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La Trinité (Vendôme)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Abbaye de la trinité, Vendôme.jpg
Abtei La Trinité
Datei:Vendôme Abbatiale de la Trinité Innen Langhaus Ost 3.jpg
Innenansicht der Abteikirche

Die Abtei La Trinité in Vendôme wurde 1034 von Graf Geoffroy II. Martel von Vendôme und seiner Ehefrau Agnes von Burgund gegründet.

Geschichte

Der Legende nach sahen der Graf und seine Frau eines Morgens drei flammende Sterne in einen Brunnen unterhalb der Burg fallen. Voller Verwunderung ordnete Geoffrey nach Konsultation des Bischofs von Chartres den Bau einer der Dreifaltigkeit geweihten Benediktinerabtei an dieser Stelle an, die mit Mönchen aus dem Kloster Marmoutier bei Tours besetzt wurde. Der Gründung im Jahr 1034 folgte die Weihe der Abteikirche am 31. Mai 1040, einen Monat, bevor Geoffrey Graf von Anjou wurde.

Die Abtei wuchs und gedieh, war von allen feudalen Pflichten entbunden, und unterstand bald der direkten Aufsicht des Papstes, was bereits im Jahr 1056 von König Heinrich I. bestätigt worden war. Wenige Jahre später, 1063, erhielt der Abt den Status eines Kardinals, was in der Kirchengeschichte lediglich noch dem Abt von Cluny gewährt war. Fast zwangsläufig geriet das mächtig gewordene Kloster bald in Konflikte mit den Grafen von Vendôme, bei denen sie häufig die Oberhand behielt: Graf Geoffrey II. von Vendôme wurde im Streit mit La Trinité sogar exkommuniziert, was er nur durch die Teilnahme am Ersten Kreuzzug aufheben konnte, von dem er nicht mehr zurückkehrte.

Ab 1539 wurde das Kloster von Kommendataräbten beherrscht, ab 1621 gehörte La Trinité zur Reform-Kongregation der Mauriner – einer der wichtigsten Mauriner, Luc d’Achery, leistete hier 1632 seine Ordensgelübde. Während der Revolution wurde die Klosterkirche zur Pfarrkirche gemacht und 1791 verkauft. Ab 1802 beherbergten die Klostergebäude die regionale Kavallerie.

Auf den Architekten Émile Boeswillwald (1815–1896) gehen Restaurierungsarbeiten an der Abtei zurück, ebenso wie ihre Klassifizierung als Monument historique bereits im Jahr 1840. Dennoch wurden die Klostergebäude 1907 von ihren militärischen Nutzern weitgehend zerstört, die Reste werden in einem kleinen Museum zur Geschichte des Vendômois aufbewahrt. Die Manuskripte des Klosters wurden in der Stadtbibliothek untergebracht. Die Kirche und die Reste der Abtei sind heute im Besitz der Stadt.

Architektur

Die Abteikirche in ihrer heutigen Form enthält im Querschiff und den Pfeilern der Vierung noch Elemente der einfachen ersten Kirche. Am Ende des 13. Jahrhunderts, in der Blütezeit der Abtei, wurde die Apsis hochgotisch erneuert, und Mitte des 14. Jahrhunderts wurden die beiden östlichen Joche des Hauptschiffes errichtet. Nach einer langen Unterbrechung durch den Hundertjährigen Krieg kamen die Arbeiten wieder in Gang, und 1492 waren das dritte und vierte Joch fertiggestellt. Die übrigen entstanden Anfang des 16. Jahrhunderts zusammen mit der grandiosen Eingangsfront im Flamboyant-Stil.

Aufgrund der langen Bauzeit sind heute im Kirchenschiff mehrere unterschiedliche Baustile „versammelt“, was am Wechsel in der Gestaltung der Pfeiler und am Wandel der Profilarten und Ornamente abzulesen ist.

