Jagoda Marinić
Jagoda Marinić (* 20. September 1977 in Waiblingen) ist eine deutsche Schriftstellerin, Kolumnistin, Podcasterin und Kulturmanagerin<ref>Ernst Toller: Jagoda Marinić erhält den Ernst-Toller-Preis 2025. In: Ernst Toller. 10. März 2025, abgerufen am 5. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>deutschlandfunkkultur.de: Der Tag mit Jagoda Marinić - Identitätspolitik – woke oder Wahnsinn? 17. Juni 2021, abgerufen am 5. Dezember 2025.</ref>.
Werdegang
Jagoda Marinićs Eltern sind kroatischer Herkunft.<ref>Anne Will – Gästeliste</ref><ref>Nur mit uns geht es</ref> Sie stammen aus Dalmatien und wanderten als Gastarbeiter aus Jugoslawien nach Deutschland ein. Jagoda Marinić absolvierte ein Studium der Germanistik, Politikwissenschaft und Anglistik an der Universität Heidelberg.<ref>Jagoda Marinić beim Suhrkamp-Verlag, abgerufen am 15. Dezember 2019.</ref> Mit 20 Jahren wurde sie deutsche Staatsbürgerin.<ref>Susanne Stiefel (Interview): "Nur mit uns geht es". 13. September 2017, abgerufen am 16. Januar 2024.</ref> 1999 erhielt sie ein Hermann-Lenz-Stipendium für ihren Text „Kurz eingemischt“, der in der Frankfurter Rundschau erschien.<ref name=":0">Jagoda Marinić. Abgerufen am 5. Dezember 2025.</ref> 2003 erhielt Marinić den Förderpreis der Kunststiftung Baden-Württemberg.<ref name=":2">Stipendiatenarchiv vor 2013 - Kunststiftung BW. Abgerufen am 5. Dezember 2025.</ref> Eigentlich ein Heiratsantrag, Marinićs erstes Buch mit Erzählungen, erschien 2001 im Suhrkamp Verlag und wurde vom Deutschlandfunk als „verschwiegenes Debüt“ bezeichnet.<ref>deutschlandfunk.de: Eigentlich ein Heiratsantrag. Geschichten. 8. August 2001, abgerufen am 5. Dezember 2025.</ref> Für ihren 2005 erschienenen Erzählband Russische Bücher wurde sie mit dem Grimmelshausen-Förderpreis ausgezeichnet.<ref name=":3">Jagoda Marinić, bei Hoffmann und Campe, abgerufen am 15. Dezember 2019.</ref> 2007 erschien ihr Romandebüt Die Namenlose, das vom Spiegel als eine der „wichtigsten Neuerscheinungen des Jahres“ beschrieben wurde.<ref>deutschlandfunkkultur.de: Schmerzhafte Vergangenheit. 26. September 2007, abgerufen am 5. Dezember 2025.</ref><ref>Jagoda Marinic. Abgerufen am 9. Dezember 2025.</ref>
Im Juni 2007 trat Marinić unter achtzehn Teilnehmern beim 31. Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt an, wo sie ihren Text Netzhaut las.<ref>Die Texte 2007 Bachmann-Preis</ref> Die Inszenierung des Theaterstücks Zalina, zu dem Marinić den Text schrieb, wurde im August 2007 mit dem „Exzellenzpreis“ für das „Beste Programm des Kulturhauptstadtjahres Hermannstadt“ ausgezeichnet.<ref>deutschlandfunkkultur.de: Theater als Risiko. 8. Januar 2009, abgerufen am 5. Dezember 2025.</ref><ref name=":4">ZALINA — AKTUELL. Abgerufen am 5. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> 2008 war sie Scout für den Heidelberger Stückemarkt, das Gastland war Kroatien. Ihr eigenes Stück Wer war Kitty Genovese? wurde 2011 für den Leonhard-Frank-Preis nominiert.<ref name=":5">meldung. Abgerufen am 5. Dezember 2025.</ref> Marinić leitete zudem regelmäßig Schreibworkshops für Kinder und Jugendliche.