József Hild
József Hild (* 8. Dezember 1789 in Pest; † 6. März 1867 ebenda) war ein ungarischer Architekt und Baumeister des Klassizismus.
Hild war einer der prägendsten Architekten der ungarischen Reformzeit in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Neben zahlreichen großen Dombauten in ganz Ungarn plante er unter anderem die klassizistische Neugestaltung der Pester Leopoldstadt.
Leben
József (auch Josef) Hild war zweites Kind des erst 1789 von Wien nach Pest gezogenen Stadtbauingenieurs Johann Hild (1766–1811)<ref>Hild, Josef. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 2, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1959, S. 315.</ref> und dessen Frau Klára Hild. Bis 1804 besuchte er das Pester Piaristen-Gymnasium und lernte während dieser Zeit auch im Büro seines Vaters. Im Alter von 16 Jahren schickte ihn sein Vater zur Ausbildung nach Wien und József lernte an der Wiener Kunstakademie und bei Karl Ritter von Moreau (1758–1840), dem damaligen Hofarchitekten der Familie Esterházy. 1809 trat Hild in das Bauunternehmen seines Vaters ein, und bedingt durch dessen frühen Tod übernahm er 1811 das Geschäft. Hild ersuchte beim Palatin nach einer Bau- und Architektenlizenz, die ihm unter der Bedingung mehr praktischer Erfahrung erteilt werden sollte.
Die Wiener Kunstakademie verlieh Hild ein Reisestipendium. Von 1816 bis 1820 unternahm er eine längere Studienreise nach Italien und Griechenland und besuchte u. a. Mailand, Florenz, Rom, Neapel und Athen. Die meiste dieser Zeit verbrachte er in Rom und studierte die Kirchen und Kathedralen der Renaissance.<ref name="Kalmár">Miklós Kalmár: Hild József, a reformkor építész vállakozója. In: Technische und Wirtschaftswissenschaftliche Universität Budapest (Hrsg.): Architectura Hungariae. Budapest 1999 (online [abgerufen am 8. August 2022]).</ref> Nach seiner Heimkehr nach Pest erhielt er in den 1820er Jahren einige private Aufträge und baute sich langsam einen Ruf als Architekt auf. Bis Anfang der 1830er Jahre realisierte er erste Projekte, u. a. Gross-Haus (1825), Lloyd-Palast (1828) und Diana-Bad (1822).
Die Jahre nach der Pester Flut von 1838 war Hilds produktivste Zeit als Architekt. Er war verantwortlich für den Wiederaufbau der Stadt und entwarf rund 200 Villen, Geschäftshäuser und Stadtpalais.<ref>Historisches Museum Budapest (BTM): Tanulmányok Budapest múltjából. Budapest 1939, S. 86–89.</ref> 1844 erhielt er den Titel „Baumeister“ und ab 1845 war er Pester „Stadtbaumeister“.<ref name="Kalmár" />
Während der 1830er begann Hild auch mit der Planung größerer Kirchenum- und Neubauten, u. a. des Egerer Doms (1830–1837) und des Esztergomer Doms (1839–1845), des größten Kirchenbaus Ungarns. Esztergom wurde neben Pest einer seiner Hauptschaffensorte. Außer der Basilika plante er auch die Diözesanbibliothek und das Seminar für das Erzbistum Esztergom, die Gebäude für das Szent Imre-Gymnasium und die örtliche Sparkasse. 1845 unternahm er nochmals Reisen nach Italien und Deutschland, u. a. München.<ref name="Kalmár" />
1851 wurde Hild mit der architektonischen Leitung zum Bau der Budapester St.-Stephans-Basilika (1851–1905) beauftragt, die nach seinem Tod unter Miklós Ybl (1814–1891) im Stil der Neorenaissance weitergeführt und 1905 unter der Leitung von József Kauser vollendet wurde.<ref name="Kalmár" /> Hild starb 1867 im Alter von 77 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung. Er wurde auf dem Kerepescher Friedhof beigesetzt.
