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Johannistag

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(Weitergeleitet von Johannitag)
Die Geburt Johannes’ des Täufers, Lorenzo Veneziano (um 1356)

Der Johannistag (auch Johanni, Johannisfest und Johannestag, in der Vergangenheit Sommerweihnacht) ist das Hochfest der Geburt Johannes’ des Täufers am 24. Juni. Der Termin steht in enger Verbindung zur zwischen dem 20. und dem 22. Juni stattfindenden sommerlichen Sonnenwende, wie das Weihnachtsfest Bezug zur Wintersonnenwende am 21. Dezember hat (in der Nordhemisphäre). Die Johannisnacht ist die Nacht auf den Johannistag vom 23. auf den 24. Juni.

Verknüpft ist der Tag auch mit Festen im Zusammenhang mit der Sommersonnenwende und Brauchtümern wie dem Johannisfeuer, wie auch als besonders günstige Zeit für das Sammeln von Kräutern<ref>Helmut Hiller: Lexikon des Aberglaubens. München 1986, S. 95.</ref><ref>Jakob Grimm: Deutsche Mythologie. I–III. Berlin 1835; 4. Aufl., besorgt von Elard H. Meyer, Berlin 1875–1878; Neudruck, mit einer Einführung von Leopold Kretzenbacher, Graz 1968; Nachdruck Wiesbaden 1992, Band III, S. 335 („Alte Frauen pflücken Kräuter am Johannistag mittag zwischen 12 und 1, wo sie allein Kraft haben“).</ref> und Lostag im Zusammenhang mit Bauernregeln.

In der Südhemisphäre steht die Johannisnacht in Bezug zur Wintersonnenwende und oft weiterer lokaler Traditionen, wobei das wärmende und symbolisch reinigende Johannisfeuer eine besonders wichtige Rolle spielt.

Kirchenjahr

Das Datum der Geburt Johannes’ des Täufers wurde entsprechend einer Angabe des Lukas-Evangeliums (1,26–38 EU) vom liturgischen Datum der Geburt Jesu her errechnet, nämlich drei Monate nach Mariae Verkündigung und sechs Monate vor Weihnachten: Im Kirchenjahr ergab sich daraus sehr passend das (antike) Datum der Sommersonnenwende (22~24. Juni) und der Wintersonnenwende (25. Dezember).<ref>Hermann Grotefend: Taschenbuch der Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit. 13. Aufl. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1991, S. 15.</ref> Anlass zu diesem Bezug des längsten auf den kürzesten Tag des Jahres war der Täuferspruch in Hinblick auf den kommenden Christus: „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.“ (Vorlage:Bibel/Link) Jesus Christus, seine Mutter Maria und Johannes der Täufer sind die Einzigen, bei denen außer dem Sterbetag auch der Geburtstag gefeiert und in der katholischen Kirche als Hochfest begangen wird.

Johann Sebastian Bach schrieb für den Johannistag die Kantaten Christ unser Herr zum Jordan kam (BWV 7), Freue dich, erlöste Schar (BWV 30) und Ihr Menschen, rühmet Gottes Liebe (BWV 167).

Die katholische Kirche begeht den Johannistag als Hochfest der Geburt Johannes’ des Täufers.<ref>Calendarium Romanum Generale</ref> Das Datum findet sich auch im Kalender anderer Kirchen, z. B. im Evangelischen Gottesdienstbuch.<ref>O. A.: Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die Evangelische Kirche der Union und für die Vereinigte Evangelische Lutherische Kirche Deutschlands. Verlagsgemeinschaft Evangelisches Gottesdienstbuch, Taschenausgabe, Berlin 2000, S. 428f.</ref>

Der Johannistag wird auch vom evangelischen Johanniterorden bzw. seinem Gegenstück, dem römisch-katholischen Malteserorden gefeiert, die sich auf Johannes den Täufer beziehen.

