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Chełmża

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(Weitergeleitet von Kulmsee)

Vorlage:Infobox Ort in Polen

Chełmża ([[[:Vorlage:IPA]]], deutsch bis 1940 Culmsee, 19. Jahrhundert und 1940–1945 Kulmsee<ref name="EJ" />) ist eine Stadt in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern in Polen.

Geographische Lage

Die Kleinstadt liegt in der historischen Landschaft Kulmerland, östlich der Weichsel an einem kleinen See, etwa vierzig Kilometer östlich von Bydgoszcz (Bromberg) und zwanzig Kilometer nördlich von Toruń (Thorn).

Der Kulmsee (Vorlage:PlS) hat eine Fläche von 2,7 km².

Datei:Panorama Chełmża (Kujawsko-pomorskie).JPG
Stadtpanorama

Geschichte

Datei:Posen 1905.png
Culmsee östlich der Stadt Bromberg und nördlich der Stadt Thorn auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
Datei:Brama 57.jpg
Stadttor aus dem 14. Jahrhundert
Datei:Bazylika konkatedralna w Chełmży.JPG
Katholische Basilika von Kulmsee (1251 erbaut, 1422 erneuert)<ref name="MKL" />
Datei:Kościół św. Mikołaja w Chełmży ds.JPG
St.-Nikolaus-Kirche, bis 1945 evangelische Stadtkirche

Mittelalter

Der Culmsee wurde 1251 zum Namensgeber der Stadt. Ältere Ortsbezeichnungen sind Loza (1222), Culmense, Culmensehe und Culmsehe (1251), Colmensehe (1299), Colminsê und Colmensê, Colmesey, Colmenzee, Kolmense (1438), Culmenze (1531), polnisch Chelmza, deutsch Kolmentz und früher Antiqua Łozia.<ref name="Maerker">Hans Maercker: Geschichte der ländlichen Ortschaften und der drei kleineren Städte des Kreises Thorn in seiner früheren Ausdehnung vor der Abzweigung des Kreises Briesen im Jahr 1888. Danzig 1899–1900, S. 133–251.</ref>

Im 13. Jahrhundert bestand in der Gegend der heutigen Stadt eine erste Befestigungsanlage. 1222, zur Zeit von Bischof Christian von Preußen, wurde Kulmsee erstmals erwähnt, der Name des Ortes war zu der Zeit Loza. Seit 1243 im Besitz der Bischöfe von Kulm, erhielt der Ort Culmsehe 1251 das Stadtrecht von Heidenreich, Bischof von Kulm und wurde Sitz eines eigenen Bistums.<ref>Preussische Regesten. Ann. Thor. Chron. terre Pruss. Ds.r.Pr. III 59, 468</ref> Am 22. Juli 1251 gründete Bischof Heidenreich die Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit (Kathedrale), welche bis 1400 erbaut wurde (Siehe auch: Franziskanerkloster Kulmsee). Die Mystikerin Jutta von Sangerhausen begründete 1256 das St.-Georgs-Hospital. Ein Stadtbrand zerstörte Kulmsee 1286 völlig.

Neuzeit

1625 gründeten die Franziskaner (OFM) ein Kloster. Im 18. Jahrhundert lebte die Stadt Kulmsee vom Ackerbau und der Brauerei.

Durch die Erste polnische Teilung kam Kulmsee 1772 an Preußen. Die Bedeutung der Stadt stieg im Jahre 1781 mit der Verlegung des Sitzes der Kulmer Bischöfe von Löbau nach Kulmsee. Nachdem 1824 Pelplin zum Bischofssitz geworden war, verlor Kulmsee an Bedeutung.

Als 1881 eine Zuckerfabrik errichtet wurde, prägte diese bald das Leben in der Stadt. 1904 brannte die Fabrik ab und wurde zur größten europäischen Zuckerfabrik wieder aufgebaut. 1882 erhielt die Stadt einen Anschluss an die Eisenbahn. Die Einwohnerzahl wuchs rapide, eine neue Vorstadt, das Fabrikviertel entstand. Aus dem Ackerbürgerstädtchen Kulmsee war eine Stadt geworden, in der die Fabrikarbeiterschaft die Mehrheit der Bevölkerung stellte. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Kulmsee eine schöne katholische Domkirche (1251 erbaut, 1422 erneuert, nachdem sie von den Litauern eingeäschert worden war),<ref name="AEP" /> eine evangelische Kirche, eine Synagoge und ein Amtsgericht.<ref name="MKL" /> Die Einwohner waren überwiegend katholisch und sprachen zu über 50 Prozent polnisch.<ref>Sprachenkarte von Posen und Westpreußen In: Ergänzungsband in 62 Kartenseiten zu den früheren Auflagen von Andrees Handatlas. Velhagen Klasing, Bielefeld 1922, S. 11.</ref>

Bis 1919 gehörte die Stadt zum Landkreis Thorn im Regierungsbezirk Marienwerder der Provinz Westpreußen.

Nach dem Ersten Weltkrieg musste Deutschland Kulmsee aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags 1920 zum Zweck der Einrichtung des Polnischen Korridors an die Zweite Polnische Republik abtreten. Durch Optionen für Deutschland und staatliche Maßnahmen kam es zu einem erheblichen Rückgang des deutschen Einwohneranteils. Im Jahr 1934 kündigte die polnische Staatsregierung den in Versailles am 28. Juni 1919 abgeschlossenen Minderheitenschutzvertrag zwischen den Alliierten und Assoziierten Hauptmächten und Polen einseitig auf. Mit dem Überfall auf Polen wurde 1939 das Territorium des Polnischen Korridors vom Deutschen Reich völkerrechtswidrig annektiert. Kulmsee gehörte nun bis 1945 dem Kreis Thorn des Regierungsbezirks Bromberg im Reichsgau Danzig-Westpreußen an.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eroberte im Februar 1945 die Rote Armee die von der deutschen Minderheit fluchtartig verlassene Region, die nun wieder an Polen kam.

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1773 Vorlage:0 359 in 52 Wohngebäuden
1802 Vorlage:0741 <ref name="AAM">Alexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z. Halle 1823, S. 314–315, Ziffer 349; books.google.de</ref>
1816 Vorlage:0 820 davon 274 Evangelische, 490 Katholiken und 56 Juden<ref name="AAM" />
1821 Vorlage:0862 <ref name="AAM" />
1831 1185 meist Katholiken<ref name="AEP">August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 438–439, Nr. 50; Vorlage:Archive.org.</ref>
1852 1997 <ref>Kulmsee. Westpreußisches Ortsverzeichnis, westpreussen.de; abgerufen am 7. April 2023</ref>
1864 2378 darunter 800 Evangelische und 1321 Katholiken<ref name="EJ">Emil Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder. Danzig 1868, S. 208–209, Nr. 121; Vorlage:Archive.org.</ref>
1871 2986 davon 950 Evangelische und 1600 Katholiken (1560 Polen)<ref>Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage. Band 2. Berlin 1874, S. 51–52, Ziffer 6; books.google.de</ref>
1875 3153 <ref name="MR">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
1880 3429 <ref name="MR" />
1890 6327 davon 4165 Katholiken, 1890 Evangelische, 269 Juden (1800 Polen)<ref name="MR" />
1895 7579 darunter 2073 Evangelische und 279 Juden<ref>Brockhaus’ Konversations-Lexikon. 14. Auflage, Band 4, Berlin / Wien 1898, S. 625.</ref>
1900 8987 davon 2164 Evangelische und 327 Juden<ref name="MKL">Vorlage:Meyers-1905</ref>
1905 10.007
1910 10.612 am 1. Dezember, davon 2263 Evangelische, 7861 Katholiken, 238 Juden, 21 Sonstige (2868 mit deutscher, 7623 mit polnischer Muttersprache, 72 Einwohner benutzen die deutsche und eine andere Sprache)<ref>Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Heft III: Regierungsbezirk Marienwerder. Königlich Preußisches Statistisches Landesamt, S. 76–77, Ziffer 1: Culmsee; books.google.de</ref>
1943 12.277
Einwohnerzahlen seit 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
2007 15.229 <ref>Vorlage:Webarchiv Główny Urząd Statystyczny, Stand 30. Juni 2007</ref>

Sehenswürdigkeiten

Verkehr

Der Bahnhof Chełmża liegt an der Kreuzung der Bahnstrecke Toruń–Malbork mit der östlich Chełmżas stillgelegten Bahnstrecke Brodnica–Bydgoszcz. Früher begann hier auch die Kleinbahn Culmsee–Melno.

Die Droga krajowa 91 umfährt Chełmża westlich.

Landgemeinde Chełmża

Die Landgemeinde Chełmża, zu der die Stadt selbst nicht gehört, hat eine Fläche von 178,7 km², auf der Vorlage:EWZ Menschen leben (Stand: Vorlage:EWD). Vorlage:Hauptartikel

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen

Literatur

  • Culmsee, Stadt, am gleichnamigen See, Kreis Thorn, Regierungsbezirk Marienwerder, Provinz Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Culmsee (meyersgaz.org).
  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Zweiter Theil, welcher die Topographie von West-Preussen enthält. Kantersche Hofdruckerei, Marienwerder 1789, S. 35–36, Nr. 3; books.google.de
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 438–439, Nr. 50; Vorlage:Archive.org.
  • Georg Maximilian Franz von Steinmann: Der Kreis Thorn. Statistische Beschreibung. Thorn 1866, S. 260–261; Vorlage:Archive.org.
  • Hans Maercker: Geschichte der ländlichen Ortschaften und der drei kleineren Städte des Kreises Thorn in seiner früheren Ausdehnung vor der Abzweigung des Kreises Briesen im Jahr 1888. Danzig 1899–1900, S. 133–251 (books.google.de).
  • Vorlage:ZentralblBauverw
  • Vorlage:MerianTopo

Weblinks

Vorlage:Commons

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Normdaten