Junifall
Der Junifall (auch: Junifruchtfall) bezeichnet das Abfallen eines Teils der Früchte hauptsächlich von Kernobst-Bäumen. Besonders Apfel- und Birnbäume lassen von Ende Mai bis Anfang Juli, zuerst drei bis vier und dann noch einmal etwa sechs bis acht Wochen nach der Blüte,<ref name="oug"/> einen Teil ihrer Früchte fallen.<ref group="L">Die Fruchtbarkeit der Obstgehölze. S. 89.</ref> Beide Fruchtfallperioden können ineinander übergehen. Der natürliche Vorgang wird hervorgerufen durch eine Konkurrenz um beschränkt verfügbare Assimilate. Bei Kirschen wird der Fruchtfall als Röteln bezeichnet.<ref group="L">Die Fruchtbarkeit der Obstgehölze. S. 203.</ref>
Ursache
Der Hauptgrund für den Fruchtfall liegt in einer fehlenden oder unzureichenden Befruchtung.<ref name="landwirtschaftskammer"/> Verstärkt tritt die Erscheinung in Jahren mit kühler und feuchter Witterung zur Zeit der Blüte auf. Am Stielansatz der betroffenen Früchte bildet sich eine Korkschicht, weil die Früchte nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden, die so genannte Abszissionszone. Ursache für die Verkorkung ist das Pflanzenhormon Auxin, das von den Samen der Frucht nicht in ausreichender Menge gebildet wird.<ref name="Baird"/> Es entstehen zur Ablösung (Abszission) Reihen kleiner Zellen quer zur Achse des Fruchtstiels. Durch Auflösen der Zellwände kommt es zur Trennung vom Gehölz.<ref group="L">Die Fruchtbarkeit der Obstgehölze. S. 87.</ref>
Bedeutung für Obstbauern
Für die Produzenten von Obst ist der Junifall kein Problem, da die Erntemenge dadurch in der Regel nicht beeinträchtigt wird. Im Gegenteil trennt sich der Baum von zu viel entwickelten Fruchtanlagen. Nur 4–5 % der Blüten ergeben Früchte.<ref group="L">Die Fruchtbarkeit der Obstgehölze. S. 85.</ref> Ebenfalls entfällt das Ausdünnen der Früchte von Hand (Putzen, heute nicht mehr üblich), mechanisch oder mit Hilfe von Pflanzenbehandlungsmitteln.<ref name="oekolandbau"/> In Jahren mit zu geringem Junifall wird durch das künstliche Entfernen von Früchten für eine ausreichende Qualität der verbleibenden Früchte gesorgt.<ref name="landwirtschaftskammer"/><ref name="oug"/> Ohne Junifall oder Ausdünnen würden die Bäume zu viele kleine Früchte bilden, die nicht vermarktungsfähig sind. Im Folgejahr könnte es dadurch sogar zu einer starken Verminderung der Blüte und daraus folgend der Fruchtmenge kommen. Diesen Vorgang nennt man Alternanz.
Bedeutung für Hobbygärtner
In der privaten Nutzung von Obstbäumen führt das Ausputzen zu einer verbesserten Obstqualität, wenn sie vor dem Junifall erfolgt.<ref group="L">Die Fruchtbarkeit der Obstgehölze. S. 144.</ref> Man lässt an einem Blütenstand ein bis zwei Früchte stehen. Man kann die Fruchtzahl in ein Verhältnis zur Blattzahl setzen: 10 bis 15 Blätter, gezählt im Juni, reichen für einen Apfel aus.<ref group="L">Die Fruchtbarkeit der Obstgehölze. S. 60.</ref> In schattigen Bereichen des Baumes sollten alle Fruchtansätze entfernt werden. Das Ausputzen erfolgt wenige Wochen nach der Blüte von Hand oder mit einer Schere. Man erhält dadurch weniger Früchte, die größer werden und insgesamt eine höhere Qualität aufweisen.
Literatur
- Robert Schumacher: Die Fruchtbarkeit der Obstgehölze. Ulmer 1989, 3. Auflage, ISBN 3-8001-5274-6
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Einzelnachweise
<references> <ref name="oug">Landesverband für Obstbau, Garten und Landschaft Baden-Württemberg e.V. (LOGL): Arbeitskalender Juni 2005. In: Obst & Garten 6/2005. (Obst&Garten online, abgerufen am 24. Februar 2011)</ref> <ref name="landwirtschaftskammer">Pressemeldung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen vom 23. Juni 2010: Jetzt fallen die Äpfel. (Online, abgerufen am 24. Februar 2011)</ref> <ref name="Baird">Lisa A . Morrison Baird and Barbara D. Webster: The Anatomy and Histochemistry of Fruit Abscission. Chapter 4 in: Jules Janick (editor): Horticultural Reviews. AVI Publishing, Westport 1979. ISBN 0-87055-314-3.</ref> <ref name="oekolandbau">Fruchtbehangsregulierung. Ökolandbau.de, Informationsportal, herausgegeben von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Abgerufen am 5. Juli 2024.</ref> </references>