<ref>Literarische Gesellschaft Karlsruhe: Junge Literatur | Publikationen | Literarische Gesellschaft Karlsruhe | Museum für Literatur am Oberrhein. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 25. April 2024; abgerufen am 5. Dezember 2025.</ref> Seit 2012 ist sie Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.<ref>Tage der Utopie, Arbogast, 2. Tag: Bye bye Migrationshintergrund. Von der Willkommenskultur zur Integrationskultur. - Jagoda Marinić im Gespräch mit der Ö1 Redakteurin Renata Schmidtkunz. Abgerufen am 9. Dezember 2025.</ref> 2013 erschien Restaurant Dalmatia beim Verlag Hoffmann und Kampe. In dem 2024 neu aufgelegten Roman verdichtet Jagoda Marinić die Identitätssuche der zweiten Generation von Migranten zu einer literarischen Analyse von Zugehörigkeit. Ein Werk, das die Süddeutsche Zeitung als „Denkmal“ würdigte und die FAZ als „große Kunst“ bezeichnete.<ref>Was ist deutsch in Deutschland? Abgerufen am 12. Februar 2026.</ref>
Neben Essays und Erzählungen verfasste Marinić auch Theaterkritiken. Als Journalistin schrieb Marinić unter anderem für die Frankfurter Rundschau,<ref>Der Rassismus wird verniedlicht. 20. Januar 2019, abgerufen am 5. Dezember 2025.</ref> die Deutsche Welle<ref>Mein Europa: Es gibt keine neutrale Demokratie – DW – 29.09.2017. Abgerufen am 5. Dezember 2025.</ref> und Die Zeit.<ref>Jagoda Marinić. 7. November 2024, abgerufen am 5. Dezember 2025.</ref> International veröffentlichte sie Leitartikel in der New York Times.<ref>Opinion | Germany’s Chancellor Promised to Deter Putin. Then He Did Nothing. (Published 2022). 14. Juni 2022 (nytimes.com [abgerufen am 5. Dezember 2025]).</ref>
Ab 2016 hatte die Autorin je eine eigene Kolumne in der taz<ref>Jagoda Marinić: Debatte Merkels Flüchtlingspolitik: Yes, we can‘t. In: Die Tageszeitung: taz. 21. Januar 2016, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 5. Dezember 2025]).</ref> und der Süddeutschen Zeitung.<ref>Süddeutsche de GmbH, Munich Germany: Kolumne von Jagoda Marinic. 29. März 2024, abgerufen am 5. Dezember 2025.</ref> 2016 erschien ihr Sachbuch Made in Germany – Was ist deutsch in Deutschland?,<ref>Was ist deutsch in Deutschland? – DW – 12.06.2016. Abgerufen am 5. Dezember 2025.</ref> in dem sie sich mit der Identität Deutschlands als Einwanderungsland auseinandersetzt.<ref>Fremde Herkunft ist das neue Normal - WELT. Abgerufen am 5. Dezember 2025.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Gäste im Studio – Jagoda Marinić, Schriftstellerin und Leiterin Interkulturelles Zentrum Heidelberg ( vom 17. Oktober 2016 im Internet Archive). daserste.ndr.de.</ref> Ihr Essayband Sheroes. Neue Held*innen braucht das Land (2019) fordert, Deutschland solle nicht länger „Zaungast in der wichtigsten feministischen Debatte der letzten Jahrzehnte“ sein.<ref>Jagoda Marinić wünscht sich „Sheroes“ (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juli 2025. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot, SWR 2 vom 6. März 2019, abgerufen am 28. November 2019.</ref> Seit Januar 2022 veröffentlicht Marinić vierzehntäglich ihre Kolumne im Stern unter dem Namen „Kolumne Marinić“.<ref>Jagoda Marinić: Gross bleiben! In: Stern. 5. Januar 2022, abgerufen am 31. Januar 2022.</ref><ref>Jagoda Marinic. 9. Februar 2026, abgerufen am 12. Februar 2026.</ref>
