Dschundollah
Dschundollah (arabisch جندالله, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) ‚Soldaten Gottes‘, auch Dschundallah, englisch transkribiert Jundallah) ist nach Angaben des Außenministeriums der Vereinigten Staaten eine sunnitisch-islamistische terroristische<ref>Office of the Spokesman – Washington, DC – November 3, 2010</ref> Organisation in Iran, die in der Provinz Sistan und Belutschistan aktiv ist. Die Organisation, die 2002 gegründet wurde, begann im Jahr 2005, Anschläge zu verüben.<ref>aljazeera.net vom 20. Juni 2010 Jundallah: Iran's Sunni rebels</ref> Ein Sprecher der Organisation sprach zu diesem Zeitpunkt von 1000 Kämpfern, die ihr zur Verfügung ständen.<ref>washingtontimes.com vom 16. Januar 2006 Sunni group vows to behead Iranians</ref> Sie steht der dschihadistisch-salafistischen Terrororganisation Islamischer Staat nahe.<ref>Dutzende Tote bei Anschlag auf Bus, Tagesschau.de, 13. Mai 2015</ref>
Hintergrund
Ihrem Selbstverständnis nach ist die Dschundollah eine religiös motivierte Rebellengruppe, die die Interessen ihrer sunnitischen Glaubensbrüder im mehrheitlich schiitischen Iran zu verteidigen vorgibt.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Irans geheimnisvolle Rebellen.] Dw-world.de, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 18. Juni 2010.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Die Dschundollah ist wahrscheinlich ein Ableger der Befreiungsbewegung Belutschistans.<ref>Selig S. Harrison: Reiches Belutschistan, arme Belutschen. In: Le Monde diplomatique. Abgerufen am 23. April 2020.</ref> Der Iran bezeichnet Dschundollah als terroristische Vereinigung und sieht seit 2007 die Organisation als „Staatsfeind Nummer eins“.<ref>Spiegel Nr. 35/2007 Al-Qaida gegen Mullahs</ref> Die Organisation soll von Pakistan aus operieren und in den Drogenhandel mit Schlafmohn verwickelt sein.<ref>Tagesschau: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Blutiger Angriff auf die Revolutionsgarden ( vom 20. Oktober 2009 im Internet Archive), 18. Oktober 2009</ref>
Es wurde mehrfach über eine Unterstützung der Dschundollah durch die USA berichtet,<ref>Daily Telegraph: US funds terror groups to sow chaos in Iran 25. Februar 2007</ref><ref>Daily Telegraph Bush sanctions black ops against Iran 27. Mai 2007</ref><ref>ABC News: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />The secret war against Iran ( vom 30. April 2012 auf WebCite) 3. April 2007</ref><ref>The New Yorker: Preparing the battlefield 7. Juli 2008, Seymour M. Hersh</ref><ref>publicintelligence.net: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />US-Backed Jundullah Responsible for Iran Mosque Bombing ( vom 19. Juli 2010 im Internet Archive) 16. July 2010</ref><ref>uni-kassel.de US-Geheimdienst CIA unterstützt „Dschundallah“-Terroristen im Iran</ref> die US-Regierung bestritt dies energisch. Im Januar 2012 stellte ein Artikel im Foreign Policy die Stichhaltigkeit dieser Vorwürfe infrage und behauptete, der US-Geheimdienst CIA habe „selbst den geringsten Kontakt mit Dschundallah verhindert“.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig False Flag.] In: Foreign Policy. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 16. Oktober 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Die Vorwürfe hatten ihren Ursprung in einer Operation des israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad unter „Falscher Flagge“. Mossad-Agenten, die sich als CIA-Mitarbeiter ausgaben, hatten sich mit Dschundallah-Mitgliedern in Städten wie London getroffen und sie rekrutierten, um Anschläge gegen den Iran zu verüben. Als Präsident George W. Bush schließlich von den Machenschaften des israelischen Geheimdienstes durch die CIA informiert wurde, war er über Israels Vorgehen sehr verärgert. Beobachter gingen davon aus, dass Israel hinter der Anschlagsserie gegen iranischer Atomwissenschaftler und Physiker, wie Massud Ali-Mohammadi im Januar 2010, Madschid Schahriari und Fereidun Abbassi im November 2010 und Dariusch Rezaie im Juli 2011, steckte. Doch Israels Regierung enthielt sich dazu jeden Kommentars. Es schien, als habe Israels Zensurbehörde das Thema mit einem Veröffentlichungsverbot belegt.<ref>Ulrike Putz: Geheimkrieg unter falscher Flagge?, spiegel.de vom 16. Januar 2012 (abgerufen am 17. Januar 2012)</ref>
Die Situation zwischen dem Iran und den USA entspannte sich jedoch erst, als die US-Regierung unter Präsident Barack Obama „die gemeinsamen amerikanisch-israelischen Geheimdienstprogramme gegen den Iran drastisch zurückfuhr“ und Dschundallah am 3. November 2010 schließlich in die Liste der ausländischen terroristischen Organisationen des US-Außenministeriums aufgenommen wurde.<ref>http://www.state.gov/r/pa/prs/ps/2010/11/150332.htm</ref>
Anführer
Der Anführer der Dschundollah, Abdolmalek Rigi, galt für Iran als Statthalter des Terrornetzwerks al-Qaida, da dieser in einer pakistanischen Koranschule ausgebildet wurde und an der Seite der afghanischen Islamisten gekämpft haben soll. Wie die sunnitischen Taliban und al-Qaida bezeichnete Rigi die Schiiten in seinen Reden als Kuffar.<ref>Spiegel Nr. 35/2007 Al-Qaida gegen Mullahs</ref> Er wurde am 23. Februar 2010 von iranischen Sicherheitskräften festgenommen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivlink ( vom 31. Januar 2016 im Internet Archive) Reuters vom 23. Februar 2010</ref> Rigi sei an Bord eines Flugzeugs gewesen, das auf seinem Weg von Dubai nach Kirgisien durch iranischen Luftraum flog. Iranische Abfangjäger sollen die Maschine zur Landung in Bandar Abbas gezwungen haben. Rigi wurde noch an Bord festgenommen<ref>Spiegel online vom 25. Februar 2010</ref> nach seiner Festnahme sagte Rigi dem iranischen Staatsfernsehen, dass die Vereinigten Staaten ihn für seine Aktionen entlohnt hätten<ref>Rigi Claims U.S. Assistance to Jundallah. (PDF) 27. August 2009, abgerufen am 23. April 2020.</ref><ref>Iran 'militant' claims US support. 26. Februar 2010 (bbc.co.uk [abgerufen am 23. April 2020]).</ref> ob diese Aussage durch Folter während Rigis Inhaftierung im berüchtigten Evin-Gefängnis erzwungen wurde, ist ungewiss<ref>Matt Roper: Inside 'black hole of evil' torture jail where British mum is on hunger strike. 14. Januar 2019, abgerufen am 23. April 2020.</ref> die Vereinigten Staaten bestritten die Behauptungen Rigis jedenfalls<ref>Secretary of State's Terrorist Designation of Jundallah. 27. April 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 27. April 2017; abgerufen am 23. April 2020.</ref> am 20. Juni 2010 wurde Rigi schließlich durch den Strang hingerichtet. Der Doppelanschlag vom 15. Juli 2010 wird als Rache für die Hinrichtung Rigis angesehen.<ref>https://www.boell.de/de/navigation/naher-mittlerer-osten-9791.html</ref><ref>22 Tote nach Doppel-Selbstmordanschlag, FAZ, 16. Juli 2010</ref>
Zugeschriebene Anschläge
- Am 14. Dezember 2005 wurde auf den Wagen des Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad in der Provinz Sistan und Belutschistan nahe der Stadt Zabol ein Anschlag verübt. Ein Leibwächter des Präsidenten wurde getötet, ein weiterer verletzt.<ref>Nazlia Fathi: nytimes vom 15. Februar 2007 Car Bomb in Iran Destroys a Bus Carrying Revolutionary Guards</ref>
- Am 16. März 2006 wurde in der Nähe der Stadt Tasuki eine Autokolonne angegriffen, in der zahlreiche hochrangige Amtspersonen der Provinz Sistan und Balutschistan saßen. Mindestens 22 Personen wurden getötet, 7 als Geisel genommen. Die Täter sollen laut diversen Quellen Polizeiuniformen getragen haben und bei der Kontrolle Polizeiausweise vorgezeigt haben. Nach dem Überfall sollen die Täter zusammen mit ihren Geiseln über die pakistanische Grenze geflohen sein. Die Gruppe forderte für den Austausch der Geiseln die Freilassung von 5 gefangenen Mitgliedern der Dschundollah.<ref>alischirasi.de vom 6. Mai 2006 Balutschistan am Rande einer Explosion?</ref><ref>tehrantimes.com vom 21. Juli 2009 Brother of Jundullah leader makes new revelations</ref>
- Durch den Anschlag am 14. Februar 2007 bei Zahedan, bei dem 18 Mitglieder der Iranischen Revolutionsgarde getötet wurden, wurde die Organisation im Westen bekannt.<ref>Zeit online 15. Februar 2007 Großes Unruhepotenzial</ref>
- Im Sommer 2007 wurden 41 iranische Lastwagenfahrer von Dschundollah nach Pakistan entführt, wo sie pakistanische Sicherheitskräfte schließlich allesamt befreien konnte<ref>Saleem Shahid: Iranian hostages freed after clash with militants. 21. August 2007, abgerufen am 23. April 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- Am 19. August 2007 wurden in der Nähe der Stadt Tschahbahar bis zu 30 Menschen entführt.<ref>Süddeutsche.de vom 19. August 2007 Geiselnahme: 30 Menschen im Iran entführt</ref>
- Am 29. Dezember 2008 wurde ein Selbstmordanschlag auf ein Gebäude der Sicherheitskräfte in Saravan verübt. Bei dem Anschlag, ausgeführt von Abdul-Ghafoor Rigi, einem Bruder des Anführers, starben 4 Menschen, darunter 2 Polizeioffiziere, 20 Menschen wurden verletzt.<ref>tehrantimes.com vom 30. Dezember 2008 Jundullah responsible for Saravan bombing</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />trust.org vom 15. Dezember 2010 ( vom 24. Dezember 2010 im Internet Archive) Jundollah, Iran's Sunni Muslim rebels</ref>
- Am 28. Mai 2009 kamen bei einem Anschlag auf eine Moschee in Zahedan 15 Gläubige ums Leben und etwa 50 weitere wurden verletzt.<ref>Spiegel.de vom 28. Mai 2009 Mehr als ein Dutzend Tote bei Anschlag auf Moschee</ref>
- Am 18. Oktober 2009 wurden bei einer Selbstmordattacke in der Region Pischin der Provinz Sistan und Belutschistan, 29 Menschen getötet, darunter fünf ranghohe Kommandeure der Revolutionsgarde und 28 verletzt. General Nur Ali Schuschtari, der Vizekommandeur der Landstreitkräfte und der Kommandeur der Revolutionsgarden in Sistan-Balutschistan, General Mohammed Sadeh, wurden dabei getötet.<ref>Spiegel Online: Anschlag tötet Kommandeure der Revolutionsgarden in Iran, 18. Oktober 2009</ref>
- Am 15. Juli 2010 sprengte sich in der großen Moschee in der Stadt Zahedan ein Selbstmordattentäter in die Luft. Kurz darauf attackierte ein zweiter Selbstmordattentäter die Helfer. Die Explosionen forderten über 27 Tote und 270 Verletzte.<ref>Viele Tote bei Anschlägen vor Moschee, FAZ, 16. Juli 2010</ref>
- Am 15. Dezember 2010 kamen bei einem Anschlag in der Stadt Tschahbahar vor einer Moschee mindestens 38 Menschen ums Leben, 60 Menschen wurden verletzt. Die Dschundollah bekannte sich nach Angaben des Senders Al-Arabiya zu dem Anschlag.<ref>Spiegel.de vom 15. Dezember 2010 Viele Tote bei Anschlag auf Moschee</ref>
- In der iranischen Stadt Char Bar attackierte am 19. Oktober 2012 ein Selbstmordattentäter eine schiitische Moschee und tötete dabei sich selbst und eine weitere Person und verletzte einige Menschen.<ref>Sputnik News - World News, Breaking News & Top Stories. Abgerufen am 23. April 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- In der Nacht zum 23. Juni 2013 wurden in einem pakistanischen Hotel am Fuße des Nanga Parbat neun Touristen und ein Pakistani erschossen.<ref>Tote am Nanga Parbat: Extremisten bekennen sich zu Mordanschlag auf Touristen, Spiegel Online, 23. Juni 2013</ref>
- Am 13. Mai 2015 erschoss die Gruppe im pakistanischen Karatschi 40 Menschen in einem Bus, den sie zuvor stoppte. Dutzend weitere Menschen wurden verletzt.<ref>Dutzende Tote bei Anschlag auf Bus, Tagesschau.de, 13. Mai 2015</ref>
Reaktionen des Iran
Am 30. Mai 2009, zwei Tage nach dem Anschlag von Zahedan, wurden 3 Männer aufgrund der Beteiligung am Bombenanschlag gehängt. Zwei Männer wurden am 2. Juni 2009 und 13 weitere mutmaßliche Mitglieder der Dschundollah im Juli 2009 gehängt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />trust.org vom 15. Dezember 2010 ( vom 24. Dezember 2010 im Internet Archive) Jundollah, Iran's Sunni Muslim rebels</ref> Am 24. Mai 2010 wurde ein Bruder von Rigi, Abdolhamid, gehängt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivlink ( vom 5. März 2012 im Internet Archive)</ref> Am 20. Dezember 2010 wurden nach Angaben von Ebrahim Hamidi, dem Justizleiter der Provinz Sistan-Balutschistan, 11 Terroristen der Dschundollah in Zahedan gehängt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />PressTV vom 20. Dezember 2010 ( vom 23. Dezember 2010 im Internet Archive) Iran executes 11 Jundullah terrorists</ref><ref>Spiegel.de vom 20. Dezember 2010 Behörden lassen elf Extremisten hinrichten</ref>
Weblinks
- Martin Gehlen: Unruhe in der Provinz. Hinter den Kulissen des Iran. In: Frankfurter Rundschau. 11. Januar 2011, abgerufen am 12. Januar 2011 (Ausführlicher Bericht über Belutschistan und Dschundollah).
Einzelnachweise
<references />