Leopold Böhm
Vorlage:Hinweisbaustein Leopold Böhm (* 11. Jänner 1922 in Wien; † 4. April 2007 ebenda) war ein österreichischer Unternehmer.
Leben
1922 als Sohn jüdischer Eltern geboren, flüchtete er nach dem Anschluss an das nationalsozialistische großdeutsche Reich aus Österreich. Seine Eltern hingegen wurden im Holocaust ermordet. Er kämpfte im Zweiten Weltkrieg in der britischen Armee. Nach dem Krieg arbeitete er zunächst bei einem Ölunternehmen in Haifa, bevor er 1952 nach Österreich zurückkehrte.
1953 trat er in das Handelsunternehmen Schöps seines Onkels Richard Schöps ein, welches seine Cousine Gerda Herz-Schöps (die Tochter von Richard Schöps) und deren Ehemann Alfred Stühler bereits aufbauten. Innerhalb weniger Jahre machten sie aus der kleinen Wiener Textilfirma ein Handelsimperium mit über 100 Filialen in ganz Österreich. 1989 wurde die Firma für 160 Mio. Euro<ref name="Popular Science">Kurier: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />"Leopold Böhm ist tot" ( vom 10. April 2007 im Internet Archive)</ref> an die britische Investmentbank Schroders verkauft.
Er betätigte sich daraufhin im Immobilienbereich und war auch hier schnell erfolgreich. Unter anderem kaufte er mit Ariel Muzicant und seinem Neffen Michael Brooks ein 45.000-Quadratmeter-Areal in Wien-Erdberg.<ref name="Popular Science" /> Auf der Liste der reichsten Österreicher stand er zuletzt auf Platz 34.
Von 1973 bis 1977 war er Präsident des Fußballvereines FK Austria Wien.
Am 18. März 2006 stürzte er in seinem Haus in Wien-Döbling und erlitt ein Gehirntrauma. Von diesem Unfall sollte er sich nicht mehr erholen. Er starb am 4. April 2007 in seinem Haus in Wien.<ref>Betreuer / Funktionäre. Austria Wien Archiv, abgerufen am 7. Dezember 2020.</ref>
Im Jahr 2011 wurde in Wien-Landstraße (3. Bezirk) die Leopold-Böhm-Straße nach ihm benannt, im Jahr 2016 die Schöpsstraße nach seinem Onkel.
Sonstiges
Seine Frau Lotte wurde am 12. Dezember 1977 vor ihrem Haus entführt<ref>«Bisher kein Lebenszeichen von Frau des Textilkönigs». In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 14. Dezember 1977, S. 1.</ref><ref>rechts oben: «Nervenkrieg um entführte Lotte Böhm». In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 15. Dezember 1977, S. 1.</ref><ref>«Böhm sagt: Keine Nachricht von Lotte». In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 14. Dezember 1977, S. 5.</ref><ref>links oben: «Falscher Entführer forderte 5 Millionen». In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 15. Dezember 1977, S. 1.</ref><ref>«Falscher Entführer wollte 5 Millionen». In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 15. Dezember 1977, S. 5.</ref><ref>rechts oben: «Lotte Böhm: Lösegeld beschafft?» In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 17. Dezember 1977, S. 1.</ref><ref>«Böhm: Vor Übergabe des Lösegelds». In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 17. Dezember 1977, S. 5.</ref> und am 17. Dezember nach einer Lösegeldzahlung von 21 Millionen Schilling (spätere Angaben: 25,7 Mio.) freigelassen.<ref>«Augen verklebt, 105 Stunden in Schaumgummizelle». In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 18. Dezember 1977, S. 1.</ref><ref>«Augen verklebt, 105 Stunden in Schaumgummizelle» und Spalte rechts: «Man spricht davon». In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 18. Dezember 1977, S. 1.</ref><ref>und 3 «21 Millionen waren Leopold Böhm für Lotte nicht zu viel». In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 18. Dezember 1977, S. 2 und 3.</ref><ref>rechts oben: «Ehepaar Böhm in Israel . Kein Urlaub für Polizei». In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 19. Dezember 1977, S. 1.</ref><ref>«Warten bis das Lösegeld auftaucht...» In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 19. Dezember 1977, S. 5.</ref><ref>Mitte: «Böhm-Entführer verschwanden ohne Spur». In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 20. Dezember 1977, S. 5.</ref> Die Entführer Paul Francsics (28 Jahre) und Franz Panagl (27 Jahre) wurden am 12. Jänner 1978 gefasst, als sie bei einer Wiener Bank («Erste Österreichische Spar-Casse») Lösegeld-Millionen einzahlen wollten (es konnten 15 Millionen Schilling sichergestellt werden); das dritte Mitglied der «MP-Bande» (es stellte sich heraus, dass es sich um diese Bande handelte, die schon in der Vergangenheit Raubüberfälle begangen hatte) war die Francsics-Freundin Christa Schneck (30 Jahre). Es konnte im Zuge der polizeilichen Ermittlungen das gesamte Lösegeld sichergestellt werden.<ref>«Mit Millionen zur Bank: Böhm-Entführer gefaßt». In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 13. Jänner 1978, S. 1.</ref><ref>«Arsenal der Entführer: MP, Pistolen, Kugelwesten». In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 14. Jänner 1978, S. 1.</ref><ref>und 5 «Böhm bezahlte 25,7 Millionen Lösegeld». In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 14. Jänner 1978, S. 4 und 5.</ref><ref>unten: «Böhm-Entführer wollten Komplicin im Stich lassen». In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 15. Jänner 1978, S. 1.</ref><ref>Mitte: «Böhm-Entführer betrogen sogar die Komplicin». In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 15. Jänner 1978, S. 5.</ref><ref>unten: «Ich glaube, er ist ein Mechaniker». In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 16. Jänner 1978, S. 5.</ref><ref>«Böhm-Lösegeld wird in nächsten Wochen ausgefolgt». In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 18. Jänner 1978, S. 5.</ref> Am 10. Oktober 1978 (9. Oktober?)<ref>rechts oben: «Anklage fertig: Prozeß gegen Palmers-Entführer». In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 13. September 1978, S. 1.</ref> begann vor einem Geschworenengericht in Wien der Prozess; die Urteile lauteten: 20 Jahre für Francsics, 15 Jahre für Panagl und 8 Jahre für Schneck.<ref>«Schneck: Die Nummer vom lieben Gott». In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 14. Oktober 1978, S. 5.</ref><ref>«Böhm-Entführer zu 20, 15 und acht Jahren verurteilt». In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 17. Oktober 1978, S. 5.</ref>
Anzumerken ist, dass der ehemalige Fußball-Nationteamtrainer Karl Stotz, der (möglicherweise auf Grund der fußballerischen Verbindung von Hrn. Böhm als Austria-Wien-Präsident ein Freund Böhms und) Teilhaber bei Hrn. Böhm bzw. dem Modekonzern „Schöps“ war, in diesem Entführungsfall vermittelt hatte.<ref>«Vom Modezentrum zurück in Hexenkessel». In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 12. Juli 1978, S. 16.</ref>
Zwei Konsequenzen aus den Entführungsfällen Palmers und Böhm im Jahr 1977 waren die Gründung der Kriminalbeamten-Einsatzgruppe (KEG) und des Gendarmerieeinsatzkommandos (GEK), heute als Einsatzkommando Cobra bekannt.<ref>Thomas Riegler: „Die Angst der Reichen“: Der vergessene Entführungsfall Böhm vor 40 Jahren. In: Recherche – Expertise – Historische Beratung. Abgerufen am 7. Dezember 2020.</ref>
Böhms Tochter Sandra Grünberger investierte in Puls TV (Wien) 1,5 Mio. Euro<ref name="Popular Science" /><ref>Medien: Tele-Shöpsing. PROFIL, 18. Dezember 2004, abgerufen am 7. Dezember 2020.</ref><ref>Redaktion: Puls statt eigener Insel: TV-Investorin Grünberger bestätigt. Der Standard, 16. Februar 2005, abgerufen am 7. Dezember 2020.</ref> und hielt die Anteile trotz immer wieder auftretender inhaltlicher Differenzen<ref>Redaktion: Aderlass im wahrsten Wortsinn: Kommt Puls TV die Geldgeberin abhanden? ELEKTROJOURNAL, 21. November 2005, abgerufen am 7. Dezember 2020.</ref><ref>Redaktion: Puls TV: Sandra Grünberger geht. Der Standard, 7. Dezember 2005, abgerufen am 7. Dezember 2020.</ref> bis zur Übernahme des Senders durch die damalige ProSiebenSat.1 Media AG im August 2007.<ref>Redaktion: Puls TV. Der Standard, 4. Juli 2007, abgerufen am 7. Dezember 2020.</ref>
Das Haus am Unteren Schreiberweg 49 wurde nach dem Tod seiner Frau an eine Immobilienfirma veräußert und 2019 abgerissen. Derzeit werden dort von der Firma WINEGG Eigentumswohnungen errichtet.<ref>WINEGG – Projekt Unterer Schreiberweg 49. Abgerufen am 7. Dezember 2020.</ref><ref>Wohnprojekt Cuvée 49. WINEGG Realitäten GmbH, abgerufen am 7. Dezember 2020.</ref>
Weblinks
- Schöps-Gründer Leopold Böhm tot, ORF, 4. April 2007
Einzelnachweise
<references />
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Böhm, Leopold |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Unternehmer |
| GEBURTSDATUM | 11. Januar 1922 |
| GEBURTSORT | Wien |
| STERBEDATUM | 4. April 2007 |
| STERBEORT | Wien |
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