In den Städten gingen die Menschen früher am Vorabend des Johannistages auf den Friedhof, um die Gräber der Angehörigen mit Sommerblumen und Rosenstöcken zu schmücken.<ref>Dieter Kremp: Herz-Jesu-Blut im Johanniskraut. Balsam für die Seele. Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2011.</ref>

Brauchtum

Datei:Bussang St-Jean fire 01 20070704 France Vosges Misson Didier.JPG
Zum Verbrennen vorbereitetes Holzschiff. Bussang, Vogesen, Frankreich, Juli 2007
Datei:Johannisfeuer CC-BY-SA30 Use 20120623.jpg
Johannisfeuer 2012 bei Freiburg im Breisgau
Datei:Landschaftspark Hachinger Tal Johannisfeuer Scheiterhaufen.jpg
Scheiterhaufen für ein Johannisfeuer im Süden von München
Datei:Johannistagsbaum in Clausthal.jpg
Johannistagsbaum in Clausthal (2024)

In vielen Ländern hat sich ein ausgeprägtes Brauchtum um diesen Festtag entwickelt. Im Mittelalter wurden die Johannes-Feste gar als Sommerweihnacht begangen und mit einer Mitternachtsmesse gefeiert. Auch gab es eine Vorbereitungszeit entsprechend dem vorweihnachtlichen Advent.

Johannisfeuer

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden. Zu den Bräuchen zählte in der Johannisnacht der Tanz um das Johannisfeuer. Das Johannis- oder Würzfeuer steht in einem Zusammenhang mit der Symbolik von Feuer und Sonne wie auch der Sonnenwende. Deshalb wird das Feuer selbst ebenso als Sonnenfeuer bzw. Sonnwendfeuer bezeichnet. Es ist ein seit dem 12. Jahrhundert erstmals, seit dem 14. Jahrhundert dann häufig belegter Brauch. Das Feuer wird meist in der Nacht vor dem Johannistag angezündet. Vor allem auf Bergen ist es ein altes Symbol für die Sonne und damit für Christus. Auch Johannes selbst hat mit Feuer zu tun, denn er gilt nach dem Propheten Maleachi als der Vorläufer Jesu (Vorlage:Bibel/Link). Johannes sagte, dass Christus mit „Feuer und mit Geist“ taufen werde (Vorlage:Bibel/Link). Die Höhen- oder Bergsymbolik befindet sich im sogenannten Lobgesang des Zacharias, des Vaters von Johannes (Vorlage:Bibel/Link).

Dem Volksglauben nach sollte das Johannisfeuer Dämonen abwehren, die Krankheiten hervorrufen oder Viehschaden und misswüchsige Kinder bewirken. Darauf deuten auch die Strohpuppen hin, die man in manchen Gegenden ins Feuer wirft („Hanslverbrennen“). Insbesondere sollten auch Hagelschäden abgewehrt werden, daher wird das Johannisfeuer auch als Hagelfeuer bezeichnet. Dieses Brauchtum liegt vermutlich in der großen Beliebtheit des Heiligen begründet. Das Johannisfeuer findet man in verschiedener Ausgestaltung fast über ganz Europa verbreitet. Die südlichste Sonnenwendfeier mit Johannisfeuer war lange Zeit in Alicante, heute ist es in Torrevieja.

Das beim Johannisfeuer mancherorts verwendete drehende Rad wird als Sonne gedeutet. Ein Zusammenhang könnte außerdem mit dem Not- oder Nodfeuer bestehen, dessen Hergang weitgehend vergleichbar ist.

Mancherorts springen Jungen und Mädchen über das Johannisfeuer. Dies ist eine Mutprobe mit abergläubischem Hintergrund: Der Sprung über das Feuer soll reinigen und vor Krankheit schützen. Je mehr Personen gleichzeitig darüber springen, desto größer soll die Wirkung sein, und wenn ein Paar Hand in Hand über das Feuer springt, soll bald Hochzeit gefeiert werden.<ref>Klaus Huber: Hanslverbrennen, wenn sich die Sonne wendet. In: nachrichten.at. 20. Juni 2012, abgerufen am 2. März 2024.</ref>

Im Zuge der Christianisierung ersetzten die Johannisfeuer seit dem Mittelalter zunehmend die bisherigen Sonnenwendfeuer mit vermutlich vorchristlichen Wurzeln.<ref name="Innsbruck 2020">Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck: Jahresfeuer. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 19. September 2020; abgerufen am 27. August 2020.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.uibk.ac.at</ref>

Pflanzen

  • Die sogenannte „Johanniskrone“ wurde aus Zweigen und Laub geflochten und geschmückt oder teils auch mit Kerzen besteckt. In Städten wurde zum abendlichen Tanz unter der Johanniskrone eingeladen, bis die Krone vergilbte.<ref>Dieter Kremp: Herz-Jesu-Blut im Johanniskraut. Balsam für die Seele. Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2011. Kapitel Johanniskrone und Johanniskleid.</ref><ref>http://lostage.de/FAQ-cat-12.html</ref><ref>Hermine König: Das große Jahresbuch für Kinder. 2. Aufl. Kösel, München 2010, S. 246.</ref>
  • Früher band man sogenannte „Johannissträuße“, die meist aus sieben Kräutern bestanden und stellte sie in die Vase. Man glaubte, dass die Kräuter am Johannistag besonders starke Heilkraft hätten. Es gibt auch den Brauch, einen Johannisstrauß in der Nacht vor dem Johannistag unter das eigene Kopfkissen zu legen, um so Liebesglück zu erhalten. Teils band man auch sogenannte „Johanniskränze“. Sie bestanden ebenfalls meist aus sieben Kräutern und blieben das ganze Jahr über im Haus hängen.<ref>Dieter Kremp: Herz-Jesu-Blut im Johanniskraut. Balsam für die Seele. Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2011. Kapitel Johannisfeuer und Johanniskuchren und Hexenschaum.</ref><ref>Hermine König: Das große Jahresbuch für Kinder. 2. Aufl. Kösel, München 2010, S. 245.</ref>
  • Umgürtet mit einem Kranz aus Beifuß (Beifußgürtel) wurde früher das Sonnenwendfeuer umtanzt; anschließend wurde der Gürtel „zusammen mit allen Anfeindungen“ in die Flammen geworfen. Später trug man ihn auch bei Johannisfeuern. Beifuß wird mit Johannes dem Täufer in Verbindung gebracht, da er ihn der Legende nach an seinem Ledergürtel bei seiner in der Bibel beschriebenen Wanderung durch die Wüste (Vorlage:Bibel/Link) getragen haben soll, um nicht zu ermüden.<ref>Kurt Glaser: Neologismus und Sprachgefühl im heutigen Französisch (= Dietrich Behrens (Hrsg.): Gießener Beiträge zur Romanischen Philologie.) Selbstverlag des Romanischen Seminar der Justus-Liebig-Universität Gießen, 1930, S. 56.</ref><ref>Dieter Kremp: Herz-Jesu-Blut im Johanniskraut. Balsam für die Seele. Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2011. Kapitel Johannistag – der „Tag der Heilkräfte“.</ref>
  • Teilweise glaubte man auch, dass Johannisstreu im eigenen Haus als Blumenteppich unter den Esstisch gestreut für Glück in der Liebe sorgt.<ref>Hartwig Abraham, Inge Thinnes: Hexenkraut und Zaubertrank. Unsere Heilpflanzen in Sagen, Aberglauben und Legenden. Urs Freund, Greifenberg 2010, S. 139.</ref>

Speisen

  • Weit verbreitet war früher das Backen von Johanniskuchen. Im Elsass wurde er am Festtagsmittag in noch warmem Zustand nach Hause getragen, woher die Redensart „Hans Dampf in allen Gassen“ stammt.<ref>Dieter Kremp: Herz-Jesu-Blut im Johanniskraut. Balsam für die Seele. Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2011. Kapitel Johanniskuchen und Hexenschaum.</ref> Vielerorts bedachten Gutsherren das Gesinde mit Johanniskuchen.
  • Der Johannistag wird zuweilen als „Holdertag“ („Holder“ ländlich für Holunder) bezeichnet, da an diesem Tage auch „Hollerküchel“ gebacken werden.<ref>Dieter Kremp: Herz-Jesu-Blut im Johanniskraut. Balsam für die Seele. Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2011. Kapitel Sitten, Feste und Bräuche am Johannistag und Johannisfeuer.</ref>
  • An dem Tag endet in Deutschland die Spargelsaison,<ref name="stern-123169918">Sonja Helms: Spargelsaison. 12 kuriose Fakten zu Spargel. In: stern.de. 13. April 2017, abgerufen am 15. Juni 2020.</ref> ebenso die Rhabarber-Erntezeit.<ref>Rhabarber anbauen, pflegen, ernten. In: MDR Garten. Mitteldeutscher Rundfunk, 19. Mai 2020, abgerufen am 15. Juni 2020.</ref>
  • Um den Johannistag werden die ersten Johannisbeeren erntereif.

Weitere Johannisbräuche

  • Früher war es Brauch, in der Johannisnacht in Flüssen und Seen schweigend ein Bad (Johannisbad) zu nehmen. Dies sollte einem angeblich besonderen Schutz geben.<ref>Dieter Kremp: Herz-Jesu-Blut im Johanniskraut. Balsam für die Seele. Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2011. Kapitel Sitten, Feste und Bräuche am Johannistag und Hansblumen und Johannisbad.</ref>
  • Früher glaubte man, dass der Tau der Johannisnacht („Johannistau“) voller Kraft und Segen sei; deshalb badete man darin und erhoffte sich so Befreiung von Krankheiten oder Sommersprossen. Man goss auch die Blumen mit Johannistau und verwendete ihn als Gärmittel für Brotteig.<ref>Hoffmann-Krayer et al.: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Band IV, erschienen innerhalb der vom Verband Deutscher Vereine zur Volkskunde hrsg. Reihe Handwörterbücher zum Deutschen Volkskunde, Abteilung I Aberglaube. de Gruyter, Berlin / Leipzig 1931/1932, S. 760.</ref><ref>Dieter Kremp: Herz-Jesu-Blut im Johanniskraut. Balsam für die Seele. Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2011. Kapitel Johannistau.</ref>
  • Im Juni werden in zahlreichen deutschen Städten heutzutage immer noch Brunnenfeste gefeiert. Besonders früher wurden die Brunnenfeste anlässlich der jährlichen Reinigung des Dorfbrunnens veranstaltet. Teilweise fanden die Feste rund um den Johannistag statt, da die Figur des heiligen Johannes’ eng mit dem Wasser verbunden ist. Mancherorts segnete man früher das Brunnenwasser und besprengte dann damit die Menschen. Bei alldem bat man Johannes den Täufer um besonderen Schutz. In einigen Orten wählte man auch Brunnenmeister. Sie waren bis zum nächsten Jahr für die Pflege des Dorfbrunnens zuständig.<ref>Dieter Kremp: Herz-Jesu-Blut im Johanniskraut. Balsam für die Seele. Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2011. Kapitel Hansblumen und Johannisbad.</ref><ref>Hermine König: Das große Jahresbuch für Kinder. 2. Aufl. Kösel, München S. 242.</ref>

Regionale Johannisfeste und -bräuche

Datei:Das festliche Jahr img221 Johannissprung der Münchener Liedertafel.jpg
Der Johannissprung. Aus:Otto von Reinsberg-Düringsfeld: Das festliche Jahr in Sitten, Gebräuchen und Festen der germanischen Völker. Leipzig, 1863
Datei:Les feux de la Saint-Jean en Bretagne (Le Petit Journal 1-07-1893).jpg
Johannisfest in der Bretagne 1893
Datei:The Feast of Saint John.jpg
Johannisfest, Gemälde von Jules Breton 1875

In Deutschland gibt es in folgenden Städten und Regionen besondere Johannisfeste und -bräuche:

  • Im Oberharz werden grüne Fichten mit Wiesenblumen und Eierketten geschmückt in den Straßen aufgestellt. Die Kinder und Jugendlichen ziehen von Baum zu Baum durch die Straßen. Es gibt Kaffee, Kakao und Kuchen. Man tanzt zu volkstümlichen Weisen um den Johannibaum. Immer wieder ertönt der Gesang „Tripp, Trapp Käse-Napp, heute ist Johannistag“. Abends gibt es ein gemeinsames Fest der Erwachsenen. Früher haben sich die einzelnen Nachbarn in den Straßen getroffen und gemütlich gefeiert.
  • In Eschwege (Hessen) wird das Johannisfest fünf Tage lang üblicherweise am ersten Juliwochenende gefeiert. Dies variiert jedoch, da sich der Termin auch an den hessischen Schulferien orientiert, weil sich die Schulen der Stadt maßgeblich am Fest beteiligen. Dabei wird der Festzug vom Dietemann, der Eschweger Symbolfigur, angeführt.<ref>Johannisfest. Abgerufen am 27. Juni 2023.</ref>
  • In Markdorf begehen Kinder nach dem Angelusläuten am 24. Juni mittags den nur dort verbreiteten Brauch des Hansafüratles.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie (Memento des Vorlage:IconExternal vom 14. Mai 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.markdorf.de Website von Markdorf</ref>
  • In Casel bei Drebkau wird an einem Sonntag um den 24. Juni der niedersorbische Brauch des Johannisreitens gepflegt.<ref>Jürgen Matschie, Hanka Fascyna: Sorbische Bräuche. 3. Aufl. Domowina-Verlag, Bautzen 2006, ISBN 978-3-7420-1686-7.</ref>
  • Die in Mainz am Vorabend gefeierte Johannisnacht ist dagegen ein Marketingevent, das erst 1968 zum 500. Todestag von Johannes Gutenberg ins Leben gerufen wurde und dessen Verdienste feiert.<ref>Mainzer Johannisnacht. In: mainzer-johannisnacht.de. Abgerufen am 27. Juni 2023.</ref>
  • In Neuerburg/Eifel feiert der Musikverein Neuerburg 1821 e.v. um den Johannistag sein traditionelles Johannisfest. Da die Eifel ein eher armes Land war, verteilte der Bürgermeister im 17. Jahrhundert am „Gehaanstag“ Wecken (Brötchen und Teilchen) an die Kinder. Dieser Brauch wurde nach Gründung des Musikvereins 1821 von diesem übernommen und entwickelte sich zum heutigen Johannisfest. Am Sonntag Nachmittag ziehen die Kinder mit geschmückten Fahrrädern unter den Klängen des Musikvereins vom Johannisplatz zum Marktplatz. Nach dem Fahrradkorso erhalten sie ein kleines Präsent. Bei Kaffee und Kuchen gibt es viel Unterhaltung in Form von Zauberern, Liedermachern oder traditionellen Spiele (z. B. Würstchenschnappen).
  • In der Oberlausitz werden neben den Johannisfeuern noch Rutenbesen (ein Haselstock mit angebundenem Birkenreisig) angezündet und von der Dorfjugend geschwungen. Ein lange brennender Besen zeigte, dass der Geber nicht geizig ist.
  • In der Stadt Monschau wird die Johannisnacht anstelle der Mainacht gefeiert. Nachts fahren Junggesellen mit lauter Musik auf extra zu diesem Anlass gebauten und von Traktoren gezogenen Anhängern und setzen ihren Herzensdamen einen „Johannisbaum“ vor die Haustüre.<ref>Mit rollender Discothek durch die Johannisnacht. 1. Mai 2024, abgerufen am 1. Mai 2024.</ref>
Andere Länder

