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Kulturgutschutz

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Mobiler Kulturgutschutz-Container für den Notfallverbund Kölner Archive und Bibliotheken, 2020

Kulturgutschutz oder Kulturgüterschutz bezeichnet alle Maßnahmen zum Schutz von Kulturgut vor Beschädigung, Zerstörung, Diebstahl, Unterschlagung und illegalem Handel (sog. Antikenhehlerei). Bei unbeweglichem Kulturgut wird auch der Begriff „Denkmalschutz“ verwendet. Der Schutz bezieht sich insbesondere auf die Verhinderung von Raubgrabungen an archäologischen Stätten, Plünderung beziehungsweise Zerstörung von Kulturstätten im Krieg sowie Diebstahl von Kunstgegenständen aus Kirchen und Museen in aller Welt, außerdem auf Maßnahmen zur Erhaltung und zur Sicherung des allgemeinen Zugangs zu unserem gemeinsamen kulturellen Erbe.<ref name="Interview-Karl-Habsburg">Hans Haider: Karl Habsburg-Lothringen. In: Wiener Zeitung. 29. Juni 2012 (wienerzeitung.at – Interview).</ref> Der rechtliche Kulturgutschutz umfasst eine Reihe von internationalen Abkommen und nationalen Gesetzen.<ref name="Schipper">Friedrich Schipper: Bildersturm: Die globalen Normen zum Schutz von Kulturgut greifen nicht. In: Der Standard. 6. März 2015 (derstandard.at).</ref> Blue Shield International ist eine internationale Organisation, die als Partnerorganisation der UNESCO nationalen und internationalen Kulturgüterschutz koordiniert.<ref>Isabelle-Constance von Opalinski: Schüsse auf die Zivilisation. In: FAZ. 20. August 2014.</ref><ref>UNESCO convenes Libyan and international experts meeting for the safeguard of Libya’s cultural heritage. In: UNESCO World Heritage Center - News. 21. Oktober 2011.</ref><ref>Roger O’Keefe, Camille Péron, Tofig Musayev, Gianluca Ferrari: Protection of Cultural Property. Military Manual. UNESCO, 2016, S. 73 ff.</ref>

International

Grundsätzlich sind Kulturgüter wie archäologische Funde, Ausgrabungsstätten, Archive, Bibliotheken, Museen und Denkmale das besonders sensible kulturelle Gedächtnis und meist auch die wirtschaftliche Grundlage eines Staates, einer Kommune oder einer Region. In der Geschichte der Menschheit waren dann kriegerische Auseinandersetzungen fast ausnahmslos auch stets von Plünderung, Beschlagnahme und Zerstörung von Kulturgut begleitet. Neben dem menschlichen Leid durch kriegerische und bewaffnete Konflikte sind auf diese Art und Weise rund drei Viertel aller jemals von Menschenhand geschaffenen Kulturgüter und somit die Zeugnisse und Nachweise menschlicher schöpferischer Schaffenskraft zerstört worden. Dagegen ist nur etwa ein Viertel aller Kulturgüter durch Naturkatastrophen zerstört worden oder durch normalen Verfall endgültig verschwunden. In allen Epochen war neben der Bekämpfung des Gegners immer auch das Kulturgut potentielles Ziel der feindlichen Kriegsführung. Dieses Bestreben sollte dem Zweck dienen, dass durch erfolgreiche Beutezüge eine Refinanzierung der Kriegskosten erfolgte und gleichzeitig dem unterworfenen Gegner seine geistige und kulturelle Identität genommen wurde.<ref>Vgl. auch Jyot Hosagrahar: Culture: at the heart of SDGs. UNESCO-Kurier, April-Juni 2017.</ref> Bei Kriegen, bei welchen Identität eine wichtige Rolle spielt, ist die Zerstörung von Kulturgütern laut Karl Habsburg-Lothringen auch ein Teil der psychologischen Kriegsführung.<ref>Vgl. Gerold Keusch: Kulturschutz in der Ära der Identitätskriege. In: Truppendienst. Magazin des Österreichischen Bundesheeres. 24. Oktober 2018.</ref><ref>Vgl. auch Karl von Habsburg auf Mission im Libanon. In: krone.at. Abgerufen am 19. Juli 2019.</ref> Heute ist der Missbrauch von Kulturgütern international gesehen geächtet und strafbar und wird, zumindest wenn Militärs verantwortlich sind, mitunter auch mit Sanktionen bestraft.<ref>Aussage von Karl Habsburg-Lothringen, früherer Präsident von Blue Shield: „Auch beim Militär selbst hat die juristische Situation ein viel größeres Bewusstsein hervorgerufen. Missbrauch von Kulturgütern ist strafbar. Früher dachte man im Militär, wir können eigentlich machen, was wir wollen, denn wir sind nur unserem eigenen Engagement und dem Militärrecht verantwortlich. Dass sie hier Sanktionen treffen können, ist den meisten Militärs nun bewusst - oder wird ihnen langsam bewusst.“ (Hans Haider: Karl Habsburg-Lothringen. In: Wiener Zeitung. 29. Juni 2012 (wienerzeitung.at – Interview).)</ref>

Historisch betrachtet wurde am 29. Juli 1899 in Den Haag das für den Schutz von Kulturgut grundlegende Abkommen, betreffend die Gesetze und Gebräuche des Landkriegs von den beteiligten Konferenzmächten ratifiziert. Die darin völkerrechtlich verbindlich festgeschriebenen Richtlinien zum Schutz von Kulturgut wurden fast wörtlich in das Haager Abkommen betreffend die Gesetze und Gebräuche des Landkriegs vom 18. Oktober 1907 und der dazugehörigen Anlage, der Ordnung der Gesetze und Gebräuche des Landkriegs (Haager Landkriegsordnung) übernommen.

Das erste völkerrechtliche Abkommen, das ausschließlich Richtlinien zum Schutz der künstlerischen und wissenschaftlichen Institutionen sowie der geschichtlichen Denkmäler enthielt, war der am 15. April 1935 von den 21 Mitgliedern der Panamerikanischen Union in Washington geschlossene Roerich-Pakt.

Die UNESCO berief zum 21. April 1954 eine internationale Konferenz in Den Haag in den Niederlanden ein, in deren Abschlusssitzung 37 der 56 Teilnehmerstaaten die Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten am 14. Mai 1954 unterzeichneten. Die noch junge Bundesrepublik Deutschland war bei dieser Konferenz einer der ersten Signatarstaaten der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten vom 14. Mai 1954 (HK). Im März 1999 wurde eine Konferenz der Signatarstaaten der Haager Konvention wiederum in Den Haag in den Niederlanden einberufen und vom niederländischen Außenminister Jozias van Aartsen und dem UNESCO-Generaldirektor Federico Mayor Zaragoza eröffnet. An der Konferenz nahmen über 80 Vertragsstaaten und viele Nicht-Vertragsstaaten, darunter auch die USA, teil. Zusätzlich anwesend waren auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz und Blue Shield International, ein Zusammenschluss von Nichtregierungsorganisationen auf dem Gebiet des Kulturgutschutzes. Die Entwicklungen in Syrien und im Irak haben zusätzlich gezeigt, wie wichtig der Schutz von Kulturgütern, kultureller Vielfalt und des sozialen Zusammenhalts in bewaffneten Konflikten ist. So ist die UN-Resolution 2347 vom 24. März 2017 die erste Resolution, die sich nur auf das Kulturerbe konzentriert.<ref>Vgl. u. a. Jyot Hosagrahar: Culture: at the heart of SDGs. In: UNESCO-Kurier. April-Juni 2017.</ref> Die Zusammenarbeit zwischen der UNESCO und Blue Shield soll laut der UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokowa weiter verstärkt werden. “{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)” und “{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)” meinte Bokowa im Oktober 2017 bei einer Blue Shield International Tagung.<ref>Vgl. UNESCO Director-General calls for stronger cooperation for heritage protection at the Blue Shield International General Assembly. Aussendung der UNESCO vom 13. September 2017.</ref>

Viele nationale Gesellschaften für den Kulturgutschutz arbeiten eng mit den Blue Shield-Organisationen der Vertragsstaaten zusammen und stimmen sich hinsichtlich der kulturpolitischen Zielsetzungen eng untereinander ab. Am 26. März 1999 wurde nach langen Beratungen ein Konsens über den von mehreren Arbeitsgruppen erarbeiteten Entwurf eines Zweiten Protokolls zur Haager Konvention erzielt und von den Konferenzteilnehmern angenommen. Zum Schutz von Kulturgut in der arabischen beziehungsweise islamischen Welt gibt es das Doha-Statement der Conference of Ulama on Islam and Cultural Heritage aus dem Jahr 2001.<ref name="Schipper">Friedrich Schipper: Bildersturm: Die globalen Normen zum Schutz von Kulturgut greifen nicht. In: Der Standard. 6. März 2015 (derstandard.at).</ref> Die Mitarbeiter von Blue Shield beziehungsweise seiner nationalen Organisationen haben dann trotz der teilweisen Auflösung von staatlichen Strukturen und der sehr unklaren Sicherheitslage infolge der Kriege und Unruhen im Irak, in Syrien, in Mali, in Ägypten und in Libyen robuste Unternehmungen zum Schutz der dortigen Kulturgüter durchgeführt.<ref name="Wegener-Otter"></ref> Gerade im Hinblick auf die Zerstörungen von Kulturgüter durch Konflikte aber auch durch Erdbeben wie in Haiti oder Nepal gibt es nun verstärkte Kooperationen zwischen Blue-Shield und nationalen Streitkräften wie der US Army oder der Britischen Armee. Dabei werden Truppen unter anderem hinsichtlich vorausschauendem Kulturgüterschutz unterstützt.<ref>Vgl. Eden Stiffman: Cultural Preservation in Disasters, War Zones. Presents Big Challenges. In: The Chronicle Of Philanthropy. 11. Mai 2015.</ref>

Die meisten Länder, die heute ihr kulturelles Erbe auszeichnen wollen, tun das auf Listenbasis, in vier Klassifizierungen als Weltkulturerbe und nationales, regionales bzw. lokales Kulturgut. Teilweise gibt es zusätzlich einen Ensemble-Schutz mit der Bezeichnung {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). Neben der Bezeichnung der geschützten Kulturgüter mit weiß-blauen Schildern arbeitet die Blue-Shield Organisation besonders hinsichtlich der umfassenden Ausbildung von Militär hinsichtlich völkerrechtlichem Kulturgüterschutz und der Erstellung von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)-Listen. {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) sind Listen von Kulturgütern, die von keiner der kriegsführenden Parteien berührt werden sollen.<ref name="Interview-Karl-Habsburg">Hans Haider: Karl Habsburg-Lothringen. In: Wiener Zeitung. 29. Juni 2012 (wienerzeitung.at – Interview).</ref> Mit Unterstützung von lokalen Experten wie Archivaren oder Archäologen werden dabei die wesentlichen Objekte erfasst, diese Listen den Militärs vorgelegt und die Umsetzung beobachtet.<ref>Siehe z. B. Aisling Irwin: A no-strike list may shield Yemen`s ancient treasures from war. In: Daily News. 23. Januar 2017.</ref> Es hat sich gezeigt, dass im Gegensatz zu vielen anderen Organisationen, die sich in ihrer Arbeit auf die friedlichen Phase vor und nach Konflikten konzentrieren und das Land bei Gefahr verlassen, die Blue-Shield-Mitarbeiter trotzdem versuchen vor Ort sein.<ref>Sabine von Schorlemer: Kulturgutzerstörung. Die Auslöschung von Kulturerbe in Krisenländern als Herausforderung für die Vereinten Nationen. 2016, S. 784ff.</ref><ref name="Wegener-Otter"></ref> Kulturgutzerstörung wird vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag strafrechtlich geahndet. Weiters kann vom Gerichtshof wegen der Kulturgutzerstörung die Höhe einer Entschädigungszahlung, die der Verurteilte leisten muss, festgesetzt werden.<ref>„Ein historisches Ereignis im humanitären Völkerrecht“. Markus Hilgert im Gespräch mit Dieter Kassel. In: Deutschlandfunk Kultur. 17. August 2017, abgerufen am 21. August 2024.</ref><ref></ref>

Die Zukunft des Kulturgutschutzes und robuster kultureller Schutzinterventionen wird im Zusammenspiel der Organisationen der Vereinten Nationen mit erfahrenen Partnern wie Blue Shield International beziehungsweise die UNESCO liegen.<ref>Sabine von Schorlemer: Kulturgutzerstörung. Die Auslöschung von Kulturerbe in Krisenländern als Herausforderung für die Vereinten Nationen. 2016, S. 882ff.</ref>

Konventionen

Kulturgutschutz-Organisationen

Europäische Union

Nationale Gesetze

Deutschland

Andere Staaten

Brettspiel zum Kulturgutschutz

Im Mai 2022 wurde im Neuen Museum in Berlin das kooperative Brettspiel Taskforce: Saving Antiquities vorgestellt, das einen spielerischen Zugang zum Kulturgutschutz ermöglicht.<ref>„Taskforce: Saving Antiquities“ – spielerisch Kulturgutschutz lernen Kulturstiftung der Länder</ref> Das Projekt wurde ab Oktober 2020 gemeinsam von den Partnern Berliner Antike-Kolleg, Humboldt-Universität zu Berlin, Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (Game Design) und Ägyptisches Museum Berlin entwickelt, finanziell unterstützt von der VolkswagenStiftung.<ref>„Saving Antiquities“ – Ein neues Projekt vermittelt spielerisch Hintergründe und Funktionsweisen des Kulturgutschutzes Pressemitteilung der Humboldt-Universität zu Berlin, 11. Mai 2020.</ref><ref>Über uns saving-antiquities.org</ref> Außerdem wurde eine Website erstellt.<ref>Website zum Projekt Saving Antiquities</ref>

Literatur

  • Michael Kloepfer: Denkmalschutz und Umweltschutz. Rechtliche Verschränkungen und Konflikte zwischen dem raumgebundenen Kulturgüterschutz und dem Umwelt- und Planungsrecht (= Schriften zum Umweltrecht. Band 172). Duncker & Humblot, Berlin 2012, ISBN 978-3-428-83783-0 (unter Mitarbeit von Elke Ditscherlein und Frederic Kahrl).
  • Kerstin Odendahl (Hrsg.): Kulturgüterrecht. Baden-Baden 2006, ISBN 3-8329-1723-3.
  • Jörn Radloff: Kulturgüterrecht. Unter besonderer Berücksichtigung der Außenhandelsbeschränkungen und Mitnahmeverbote von Kunst- und Kulturgut in Privateigentum (= Schriften zum Öffentlichen Recht. Band 1258). Duncker & Humblot, Berlin 2013, ISBN 978-3-428-13957-6.
  • Andrea Raschèr: Kulturgütertransfer und Globalisierung: UNESCO-Konvention 1970 – Unidroit-Konvention 1995 – EG-Verordnung 3911/92 – EG-Richtlinie 93/7 – Schweizerisches Recht. Schulthess, Zürich 2000, ISBN 978-3-7890-6837-9.
  • Sebastian M. Spitra: Die Verwaltung von Kultur im Völkerrecht. Eine postkoloniale Geschichte (= Studien zur Geschichte des Völkerrechts. Band 39). Nomos, Baden-Baden 2021, ISBN 978-3-8487-5375-8, urn:nbn:de:101:1-2021071702484709983451 (Dissertation, Universität Wien, 2018; Open Access unter CC-BY 4.0).
  • Olaf Zimmermann, Theo Geißler (Hrsg.): Altes Zeug: Beiträge zur Diskussion zum nachhaltigen Kulturgutschutz (= Aus Politik & Kultur. Band 14). Berlin 2016, ISBN 978-3-934868-38-0 (kulturrat.de [PDF]).
  • Kerstin von der Decken: Kulturgüterrecht (NomosGesetze). Nomos, München, 2. Auflage 2020, ISBN 978-3-8487-3647-8.
  • Jörg Wünschel: Vertrauen durch Recht. Ein Beitrag zur Geschichte der Regulierung des Kunsthandels und zum Schutz der Integrität des kulturellen Erbes. Baden-Baden 2023, ISBN 978-3-7560-1127-8.

Siehe auch

Weblinks

Wikisource: Kulturgutschutz – Quellen und Volltexte

Schweiz

Einzelnachweise

<references />

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