Klickibunti
Klickibunti ist eine abwertende<ref name="Botek 2015" /> Bezeichnung für übertriebene grafische „Spielereien“ bei Software<ref name="Troche 2016" /> oder im Webdesign,<ref name="Botek 2015" /><ref name="selfhtml svg-animation" /> durch die der Inhalt in den Hintergrund gedrängt wird.
Gebrauch und frühere Bedeutung
Die Bezeichnung ist dem Netzjargon und dem Slang von Computer- bzw. Webdesign-Experten zuzurechnen, wobei „Experten“ auch autodidaktische oder gut informierte Computernutzer sein können. Man findet ebenfalls die Schreibweisen Klicki-Bunti,<ref name="Troche 2016" /> Klicki-bunti<ref name="Mueller 2009" /> und als Adjektiv klickibunti.<ref name="selfhtml svg-animation" /> „Klicki“ bezieht sich auf die Bedienung der Computermaus, „Bunti“ eigentlich auf jeglichen Einsatz von Farben. So kam der Begriff ursprünglich auf, als das grafische Betriebssystem Windows<ref name="Hanisch 2004" /> und in geringerem Maße der Apple Macintosh der 1990er Jahre<ref name="Klinge 2003" /> Computerlaien die Nutzung von Computern im Erwerbsleben zu ermöglichen begann, nachdem Computer bis dahin vorwiegend über die Konsole gesteuert worden waren – also grob um 1990 herum.<ref name="Klinge 2003" /><ref>Marcus Klinge: Desktop, Ordner und Dateien. Strukturen und Metaphern der selbstorganisierten Arbeit am Computer., GRIN Verlag, 2009, S. 7 Da wird ein Interface als "viel klickibunti" verhöhnt, und "die Shell (Kommandozeileneingabe)" als " die beste Art mit dem Computer umzugehen" gelobt.</ref> Er kann somit als Ablehnung einer neuen Technologie interpretiert werden, durch die ein kleiner Bevölkerungsteil seine Vorrangstellung gegenüber der „Masse“ zu verlieren drohte,<ref name="Klinge 2003" /> oder der den „massenhaften Missbrauch“ der neuen Technologie befürchtete.
Die beiden Diminutivendungen „i“ können den pejorativen Charakter des Worts ausdrücken. Es kann sich um eine Imitation von Baby Talk handeln, durch die „Klickibunti“-Nutzer auf eine Stufe mit kleinen Kindern gestellt werden sollen.
Die Wortbildung ist demnach klar deutsch und nur verständlich, wenn man weiß, was deutsch „klicken“ und „bunt“ bedeuten. Die halbwegs entsprechende englische Bezeichnung beispielsweise lautet „angry fruit salad“.<ref>Vgl. die Einträge Klickibunti und angry fruit salad des englischen Wiktionarys.</ref> Sie vergleicht die optische Erscheinung mit der eines grellfarbigen Obstsalats.
- Konsole, MS Windows und dessen „Bunti“-Steigerungen
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Ein Terminal eines Computers, der ausschließlich mit ersterem kommuniziert, ca. 1980
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Windows 95 Alpha („Chicago 73g“)
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Windows-XP-Desktop Luna
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Windows 7 mit Windows Aero Transparenzeffekten
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Windows 8 Startbildschirm
Aktuelle Bedeutung
Mittlerweile verwenden selbst Computerexperten und eingefleischte Liebhaber der Konsole grafische Webbrowser und andere grafische Anwendungen, die u. a. auf der Basis unixoider Betriebssysteme wie Linux laufen; beliebte Desktop-Umgebungen sind hier KDE Plasma und Gnome. „Klickibunti“ wird nun nicht mehr zur Abwertung sämtlicher grafischer Benutzeroberflächen verwendet, sondern dient der Unterscheidung zwischen „sinnvoller“ bzw. „pragmatischer“ und „unsinniger“ oder „überkandidelter“<ref>Vgl. Eintrag überkandidelt im Wiktionary → „Designterrorismus“.</ref> grafischer Schnittstellengestaltung.<ref name="Botek 2015" /> Zeitweise konnte noch Windows im Gegensatz zu Linux „Klickibunti“ sein,<ref name="Roger 2015" /> doch werden inzwischen bestimmte Linux-Desktopumgebungen im Gegensatz zu anderen als „Klickibunti“ geschmäht.<ref name="Troche 2016" /> Der Gebrauch des Ausdrucks gerät weiter ins Subjektive. Negativ auffällig können Eye Candy, Animation<ref name="selfhtml svg-animation" /><ref name="Mueller 2009" /><ref name="Daiber 2001" /> und Transparenzeffekte sein, letzteres etwa, wenn die Leserlichkeit eines Texts durch „durchscheinende“ andere Texte oder Grafik erschwert wird.
Siehe auch
Weblinks
Belege
Es handelt sich eher um Belege im Sinne der Lexikografie, also nur um Gebrauchsbeispiele, aus denen nicht unbedingt genau hervorgeht, was die Autoren unter „Klickibunti“ verstehen. Sie nehmen vielmehr sogar nur durch wenige Wörter auf eine irgendwo gebräuchliche Verwendung Bezug und distanzieren sich zum Teil davon.
<references> <ref name="Botek 2015"> Günther H. Botek: The Irony-Machine:. Acht Monate virtuelles Leben in der Mailingliste Netzliteratur. BoD – Books on Demand, 4. Februar 2015, Mail vom 29.10.1999, Betreff: Webwriting (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 1. November 2017]): „Mir ist die Kritik am ‚Design‘ im Web auch nicht klar, wenn behauptet wird, Design OHNE Inhalt ist oberflächlich (abwertend gemeint) – einfach nur dummes ‚Klickibunti‘.“ </ref> <ref name="Daiber 2001"> Jürgen Daiber: „Ut pictura poesis“. Ars Poetica und Hyperfiction. In: Ernest W. B. Hess-Lüttich (Hrsg.): Autoren, Automaten, Audiovisionen: Neue Ansätze der Medienästhetik und Tele-Semiotik. Vandenhoeck & Ruprecht, 2001, ISBN 3-531-13674-7, S. 113 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 4. November 2017]): „Der Internet-Theoretiker und Verleger digitaler Literatur Beat Suter etwa sieht für die Zukunft ein ‚Klickibunti‘ Spektakel herannahen, in dem die aufs Äußerste forcierte Animation den Text zu erdrücken droht und Lesen im eigentlichen Sinne nicht mehr stattfindet.“ </ref> <ref name="Hanisch 2004"> Armin Hanisch: Windows 2003 Shell Scripting. Abläufe automatisieren ohne Programmierkenntnisse. Addison-Wesley, München 2004, ISBN 3-8273-2178-6, S. 13 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 31. Oktober 2017]). </ref> <ref name="Klinge 2003"> Marcus Klinge: Desktop, Ordner und Dateien. Strukturen und Metaphern der selbstorganisierten Arbeit am Computer. GRIN Verlag, Norderstedt 2003, ISBN 978-3-640-25713-3 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 8. November 2017]): „Es scheint, als würde einiges an dieser Kritik auch einer wahrgenommenen Erniedrigung der Computerspezialisten Rechnung tragen. […] Da wird ein Interface als "viel klickibunti" verhöhnt, und "die Shell" ("Kommandozeileneingabe") als "die beste Art mit dem Computer umzugehen" gelobt.“ </ref> <ref name="Mueller 2009"> Florian Müller: Professionelle Rich-Client-Lösungen mit Flex und Java:. Web-Applikationen mit Flex-Frontend, Java-Backend und BlazeDS. 1. Auflage. Addison-Wesley, München 2009, ISBN 978-3-8273-2795-6, S. 394 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 8. November 2017]): „[…] entsprechend dreht sich das »Was« einer Flash-Applikation immer um bewegte bzw. animierte Inhalte. Flex hingegen wurde entwickelt, um »echte« Applikationen zu erstellen, böse Zungen würden den Unterschied des »Was« so erklären: Flash ist Klicki-bunti, Flex ist Applikationsentwicklung.“ </ref> <ref name="Roger 2015"> Jo L.L. Roger: p¡r@t€Z: downloading the internet wholesale. epubli, Berlin 2015, ISBN 978-3-7375-6356-7 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 4. November 2017]): ‚Kommst du mit der Entwicklungsumgebung unter Linux zurecht?‘, fragt sie. ‚Ja. Ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber immer noch besser als das Klickibunti unter Windows‘, versichert BlitzKey. </ref> <ref name="selfhtml svg-animation"> SVG – Grafiken mit Animationen zum Leben erwecken. Selfhtml, 15. April 2017, abgerufen am 4. November 2017: „Durch Bewegung können Sie nicht nur klickibunti Webseiten erstellen, sondern gezielt Benutzeraktionen verdeutlichen oder Inhalte ein- und ausblenden und so Zusammenhänge aufzeigen.“ </ref> <ref name="Troche 2016"> Christoph Troche: Ubuntu 16.04: Praxiswissen für Ein- und Umsteiger. 1. Auflage. Mitp Verlag, Frechen 2016, ISBN 978-3-95845-471-2.– Einleitungsabschnitt „Die Ubuntuversionen“ in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.
(Linux KDE »Klickibunti«)
– Abschnitt 14.4 in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.
(Linux LXDE nicht »Klicki-Bunti«)
– abgerufen am 2. November 2017. </ref> </references>