Johannistag als Lostag

Datei:Saint John's wort flowers.jpg
Das Johanniskraut blüht um den Johannistag auf

Der Johannistag ist als Lostag in der Überlieferung für die Landwirtschaft und das Wetter von zentraler Bedeutung. Folgende Zeigerpflanzen und Tiere der Phänologie sind daher traditionell nach diesem Tag benannt:

Zum Johannistag gibt es viele Ernteregeln und Erntetraditionen. So neigt sich in der Regel um den 24. Juni die Schafskälte dem Ende zu; daher beginnt hier die Ernte vieler Feldfrüchte. Bei Rhabarber und Spargel endet sie jedoch, deshalb trägt der Johannistag auch den Beinamen „Spargelsilvester“´.<ref>Spargelpflanzen: An „Spargelsilvester“ endete das Stechen - Rundschau Online. In: rundschau-online.de. 24. Juni 2008, abgerufen am 5. März 2024.</ref> Die dazu passende Bauernweisheit lautet: Bis Johanni nicht vergessen: Sieben Wochen Spargel essen.<ref>Der weiße Riese. In: Der Tagesspiegel. 15. Mai 2016, abgerufen am 20. März 2017.</ref>

Zum Johannistag sind viele Futtergräser bereits reif, und Sommergetreide und viele andere Nutzpflanzen beginnen nun ihre Reifeperiode. Johanni gilt daher als spätester Termin auch in klimatisch schlechten Regionen – an den Küsten Norddeutschlands und in den Alpen – für die Heuernte, aber auch als Garant für gutes Wetter. Der Begriff „Johannischnitt“ wurde geprägt.

Ein Anzeichen für eine kommende Warmwetterperiode nach dem Johannistag sind gegen Ende Juni auftretende Johanniskäferschwärme. Johanniskäfer brechen in dieser Zeit nur zur Balz auf, wenn das Wetter längere Zeit stabil und warm bleiben wird. Früher begannen die Bauern daher beim Bemerken von Johanniskäferschwärmen mit der Heuernte, da sie dann einigermaßen sicher sein konnten, das Heu ernten zu können, ohne von Regengüssen überrascht zu werden.

„Vor dem Johannistag
man Gerst und Hafer nicht loben mag.“

„Wenn die Johanniswürmer glänzen,
darfst Du richten Deine Sensen.“

Eine verzögerte Entwicklung der Tiere rund um den Johannistag ist meist verbunden mit schlechtem Wetter und daher mit Ernteausfällen.

„Der Kuckuck kündet teure Zeit,
wenn er nach Johanni schreit.“

Besonders bei naturnah bewirtschafteten Wiesen ist der Johannistag als frühester Beginn der Heuernte und des Abmähens der Wiesenpflanzen normalerweise vorgeschrieben. So können Wiesenblumen und Gräser ungestört aussamen und am Boden brütende Vögel ihren Nachwuchs aufziehen. Es wird auch Insekten und Spinnen ausreichend Zeit für ein erfolgreiches Vermehren gelassen. Das alles ist ein bedeutender Beitrag zum Artenschutz und dem Erhalt der Artenvielfalt in Europa.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie (Memento vom 13. Mai 2016 im Internet Archive)</ref>

Bei Laubbäumen, wie zum Beispiel Eiche oder Rotbuche und immergrünen Hecken kommt es um den Johannistag zum zweiten Austrieb, der auch „Johannistrieb“ genannt wird. In der Regel werden Hecken und Bäume nun zum zweiten Mal im Jahr beschnitten („Johannisschnitt“). Bis zum Frühjahrsaustrieb geraten sie nun nicht mehr aus der Form. Bei Obstbäumen wird der Johannistrieb herausgerissen, da dieser unnötig Nährstoffe kostet. Zur Kompensation von Fraßschäden an Bäumen, beispielsweise durch Maikäfer, kann der Johannistrieb aber auch sehr wichtig bzw. von Nutzen sein.

