Jussiv
Der Jussiv ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) ist ein Modus des Verbs. Im Gegensatz zum Optativ, der einen Wunsch ausdrückt, steht er für einen Befehl, der von einer nicht anwesenden Person bzw. Gruppe von Personen ausgeführt werden soll.
Deutsch
Im Deutschen wird der Jussiv mit dem Konjunktiv I<ref></ref> abgebildet. Dabei ist zu unterscheiden zwischen stehenden Wendungen, die heute nicht mehr beliebig verwendet werden können bzw. nicht gebräuchlich wären, und bis heute aktiven Vorkommen in der Gegenwartssprache.
Tradierte Wendungen, altertümliche Beispiele
Diese Vorkommen des Jussiv sind tradiert oder als stehende Wendung etabliert und können nicht ohne weiteres in jeden beliebigen Zusammenhang abgewandelt werden.
- Es kehre jeder vor seiner eigenen Haustür.
- Ungewöhnlich: Es kehre der Hausmeister vor meiner Haustür.
- „Gott erhalte Franz den Kaiser“, „Froh erleb(e) er deutsche Lande“, „Und vernehm(e) (er) noch am Rande“<ref>Verschiedene Strophen der Österreichischen Kaiserhymnen</ref>
- Ungewöhnlich: Der Gärtner erhalte den Rosenstrauch.
- Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. (Vorlage:Bibel/Link)
- Ungewöhnlich: Jemand trage meinen Einkauf nach oben.
- Man höre und staune
Neuzeitliche Vorkommen
Anders als die stehenden Wendungen können diese Vorkommen neu kombiniert und damit flexibel verwendet werden.
- in Rezepten: Man nehme
- in der Mathematik: „Sei <math>\xi</math> die eindeutige reelle Lösung der Gleichung <math>x^5=x+1</math>.“<ref>Lukas Thomé: Skript zum Mathematischen Vorkurs - Vorkursskript23_24.pdf. (PDF; 1,7 MB) In: Universität Heidelberg, Fachschaft MathPhysInfo. Universität Heidelberg, 21. September 2023, S. 1, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 3. August 2024; abgerufen am 11. August 2024: „Möchte man nun mit dieser Lösung arbeiten, so ist es umständlich, immer wieder „die eindeutige reelle Lösung der Gleichung x5 = x + 1“ zu schreiben und es ist bequemer, einen Buchstaben zu verwenden. Dafür benutzen Mathematiker einen Konjunktiv. [Fußnote: Um genau zu sein, einen Jussiv, der im Deutschen mit dem Konjunktiv ausgedrückt wird.]
„Sei ξ die eindeutige reelle Lösung der Gleichung x5 = x + 1.““</ref>
- „Man achte auf Heizung, Dach und Keller“,<ref name="welt-117278108">Susanne Osadnik: Experten-Tipp: Man achte auf Heizung, Dach und Keller. In: welt.de. 19. Juni 2013, abgerufen am 7. Oktober 2018.</ref> ebenso „Man stelle sich vor“, „Man schaue doch nur auf die Finanzkrise“, „Man versuche einmal, am Samstag mit dem Auto in die Stadt zu fahren“
- „Wer knechten will, melde sich“,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie ( des Vorlage:IconExternal vom 11. April 2014 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Abruf am 8. April 2014.</ref> ebenso „Wer noch Karten benötigt, melde sich bei mir“
Ähnliche Form: Er-Anrede
Formal deckungsgleich mit dem Jussiv ist die heute ungebräuchlich gewordene, direkte Anrede an eine Person mittels 3. Person Singular:
- „ruf’ Er Seine Leute zusammen“, sagte der Graf, „und stell’ Er sie mir vor, damit ich sehe, was an ihnen ist.“<ref>Johann Wolfgang von Goethe: Wilhelm Meisters Lehrjahre. In: Goethes Werke. Band 7. München 1982, S. 149.</ref>
- „komme Er meinem Mädel nicht zu nah, sie möchte sich vergreifen“<ref>Goethe: Aus meinem Leben. In: Goethes Werke. Band 9. München 1982, S. 439.</ref>
- „Schlippe“, sagte ich (…), „(…); helfe Er mir durch, vielleicht kann ich wieder durchhelfen.“<ref>Johann Gottfried Seume: Mein Leben. DIRECTMEDIA Publishing GmbH, Berlin 2000, S. 132.</ref>
Da diese Form aber von der Funktion her – wie das heute gebräuchliche Sie – eine Anrede an die 2. Person Singular darstellt und bis heute so verstanden wird, kann der Jussiv so nicht verwendet werden, vgl.:
- „Wenn er (sic) knechten will, melde er sich“, wird verstanden als ungewöhnlicher Ersatz für „Wenn du knechten willst, melde dich“.
Umschreibungen
Umschreibungen mit dem Modalverb sollen + Infinitiv haben ebenfalls Jussivfunktion:
„Es soll jeder vor seiner eigenen Haustür kehren.“
Im Vergleich wird der Optativ mit dem Modalverb mögen + Infinitiv umgeschrieben:
„Möge jeder vor seiner eigenen Haustür kehren!“
Latein
Im Lateinischen wird die Funktion eines Jussivs regulär vom Konjunktiv Präsens übernommen und steht als abgemilderter Befehl<ref>Leo Spitzer: Über das Futurum cantare habeo. In: Aufsätze zur romanischen Syntax und Stilistik. Niemeyer, Tübingen 1967, S. 173–180.</ref>
Adiuvet, „Er soll helfen“. Veniant, „Sie sollen kommen“.
Andere Sprachen
Manche Sprachen haben für diesen Modus eigene Formen entwickelt, so beispielsweise das Persische und das Arabische (Apokopat).
Auch die hebräische Sprache des Alten Testaments besitzt einen Jussiv: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) (Vorlage:Bibel/Link).<ref>Karl Elliger, Wilhelm Rudolph (Hrsg.): Biblia Hebraica Stuttgartensia. Württembergische Bibelanstalt, Stuttgart 1968ff.</ref>
Einzelnachweise
<references />