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Klebriger Drüsengänsefuß

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Klebriger Drüsengänsefuß
Datei:Dysphania botrys sl16.jpg

Klebriger Drüsengänsefuß (Dysphania botrys)

Systematik
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae)
Unterfamilie: Chenopodioideae
Tribus: Dysphanieae
Gattung: Drüsengänsefüße (Dysphania)
Art: Klebriger Drüsengänsefuß
Wissenschaftlicher Name
Dysphania botrys
(L.) Mosyakin & Clemants

Der Klebrige Drüsengänsefuß (Dysphania botrys, Syn.: Chenopodium botrys), auch Kleb-Drüsengänsefuß oder Gewöhnlicher Drüsengänsefuß genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Drüsengänsefüße (Dysphania) innerhalb der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Er ist in Eurasien verbreitet.

Beschreibung

Datei:Dysphania botrys BB-1913.jpg
Illustration
Datei:Dysphania botrys sl13.jpg
Laubblatt

Vegetative Merkmale

Der Klebrige Drüsengänsefuß ist eine einjährige krautige Pflanze. Die oberirdischen Pflanzenteile sind dicht mit kurzgestielten, klebrigen Drüsenhaaren (Trichomen) bedeckt und dadurch riecht er intensiv aromatisch nach Kiefernharz. Der aufrechte bis aufsteigende Stängel ist bei einer Wuchshöhe von 10 bis 60 (selten bis 100) cm von der Basis an mehr oder weniger stark verzweigt mit größeren unteren Ästen.<ref name="Aellen1979" /> Stängel und Äste sind schwach kantig bis stielrund und gelblich gestreift.<ref name="Aellen1979" />

Die wechselständigen, gelbgrünen Laubblätter sind 2 bis 10 Millimeter lang gestielt und besitzen eine Länge von 1,3 bis 4 (bis zu 7) Zentimetern und eine Breite von 1 bis 2,7 Zentimetern. Die im Umriss längliche oder ovale Blattspreite ist fiederspaltig mit etwa fünf ganzrandigen oder wenig gezähnten Lappen, am Rand leierförmig-bogig, an der Basis keilförmig.<ref name="Aellen1979" /> Die oberen Blätter sind kleiner, lanzettlich und oft ganzrandig.<ref name="Aellen1979" />

Datei:Dysphania botrys sl9.jpg
Blütenstand

Blütenstand und Blüte

Die endständige, 12 bis 24 cm langen scheinährigen Gesamtblütenstände sind aus blattachselständigen, deutlich gestielten und verzweigten zymösen Teilblütenständen zusammengesetzt. Im oberen Teil des Blütenstandes sind die Tragblätter stark reduziert. Vorblätter fehlen.

Die Blüten sind zwittrig. Die Blütenhülle besteht aus fünf (selten vier) freien, gelb-grünen, hautrandigen, auf dem Rücken dicht drüsigen Tepalen, die elliptisch bis eiförmig-länglich mit einer Länge von 0,7 bis 1,1 mm und einer Breite von 0,5 bis 0,7 mm sind und auf dem gerundeten Rücken keinen Kiel und keine kammartigen Höcker tragen. Es sind ein bis drei (selten fünf) Staubblätter und ein oberständiger Fruchtknoten mit zwei fadenförmigen Narben vorhanden.

Die Blütezeit reicht von Juli bis August.

Datei:Dysphania botrys sl18.jpg
Blüte/Frucht
Datei:Chenopodium botrys seeds chbo2 002 php.jpg
Früchte und Samen

Frucht und Samen

Die Frucht wird von der aufrechten Blütenhülle umgeben. Die häutige Fruchtwand ist anfangs papillös und wird später runzelig und weißfleckig und liegt dem Samen an. Der horizontale, kugelige oder etwas abgeflachte Samen weist einen Durchmesser von 0,6 bis 1 mm auf. Sie sind schwarz und glänzend und sind am Rand abgerundet oder haben einen schwachen Wulst.<ref name="Aellen1979" />

Chromosomenzahl und Photosyntheseweg

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18<ref name="Tropicos" />, einmal wird auch 2n = 16 angegeben.<ref name = "Oberdorfer7" />

Der Klebrige Drüsengänsefuß ist eine C3-Pflanze mit normaler Blattanatomie.<ref name="Kadereit" />

Datei:Chenopodium botrys — Flora Batava — Volume v18.jpg
Illustration aus Flora Batava, Volume 18

Ökologie

Der Klebrige Drüsengänsefuß ist ein sommerannueller Therophyt. Die Drüsen können als Trockenheitsanpassung und als Fraßschutz gedeutet werden. Außerdem dienen sie der Klebausbreitung der Früchte und der ganzen Pflanze, die dadurch zum Kulturbegleiter wurde.<ref name="Düll2011" />

Die Blüten sind gynomonözisch, d. h. neben zwittrigen kommen auch rein weibliche Blüten vor. Die Bestäubung erfolgt in der Regel durch den Wind<ref name="BiolFlor" />.<ref name="Düll2011" />

Datei:Dysphania botrys sl14.jpg
Vorkommen auf einer städtischen Ruderalfläche

Vorkommen

Der Klebrige Drüsengänsefuß ist in den warm-gemäßigten Regionen von Asien und Europa und auf der Arabischen Halbinsel heimisch. Sein natürliches Verbreitungsgebiet umfasst Südwesteuropa, das südliche Mitteleuropa, Südosteuropa, eventuell Nordafrika, Südwestasien, Mittelasien und Nepal bis zum chinesischen Xinjiang. Als eingebürgerte oder kultivierte Art kommt er auch in anderen Regionen mit subtropischem bis warm-gemäßigtem Klima vor, etwa in Nordamerika, Nordafrika und Nordeuropa.<ref name="POWO" />

Sein Lebensraum sind trockene, sandige oder kiesige Hänge, Lehmflächen, Täler und Flussterrassen, Ödland, oder Ruderalstandorte wie Straßenränder bis zu einer Höhenlage von etwa 2000 Meter<ref name="Uotila" />. Im System der Pflanzensoziologie ist er in Mitteleuropa eine Kennart der Assoziation Chenopodietum botryos. Er gilt als Zeigerpflanze für Wärme oder Seeklima.<ref name="FloraWeb" /> In Südeuropa ist er eine Charakterart der Ordnung Chenopodietalia muralis.<ref name = "Oberdorfer7" /> Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 1 (sehr trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 5 (sehr warm-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

In Deutschland ist der Klebrige Drüsengänsefuß etwa seit dem 19. Jahrhundert als Neophyt eingebürgert Hier wächst er in kurzlebigen Unkrautfluren, beispielsweise in stickstoffliebenden Flussmeldenfluren (Chenopodion rubri) oder in Salzkrautfluren auf städtisch-industriellen Sonderstandorten (Salsolion)<ref name="BiolFlor" />.

In Österreich tritt Dysphania botrys nur in den Bundesländern Wien, Niederösterreich, dem Burgenland, Oberösterreich und der Steiermark sowie unbeständig in Kärnten auf stein-, schotter- oder sandreichen Ruderalstellen, Schottergruben und Schlackenhalden in der collinen Höhenstufe auf. In Tirol ist die Art wieder ausgestorben. Nur in den wärmsten Gebieten und insbesondere im Pannonikum ist die Art eingebürgert und zerstreut bis selten anzutreffen, ansonsten nur unbeständig.<ref name="Fischadler2008"/>

Systematik

Dysphania botrys gehört zur Untersektion Botrys <templatestyles src="Person/styles.css" />(Aellen & Iljin) Mosyakin & Clemants in der Sektion Botryoides <templatestyles src="Person/styles.css" />(C.A.Mey.) Mosyakin & Clemants innerhalb der Gattung Dysphania.<ref name="GRIN" />

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 durch Carl von Linné unter dem Namen (Basionym) Chenopodium botrys <templatestyles src="Person/styles.css" />L. in Species Plantarum.<ref name="Species Plantarum" /> Sergei Mosyakin und Steven Clemants stellten diese Art als Dysphania botrys 2002 in die Gattung Dysphania.<ref name="Mosyakin-Clemants2002" /><ref name="GRIN" /><ref name="Tropicos" />

Diese Art wurde häufig in verschiedene Gattungen eingruppiert. Synonyme für Dysphania botrys <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Mosyakin & Clemants sind Ambrina botrys <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Moq., Atriplex botrys <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Crantz, Botrydium botrys <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Small, Chenopodium botrys <templatestyles src="Person/styles.css" />L., Neobotrydium botrys <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Moldenke, Roubieva botrys <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Fuss, Teloxys botrys <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) W.A.Weber und Vulvaria botrys <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Bubani.<ref name="Tropicos" /><ref name="GRIN" />

Trivialnamen

Der Klebrige Drüsengänsefuß wird auch Kleb-Drüsengänsefuß, Gewöhnlicher Drüsengänsefuß, Klebriger Gänsefuß, Drüsiger Gänsefuß und Bertholdskraut genannt. Weitere deutschsprachige Trivialnamen sind bzw. waren auch Türkischer Beifuß, Eiche von Jerusalem, Kraut Botris, Krottenkraut (Bern), Lungenkraut (Meißen), Motekrokt (Siebenbürgen), Mottenkraut (Schlesien) und Traubenkraut.<ref name="Pritzel-Jessen 1882" />

Nutzung

Nahrungspflanze

Die Blätter des Klebrigen Drüsengänsefußes sind gekocht als Gemüse essbar, sollten wegen der Saponine aber nur in kleinen Mengen verzehrt werden. Die Blätter können auch als Tee-Ersatz verwendet werden<ref name="PFAF" />.

Auch die Samen sind essbar. Vor dem Kochen weicht man sie über Nacht in Wasser ein und spült danach gut ab, um den Saponingehalt zu verringern. Die Samen können auch zu Mehl gemahlen werden und als Mehlzusatz dienen, allerdings ist die Ernte der kleinen Samen mühsam<ref name="PFAF" />.

Heilpflanze

Klebriger Drüsengänsefuß ist ein Antiasthmatikum und wird auch zur Behandlung von Katarrh verwendet. Auch als Ersatz für Mexikanischer Drüsengänsefuß (Dysphania ambrosioides) als Mittel gegen Wurminfektionen (Anthelminthikum) ist er benutzt worden. Das ätherische Öl enthält aber nicht den Wirkstoff Ascaridol<ref name="PFAF" />.

Weitere Nutzungen

Aus der ganzen Pflanze können goldene und grüne Farbstoffe gewonnen werden.

Die getrockneten Pflanzen können als Repellent gegen Motten eingesetzt werden. In Duftkissen dienen die aromatischen Pflanzen zur Raumbeduftung<ref name="PFAF" />.

Der Klebriger Drüsengänsefuß wird als Zierpflanze verwendet<ref name="GRIN" />.

Literatur

  • Steven E. Clemants, Sergei L. Mosyakin: Dysphania. In: (Abschnitte Beschreibung, Vorkommen)
  • Gelin Zhu, Sergei L. Mosyakin, Steven E. Clemants: Chenopodiaceae. In: (Abschnitte Beschreibung, Vorkommen, Trivialname)
  • (Abschnitt Beschreibung)

Einzelnachweise

<references> <ref name="Oberdorfer7"></ref> <ref name="BiolFlor">Chenopodium botrys bei BiolFlor - Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.</ref> <ref name="FloraWeb"> Klebriger Drüsengänsefuß. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum</ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. </ref> <ref name="Kadereit">Gudrun Kadereit, Evgeny V. Mavrodiev, Elizabeth H. Zacharias, Alexander P. Sukhorukov: Molecular phylogeny of Atripliceae (Chenopodioideae, Chenopodiaceae): Implications for systematics, biogeography, flower and fruit evolution, and the origin of C4 Photosynthesis. In: American Journal of Botany. Band 97, Nr. 10, 2010, S. 1664–1687.</ref> <ref name="PFAF">Chenopodium botrys bei Plants For A Future</ref> <ref name="Tropicos"> Chenopodium botrys bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="Uotila">Pertti Uotila: Chenopodiaceae (pro parte majore) Dysphania botrys. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Dysphania botrys. Berlin 2011, abgerufen am 30. November 2011.</ref> <ref name="Species Plantarum">Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 219 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A669%26volume%3D1%26issue%3D%26spage%3D219%26date%3D1753~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).</ref> <ref name="Düll2011"> </ref> <ref name="Mosyakin-Clemants2002">Sergei L. Mosyakin, Steven E. Clemants: New nomenclatural combinations in Dysphania R. Br. (Chenopodiaceae): taxa occurring in North America. In: Ukrajins'kyj Botaničnyj Žurnal. Band 59, Nr. 4, 2002, S. 380–385 (hier: S. 383; PDF-Datei). </ref> <ref name="Pritzel-Jessen 1882">Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 91–92 (online).</ref> <ref name="Fischadler2008"></ref> <ref name="Aellen1979">Gustav Hegi et al. 1979: Chenopodium. In: .</ref> <ref name="POWO"> Dysphania botrys. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew ScienceVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora">Chenopodium botrys L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> </references>

Weblinks

Commons: Klebriger Drüsengänsefuß – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien