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Hirschtrüffel

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Hirschtrüffel
Datei:Elaphomyces muricatus.jpg

Stachelige Hirschtrüffel (Elaphomyces muricatus)

Systematik
Unterabteilung: Echte Schlauchpilze (Pezizomycotina)
Klasse: Eurotiomycetes
Unterklasse: Eurotiomycetidae
Ordnung: Eurotiales
Familie: Hirschtrüffelverwandte (Elaphomycetaceae)
Gattung: Hirschtrüffel
Wissenschaftlicher Name
Elaphomyces
Nees

Hirschtrüffel (Elaphomyces) sind eine Pilzgattung, die unterirdisch wachsende Fruchtkörper bilden. Es gibt weltweit rund 65 Arten von Hirschtrüffeln (Stand 2020).<ref>Elaphomyces. In: Index Fungorum. Auf IndexFungorum.org (englisch), abgerufen am 5. September 2020.</ref>

In Europa kommen rund zwanzig Arten vor. Die am weitesten verbreitete Art ist die Warzige Hirschtrüffel (Elaphomyces granulatus, synonym Elaphomyces cervinus<ref>Elaphomyces cervinus auf spektrum.de.</ref>); am zweithäufigsten ist die Kleinwarzige oder Stachelige Hirschtrüffel (Elaphomyces muricatus).

Merkmale

Hirschtrüffel bilden wie alle Trüffel im weiteren Sinne unterirdische (hypogäische) knollenähnliche Fruchtkörper, die mit einer Peridie versehen sind. Allerdings handelt es sich bei ihren Fruchtkörpern um echte Kleistothecien und nicht wie bei den Echten Trüffeln sich von Apothecien ableitende Gebilde.<ref>Heinrich Dörfelt (Hrsg.): Lexikon der Mykologie. Fischer, Stuttgart / New York 1988; ISBN 3-437-20413-0</ref> Ihre Sporen sind stachelig-rundlich und braun bis violettbräunlich gefärbt.

Ökologie und Vorkommen

Hirschtrüffel sind Mykorrhiza-Pilze, die mit verschiedenen Baumarten eine Symbiose eingehen. Während Elaphomyces granulatus überwiegend mit Fichte und Kiefer vergesellschaftet ist, hat E. muricatus überwiegend die Buche als Baumpartner. Das Pilzmycel der Hirschtrüffel bringt unterirdisch die kugelförmigen Fruchtkörper ganzjährig hervor, im Unterschied zu den oberirdisch meist nur saisonal (insbesondere im Herbst) wachsenden Fruchtkörpern anderer Pilzarten. Die bis aprikosengroßen Fruchtkörper der Hirschtrüffel werden gerne von Schweinen, Hirschen und Rehen aufgespürt, freigelegt und gefressen. Oft sind sie an Wühlstellen zu finden, doch für Menschen nicht wohlschmeckend. Ältere Exemplare haben eine gummiartige Hülle um den cremig verflüssigten Kern.

Da die Hirschtrüffeln hohe Mengen an 137Cs speichern, wurde auch im Wildschweinfleisch ein hoher Anteil dieses radioaktiven Metalls festgestellt. Wildschweine sind die einzige Wildart, bei der die 137Cs-Kontamination durch oberirdische Kernwaffenversuche<ref name="scinexx09-23">Nadja Podbregar: Rätsel der radioaktiven Wildschweine gelöst. In: scinexx.de. 1. September 2023, abgerufen am 1. September 2023.</ref> und die Tschernobyl-Katastrophe in einigen Gebieten der Bundesrepublik auf relativ hohem Niveau stagniert.<ref>Hirschtrüffel - Biologie, Ökologie, Vorkommen von Elaphomyces Arten. In: umweltanalysen.com. Abgerufen am 26. April 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="scinexx09-23" />

Datei:Elaphocordyceps ophioglossoides 02.jpg
Zungenkernkeule (Elaphocordyceps ophioglossoides) auf Hirschtrüffel

Viele Arten sind häufig, werden aber durch die versteckte Lebensweise nur selten gefunden. Einige Arten werden durch Arten der Kernkeulen parasitiert. Alle Arten von Kernkeulen, die auf Hirschtrüffel parasitieren, werden neuerdings von der ursprünglichen Gattung Cordyceps abgetrennt und in eine eigene Gattung (Elaphocordyceps) gestellt.<ref>Sung, Gi-Ho, Hywel-Jones, Nigel L., Sung, Jae-Mo, Luangsa-ard, J. Jennifer, Shrestha, Bhushan, Spatafora, Joseph W.: Phylogenetic classification of Cordyceps and the clavicipitaceous fungi In: Stud Mycol 2007 57: 5-59, Paper Online</ref>

Systematik

Die Hirschtrüffeln sind eine relativ isoliert stehende Gruppe und sind nicht näher mit den Echten Trüffeln verwandt. Nach Lumbsch und Huhndorf gehören die Hirschtrüffel in die Familie der Hirschtrüffelverwandten innerhalb der Eurotiales.<ref name="Lumbsch">Lumbsch, H. T. and S.M. Huhndorf (ed.) 2007. Outline of Ascomycota – 2007. Myconet 13: 1 - 58. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />(online html) (Memento des Vorlage:IconExternal vom 3. Oktober 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/fieldmuseum.org</ref> Manche Autoren stellen sie aber sogar in eine eigene Unterklasse (Elaphomycetidae).<ref>Constancea 83.16: Names of Fungi above the Rank of Order. Abgerufen am 26. April 2021.</ref> Vermutungen, dass es sich beim weit verbreiteten Mykorrhiza-Pilz Cenococcum geophilum um die Anamorphe einer Art der Hirschtrüffeln handeln könnte, stellten sich als unzutreffend heraus.<ref name="lobuglio">Katherine F. LoBuglio, Mary L. Berbee, John W. Taylor: Phylogenetic Origins of the Asexual Mycorrhizal Symbiont Cenococcum geophilum Fr. and Other Mycorrhizal Fungi among the Ascomycetes. In: Molecular Phylogenetics and Evolution 6(2), 1996, S. 287–294.</ref>

Europäische Arten

Verwendung

Im Mittelalter wurden Elaphomyces-Arten, insbesondere Elaphomyces cervinus, als Hirschschwamm (mittelhochdeutsch hirʒswam<ref>Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50). Niemeyer, Tübingen 2003, ISBN 3-484-36050-X, S. 389 (hirʒswam -> cerviboletum) und 390 (cerviboletum: Elaphomyces granulatus Fries., Hirschtrüffel).</ref>) bezeichnet.<ref>Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 171 („Ceruibolitus – hyrtzschwam“).</ref> Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurden getrocknete Hirschtrüffel unter der Bezeichnung „Hirschbrunst“ im Handel verkauft. Die Trüffel wurden von Bauern als „Sprungmittel“ für Rinder eingesetzt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Hirschbrunst (Memento vom 2. Januar 2015 im Internet Archive). In: Adolf Beythien, Ernst Dressler (Hrsg.): Merck’s Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe. 7. Auflage. Gloeckner, Leipzig 1920 (Nachdruck: Manuscriptum, Recklinghausen 1996, ISBN 3-933497-13-2).</ref>

Literatur

  • Ewald Gerhardt: Pilze. Der zuverlässige Naturführer. 4. Auflage. