Zum Inhalt springen

Kurt Matthaei

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Kurt Matthaei (* 4. Februar 1886 in Nienburg/Weser; † 19. März 1974 in Lüneburg) war ein deutscher Jurist, Kommunalbeamter und völkisch-nationalsozialistischer Politiker (DvP/NSDAP/SRP/DRP).

Leben

Kurt Matthaei war der Sohn des Oberbürgermeisters von Hamm Richard Matthaei. Er absolvierte nach dem Abitur in Hamm ein Studium der Staats- und Rechtswissenschaft an den Universitäten Göttingen und Münster.<ref name="Haunfelder40ff.">Bernd Haunfelder: Die münsterischen Regierungspräsidenten des 20. Jahrhunderts. Bezirksregierung Münster 2006, S. 40 ff.</ref> Seit 1907 war er Mitglied der Studentenverbindung StMV Blaue Sänger Göttingen im SV.<ref>Sondershäuser Verband Deutscher Sängerverbindungen: A.H.-Anschriften-Buch. Mitglieder-Verzeichnisse sämtlicher A.H.-Verbände. Stand vom 15. April 1929. München 1929, S. 29.</ref> Als Einjährig-Freiwilliger leistete er Militärdienst ab und nahm ab 1914 am Ersten Weltkrieg teil.<ref name="EA619f">Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kirchliche Zeitgeschichte (Hrsg.): Dokumente zur Kirchenpolitik des Dritten Reiches: Bd. V: 1939-1945 Die Zeit des Zweiten Weltkriegs (September 1939–Mai 1945). Band 5, Gütersloher Verlagshaus, 2008, S. 619 f.</ref> Nach Kriegsende war er in der Dortmunder Kommunalverwaltung tätig, aus der er im Mai 1930 ausschied. Danach war er Amtsbeigeordneter in Marl.

Ab 1926 gehörte er der DVP an. Von der DVP wechselte er zum 1. November 1932 zur NSDAP (Mitgliedsnummer 1.359.089).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/27880706</ref> Er wurde 1933 in den Provinziallandtag für Westfalen gewählt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten übernahm er im März 1933 den Posten des Reichskommissars für Schaumburg-Lippe und wurde Bevollmächtigter beim Reichsrat. Bereits im April 1933 wurde er Landrat im Kreis Recklinghausen.<ref name="EA619f" /> Von 1933 bis 1935 stand er dem Hauptausschuss des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge vor.<ref>Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt am Main 2007, S. 394.</ref> Im Juni 1933 wechselte er nach Münster, wo er zunächst kommissarisch und am 5. Juli 1933 offiziell als Regierungspräsident tätig wurde. Im Oktober 1934 wurde er als Regierungspräsident nach Lüneburg versetzt, wo er bis Anfang 1943 in dieser Funktion tätig war. In Lüneburg übernahm er zudem von 1936 bis 1938 den Vorsitz des NSDAP-Parteigerichts und von Dezember 1939 bis März 1941 den Posten des Beauftragten des Rassenpolitischen Amtes.<ref name="Haunfelder40ff." />

Während des Zweiten Weltkrieges wurde er im Juli 1943 Sonderbeauftragter des Führungsstabes Kiew. Im März 1944 wurde er in den Wartestand versetzt.<ref>Hedwig Schrulle: Verwaltung in Diktatur und Demokratie: die Bezirksregierungen Münster und Minden/Detmold von 1930 bis 1960. Schöningh, 2008, S. 668.</ref>

Nach Kriegsende befand er sich in britischer Internierung, aus der er im Oktober 1947 entlassen wurde. Er wurde nach einem Spruchkammerverfahren zunächst Ende Oktober 1948 als Minderbelasteter entnazifiziert und im März 1951 als entlastet eingestuft. Nachdem er der SRP beigetreten war, war er für diese Partei Landtagskandidat in Niedersachsen und Bezirksleiter. Im Zuge des Verbots der SRP erhielt er 1952 Redeverbot. Er übernahm nach dem SRP-Verbot 1952 den Vorsitz des Arbeitsrings für Wahrheit und Gerechtigkeit und war führend an der Gründung der SRP-Ersatzorganisation Unabhängiger kommunalpolitischer Einheitsblock (KEB) in Lüneburg beteiligt; nach einer Kandidatur für diese Partei wurde gegen ihn 1954 ein Dienststrafverfahren eingeleitet. Er schloss sich 1953 der Deutschen Aufbau-Vereinigung (DAV) an. Zu den Bundestagswahlen 1953 und 1957 trat er als Kandidat erfolglos für die DRP jeweils im Bundestagswahlkreis Lüneburg – Dannenberg (Nr. 35) an. Er war 1958 Gründungsmitglied der Freien Sozialistischen Volkspartei (FSVP). Schließlich trat er noch der NPD bei. Im November 1958 erstritt er sich vor dem Oberverwaltungsgericht die Pension eines Landrates.<ref name="Haunfelder40ff." />

Literatur

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Art. Franz Georg Kurt Matthaei. In: Jürgen Schäfer (Bearb.), Kreis Recklinghausen (Hrsg.): Die Landräte des Kreises Recklinghausen von 1816 bis 1999. Eine Datensammlung. Archiv des Kreises Recklinghausen, Recklinghausen 2001, S. 41–44.
  • Bernd Haunfelder: Die münsterischen Regierungspräsidenten des 20. Jahrhunderts. Bezirksregierung Münster 2006 (bezirksregierung-muenster.de PDF; 10,4 MB).
  • Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/9783000207037 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.
  • Art. Kurt Matthaei (1886–1974). In: Heinz-Georg Matuszewski: Die Landräte des Kreises Recklinghausen. Kreishausdruck, Recklinghausen 2008, S. 20–21.

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein