Kernavė
| Kernavė | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| ||||||
| Staat: | Datei:Flag of Lithuania.svg Litauen | |||||
| Bezirk: | Vilnius | |||||
| Rajongemeinde: | Širvintos | |||||
| Amt: | Kernavė | |||||
| Koordinaten: | 54° 53′ N, 24° 52′ O
{{#coordinates:54,885277777778|24,860833333333|primary
|
dim= | globe= | name= | region=LT-47 | type=city
}} |
| Einwohner (Ort): | 238 (2021) | |||||
| Zeitzone: | EET (UTC+2) | |||||
| Status: | Städtchen | |||||
| Website: | ||||||
| ||||||
Kernavė (deutsch, 18. Jahrhundert: Kernau) ist ein litauisches Städtchen (miestelis) in der Rajongemeinde Širvintos, etwa 35 km nordwestlich von Vilnius, mit 238 Einwohnern (Volkszählung 2021).<ref name="vle">Aleksiejus Luchtanas: Kernavė. In: Visuotinė lietuvių enciklopedija. Abgerufen am 14. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Die benachbarte archäologische Stätte Kernavė im Neris-Tal gilt als eine der wichtigsten Stätten der litauischen Frühgeschichte und als mögliche erste Hauptstadt des Großfürstentums Litauen. Sie wurde 2004 als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt.<ref name="whc">Eintrag auf der Website des Welterbezentrums der UNESCO (englisch und französisch).</ref>
Geografie
Kernavė liegt im Neris-Tal auf einer Terrasse am rechten Ufer des Flusses. Die archäologische Stätte erstreckt sich über 194,4 Hektar und umfasst 15 archäologische sowie drei historische Denkmäler.<ref name="whc" />
Geschichte
Die Stätte belegt menschliche Besiedlung über etwa 10.000 Jahre vom Spätpaläolithikum bis ins Mittelalter.<ref name="whc" />
An der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert entstand auf dem Aukuro-Hügel („Opferberg“) eine fürstliche Residenz. Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts entwickelte sich Kernavė zu einer befestigten Stadtanlage mit Ober- und Unterstadt sowie Bestattungsplätzen.<ref name="vle_rezervatas">Valstybinis Kernavės kultūrinis rezervatas. In: Visuotinė lietuvių enciklopedija. Abgerufen am 15. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="vle" />
1279 werden die fünf Burghügel erstmals in der Livländischen Chronik erwähnt. Sie gehörten zu einem umfangreichen Verteidigungssystem. Auf dem Pilies-Hügel („Burgberg“) siedelten höfische Handwerker, während Kaufleute und freie Handwerker in der Unterstadt im Pajautos-Tal lebten.<ref name="vle_rezervatas" /><ref name="vle" />
In der zweiten Hälfte des 13. und der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts zählte Kernavė zu den größten Städten des Großfürstentums Litauen und war hinsichtlich Größe, Bedeutung und Befestigungen nur Vilnius ebenbürtig.<ref name="vle_rezervatas" /><ref name="vle" />
Im Zuge der Litauerkriege wurde Kernavė 1365 und erneut 1390 von Rittern des Deutschen Ordens angegriffen. Im Jahr 1390 kämpfte Großfürst Vytautas – damals Verbündeter des Ordens im Bürgerkrieg gegen seinen Vetter Jogaila – an dessen Seite. Nach der Eroberung brannten Burg und Stadt nieder und wurden nicht wieder aufgebaut.<ref name="mokslai">Kernavė früher und heute. In: mokslai.lietuviuzodynas.lt. 17. Juni 2015, abgerufen am 14. März 2026.</ref><ref>Kernavė – Kulturreservat und Welterbe (Valstybinis Kernavės kultūrinis rezervatas). In: litauen-baltikum.de. Abgerufen am 14. März 2026.</ref> Die Bewohner verlagerten die Siedlung auf eine höhere Terrasse, wo das heutige Kernavė entstand. Die Versandung und Überschwemmung der alten Stätte am Flussufer konservierte die Überreste außergewöhnlich gut.
Archäologisches Reservat
Das Kulturreservat Kernavė wurde 1989 eingerichtet. Systematische Ausgrabungen laufen seit 1979 und haben nur etwa 2 % der Fläche untersucht. Die fünf Burghügel (Pilies, Aukuro, Lizdeikos, Mindaugo Trono und Pajautos) sind zentrale Elemente. Das Archäologische Museum Kernavė (eröffnet 2012) beherbergt rund 28.000 Artefakte und ist das einzige spezialisierte Archäologiemuseum Litauens.<ref>State Cultural Reserve of Kernave. In: EXARC. Abgerufen am 15. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Das Reservat erfüllt die UNESCO-Kriterien (iii) und (iv): Es zeugt von der Siedlungsentwicklung im baltischen Raum über 10.000 Jahre und von prähistorischen Siedlungsformen.<ref name="whc" />
Bauwerke
Die erste Kirche entstand um 1420 unter Vytautas, wurde 1729 zerstört und 1739 als Holzkirche wiederaufgebaut. Sie bestand bis zum Bau der heutigen neugotischen Pfarrkirche der Jungfrau Maria vom Skapulier, die zwischen 1910 und 1920 erbaut und 1925 geweiht wurde.<ref>Church of the Holy Virgin Mary, Kernavė. In: Religiana. Abgerufen am 14. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="mokslai" />
Erhalten sind ferner eine Holzkapelle (Ende 18./Anfang 19. Jahrhundert, 1822 versetzt) sowie eine klassizistische Mauerkapelle aus dem 19. Jahrhundert, die als Mausoleum dient.<ref name="mokslai" /><ref>Kernavė Chapel. In: Lietuvos Sakralioji Medinė Architektūra. Abgerufen am 14. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Legenden
Der größte Burghügel wird als „Thron des Mindaugas“ bezeichnet, nach dem ersten (und einzigen) König Litauens (1251–1263). Auf dem Aukuro-Hügel sollen in vorchristlicher Zeit Opferzeremonien stattgefunden haben.
Der Lizdeikos-Berg ist nach dem letzten heidnischen Oberpriester Lizdeika benannt, der sich dort angeblich mit den „Heiligen Jungfrauen“ und dem „Heiligen Feuer“ verschanzt haben soll. Lizdeika erscheint auch in der Sage von der Gründung Vilnius’, in der er Gediminas’ Traum vom Eisernen Wolf deutet.<ref>Ignas Narbutas: Lizdeika. In: Visuotinė lietuvių enciklopedija. Abgerufen am 14. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Auch Großfürst Traidenis (reg. ca. 1268/69–1282) wird in der Folklore als Herrscher von Kernavė dargestellt.<ref name="tv3">Vilmantas Venckūnas: Valdovo sudegintas miestas, kalne mieganti kariuomenė ir požeminis kelias į Vilnių: ką slepia Kernavė? In: tv3.lt. 17. Juni 2023, abgerufen am 14. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Weblinks
- Offizielle Website
- Aleksiejus Luchtanas: Kernavė. In: Visuotinė lietuvių enciklopedija. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- Flickr: Kernavė Gruppe bei Flickr
Einzelnachweise
<references />