Als „Johannistrieb“ wird in der bäuerlichen Überlieferung auch ironisch genannt, wenn ein älterer Mann eine junge Frau nimmt.<ref>Dieter Kremp: Herz-Jesu-Blut im Johanniskraut. Balsam für die Seele. Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2011, Kapitel Der Johannistag als Lostag.</ref>

Nach volkstümlichen und magischen Vorstellungen sollte beispielsweise das Farnkraut in der Johannisnacht bzw. am Johannistag zu blühen beginnen.<ref>Jakob Grimm: Deutsche Mythologie. I–III, Berlin 1835; 4. Aufl., besorgt von Elard H. Meyer, Berlin 1875–1878; Neudruck, mit einer Einführung von Leopold Kretzenbacher, Graz 1968; Nachdruck Wiesbaden 1992, Band II, S. 1000 und 1013, und Band III, S. 288 und 356.</ref>

Literatur

  • Hans-Helmar Auel: Unentdeckte Feiertage – Das Kirchenjahr als Fest des Glaubens. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 978-3-525-59353-0, S. 139 ff.
  • Manfred Becker-Huberti: Feiern, Feste, Jahreszeiten, Lebendige Bräuche im ganzen Jahr – Geschichte und Geschichten, Bilder und Legenden. Herder, Basel / Wien / Freiburg im Breisgau 2001, ISBN 978-3-451-27702-3, S. 348 ff.
  • Johanna Woll, Margret Merzenich, Theo Götz: Alte Festbräuche im Jahreslauf. Ulmer, Stuttgart 1991, S. 64–65.
  • Christina Zacker: Die schönsten Feste und Bräuche im Jahresverlauf. Urania, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-332-01849-3.
  • Hanns Bächtold-Stäubli: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Bd. 4, Berlin 1932, S. 733–745.

Weblinks

Einzelnachweise

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Weihnachtsfestkreis:
Advent: Adventssonntage

Weihnachtszeit: Heiliger Abend Weihnachten Weihnachtsoktav (mit Stephanustag, Unschuldige Kinder, Heilige Familie und Beschneidung des Herrn bzw. Hochfest der Gottesmutter) Erscheinung des Herrn Taufe des Herrn

ev: Epiphaniaszeit und Vorpassionszeit / rk: Zeit im Jahreskreis:
Sonntage (nach Epiphaniasvor der Passionszeit / im Jahreskreis) Darstellung des Herrn Verkündigung des Herrn

Osterfestkreis:
Fastenzeit/Passionszeit: Aschermittwoch Fastensonntage Palmsonntag Karwoche

Triduum Sacrum: Gründonnerstag Karfreitag Karsamstag Osternacht

Osterzeit: Ostern Osteroktav (mit Ostermontag und Weißem Sonntag) Sonntage Christi Himmelfahrt Pfingsten

ev: Trinitatiszeit / rk: Zeit im Jahreskreis:
Pfingstoktav (mit Pfingstmontag und Trinitatis) Sonntage (nach Trinitatis / im Jahreskreis) Fronleichnam Herz-Jesu-Fest Verklärung des Herrn Kreuzerhöhung Erntedankfest Kirchweihfest Reformationstag Allerheiligen Allerseelen Buß- und Bettag Totensonntag Christkönigsfest

Weitere Feste:
Marienfeste Apostelfeste Markustag Lukastag Josefstag Johannistag Michaelistag

Die farbigen Kästchen kennzeichnen die bevorzugte liturgische Farbe für das entsprechende Fest. Zum Ablauf des Kirchenjahres siehe beispielsweise die Perikopenordnung der evangelischen Kirche in Deutschland bzw. das Calendarium Romanum Generale für die römisch-katholische Kirche.

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