Seit Mai 2021 moderiert Jagoda Marinić den ARD-Podcast Freiheit Deluxe.<ref>FREIHEIT DELUXE mit Jagoda Marinić. In: hr2-kultur. Abgerufen am 31. Januar 2022.</ref> Dort redet sie mit Gästen aus Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft und Politik über das Thema „Freiheit“. Zu Gast waren unter anderem bereits Robert Habeck, Slavoj Žižek und Arundhati Roy. Seit 2022 ist sie außerdem als Host des Talkformats Das Buch meines Lebens bei ARTE zu sehen und spricht mit prominenten Gästen über deren prägendste Lese-Erfahrungen. Zu Gast waren unter anderem Yuval Harari, Diane Kruger, Daniel Richter und Thomas Hitzlsperger.<ref>Das Buch meines Lebens. ARTE.TV, abgerufen am 12. Februar 2026 (deutsch).</ref>
Von 2024 bis 2025 war Marinić zudem mit Katrin Eigendorf als Co-Host beim ZDF-Auslandsjournal-Podcast Global Deep Dive zu hören, welcher sich mit aktuellen Ereignissen der internationalen Politik beschäftigte.<ref>Podcast: Global Deep Dive. Abgerufen am 5. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Von Juni 2023 bis Juli 2025 war sie unter dem Motto „Newskaviar“ Moderatorin des Podcasts Apokalypse & Filterkaffee.<ref name=":1">Regine Pfaff: Micky Beisenherz: Mit Comedy-Gen zum relevanten Talk-Host. In: DWDL.de. 14. Dezember 2023, abgerufen am 14. Dezember 2023.</ref> Die Zusammenarbeit endete wegen unterschiedlicher Vorstellungen von der Zukunft des Formats.<ref>Manuel Weis: "Apocalypse & Filterkaffee"-Host hört auf. In: DIGITAL FERNSEHEN. 20. Juli 2025, abgerufen am 26. Oktober 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Für ARTE reiste Jagoda Marinić als TV-Host und Autorin im Rahmen der Europa-Wahlen 2024 durch Europa. Nice to meet you: Durch Europa mit Jagoda Marinić hat über sechs Folgen die gesellschaftliche Stimmung vor der Wahl in jeweils einem europäischen Land eingefangen.<ref name=":6">Nice to meet you: Deutschland - Durch Europa mit Jagoda Marinić - Die ganze Doku | ARTE. Abgerufen am 5. Dezember 2025.</ref>
Von 2012 bis 2023, als Teil des International Welcome Centers Heidelberg, leitete Marinić das Interkulturelle Zentrum (IZ), welches sie mit gründete.<ref>Interkulturelles Zentrum öffnet in Heidelberg. 18. November 2016, abgerufen am 9. Dezember 2025.</ref><ref>Interkulturelles Zentrum Heidelberg: Gründungsgeschichte. Abgerufen am 9. Dezember 2025.</ref> Nachdem sie 2023 als Leitung des IZ verabschiedet wurde, übernahm Jagoda Marinić die künstlerische Leitung des Internationalen Literaturfestivals Heidelberg.<ref name="heidelberg">Jagoda Marinić als Leiterin des Interkulturellen Zentrums verabschiedet. In: heidelberg.de. 19. Juni 2023.</ref> Zusätzlich war sie für 10 Jahre, zwischen 2014 und 2024, ehrenamtliches Vorstandsmitglied in der Stiftung gegen Rassismus.<ref>Wechsel im Vorstand. Abgerufen am 5. Dezember 2025.</ref> In dieser Zeit war sie maßgeblich beteiligt an der Mobilisierung von Kommunen für antirassistische Aktionswochen bundesweit.
