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Architekten Heydecker

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(Weitergeleitet von Leonhard Heydecker)
Datei:Tafel Heydecker Abfüllhalle.jpg
Eine glasierte Tontafel, eingelassen in der Außenfassade der ehemaligen Abfüllhalle des Allgäuer Brauhauses in Kempten
Datei:Haus der Milchwirtschaft Kempten Heydecker.jpg
Haus der Milchwirtschaft, Kempten
Datei:Heydecker 1.jpg
Denkmalgeschützte Neuapostolische Kirche, Kempten
Datei:Evangelischer Friedhof Kempten (14).jpg
Grabstätte Heydecker, Evangelischer Friedhof Kempten

Die Architekten Heydecker waren die Brüder Leonhard Heydecker jr. (* 26. August 1871 in Kempten; † 27. Juli 1958 ebenda)<ref>Leonhard Heydecker, ancestry.com; abgerufen am 27. November 2015.</ref> und Otto Heydecker (* 29. März 1885 in Kempten; † 13. April 1960 in Meersburg).<ref>Otto Heydecker, ancestry.com; abgerufen am 27. November 2015.</ref> Die Hauptwirkungsstätte der beiden Architekten war ihre Heimatstadt Kempten.

Leben und Wirken

Leonhard und Otto waren Söhne des Kemptner Schreinermeisters und Möbelbauers Leonhard Heydecker (1840–1915) und dessen Frau Maria Elisabetha, geborene Sontheimer (1844–1910), die gemeinsam mehrere Kinder hatten.

Der ältere der beiden, Leonhard Heydecker jr., war nicht nur Architekt, sondern wie sein Vater auch Möbelfabrikant.<ref>Das gute Einzel-Möbel. In: Innendekoration, 31. Jahrgang 1920, H. 9, S. 314. ((PDF) online)</ref> Er wurde mit seiner Firma „Archiktekt Leonhard Heydecker jr.“ zunächst durch seine Bautätigkeit bekannt. Er entwarf jedoch nicht nur die Gebäude selbst, sondern häufig auch deren Inneneinrichtung, so dass einheitlich durchgestaltete Gesamtwerke entstanden; ein repräsentatives Beispiel hierfür ist die um 1910 entstandene, heute unter Denkmalschutz stehende Städtische Realschule in Memmingen.

Die von der Firma Heydecker produzierten Möbel wurden nur auf Bestellung und unter Berücksichtigung der Wünsche der Kunden angefertigt, die aus ganz Süddeutschland kamen und meist dem gehobenen Mittelstand angehörten. In Überlingen, wo Leonhard Heydecker geheiratet hatte, befand sich ein Zweitsitz der Firma.<ref name="HD" /> Ein außergewöhnlich großer Absatz wurde mit „absolut schalldichten“ Telefonkabinen erreicht, deren Alleinlieferant die Firma Heydecker für ganz Württemberg war.<ref name="HD" />

Der vierzehn Jahre jüngere Otto Heydecker trat erst im Jahr 1909 in das Geschäft ein. Er hatte nach dem Besuch der Realschule und der Industrieschule an der Technischen Hochschule Darmstadt Bauingenieurwesen studiert und mit dem akademischen Grad Diplom-Ingenieur abgeschlossen.<ref name="HD" />

Als „Architekten Heydecker“ nahmen die beiden Brüder an Architektenwettbewerben auch weit außerhalb ihrer Heimatregion teil und erzielten beachtliche Erfolge. Unter anderem gewannen sie bei einem Wettbewerb um ein neues Realgymnasium und eine Oberrealschule in Görlitz unter 187 Bewerbern den 2. Preis,<ref name="HD">München und die Provinz. Arbeiten der Firma L. O. Heydecker, Aufsatz von Dr. Karl Lory in: Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 63.1912-1913, S. 280, abgerufen am 29. November 2015</ref> im ostpreußischen Allenstein bei einem Wettbewerb um den Bau eines neuen Rathauses ebenfalls den 2. Preis unter 73 Bewerbern.<ref>Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe. 29. November 2015, S. 484, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 8. Dezember 2015; abgerufen am 29. November 2015.</ref> Weitere Wettbewerbsteilnahmen erfolgten unter anderem für Projekte in Köln und Heidelberg.<ref name="KrKö" />

Die Brüder Heydecker arbeiteten auch mit dem Maler und Medailleur Franz Xaver Unterseher sowie mit dem Architekten Andor Ákos zusammen. Sie projektierten Arbeiterhäuser, Herrschaftssitze, Werkstätten und Fabrikgebäude und prägten das Bild ihrer Geburtsstadt Kempten nachhaltig.<ref name="KrKö">Anna Köhl, Ralf Lienert: Kreative Köpfe. Straßen und ihre Namensgeber in Kempten. 2. Auflage. Verlag Tobias Dannheimer, Kempten (Allgäu) 2007, ISBN 978-3-88881-056-5, S. 14 f.</ref> Heute stehen zahlreiche der von ihnen geschaffenen Gebäude, die oft Tafeln mit der Inschrift „Architekten Heydecker“ tragen, unter Denkmalschutz.

Persönliches

Leonhard Heydecker heiratete am 5. April 1908 in Überlingen die in Luzern geborene Katharina Amalie Rosa „Milly“ Ziesing (1868–1938).<ref>Persönliche Daten zu Leonhard Heydecker jr. im Stammbaum Heydecker-Glynn auf ancestry.com, abgerufen am 28. November 2015.</ref>

Am 6. November 1912 heiratete Otto Heydecker in Braunschweig die aus Velpke stammende Meta Velke (1888–1971). Das Ehepaar lebte in Kempten. Aus dieser Ehe gingen die beiden Söhne Rudolf Leonhard (1919–2012) und Walter (1921–1941) hervor.<ref>Persönliche Daten zu Otto Heydecker im Stammbaum Pam Behrens auf ancestry.com, abgerufen am 28. November 2015.</ref>

Das Familiengrab der Familie Heydecker auf dem Evangelischen Friedhof Kempten wurde von den Brüdern Leonhard und Otto Heydecker selbst entworfen. Sie fanden beide dort ihre letzte Ruhestätte.

Ehrungen

  • Benennung der Heydeckerstraße im Kemptener Stadtteil Eich.<ref name="KrKö" />

Werk (Auswahl)

Datei:Realschule an der Salzstraße Kempten 07062015 (Foto Hilarmont).jpg
Realschule an der Salzstraße, Kempten (Allgäu)

Gebäude in Kempten (Allgäu)

  • St.-Anna-Heim in Lenzfried, 1897
  • Realschule an der Salzstraße, 1915<ref>Die Realschule in Kempten – von den Architekten Leonhard Heydecker und Dipl.-Ing. Otto Heydecker. In: Süddeutsche Bauzeitung, 32. Jahrgang 1922, Nr. 13, S. 61 ff.</ref><ref name="KrKö" /><ref>Alexander Herzog von Württemberg, Wolfgang Haberl, Gerhard Weber, Michael Petzet (Hrsg.): Denkmäler in Bayern: Stadt Kempten. Band VII.85. Verlag Schnell & Steiner, München / Zürich 1990, ISBN 3-7954-1003-7, S. 38, 64, 82.</ref>
  • Haus der Milchwirtschaft, 1924/25
  • Fasshalle für das Allgäuer Brauhaus, 1926
  • Stadtgärtner-Brunnen am Westaufgang zur Burghalde (1926)
  • Neuapostolische Kirche, 1927
  • Christuskirche in Kempten-Kottern, 1927
  • Allgäuer Tierzuchthalle, 1928
  • Christliches Hospiz (Bahnhofstraße), mittlerweile stark verändert, 1929
  • Firmengebäude von Auto-Abt an der Burgstraße, 1930
  • Kellerhaus (Rathausplatz 18), 1936/1937
  • Urnenwand, Evangelischer Friedhof
  • Ehemaliges Kinderheim an der Burgstraße
  • Volksschule in Kottern
  • Bahnhofkiosk, mittlerweile abgetragen (ehemals Bahnhofsplatz, heute August-Fischer-Platz)
  • Ladenbau am ehemaligen Bahnhofsplatz, abgegangen
  • Elektroschmelzwerk bei Kempten (heute: 3M Technical Ceramics)
  • Eigene Heydecker-Möbelfabrik am Freudenberg, abgegangen

Gebäude in der Umgebung von Kempten (Allgäu)

Gebäude in weiteren Orten

Entwürfe

  • Wettbewerbsentwurf für ein Gebäude in Köln
  • 1910: Wettbewerbsentwurf für das Rathaus in Heidelberg (Ankauf)<ref>Deutsche Bauzeitung, 44. Jahrgang 1910, Nr. 39, S. 300.</ref>
  • 1910: Wettbewerbsentwurf für ein Realgymnasium in Görlitz (prämiert mit einem 2. Preis in Höhe von 2.400 Mark)<ref>Der Baumeister, 8. Jahrgang 1910, S. 80</ref>
  • 1910: Wettbewerbsentwurf für das Rathaus in Allenstein (Ostpreußen) (prämiert mit einem von zwei 2. Preisen in Höhe von 1.500 Mark)<ref>Zentralblatt der Bauverwaltung, 30. Jahrgang 1910, Nr. 42, S. 284.</ref>
  • 1912: Wettbewerbsentwurf für eine Knabenschule in Mindelheim (Ankauf)<ref>Deutsche Bauzeitung, 46. Jahrgang 1912, Nr. 15, S. 152.</ref>
  • 1925: Wettbewerbsentwurf für eine Landwirtschaftsschule und ein Kulturbauamt in Kaufbeuren (prämiert mit dem 3. Preis)<ref>Winfried Nerdinger (Hrsg.): Thomas Wechs 1893–1970. Architekt der Moderne in Schwaben. (= Schriften des Architekturmuseums Schwaben, Band 6.) Dietrich Reimer Verlag, Berlin 2005, ISBN 978-3-496-01340-2, S. 139.</ref>

Einzelnachweise

<references />

Literatur

  • Arbeiten von Leonhard Heydecker und Otto Heydecker, Kempten. In: Der Profanbau, Jahrgang 1920, Heft 9/10.
  • Julius Hofmann (Hrsg.): Zu den Arbeiten der Architekten L. Heydecker und Dipl.-Ing. O. Heydecker, Kempten. In: Moderne Bauformen, 23. Jahrgang 1924, S. 139 ff.
  • Friedrich Heinrich Hacker: Zu den Arbeiten der Architekten Leonhard und Otto Heydecker in Kempten. Allgäuer Druckerei und Verlagsanstalt, Kempten 1927, 1930 und 1937.
  • Architekten L. Heydecker und Dipl.-Ing. Otto Heydecker, Kempten Allg. Verlag Kurz, 1930.
  • Karl Lory: München und die Provinz. Arbeiten der Firma L. O. Heydecker. In: Bayrischer Kunstgewerbeverein (Hrsg.): Kunst und Handwerk. Band 63, Nr. 9, 1913, S. 274–282 (online [abgerufen am 14. März 2016] (mit zahlreichen Abbildungen von Möbelstücken aus der Werkstatt von Leonhard Heydecker und Informationen zur Firmengeschichte)).
  • Bernard Kühling: Allgäuer Künstlerlexikon. Kühling, Kempten 2012, ISBN 978-3-00-042566-0, S. 151.

Weblinks

Commons: Architekten Heydecker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien