Jürgen Hunke
Jürgen Hunke (* 8. Juni 1943 in Halle (Westf.))<ref name=":0">Hunke, Buddha, Sartre. In: Hamburger Abendblatt. 13. April 1991, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 14. März 2023; abgerufen am 8. Dezember 2022.</ref> ist ein deutscher Unternehmer, ehemaliger Sportfunktionär, ehemaliger Politiker der Statt Partei, Theaterbesitzer, Verleger, Buchautor und Mäzen.<ref>Jürgen Hunke – Wir müssen an die Erbschaftssteuer ran; WELT online vom 13. April 2008</ref><ref>Ulrich Gaßdorf: Ein Teehaus spaltet Timmendorfer Strand. In: Hamburger Abendblatt. 1. September 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 6. Oktober 2023; abgerufen am 12. September 2024.</ref>
Leben
Hunke, der in Gütersloh zur Schule ging, war als Jugendlicher Außendienstmitarbeiter eines Parfümerieunternehmens. Er besuchte ab dem 20. Lebensjahr die Werbefachschule in Hannover. Hunke wurde mit 24 Jahren Geschäftsführer eines Kosmetikunternehmens.<ref name=":0" /> 1962 zog er nach Hamburg. Er war für ein US-Handelsunternehmen tätig, dessen Vermarktungsabteilung er leitete.<ref name=":0" /> Hunke wurde als Geschäftsführer der Zeus Vertriebsgesellschaft mbH bekannt, die er 1974 gemeinsam mit Gerd F. Klein gegründet hatte.<ref>Handelsregister Hamburg HRB 18052</ref> Das Unternehmen, das Zeitschriften, Bücher, Schallplatten und Reisen vertrieb sowie Versicherungen aller Art vornehmlich für junge Leute vermittelte, geriet wegen des Einsatzes von Drückerkolonnen in die Kritik.<ref name="spon"/> 1981 firmierte die Firma um in ZEUS Vermittlungsgesellschaft mbH und konzentrierte sich in Kooperation mit der Versicherungsgruppe Deutscher Ring und Continentale auf die Vermittlung von Versicherungen und Kapitalanlagen aller Art für junge Leute und beschäftigte bis zu 800 Vertreter.<ref>Versicherungen: Abends mit Biß. In: Der Spiegel 12/1983. 21. März 1983, S. 75–78, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 6. Oktober 2023; abgerufen am 9. Januar 2019.</ref> Dies wurde ihm unter anderem vom Bund der Versicherten vorgehalten, als er im Jahr 1990 für die Präsidentschaft des Hamburger SV kandidierte.<ref>Jens Meyer: Herr Hunke, sind Sie skrupellos? In: Hamburger Abendblatt. 27. August 1990.</ref> Hunke wehrte sich gegen die Vorwürfe und setzte sich schließlich gegen Joachim Dege, Chef der Hamburger Mercedes-Niederlassung, durch.
Von November 1990 bis Oktober 1993 war Hunke HSV-Präsident.<ref>HSV-Präsidenten seit 1919. In: hsv-history.de. 9. Juli 2014, abgerufen am 9. Januar 2019.</ref> Kernaufgabe von Hunkes Amtszeit als Präsident war die finanzielle Sanierung des damals wirtschaftlich schwer angeschlagenen und mit rund 15 Millionen D-Mark verschuldeten Vereins.<ref name=":2">Der HSV ist wieder Millionär. In: Hamburger Abendblatt. 20. September 1993, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. Juni 2023; abgerufen am 20. Juni 2023.</ref> Hierzu gründete er 1991 die HSV Sport Aktiengesellschaft (seit 2014 HSV Fußball AG), deren Vorstand er bis 1997 und deren Aufsichtsrat er bis 2014 angehörte. Er initiierte unter anderem die Ausgabe von 36.000 Schuldscheinen, die als „Aktien“ à 1.000 DM deklariert wurden. Das Modell war als ein Novum im deutschen Profifußball damals Gegenstand bundesweiter Berichterstattung.<ref name="spon">Mit dem Geld von Onkel Paul. In: Der Spiegel 11/1991. 11. März 1991, S. 220–224, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 23. Oktober 2022; abgerufen am 9. Januar 2019.</ref> Letztlich wurden aber nicht ausreichend Aktien verkauft, um den Verein zu sanieren, der Löwenanteil der Sanierung wurde damals in Hunkes Ägide durch den Verkauf von Thomas Doll an Lazio Rom im Sommer 1991 erwirtschaftet. Zuvor hatte Hunke im Mai 1991 eine Bürgschaft der Stadt Hamburg in Höhe von drei Millionen D-Mark erreicht, wodurch der zwischenzeitlich drohende Entzug der Bundesliga-Teilnahmeberechtigung abgewendet wurde.<ref>Tag der Entscheidung. In: Hamburger Abendblatt. 15. Mai 1991, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 9. Dezember 2022; abgerufen am 9. Dezember 2022.</ref> Im Frühsommer 1991 kam es zwischen Hunke und dem damaligen HSV-Manager Georg Volkert öffentlich zum Streit über die Verpflichtung eines Spielers. Volkert kritisierte Hunkes Führungsstil,<ref>„Stasi-Methoden“. In: Hamburger Abendblatt. 11. Juni 1991, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 12. Dezember 2022; abgerufen am 12. Dezember 2022.</ref> während Hunke Volkerts Arbeitsweise in Zweifel zog. Der Sportinformationsdienst bezeichnete die Auseinandersetzung als „Hunke-Volkert-Horror-Show“.<ref>Die Horror-Show. In: Hamburger Abendblatt. 12. Juni 1991, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 11. Dezember 2022; abgerufen am 12. Dezember 2022.</ref> Im November 1991 war Hunke Mitgründer des 1. VC Hamburg.<ref>Wie gründet man einen Verein? In: Hamburger Abendblatt. 25. November 1991, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 4. Februar 2023; abgerufen am 20. März 2023.</ref>
Mitte Mai 1992 räumte Hunke in der Presse ein, zu Beginn seiner Amtszeit als HSV-Präsident auf einen Mann hereingefallen zu sein, der sich als Wahrsager ausgab. Dieser hielt sich zeitweise auch im erweiterten Umfeld der Mannschaft auf. Hunke gab an, dem Mann zu Beginn seiner Tätigkeit beim HSV „privates Geld gegeben“ zu haben, „um Schaden vom HSV fernzuhalten.“<ref name=":1">Bei Hunke ist alles wie verhext. In: Hamburger Abendblatt. 14. Mai 1992, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 3. März 2023; abgerufen am 4. März 2023.</ref> Später warnte Hunke intern und öffentlich vor dem Mann, den er als „Scharlatan“ bezeichnete<ref name=":1" /> und gegen den er Strafanzeige wegen Erpressung und Nötigung stellte.<ref>HSV setzt Spieler vor die Tür. In: Hamburger Abendblatt. 14. Mai 1992, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 4. März 2023; abgerufen am 4. März 2023.</ref> Das Hamburger Abendblatt schrieb von einer „Hexer-Affäre“.<ref name=":1" /> Ab Oktober 1992, als sich bereits Hunkes Rückzug vom Amt des HSV-Vorsitzenden abzeichnete, machte er sich für den Bau eines neuen Fußballstadions (als Standort war die Trabrennbahn Bahrenfeld im Gespräch) und einer Großraumhalle in Hamburg stark.<ref>Ein Stadion für Hamburg. In: Hamburger Abendblatt. 20. Oktober 1992, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. März 2023; abgerufen am 20. März 2023.</ref> Kurz vor dem Ende von Hunkes Amtszeit als HSV-Vorsitzender wurde in der Presse über die wirtschaftliche Gesundung des Vereins berichtet, der laut Hamburger Abendblatt zu diesem Zeitpunkt „erstmals seit Jahrzehnten“ wieder „ein unbelastetes Vermögen von mehreren Millionen Mark“ aufwies.<ref name=":2" /> Nach Aussage Hunkes war das unter anderem durch Zuschauereinnahmen, Freundschaftsspiele und Spielerverkäufe gelungen.<ref>Woher kommen die HSV-Millionen. In: Hamburger Abendblatt. 21. September 1993, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 19. Juni 2023; abgerufen am 20. Juni 2023.</ref> Die Deutsche-Presseagentur urteilte im Oktober 1993, Hunkes Amtszeit klinge mit einer „eindrucksvollen Wirtschaftsbilanz“ aus.<ref>Tausend Tage Hunke: Ein ganz starker Abgang. In: Hamburger Abendblatt. 29. Oktober 1993, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 25. Juni 2023; abgerufen am 25. Juni 2023.</ref>
Von November 1996 bis Dezember 2000 und von November 2004 bis Januar 2009 war Hunke Mitglied des Aufsichtsrats des Hamburger SV, wobei er des Öfteren kritisch zur Vereinspolitik Stellung bezog. Auf der Mitgliederversammlung am 9. Januar 2011 zog er erneut in den Aufsichtsrat ein.<ref>Franko Koitzsch: Hoffmanns Kritiker ziehen in den HSV-Aufsichtsrat ein. In: Hamburger Abendblatt. 9. Januar 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 6. Oktober 2023; abgerufen am 9. Januar 2019.</ref> Im Januar 2019 kandidierte Hunke bei der Mitgliederversammlung als Präsident des Hamburger SV e. V.<ref>Präsidentenwahl. In: hsv-ev.de. 12. Dezember 2018, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 10. Januar 2019; abgerufen am 12. Dezember 2018.</ref>
Jürgen Hunke sagte über das Thema Ausgliederung der Fußball-Profiabteilung beim Hamburger SV folgendes:
„Darüber denke ich gar nicht nach, das kommt für mich ohnehin nicht infrage. Allein aus Respekt vor unseren Großvätern, die diesen Verein über zwei Weltkriege erhalten haben.“
Seit 1994 war Jürgen Hunke für zwei Jahre geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger Kammerspiele, die er vor dem finanziellen Ruin gerettet hat.<ref>Nichts als Theater: die Geschichte der Hamburger Kammerspiele</ref><ref>https://taz.de/Goetterdaemmerung/!1566418/</ref> Das Haus wurde 2002 komplett renoviert und erweitert. Heute ist es ein wichtiges Zentrum für Kultur und Kommunikation in Hamburg. Hunke, der bis 2000 noch als Geschäftsführer der Zeus-Firmengruppe tätig war, bezeichnete sich danach als „unabhängiger, selbst bestimmter Privatier“. Er gründete 2005 den Hamburger Trab-Zentrum e. V. (HTZ)<ref>Werner Langmaack: Traber-Chef Hunke rechnet mit Kritikern ab. In: welt.de. 7. November 2005, abgerufen am 6. Februar 2018: „Noch ist der Erbbauvertrag nicht auf das von Hunke neu gegründete Hamburger Trab-Zentrum übertragen worden.“</ref> und setzte sich als dessen Präsident (bis 2008) für den Erhalt der Hamburger Trabrennbahn ein. Seit September 2008 ist er Herausgeber des von ihm finanzierten Online-Magazins Guten-Morgen-Hamburg.
Hunke ist geschäftsführender Gesellschafter der MIKADO GmbH und Besitzer einer der größten Buddha-Sammlungen in Deutschland. In den Mikado-Galerien (Timmendorfer Strand, Hamburg und Berlin) stellt er Skulpturen, Gemälde und alte Kunst aus verschiedenen fernöstlichen Ländern aus.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Jürgen Hunke – Persönliche Website ( vom 1. Oktober 2010 im Internet Archive)</ref> Hunke plante 2010 auf der Seebrücke des Ostseebades Timmendorfer Strand den Bau eines asiatischen Mikado-Teehauses. Im Mai 2012 kündigte die Gemeinde Timmendorfer Strand nach längeren Streitigkeiten um Zuständigkeiten, Sicherheiten und außerplanmäßigen Kosten in Höhe von 2,4 Millionen Euro den Vertrag mit Hunke. Hunke sah eine Kunstausstellung in dem Teehaus vor, die Gemeinde Timmendorfer Strand präferierte hingegen einen gastronomischen Ausflugsbetrieb. Am Ende sollte ein Bürgerentscheid über die Zukunft des Teehauses entscheiden. Der Kaufmann legte daraufhin eine Feststellungsklage ein.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Teehaus abgelehnt: Hunke verklagt Timmendorf, Homepage von Jürgen-Hunke ( vom 4. März 2016 im Internet Archive)</ref> Das Teehaus sollte ursprünglich eine Schenkung des Kunstmäzens Hunke an die Gemeinde Timmendorfer Strand sein. Um die Streitigkeit zu schlichten, war eine Spende zur freien Verwendung an die SPD-Ortsgruppe im Gespräch.<ref>Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Wollte Hamburger Millionär Hunke die SPD bestechen? Hamburger Morgenpost, 27. September 2013</ref> Anstatt eines Teehauses<ref>Ärger um den Pachtvertrag fürs Teehaus, LN Online, 1. März 2014</ref> eröffnete der Gastronom Christian Kermel am 1. Juli 2014 das Restaurant „Wolkenlos“.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Aus Hunkes Teehaus wird "Ostsee-Sansibar", Auf Timmendorfs Seebrücke eröffnet der Gastronom Christian Kermel das Restaurant Wolkenlos, Homepage von Jürgen-Hunke ( vom 4. März 2016 im Internet Archive)</ref> Am 19. Oktober 2017 gab die Gemeinde bekannt, dass erhebliche Baumängel an der Glasfront des Gebäudes bestünden, für deren Beseitigung sie voraussichtlich weitere € 800.000 aufwenden müsse.<ref>Lübecker Nachrichten, Lübeck, Schleswig-Holstein, Germany: Das wird ’ne teure Tasse Tee. Abgerufen am 1. November 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Hunke war Mitglied der Statt Partei und bei den Wahlen für die Hamburger Bürgerschaft 1997 und 2001 deren Spitzenkandidat.<ref>Pressebericht zu Hunke und der Statt Partei, Die Welt</ref>
2017 veröffentlichte Jürgen Hunke sein neuestes Buch Du wirst 70. Freu Dich drauf!, in dem er sich dem Leben im Alter widmet.<ref>Hamburger Abendblatt vom 16. September 2017, S. 23.</ref> Im Herbst 2022 stieg Hunke als Gesellschafter beim zahlungsunfähigen Stadtfernsehsender Hamburg 1 ein und übernahm 50 Prozent der Anteile an der KG Hamburg 1 Fernsehen Beteiligung GmbH & Co.<ref>Gregory Lipinski: Frank Otto und Ex-HSV-Präsident Jürgen Hunke retten Hamburg 1. In: Meedia.de. 6. Oktober 2022, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 3. April 2023; abgerufen am 3. April 2023.</ref> Er trug damit zur Rettung des Senders bei. Mitte Januar 2023 verkauften Hunke und der zweite Gesellschafter Frank Otto ihre Anteile an dem Sender an die Godd Media Broadcast GmbH in Berlin.<ref>Hamburg 1: Frank Otto und Jürgen Hunke verkaufen TV-Sender nach Berlin. In: Hamburger Abendblatt. 17. Januar 2023, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 8. März 2023; abgerufen am 3. April 2023.</ref>
Werke (Auswahl)
- Der Hebel Zeit. Die Jahrhundert-Idee, KJM Buchverlag 2023, ISBN 978-3-96194-214-5
- Die untrainierte Gesellschaft
- Du wirst 60 – und was dann?
- Wohlfühlen – Der Megatrend
- Ausreden – Die neue Volkskrankheit
- Sieh zu, wie Steine wachsen!
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hunke, Jürgen |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Unternehmer, Buchautor, Sportfunktionär, Politiker der Statt Partei, Verleger und Theaterbesitzer |
| GEBURTSDATUM | 8. Juni 1943 |
| GEBURTSORT | Halle (Westf.) |