Pilzberatern und -sachverständigen über schwere und bemerkenswerte Pilzvergiftungen und besondere Beratungsfälle 2019. In: Deutsche Gesellschaft für Mykologie (Hrsg.): Zeitschrift für Mykologie. Band 86/1, S. 166.</ref> Der Verzehr des Pilzes löst Alkoholunverträglichkeit ähnlich dem Coprinus-Syndrom aus.<ref>B. Haberl, R. Pfab, S. Berndt, C. Greifenhagen, T. Zilker: Case series: Alcohol intolerance with Coprine-like syndrome after consumption of the mushroom Lepiota aspera (Pers.:Fr.) Quél., 1886 (Freckled Dapperling). In: Clinical toxicology (Philadelphia, Pa.). Band 49, Nummer 2, Februar 2011, S. 113–114, doi:10.3109/15563650.2011.554840, PMID 21370948.</ref> Er enthält jedoch kein Coprin, sondern zwei andere Acetaldehyddehydrogenase-Hemmstoffe.<ref name=":0" />

Siehe auch

Quellen

Einzelnachweise

<references> <ref name="Gerhardt2002"> Ewald Gerhardt: BLV Handbuch Pilze. 3. Auflage. BLV, München 2002, ISBN 978-3-405-14737-2 (639 S., einbändige Neuausgabe der BLV Intensivführer Pilze 1 und 2). </ref> <ref name="Krieglsteiner2003"> German Josef Krieglsteiner (Hrsg.), Andreas Gminder: Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 4: Ständerpilze. Blätterpilze II. Ulmer, Stuttgart 2003, ISBN 3-8001-3281-8. </ref> <ref name="Vellinga2003"> Else C. Vellinga: Phylogeny of Lepiota (Agaricaceae) - Evidence from nrITS and nrLSU sequences. In: Mycological Progress. Band 2, Nr. 4, 2003, S. 305–322 (berkeley.edu [PDF; 1,4 MB]). </ref> </references>

Weblinks