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Horst Männchen

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Datei:STASI.png
Horst Männchen (3, erster von links) mit Erich Honecker (1), Erich Mielke (2) und Alfred Kleine (4).

Horst Männchen (* 3. Juni 1935 in Berggießhübel; † 12. Januar 2008 in Berlin<ref name=":1">Andreas Förster: Horst Männchen wurde 72 - Chef-Abhörer der Stasi gestorben. In: berliner-zeitung.de. Berliner Verlag GmbH, Berlin, 21. Januar 2008, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. Februar 2012; abgerufen am 20. Dezember 2025.</ref><ref name=":0">Gestorben - Horst Männchen. In: spiegel.de. Der Spiegel GmbH & Co. KG, Hamburg, 28. Januar 2008, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 31. Mai 2016; abgerufen am 20. Dezember 2025.</ref>) war Leiter der Hauptabteilung III (Funkaufklärung/Funkabwehr) im Ministerium für Staatssicherheit (MfS).<ref>Horst Männchen. In: spiegel.de. Der Spiegel GmbH & Co. KG, Hamburg, 24. Oktober 1993, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 26. März 2023; abgerufen am 20. Dezember 2025.</ref>

Leben

Männchen war Sohn eines Eisenformers und einer Chemielaborantin. Unmittelbar nach dem Abitur kam er 1953 zum MfS und war dort zunächst in der Abteilung V (Staatsapparat, Kultur, Kirchen, Untergrund) der Bezirksverwaltung Dresden tätig.<ref></ref> Nach dem Besuch eines Funkerlehrganges wurde er 1954 zur Hauptabteilung S (Funk) nach Berlin versetzt.<ref name=":2">Jens Gieseke: MFS-Lexikon - Männchen, Horst. In: bundesarchiv.de. Bundesarchiv, Koblenz, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. Dezember 2025; abgerufen am 20. Dezember 2025.</ref> Im selben Jahr trat er der SED bei. Von 1960 bis 1965 absolvierte er ein Fernstudium an der Ingenieurschule Berlin-Lichtenberg und in Mittweida, welches er als Ingenieur für Hochfrequenztechnik abschloss.<ref name=":2" /><ref>Markus Kompa: Männchen in the Middle. In: telepolis.de. Heise Medien GmbH & Co. KG, Hannover, 12. Oktober 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. Dezember 2025; abgerufen am 20. Dezember 2025.</ref> Aus disziplinarischen Gründen (schuldhafte Verursachung eines Verkehrsunfalls unter Alkoholeinfluss, bei dem sein linker Arm abgerissen wurde)<ref>Frank Rothe: Das Ohr der Stasi. In: taz.de. Taz Verlags- und Vertriebs GmbH, Berlin, 25. April 2000, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. Dezember 2025; abgerufen am 20. Dezember 2025.</ref> wurde Männchen 1961 aus dem MfS entlassen, arbeitete jedoch bis zu seiner Wiedereinstellung 1963 inoffiziell für das MfS weiter. Ab 1963 war er für die Abteilung VIII (Funkaufklärung) der Hauptverwaltung A des MfS tätig. 1965 wurde er zum Büro der Leitung II (Unterstützung DKP/SEW) versetzt. Ein 1966 begonnenes Fernstudium an der Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit (JHS) schloss er 1968 als Diplom-Jurist ab. Zugleich gehörte er ab 1966 dem Operativstab beim 1. Stellvertreter des Ministers (für Staatssicherheit) an. 1971 übernahm er die Leitung des Bereichs III (Funkaufklärung) beim 1. Stellvertreter, die spätere (Haupt-)Abteilung III.<ref>Horst Männchen tot. In: jungewelt.de. Verlag 8. Mai GmbH, Berlin, 21. Januar 2008, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. Dezember 2025; abgerufen am 20. Dezember 2025.</ref> 1974 promovierte Männchen an der JHS Potsdam zum Dr. jur. mit der Dissertation „Probleme des Einsatzes spezifischer technisch-physikalischer Mittel und Methoden durch das MfS bei der Abwehr und Aufklärung des ‚elektronischen Kampfes‘ in der Klassenauseinandersetzung zwischen Imperialismus und Sozialismus“.<ref>Günter Förster: Die Dissertationen an der ‚Juristischen Hochschule‘ des MfS. Eine annotierte Bibliographie (Dokumente – Reihe A). Hg. BStU. Berlin 1997, S. 66.</ref> In der Arbeit wurden Möglichkeiten des Abhörens des „Feindes“ durch Richtfunkstrecken in der DDR behandelt.

Fünf Jahre später, 1979, wurde Männchen zum Generalmajor ernannt. Nach dem Fall der Mauer wurde er im Dezember 1989 erst von seiner Funktion entbunden und einen Monat später entlassen.<ref>Männchen, Horst. In: bundesstiftung-aufarbeitung.de. Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Berlin, Oktober 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 27. November 2023; abgerufen am 20. Dezember 2025.</ref> Unmittelbar nach dem Ende der DDR hatte sich Männchen dem Verfassungsschutz umfassend offenbart und dabei auch Quellen enttarnt. Er wurde V-Person des Verfassungsschutzes und ließ sich auftragsgemäß vom KGB umwerben.

Im Jahr 1993 erhob die Bundesanwaltschaft gegen Männchen als ehemaligem Leiter der Stasi-Hauptabteilung für Funkaufklärung Anklage wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit.<ref>Stasi-Abhörung - Männchen im Ohr. In: taz.de. Taz Verlags- und Vertriebs GmbH, Berlin, 26. Mai 1993, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. Dezember 2025; abgerufen am 20. Dezember 2025.</ref><ref>Josef Hufelschulte: Stasi-Kartei - Spione am Bonner Sorgentelefon. In: focus.de. BurdaForward GmbH, München, 30. Oktober 1993, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. Dezember 2025; abgerufen am 20. Dezember 2025.</ref> Aufgrund der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Strafverfolgungshindernis für DDR-Agenten erfolgte keine Verurteilung.

Interviewt wurde er vom Spiegel<ref>Geheimdienste - »Wie eine offene Sprache«. In: spiegel.de. Der Spiegel GmbH & Co. KG, Hamburg, 24. Oktober 1993, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. Dezember 2025; abgerufen am 20. Dezember 2025.</ref> und in dem Dokumentarfilm Das Ministerium für Staatssicherheit – Alltag einer Behörde<ref>Andreas Förster: Verräter? - Wie sich Stasi-General Horst Männchen dem Verfassungsschutz anbot. In: horch-und-guck.info. Bürgerkomitee "15. Januar" e.V., "Horch und Guck", Berlin, 2008, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 3. Mai 2010; abgerufen am 20. Dezember 2025.</ref> gemeinsam mit acht anderen ehemaligen Mitarbeitern des MfS.

Bis zu seinem Tod am 12. Januar 2008 lebte Männchen als Rentner in Berlin.<ref name=":0" /><ref name=":1" />

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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