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Kratochvílit

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Kratochvílit
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Ktc<ref name="Warr" />

Andere Namen
  • Kratochirlite<ref name="Foshag" />
  • Kratochwilit<ref name="Klockmann" />
Chemische Formel
  • C13H10<ref name="StrunzNickel" /><ref name="IMA-Liste" />

(C6H4)2CH2<ref name="Lapis" />

Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Organische Verbindungen – Kohlenwasserstoffe
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

IX/B.02
IX/B.02-010

10.BA.25
50.03.01.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-pyramidal; mm2<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe Pnam (Nr. 62, Stellung 6)Vorlage:Raumgruppe/62.6<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 8,49 Å; b = 5,72 Å; c = 18,97 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 1 bis 2<ref name="Lapis" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 1,206; berechnet: 1,197<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit nicht definiert
Farbe farblos bis weiß<ref name="Handbookofmineralogy" /><ref name="Lapis" /> (nach Klockmann auch blauviolett und grünlich<ref name="Klockmann" />)
Strichfarbe weiß<ref name="Lapis" />
Transparenz durchscheinend<ref name="Handbookofmineralogy" />
Glanz Perlmuttglanz<ref name="Klockmann" />
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,578<ref name="Mindat" />
nβ 1,663<ref name="Mindat" />
nγ 1,919<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,341<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale blauviolette Fluoreszenz unter kurzwelligem UV-Licht<ref name="Handbookofmineralogy" />

Kratochvílit (auch Kratochwilit) ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Organischen Verbindungen“ mit der chemischen Zusammensetzung C13H10 und damit chemisch gesehen Fluoren aus der Gruppe der polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffe.

Kratochvílit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt meist kleine, tafelige bis plattige Kristalle von wenigen Millimetern Größe mit einem perlmuttähnlichen Glanz auf den Oberflächen. In reiner Form ist Kratochvílit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein.

Etymologie und Geschichte

Entdeckt wurde Kratochvílit im ehemaligen Steinkohle-Bergwerk Kladno (auch Grube Schöller) bei Libušín im Okres Kladno in der tschechischen Region Středočeský kraj (deutsch Mittelböhmen). Die Erstbeschreibung erfolgte 1937 durch Rudolf Rost, der das Mineral nach Josef Kratochvíl (1878–1958),<ref name="web.natur.cuni.cz" /> einem tschechischen Professor der Petrographie, benannte.

Da Kratochvílit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) 1958 bekannt und allgemein als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde die Anerkennung als sogenanntes „Grandfathered“ Mineral von der IMA übernommen.<ref name="IMA-Liste" />

Das Typmaterial des Minerals soll verloren gegangen sein.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Klassifikation

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Kratochvílit zur Mineralklasse der „Organischen Verbindungen“ und dort zur Abteilung der „Kohlenwasserstoffe“, wo er zusammen mit Branchit (früher: Hartit), Dinit, Fichtelit, Flagstaffit, Karpathit, Phylloretin (Q) und Simonellit sowie im Anhang mit Graebeit (Q), Idrialin (Curtisit), Kladnoit, Refikit (Reficit), Scharizerit (Q) und Ulmit (Q) die Gruppe der „Carbocyclischen Verbindungen“ mit der System-Nr. IX/B.02 bildete.

Im Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. IX/B.02-10. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Klasse der „Organischen Verbindungen“, dort allerdings der Abteilung „Stickstoff-freie Kohlenwasserstoffe“, wo Kratochvílit zusammen mit Branchit (früher: Hartit), Dinit, Fichtelit, Flagstaffit, Hoelit, Idrialin, Karpathit, Phylloretin, Ravatit, Refikit, Simonellit und Wampenit die Gruppe der stickstofffreien Kohlenwasserstoffe mit ringförmigen Strukturen bildet (Stand 2018).<ref name="Lapis" />

Auch die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Kratochvílit in die Abteilung der „Kohlenwasserstoffe“ ein. Dort bildet das Mineral als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 10.BA.25 innerhalb der unbenannten Unterabteilung „A“.

Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Kratochvílit ebenfalls in die Klasse und gleichnamige Abteilung der „Organischen Minerale“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 50.03.01 innerhalb der Unterabteilung „Salze organischer Säuren (Kohlenwasserstoffe)“ zu finden.

Kristallstruktur

Kratochvílit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem in der Raumgruppe Pna21 (Raumgruppen-Nr. 33)Vorlage:Raumgruppe/33 mit den Gitterparametern a = 8,514 Å, b = 5,744 Å und c = 18,52 Å sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Eigenschaften

Kratochvílit zeigt unter kurzwelligem UV-Licht eine starke blauviolette Fluoreszenz.<ref name="Handbookofmineralogy" /> Das Mineral (chemisch Fluoren) ist geruchlos.<ref name="alfa.com" />

Bildung und Fundorte

Kratochvílit bildet sich in brennenden, pyrithaltigen Schiefer- oder Kohle-Lagerstätten (Kohlenbrand). Andere hier gebildete Verbindungen sind Epsomit, Letovicit, Mascagnin, Rosickýit (β-Schwefel), Rostit (auch Lapparentit), (α-)Schwefel, (γ-)Selen und Tschermigit.<ref name="Foshag" /> Typische Paragenesen sind allerdings nicht bekannt.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Außer an seiner Typlokalität, der Grube Kladno in Mittelböhmen, konnte Kratochvílit in Tschechien nur noch in der Kohlegrube Kateřina (Katerina) Radvanice v Čechách (deutsch Radowenz) im Královéhradecký kraj (deutsch Königgrätzer Region) entdeckt werden.

In Deutschland fand sich das Mineral im Königin-Carola-Schacht bei Freital in Sachsen und in der Grube Anna bei Alsdorf in Nordrhein-Westfalen. Der einzige weitere bekannte Fundort ist die Bergbaudeponie Alpy bei Wełnowiec nahe Katowice in der polnischen Woiwodschaft Schlesien.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="alfa.com"> Sicherheitsdatenblatt Fluoren. (PDF 132 kB) In: alfa.com. ThermoFisher Scientific, 21. September 2023, abgerufen am 3. September 2025. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Foshag"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Kratochvílit beim Mineralienatlas und bei Mindat, abgerufen am 3. September 2025. </ref> <ref name="IMA-Liste"> Vorlage:IMA-Liste </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Klockmann"> Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 799 (Erstausgabe: 1891). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Mindat"> Kratochvílite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 24. April 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="web.natur.cuni.cz"> Josef Kratochvíl (1878–1958). In: web.natur.cuni.cz. Mineralogické muzeum, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. April 2021; abgerufen am 3. September 2025. </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Kratochvilite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 3. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>