Außen kontrastiert der romanische Glockenturm aus dem 12. Jahrhundert zur Flammenzier des Maßwerks an der Westfassade. Vom Kreuzgang des 14. Jahrhunderts blieb der Südflügel erhalten. Ein Teil der ehemaligen Klostergebäude wird heute als Museum genutzt; ausgestellt sind Wandmalereien aus dem Loirtal sowie regionale religiöse Kunst aus dem Mittelalter und der Renaissance.

Hinsichtlich der Ausstattung sind die vier farbig gefassten romanischen Vierungssäulen zu beachten. Auch die Glasmalereien aus dem 16. Jahrhundert gehören zu den Besonderheiten des Kirchenbauwerkes.

Chorgestühl

Geschichte

Das Chorgestühl der ehemaligen Abtei wurde von Abt Louis de Crevant (1487–1522) in Auftrag gegeben und unter seinem Neffen Antoine de Crevant, seinem Nachfolger von 1522–1539, fertiggestellt. Dies bezeugt sein Wappen auf einer Seitenwange. Die Sitzreihen sind von musizierenden Engeln gekrönt und weisen geschnitzte Miserikordien auf, auf denen Szenen des Alltagslebens im Lauf der Monate und Abbildungen des Tierkreises zu sehen sind. Während der Revolution wurden sie nach 1791 an vier verschiedene Gemeinden verkauft. Aus einem Bericht kurz vor dem Verkauf und der Breite eines Sitzes von 66 cm kann man abschätzen, dass es ursprünglich 88 Sitze in zwei hintereinander gestaffelten Reihen waren, die zwei langgestreckte L bildeten. Zwischen 1835 und 1838 konnten unter der Schirmherrschaft von Pfarrer Caille 32 Sitze wieder angebracht werden. Die heute in zwei verkürzten Reihen gegenübergestellten Sitze stammen alle aus den früheren Vorderreihen und überdauerten in der Pfarrkirche von Lunay. Die Baldachine darüber sind alle modern, bis auf die Engelsstatuen, die vom ursprünglichen Gestühl stammen.

Darstellungen

Auf der nordöstlichen Seitenwange ist Christus abgebildet, der mit der Siegesfahne in der Rechten aus dem Grab steigt, während beidseits vor dem Grab zwei schlafende Wächter abgebildet sind.<ref name=":0">Jean-Yves Cordier: Les stalles de l'église de la Trinité de Vendôme. I. In: lavieb-aile.com. 5. Oktober 2019, abgerufen am 4. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Sie sind beide in der Mode des ausgehenden 15. Jahrhunderts gekleidet. In den Voluten darüber finden zwei weitere schlafende Soldaten ihren Platz, der linke davon scheint wie aus einem Schneckenhaus hervorzusehen. In der obersten Etage erscheint eine Pietà zwischen zwei Nonnen, die in geistlichen Büchern lesen. Die südöstliche Wange zeigt eine kniende Maria Magdalena, die den Stamm des leeren Kreuzes umfasst, um den alle Passionswerkzeuge angeordnet sind. Daneben steht das Salbengefäß als Attribut der Heiligen. In den Voluten sitzt über Akanthusblättern ein Narrenpaar. Noch darüber hielten zwei Engelsfiguren zwischen sich das Wappen des Kardinals Antoine de Crevant. Laut der Beschreibung von Claude Bayle<ref name=":1"></ref> war 1967 der Wappenschild noch vorhanden, nur der Kardinalshut mit seinen Quasten fehlte. Heute fehlt das Wappen in Gänze.

In der heutigen Anordnung bilden die 32 Miserikordien keine sinnvolle Ordnung. Es finden sich folgende Darstellungen im Süden:

Nr. 1 ein Löwe als Tierkreiszeichen, Nr. 2. Ein Jäger mit Jagdhorn und Lanze, Nr. 3 Ein Sämann mit Sätuch (Monatssymbol für den Oktober), Nr. 4 Ein Metzger, der ein Schwein schlachtet (Monatssymbol für den Dezember), Nr. 5 Zwei Bettler, die sich um die Almosen streiten<ref name=":1" />, Nr. 6 Ein Arrangement von 5 Brombeeren oder Maulbeeren, Nr. 7 Ein Dudelsackspieler, Nr. 8 Zwei Küfer beim Keltern der Trauben und Herrichten eines Fasses (Monats-symbol für den September), Nr. 9 Ein Zentaur als Bogenschütze (Tierkreiszeichen), Nr. 10 Ein Rattenfänger, der seine tote Beute in einem Rückenkorb trägt, Nr. 11 Der Kopf eines Mauren, Nr. 12 Eine Schafschererin (Monatssymbol für den Juli)<ref name=":2">Mathieu Deldicque (Hrsg.): Das meisterhafte Stundenbuch des Duc de Berry. Les Très Riches Heures. Belser, Stuttgart 2025.</ref>, Nr. 13 Ein Hausdiener, der zwei Hunde trennt, die sich um einen Knochen streiten, Nr. 14 Ein drachenartiges Fabelwesen, Nr. 15 Ein Steinbock als Tierkreiszeichen, Nr. 16 verschlungene Akanthusblätter.

Im Norden: Nr. 1 Ein Mann, der sich am Feuer wärmt (Monatssymbol für den Februar)<ref name=":2" />, Nr. 2 Ein Sarrazenenkrieger, der einen Krummsäbel schwingt und einen Rundschild mit einer Schlange trägt, Nr. 3 Ein fröhlicher Zecher zwischen Binsen (Monatssymbol für den April), Nr. 4 Ein Esel, der eine Ladung Holz trägt, Nr. 5 Ein Kerzenhändler, Nr. 6 verschlungene Akanthusblätter, Nr. 7 Ein Mann mit rundem Hut, der wie Atlas mit gespreizten Beinen das Miserikordium stützt, Nr. 8 Ein Winzer beim Beschneiden eines Weinstocks, Nr. 9 Eine Schnecke, die an einem sechslappigen Blatt nagt, Nr. 10 Eine Wasserträgerin, Nr. 11 verschlungene Blattranken, Nr. 12 Eine Maske, aus der Eichenzweige sprießen, Nr. 13 erneut ein Mann, in Form eines stützenden Atlas, Nr. 14 Zwei an der Hüfte zusammengebundene Akrobaten, die Rad schlagen.

Insgesamt 88 Skulpturen krönen die Rückenteile, die aus dem 19. Jahrhundert stammen. Die 47 stilisierten Blumenarrangements und 41 Engelfiguren gehören zum Originaldekor. 23 der Engel spielen verschiedene Musikinstrumente, wie z. B. Querflöte, Geige, Harfe, Laute, Drehleier, Serpent oder Tambourin, andere tragen Passionswerkzeuge.<ref name=":0" />

Reliquie

Die wichtigste Reliquie, die in der Abtei aufbewahrt wurde, waren die „heiligen Tränen“ Jesu, die in einer kleinen Kristall-Ampulle als Wassertropfen aufbewahrt wurden. Sie waren es, die La Trinité vom 11. Bis zum 18. Jahrhundert zu einer bedeutenden Pilgerstätte machten. Graf Geoffroy Martel hatte sie angeblich nach einem Sieg über die Muslime vom Kaiser von Konstantinopel geschenkt bekommen. Allerdings ging die Reliquie während der Revolution auf ihrem Transport von Vendôme nach Rom verloren.

Äbte

Literatur

  • C. Métais: Cartulaire de l'abbaye cardinale de la Trinité de Vendôme. 1893ff
  • Jean-Baptiste Thiers: Dissertation sur la Sainte Larme de Vendôme. online
  • Jean Mabillon: Lettre d'un bénédictin à Monseigneur l'évesque de Blois touchant le discernement des anciennes reliques au sujet d'une dissertation de Mr Thiers contre la sainte larme de Vendôme. online

Weblinks

Commons: Abbaye de la Trinité de Vendôme – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 47° 47′ 28″ N, 1° 4′ 8″ O

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