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Beşparmak Dağları

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Beşparmak Dağları

landsat-Aufnahme der Beşparmak Dağları und des Bafa-Sees
landsat-Aufnahme der Beşparmak Dağları und des Bafa-Sees
landsat-Aufnahme der Beşparmak Dağları und des Bafa-Sees
Der Bafa-See mit Herakleia am Latmos
Der Bafa-See mit Herakleia am Latmos
Der Bafa-See mit Herakleia am Latmos
Höchster Gipfel Tekerlek Dağı (1374 m)
Lage Provinz Muğla, Türkei
Koordinaten 37° 31′ N, 27° 35′ OKoordinaten: 37° 31′ N, 27° 35′ O
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Die Beşparmak Dağları ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), auch Batı Menteşe Dağları, in der Antike Latmosgebirge) sind ein Gebirge in der türkischen Provinz Muğla. Es beginnt nordöstlich des Bafa-Sees am Tal des Großen Mäanders und zieht sich nach Südosten bis östlich von Milas, wo es in die Marçal Dağları übergeht. Im Osten liegt das Tal des Çine Çayı, im Westen der Bafa-See und der Bergzug des İlbir Dağı. Höchste Erhebung ist der Tekerlek Dağı,<ref>Höhfeld, Volker: Herakleia – Stadt und Landschaft des Latmos : ein historisch-geografischer Leitfaden durch das Latmos-Gebirge und seine Umgebung. In: Volker Höhfeld (Hrsg.): Global Studies Working Papers. Band 37. Tübingen Institute of Geography, Tübingen 2017, OCLC 1001517396, S. 8.</ref> der antike Latmos, nahe dem Ostufer des Sees mit 1374 m.<ref>Volker Höhfeld: Herakleia – Stadt und Landschaft des Latmos. Ein historisch-geografischer Leitfaden durch das Latmos-Gebirge und seine Umgebung. In: Volker Höhfeld (Hrsg.): Global Studies Working Papers. Band 37. Institute of Geography, Tübingen 2017, S. 8.</ref>

Geschichte

Datei:Latmos 2015 Karadere-Höhle Götter-Felsbild P1320855.jpg
Prähistorische Götter-Darstellung in der Karadere-Höhle, Felsmalerei aus dem 8.-4. Jt. v. Chr. im Latmos-Gebirge/Beşparmak

Wie aus den Felsmalereien im Latmos-Gebirge, die Anneliese Peschlow 1994 zusammen mit Volker Höhfeld<ref>Volker Höhfeld: Kulturlandschaftswandel im Latmos (Beşparmak, Südwest-Türkei). Ein Beitrag zur genetischen Siedlungsforschung in einem Bergland Westanatoliens. In: Hans Lohmann (Hrsg.): Asia Minor Studien. Band 93. Habelt-Verlag, Bonn 2019, ISBN 978-3-7749-4214-1, S. 3 f.</ref> entdeckte, hervorgeht, war das Gebiet schon im Chalkolithikum besiedelt.<ref>Frank Kolb: Chora und Polis. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2004 S. 328, ISBN 978-3-486-56730-4 bei Google Books</ref> Zumindest Teile des Latmos gehörten in der Zeit des hethitischen Großreichs im 2. Jahrtausend v. Chr. zum Königreich Mira, wovon die ebenfalls von Peschlow entdeckte Felsinschrift am Suratkaya zeugt. In der Antike gehörte das Gebirge zur Region Karien. Bis zum vierten Jahrhundert n. Chr. lag es noch am Meer, da der heutige Bafa-See als Latmischer Meerbusen mit der Ägäis verbunden war. Erst dann wurde die Bucht durch die Ablagerungen des Mäander (Büyük Menderes) von der offenen See abgeschnitten. Die antike Stadt Herakleia am Latmos am Ostende des Bafa-Sees war damit im vierten Jahrhundert v. Chr. die Grenzfestung an der Nordgrenze des Herrschaftsbereichs von Halikarnassos unter König Maussolos. Im Latmos liegt auf 700 m Höhe das karische Heiligtum Labraunda, das ebenfalls zu Halikarnassos gehörte<ref>Marianne Mehling (Hrsg.): Knaurs Kulturführer in Farbe Türkei. Droemer-Knaur, 1987, ISBN 3-426-26293-2, S. 236.</ref>, am Südwesthang der Ort Euromos. Strabon erwähnt den Berg und die Stadt Herakleia in seinen Geographika.<ref>Geographika XIV 1,8 bei Google Books</ref> Nach seiner Ansicht ist es der Berg, der in Homers Ilias als {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) (Berg der Phthirer, Pinienkernberg oder Fichtenberg, je nach Übersetzung) erwähnt wird.<ref>Homer, Ilias, II 868 bei Google Books</ref> In byzantinischer Zeit war das Gebirge Rückzugsgebiet für christliche Mönche und Einsiedler, wovon das Stylos-Kloster zeugt, wo Ende des 13. Jahrhunderts die letzten Mönche vergeblich Widerstand gegen die Seldschuken leisteten.<ref>Frank Rainer Schreck: Türkei – die Westküste. DuMont Reiseverlag, 2005 S. 173–175, ISBN 978-3-7701-6026-6 bei Google Books</ref> Danach war das Gebirge verlassen, bis türkische Nomaden begannen, hier ihre Herden weiden zu lassen.

Datei:Miletus Bay silting evolution map-en.svg
Lage des Latmosgebirges am ehemaligen Latmischen Meerbusen – äußerster rechter Rand

Geologie

Rundliche „Wollsäcke“ mit der typisch aushöhlenden Tafoni-Verwitterung in den Augengneisen der Beşparmak Dağları/Latmos bei Bozalan
„Wollsäcke“ mit Tafoni-Verwitterung in den Beşparmak Dağları/Latmos

Das aus Augengneisen des Menderes Massivs, granitischen Intrusionen und metamorphen Schiefern mit eingebettetem Marmor bestehende<ref>Volker Höhfeld: Herakleia – Stadt und Landschaft des Latmos. Ein historisch-geografischer Leitfaden durch das Latmos-Gebirge und seiner Umgebung. In: Volker Höhfeld (Hrsg.): Global Studies Working Papers. Band 37. Institute of Geography, Tübingen 2017, S. 8–23.</ref> Gebirge ragt in Zacken- und Zinnenform empor, was zu dem türkischen Namen führte. Zu den vorkommenden Formen zählen auch Höhlen, die von Einsiedlern als Wohnstätten genutzt wurden, sowie Wollsackverwitterungen und Tafonibildungen.<ref>Volker Höhfeld: Herakleia – Stadt und Landschaft des Latmos. Ein historisch-geographischer Leitfaden durch das Latmos-Gebirge und seiner Umgebung. In: Volker Höhfeld (Hrsg.): Global Studies Working Papers. Band 37. Institute of Geography, Tübingen 2017, S. 14–19.</ref> Bei der Verwitterung des Gneis entsteht Quarzsand, der zum See hinabgespült wird und sich dort in feinkörnigen Quarzdünen ablagert.<ref name="Kasparek">Aygün und Max Kasparek: Reiseführer Natur Türkei. BLV Verlagsgesellschaft, München Wien Zürich 1990 S. 74–76, ISBN 3-405-14030-7</ref>

Flora und Fauna

Datei:Pinienwälder im Beşparmak bei Çavdar.jpg
Ausgedehnte Pinienwälder im Beşparmak bei Çavdar

Die Beşparmak Dağları haben partiell nur spärliche Vegetation. Sie besteht größtenteils aus stark von Ziegen verbissenen niedrigen Büschen von Kermeseichen. In höheren Lagen sind Reste von Kiefernwäldern und ausgedehnten Pinienwäldern<ref>Volker Höhfeld: Herakleia – Stadt und Landschaft des Latmos. Ein historisch-geografischer Leitfaden durch das Latmos-Gebirge und seiner Umgebung. In: Volker Höhfeld (Hrsg.): Global Studies Working Papers. Band 37. Institute of Geography, Tübingen 2017, S. 6.</ref> zu finden, aus denen Pinienkerne gewonnen werden. Die Bewohner kultivieren auf vielen Hangpartien und Flachbereichen Olivenbäumen und halten Bienenvölker für die Honigproduktion.<ref>Volker Höhfeld: Herakleia – Stadt und Landschaft des Latmos. Ein historisch-geografischer Leitfaden durch das Latmos-Gebirge und seiner Umgebung. In: Volker Höhfeld (Hrsg.): Global Studies Working Papers. Band 37. Institute of Geography 3, Tübingen 2017, S. 146–175.</ref>

In den Ruinen, am Seeufer sowie in den Olivenhainen findet man Hardune, auf den spärlich bewachsenen Böden die Schlangenaugeneidechse (Orphisops elegans) und die nur in der Türkei vorkommende Südwestanatolische Eidechse (Anatololacerta oertzeni). In höheren Lagen kommen Stachelschweine vor, und es gibt eine kleine Population von Braunbären.<ref name="Kasparek" />

Ökologische Probleme

Datei:Latmos 20 05 2007 Feldspatabbau bei Karakaya.jpg
Bei Karakaya war bereits Anfang der 1990er Jahre einer der ersten Albit-Feldspat-Steinbrüche im Beşparmak (Latmos) aktiv, dessen Umfang sich bis 2007 erheblich ausgeweitet hatte

Seit über einem Vierteljahrhundert laufen Bestrebungen, Teile des Beşparmak-Berglandes zum Nationalpark erklären zu lassen, um dort eine weitere und endgültige Zerstörung wertvoller kulturhistorischer Relikte in einer der reizvollsten Naturlandschaften der Türkei zu verhindern. Es sind in erster Linie Begehrlichkeiten der privaten und staatlichen türkischen Bergbauwirtschaft an Rohstoffgewinnung für die Keramik-Industrie, die die Ökologie des Gebirges bedrohen. Bereits Mitte des 1990er Jahre waren Wissenschaftler mit dem Bemühen an die UNESCO herangetreten, die archäologischen Funde und die natürliche landschaftliche Schönheit des Latmos unter Schutz zu stellen. Der Erfolg war begrenzt: 1994 wurden lediglich ein 12.281 ha großer Uferstreifen um den 60 km² großen Bafasee sowie das benachbarte Mäanderdelta als Teile des „Naturparks Aydın“ zum Landschaftsschutzgebiet Bafa Gölü Tabiat Parkı erklärt.<ref>Volker Höhfeld: Herakleia – Stadt und Landschaft des Latmos. Ein historisch-geografischer Leitfaden durch das Latmos-Gebirge und seine Umgebung. Hrsg.: Volker Höhfeld. Global Studies Working Papers Band 37. Tübingen Institute of Geography, Tübingen 2017, S. 5.</ref>

1984 hatte man im Latmos mit der Anlage von Feldspat-, Quarz- und Marmorminen begonnen, und von 2004 bis 2014 beschleunigte sich der Bergbau erheblich. Von 1984 bis 2018, vor allem aber in den letzten 14 Jahren, wurden im Latmos durch Minen-Aktivitäten insgesamt 3800 ha Gelände zerstört, 1500 ha durch Feldspat-Quarzit-Steinbrüche, 1390 ha durch Marmorbrüche und 900 ha durch den Braunkohleabbau.<ref name=":0">M. Gül, M., K. Zorlu &. M. Gül: Assessment of mining impacts on environment in Muğla-Aydın (SW Turkey) using Landsat and Google Earth imagery. In: Environmental Monitoring and Assessment. Band 191, Nr. 11, 2019, S. 1–18.</ref> Allein in den letzten Jahren, in denen der Abbau aufgrund von Anreizen für den Bergbau und Steuersenkungen stark zugenommen hat, wurden in dieser Region bis 2012 sieben neue Feldspat-Steinbrüche für Rohstoffe der Glas-, Keramik, Schweißelektroden- und Lackindustrie eröffnet.<ref>Beşparmak Dağları’ndaki 8 bin yıllık resimler taşocaklarında mıcır olacak. In: T24 Internet Gazetesi. 30. Oktober 2012, abgerufen am 15. März 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Laut Nachrichten in türkischen Zeitungen<ref>Özer Akdemir: Beşparmak’ta on yara! In: Evrensel Gazetesi. 16. Mai 2017, abgerufen am 15. März 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Dünyanın hayran kaldığı “Latmos” yeni bir tehdit altında. In: Yeşil Gazete. 19. Oktober 2017, abgerufen am 15. März 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> wurde bei einer Umweltverträglichkeitsprüfung wegen Kapazitätsausbau von Feldspat-, Quarz- und Quarzit-Minen im Latmos festgestellt: Alle Dörfer in der Region haben dadurch ernsthafte Probleme verschiedenster Art.

Datei:Latmos 25 10 2014 Feldspatabbau bei Söğütözü.jpg
Neben vielen anderen Steinbrüchen für Marmor und Feldspat im Latmosgebirge war bis 2014 auch in Söğütözü eine ausgedehnte Albit-Feldspat-Grube entstanden

Erste massive Demonstrationen gegen Raubbau an den Natur- und Kulturgütern des Latmos starteten unter dem Motto „Rettet den Latmos“ im November 2012.<ref>Anneliese Peschlow-Bindokat: Das Latmos-Gebirge / Beşparmak. Eine einzigartige Natur- und Kulturlandschaft vor dem Untergang. (PDF) 2013, abgerufen am 15. März 2020.</ref> Trotz heftiger Proteste aus der Bevölkerung<ref>Aydın Tabip Odası Beşparmak Dağları’ndaki Kanser Vakalarını Araştırdı. In: Havadıs Gazetesi. 27. Mai 2015, abgerufen am 15. März 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Söke halkı Beşparmak Dağı’na yeni maden ocakları açılmasına karşı çıktı. In: Cumhurriyer Gazetesi. 20. März 2020, abgerufen am 20. März 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>, von Umweltverbänden<ref>Retten Sie die größten Pinienwälder der Türkei! In: NABU. 2014, abgerufen am 15. März 2020.</ref>, nationalen und internationalen Wissenschaftsvertretern und aus dem türkischen Gesundheitswesen<ref>Aydın Tabip Odası Beşparmak Dağları’ndaki Kanser Vakalarını Araştırdı. In: Hürriyet Aydın Haberleri. 27. Mai 2015, abgerufen am 15. März 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>, trotz wiederholter Antragstellung an die UNESCO und an staatliche türkische Stellen<ref>Beşparmak Dağları’nın Milli Park Statüsünü Alınması İsteniyor. In: Haberler Gazetesi Aydın. 7. November 2006, abgerufen am 15. März 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und trotz gezielter wissenschaftlicher Untersuchungen, die den rasanten Fortschritt der Umweltzerstörung durch bergbauliche Tätigkeiten offenlegen<ref name=":0" /> konnte ein nachhaltiger Bergbaustopp im Latmos bislang nicht erreicht werden.

Literatur

  • Anneliese Peschlow: Der Latmos. Eine unbekannte Gebirgslandschaft an der türkischen Westküste. von Zabern, Mainz 1996 (Zaberns Bildbände zur Archäologie/Sonderhefte der Antiken Welt), ISBN 3-8053-1994-0.
  • Anneliese Peschlow: Frühe Menschenbilder. Die prähistorischen Felsmalereien des Latmos-Gebirges (Westtürkei). von Zabern, Mainz 2003, ISBN 3-8053-3001-4.
  • Volker Höhfeld: Herakleia – Stadt und Landschaft des Latmos. Ein historisch-geografischer Leitfaden durch das Latmos-Gebirge und seine Umgebung (= Global Studies Working Papers of the Tübingen Institute of Geography 37). Tübingen 2017 (Digitalisat).
  • Hans Lohmann (Hrsg.): Feldforschungen im Latmos. Forschungen im Umland von Herakleia am Latmos (= Asia Minor Studien 93). Habelt, Bonn 2019, ISBN 978-3-7749-4214-1.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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