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Arterielle Hypotonie – Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie Zum Inhalt springen

Arterielle Hypotonie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Hypotension)

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{{#ifeq:|ja|Klassifikation nach ICD-10-GM|Klassifikation nach ICD-10}}
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I95.1 Orthostatische Hypotonie
I95.2 Hypotonie durch Arzneimittel
I95.8 Sonstige Hypotonie
I95.9 Hypotonie, nicht näher bezeichnet
O26.5 Hypotonie-Syndrom der Mutter
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Vorlage:Infobox International Classification of Diseases 11

Datei:Sphygmomanometer.jpg
Blutdruckmessgerät

Die arterielle Hypotonie (von Vorlage:GrcS „Schlagader“, „Pulsader“, {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} „unter“ und {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} „Spannung“), auch Hypotonie oder Hypotension<ref>Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 266. Auflage, Walter de Gruyter, Berlin, Boston, 2014, S. 980, ISBN 978-3-11-033997-0.</ref>, ist ein für die Aufrechterhaltung normaler Körperfunktionen zu niedriger Blutdruck und gemäß der ICD-10-Klassifizierung eine Krankheit des Kreislaufsystems.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name="ICD-10-GM 2019">ICD-10-GM Version 2019, Kapitel IX, Krankheiten des Kreislaufsystems, auf der Webseite des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information, aufgerufen am 3. Mai 2024</ref>

In Bezug auf das Gefäßsystem von Tieren und Menschen beschreibt Hypotonie einen Blutdruck, der in Ruhe dauerhaft unterhalb einer definierten Normgrenze liegt. Das National Heart, Lung, and Blood Institute (NHLBI in den USA) gab im Jahr 2011 90/60 mmHg als Grenzwert an.<ref name="Herold2007">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>National Heart, Lung, and Blood Institute: {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} Abgerufen am 15. Januar 2011 (englisch)</ref> Man spricht vom Blutunterdruck oder vom Blutniederdruck<ref>Friedrich Dorsch, Hartmut O. Häcker, Kurt-Hermann Stapf (Hrsg.): Dorsch – Psychologisches Wörterbuch. 11. Auflage. Verlag Hans Huber, Bern / Stuttgart / Toronto 1987, Nachdruck 1992, ISBN 3-456-81614-6, S. 293.</ref> im Gegensatz zum Bluthochdruck.

{{#invoke:Vorlage:Anker|f |errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Anker |errHide=1}} Pathophysiologie

Ursächlich für eine arterielle Hypotonie ist ein Missverhältnis von Gefäßvolumen und zirkulierendem Blutvolumen. Dieses Missverhältnis kann durch einen verminderten Gefäßwiderstand, zu geringes absolutes Blutvolumen, zu geringen Blutrückstrom zum Herzen oder durch reduzierte Pumpfunktion des Herzens entstehen:<ref name="Herold2007" /><ref name="TIM">Hypotonie. In: Alexander Bob, Konstantin Bob (Hrsg.): Innere Medizin. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-13-128751-9, S. 744 f.</ref>

Pathophysiologie Ursache (Beispiele)
verringerter Gefäßwiderstand Anaphylaktischer oder spinaler Schock
reduziertes absolutes Blutvolumen geringe Trinkmenge, Blutverlust, Diarrhoe oder Erbrechen, Nebennierenrindeninsuffizienz
verminderter Blutrückstrom zum Herzen Krampfadern, Medikamenteneinnahme (z. B. Nitroglycerin), Vena-cava-Kompressionssyndrom, Lungenembolie
reduzierte Pumpfunktion des Herzens Herzinsuffizienz, (hochgradige) Aortenstenose, Perikarderguss

Formen der Hypotonie

In Abhängigkeit von der Ursache unterscheidet man drei Formen der arteriellen Hypotonie. Zusätzliche Kategorien sind zum Beispiel die asymptomatische Hypotonie, die autonom-neurogene Hypotonie, die chronische arterielle Hypotonie, die essenzielle Hypotonie, die konstitutionelle Hypotonie, die lageunabhängige Hypotonie, die nicht autonome neurogene Hypotonie, die primäre Hypotonie, die sekundäre Hypotonie, die sympathikotone Hypotonie,<ref>Peter Reuter: Springer Klinisches Wörterbuch 2007 | 2008. Springer-Verlag, 1. Auflage, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-34601-2, S. 849 f.</ref> die endokrine Hypotonie, die hämorrhagische Hypotonie, die hypovolämische Hypotonie, die induzierte Hypotonie, die infektiös-toxische Hypotonie, die kardiovaskuläre Hypotonie, die kontrollierte Hypotonie, die künstliche Hypotonie, die lokale Hypotonie, die neurogene Hypotonie und die zerebrale Hypotonie.<ref>Heinz Walter, Günter Thiele (Hrsg.): Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete, 4. Band, Urban & Schwarzenberg, München / Berlin / Wien 1971, ISBN 3-541-84004-8, S. H 355 f.</ref>