Im Jahr 2024 erschien ihre Veröffentlichung Sanfte Radikalität im S. Fischer Verlag. Mit dem Buch setzt sich Marinić für mehr gesellschaftliches Engagement „vor Ort“ ein und plädiert im „Kampf gegen Rechtsextremismus“ für mehr „Hoffnung“ statt „Angst“.<ref>"Was Rechte nicht haben, sind Zuversicht und Hoffnung". 16. Oktober 2024, abgerufen am 5. Dezember 2025.</ref> Es wurde mit dem Anerkennungspreis des österreichischen Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch 2024 ausgezeichnet.<ref name=":7" /> Im Jahr 2025 erhielt Marinić den Ernst-Toller-Preis für ihre Arbeit als Autorin, „die gesellschaftspolitisches Engagement und literarischen Anspruch miteinander verbindet“.<ref>Ernst Toller: Jagoda Marinić erhält den Ernst-Toller-Preis 2025. In: Ernst Toller. 10. März 2025, abgerufen am 5. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Marinić lebt in Heidelberg.
Werke
- Eigentlich ein Heiratsantrag. Geschichten. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-518-45516-8.
- Russische Bücher. Erzählungen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-518-41696-0.
- Therapie. Ein Spiel. Erstlesung: Heidelberger Stückemarkt, 30. April 2005. Berlin: Suhrkamp Theaterverl., 2005.
- Die Namenlose. Roman. Nagel & Kimche, Zürich 2007, ISBN 978-3-312-00398-3.
- Restaurant Dalmatia. Roman. Hoffmann und Campe, Hamburg 2013, ISBN 978-3-455-40457-9.
- Gebrauchsanweisung für Kroatien. Piper Taschenbuch, München 2013, ISBN 978-3-492-27629-0.
- Made in Germany. Was ist deutsch in Deutschland? Hoffmann und Campe, Hamburg 2016, ISBN 978-3-455-50402-6.
- Sheroes. Neue Held*innen braucht das Land. S. Fischer, Frankfurt am Main 2019, ISBN 978-3-10-397453-9.
- Sanfte Radikalität. Zwischen Hoffnung und Wandel. S. Fischer, Frankfurt am Main 2024, ISBN 978-3-10-397674-8.
Podcasts
- seit 2021: FreiheitDeluxe. ARD.
- 2023–2025: Apokalypse und Filterkaffee. Studio Bummens.
- 2024–2025: Global Deep Dive. ZDF-Auslandsjournal.
TV-Host
- seit 2022: Das Buch meines Lebens. ARTE. Produktion: Westend Film & TV.<ref>Das Buch meines Lebens - Kultur und Pop. Abgerufen am 5. Dezember 2025.</ref>
- 2024: Nice to Meet You. Durch Europa mit Jagoda Marinić. ARTE. 6 Folgen. Produktion: Westend Film & TV.<ref name=":6" />
Auszeichnungen
- 1999: Hermann-Lenz-Stipendium<ref name=":0" />
- 2003: Förderpreis der Kunststiftung Baden-Württemberg<ref name=":2" />
- 2005: Grimmelshausen-Förderpreis für Russische Bücher<ref name=":3" />
- 2007: Exzellenzpreis für Zalina als das Beste Programm im Kulturhauptstadtjahr Hermannstadt<ref name=":4" />
- 2011: Nominierung Leonhard-Frank-Preis für das Stück Wer war Kitty Genovese?<ref name=":5" />
- 2022: Luise-Büchner-Preis für Publizistik<ref>Luise-Büchner-Preis geht an Jagoda Marinić. In: Zeit Online. 11. Juli 2022, abgerufen am 12. Juli 2022.</ref>
- 2024: Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch: Anerkennungspreis für Sanfte Radikalität<ref name=":7">Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch 2024 an Richard Cockett. In: ots.at. 1. Januar 2025, abgerufen am 2. Januar 2025.</ref>
- 2025: Ernst-Toller-Preis<ref>Preisträgerinnen. In: Ernst Toller Gesellschaft. 2025, abgerufen am 11. März 2025.</ref>
Verstreute Veröffentlichungen
- Alles macht mich aus. Interview. In: Bella triste Nr. 19, Hildesheim 2007.
Weblinks
- Literatur von und über Jagoda Marinić im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Jagoda Marinić, offizielle eigene Webpräsenz
- Jagoda Marinić bei IMDb
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Marinić, Jagoda |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Schriftstellerin, Kolumnistin und Podcasterin |
| GEBURTSDATUM | 20. September 1977 |
| GEBURTSORT | Waiblingen |
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