Werk
József Hild plante und baute über 900 Bauwerke.<ref name="Kalmár" /><ref>Vorlage:MEK</ref>
Sakralbauten (Auswahl)
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Lutherische Kirche am Deak-Ferenc-Platz, Budapest
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Basilika, Eger
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Basilika, Esztergom
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Reformierte Kirche, Cegléd
- 1799–1808:<ref name="Papp">Gábor György Papp: Hild József. In: artportal.hu. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 25. September 2023; abgerufen am 6. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Lutherische Kirche am Deak-Ferenc-Platz (Deák Ferenc tér), V. Budapester Bezirk Belváros-Lipótváros
- 1816–1830: Reformierte Kirche am Kalvin-Platz (Kálvin tér), IX. Budapester Bezirk Ferencváros
- 1833–1834: Reformierte Kirche, Cegléd
- 1831–1837:<ref name="Papp" /> Basilika, Eger
- 1836–1838: Katholische Kapelle, Baja
- 1816–1839: Reformierte Kirche, Kunhegyes
- 1838–1846: Sankt-Adalbert-Kathedrale (Esztergom)
- 1843–1854:<ref name="Papp" /> Hermina-Kapelle, XIV. Budapester Bezirk Zugló
- 1851–1867:<ref name="Papp" /> St.-Stephans-Basilika, V. Budapester Bezirk Belváros-Lipótváros
Profanbauten (Auswahl)
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Volt Forinyák-Haus, Budapest
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József Hild-Grundschule, Budapest
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Valero Seidenspinnerei, Budapest
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Valero Seidenspinnerei
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Schossberger-Haus, Budapest
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Seminar, Esztergom
- 1821–1822: Diana-Bad, Budapest
- 1824–1825: Gross-Haus (Gross-ház), Budapest
- 1827–1828: Lloyd-Palast (Lloyd-palota) der (Pesti polgári kereskedelmi testület), V. Budapester Bezirk
- 1830: Derra-Haus (Derra-ház), Budapest
- 1832: Károlyi–Trattner-Haus (Károlyi–Trattner-ház), Budapest
- 1833: Nako-Haus (Nako-ház), Budapest
- 1834:<ref name="Papp" /> Schloss Sándor-Metternich (Sándor–Metternich-kastély), Bajna
- 1832–1837:<ref name="Papp" /> Schloss Kubinyi (Kubinyi-kastély), Tápiószentmárton,
- 1835–1837: Wieser-Haus (Wieser-ház), Budapest
- 1836–1837: Tanzer-Haus (Tanzer-ház), Budapest
- 1838–1840:<ref name="Papp" /> Schloss Teleki (Teleki-kastély), Gyömrő
- 1839–1840: Wagner-Haus (Wagner-ház), Budapest
- 1841: Valero Seidenspinnerei, Budapest
- 1842: Lukács-Bad, Budapest
- 1844:<ref name="Papp" /> Villa Hild, II. Budapester Bezirk
- 1845:<ref name="Papp" /> Császár-Bad, Budapest
- 1846:<ref name="Papp" /> Villa Libasinszky, Budapest
- 1852: Pscherer-Haus (Pscherer-ház), Budapest
- 1844–1853: Ullmann-Haus (Ullmann-ház), Budapest
- 1853–1854: Szent Imre-Gymnasium, Esztergom
- 1853–1853: Dombibliothek, Esztergom
- 1861: Schossberger-Haus (Schossberger-ház), Budapest
- 1861: Pester Ungarische Commercial-Bank (Pesti Magyar Kereskedelmi Bank), später Gerbeaud-Haus (Gerbeaud-ház), Budapest
- 1860–1862: Spa´rkassengebäude (Takarekpenztar), Esztergom
- 1860–1865:<ref name="Papp" /> Seminar, Esztergom
Ehrungen
- 1836: Mitglied der Akademie der bildenden Künste Wien
- 1842: Ehrenbürger der Stadt Pest
- 2023: Benennung eines Asteroiden nach ihm: (241368) Hildjózsef
Nach Hild sind heute eine Reihe von Schulen benannt, unter anderem die József Hild-Grundschule (Általános Iskola) in Budapest und die József Hild-Baufachschule in Győr.
Literatur
- László Geró: Ungarische Architektur bis zum Ende des XIX. Jahrhunderts, Építésügyi Kiadó, Budapest, 1954
- Károly Lyka: Ungarische Kunst 1800–1850, Corvina, Budapest, 1981
Einzelnachweise
<references />
Weblinks
- Literatur von und über József Hild im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- József Hild. In: archINFORM.
- József Hild. In: Structurae
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hild, József |
| ALTERNATIVNAMEN | Hild, Jósef |
| KURZBESCHREIBUNG | ungarischer Architekt |
| GEBURTSDATUM | 8. Dezember 1789 |
| GEBURTSORT | Pest |
| STERBEDATUM | 6. März 1867 |
| STERBEORT | Pest |