Die Begriffe konstitutionelle Hypotonie, essentielle Hypotonie und primäre Hypotonie sind Synonyme.<ref>Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Verlag Friedrich Arnold Brockhaus, 19. Auflage, 10. Band, Mannheim 1989, ISBN 3-7653-1110-3, S. 353.</ref>

{{#invoke:Vorlage:Anker|f |errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Anker |errHide=1}} Idiopathische Hypotonie

Die häufigste Form der Hypotonie ist die idiopathische Hypotonie (ICD-10: I95.0), das heißt, ihre Ursache ist unklar. Sie liegt vermehrt bei jungen, schlanken Frauen vor.<ref name="Herold2007" />

Symptomatische Hypotonie

Als symptomatische oder sekundäre Hypotonie<ref>Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Verlag Friedrich Arnold Brockhaus, 19. Auflage, 10. Band, Mannheim 1989, ISBN 3-7653-1110-3, S. 353.</ref> (ICD-10: I95.9) bezeichnet man einen niedrigen Blutdruck, der auf eine klar definierbare Ursache, z. B. eine Erkrankung oder Medikamenteneinnahme, zurückzuführen ist.<ref name="Herold2007" /><ref name="TIM" />

Einen insbesondere bei älteren Menschen vorkommenden Blutdruckabfall nach dem Essen bezeichnet man als postprandiale Hypotonie.

Hypotonie kann ein Symptom eines Mastzellaktivierungssyndroms (MCAS) sein.<ref name="PMID33261124">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name="PMID27012973">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name="PMID38948000">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Orthostatische Hypotonie

Datei:Summer Evening Beside the Lake by Fujishima Takeji (Geidai Museum).jpg
Orthostatische Hypotonie: Stehen wird zum Problem

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Die orthostatische Hypotonie (ICD-10: I95.1) (von (altgriechisch) Orthostase = aufrechter Stand) wird auch als orthostatische Dysregulation<ref name="ICD-10-GM 2019" /> oder Orthostase-Syndrom bezeichnet.

Bei der orthostatischen Hypotonie liegt eine Fehlfunktion der Orthostase-Reaktion vor.<ref>Tinsley Randolph Harrison: Harrisons Innere Medizin. 20. Auflage, Georg Thieme Verlag, Berlin 2020, 2. Band, ISBN 978-3-13-243524-7, S. 2080.</ref> Diese Orthostase-Reaktion sorgt bei Gesunden dafür, dass das Herz-Kreislauf-System auch in aufrechter Stellung einwandfrei arbeitet. Durch die Fehlfunktion bei der orthostatischen Hypotonie treten in aufrechter Stellung Zeichen wie Vertigo (Schwindel), Herzrasen, Übelkeit und Schwäche auf, die zum Hinsetzen oder Hinlegen zwingen, worunter die Beschwerden rasch nachlassen. Bei manchen Erkrankten treten kreislaufbedingte Synkope (kurzandauernde Bewusstlosigkeit) auf.<ref name="medizin-wissen-online 1"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20160821070443

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            }} 
       }}
  }}. Abgerufen am 19. August 2016.</ref><ref name="Diehl 1">Rolf R. Diehl: Posturales Tachykardiesyndrom, in: Deutsches Ärzteblatt, Jahrgang 100, Heft 43, Oktober 2003. Abgerufen am 19. August 2016.</ref>

Der Ruheblutdruck im Liegen oder Sitzen kann unabhängig von der orthostatischen Dysregulation erniedrigt, normal oder erhöht sein.<ref name="medizin-wissen-online 1" />

Symptome

  • Blässe, kalte Hände und Füße
  • Zittern
  • rasche Ermüdbarkeit, Konzentrationsschwäche
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Tachykardie
  • Kollapsneigung, Synkopen

Von größter Relevanz ist das Auftreten von kurzen Ohnmachtsanfällen (Synkopen).<ref>Maxim Zetkin, Herbert Schaldach: Lexikon der Medizin, 16. Auflage, Ullstein Medical, Wiesbaden 1999, ISBN 978-3-86126-126-1, S. 924.</ref> Durch den – im Vergleich zum Idealwert (120/80 mmHg) – niedrigen Blutdruck kommt es zu einer Minderversorgung des Gehirns mit sauerstoffreichem Blut und dadurch zur Bewusstlosigkeit. Diese führt häufig zu Stürzen und damit verbundenen Verletzungen.

Arterielle Hypotonie tritt häufig bei schlanken oder untergewichtigen Menschen im Teenager-Alter auf.

Diagnostik

Eine länger bestehende Hypotonie sollte ärztlich abgeklärt werden. Wichtigstes Ziel der Diagnostik ist es, eine symptomatische Hypotonie zu identifizieren bzw. auszuschließen, da sie Ausdruck einer unter Umständen lebensbedrohlichen Erkrankung sein kann. Dazu sind neben Anamnese und klinischer Untersuchung apparative Verfahren wie die Echokardiographie oder eine Langzeitblutdruckmessung und eine Blutuntersuchung von Bedeutung. In der Diagnostik der orthostatischen Hypotonie spielen Schellong-Test und Kipptischuntersuchung eine entscheidende Rolle.

Therapie

Langfristig ist eine arterielle Hypotonie gegenüber einer Hypertonie bezüglich des kardiovaskulären Risikos als günstiger anzusehen. Liegt keine identifizierbare Erkrankung zu Grunde, ist eine Therapie daher nur bei Beschwerden indiziert und erfolgt durch physikalische Maßnahmen wie Sport, Gymnastik und Wechselduschen und eine Umstellung der Ernährung (kochsalzreiche Mahlzeiten mit vermehrter Flüssigkeitszufuhr).<ref>W. von Scheidt, P. Trenkwalder: Chronische Arterielle Hypotonie. In: Gerhard Steinbeck, Gustav Paumgartner (Hrsg.): Therapie Innerer Erkrankungen. 11. Auflage (2005), Springer Verlag, ISBN 978-3-540-26504-7. S. 232 ff.</ref><ref>Eberhard Hackenthal: Behandlung der Hypotonie und des Schocks. In: Eckard Oberdisse, Eberhard Hackenthal, Klaus Kuschinsky (Hrsg.): Pharmakologie und Toxikologie. 3. Auflage, Springer Verlag, Berlin / Heidelberg / Tokio / New York / Barcelona / Budapest / Hongkong / London / Mailand / Paris / Santa Clara 2002, ISBN 3-540-41993-4 und ISBN 978-3-540-41993-8, S. 395.</ref> Nur selten ist eine medikamentöse Therapie mit einem Antihypotonikum (Plural: Antihypotonika) wie etwa Sympathomimetika, Dihydroergotamin oder Mineralokortikoiden angezeigt.<ref>"Rote Liste 2016", 56. Ausgabe, Frankfurt am Main, ISBN 978-3-946057-00-0 und ISBN 978-3-946057-01-7, S. 158 und Kapitel 19.</ref><ref>Consilium Cedip Practicum 2006, Handbuch für Diagnose und Therapie, 28. Auflage, JMS Verlag, Köln, ISBN 3-9810440-1-0, S. 744.</ref> Diese Vasopressoren erhöhen den Blutdruck.<ref>Hubert Mörl: Gefäßkrankheiten in der Praxis, Edition Medizin, Weinheim / Deerfield Beach, Florida / Basel 1983, ISBN 3-527-15079-X, S. 157.</ref>

Kontrollierte Hypotension

Die kontrollierte Hypotension ist eine Methode, bei der man den Blutdruck eines Patienten zum Beispiel während einer Operation bewusst senkt, um den Blutverlust zu verringern. Sie wird insbesondere bei orthopädischen Eingriffen wirkungsvoll eingesetzt, kann aber auch bei anderen Arten von Operationen und bei anderen Krankheiten angewandt werden.<ref>Heinz Walter, Günter Thiele (Hrsg.): Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete, 4. Band, Loseblattsammlung, Verlag Urban & Schwarzenberg, München / Berlin / Wien 1971, ISBN 3-541-84004-8, S. H 353.</ref>

Geschichte

Erst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts kam es in der Humanmedizin zu regelmäßigen Blutdruckmessungen. Vorher gab es die Begriffe der arteriellen Hypotonie, Normotonie und Hypertonie nicht. Die Brockhaus Enzyklopädie beschrieb 1864 im Stichwort Blutandrang (Wallung, Blutüberfüllung, Congestion oder arterielle Hyperämie) auch Symptome der arteriellen Hypotonie.<ref>Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände – Conversations-Lexikon. 11. Auflage, 3. Band, F. A. Brockhaus-Verlag, Leipzig 1864, S. 365.</ref>

Siehe auch

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />

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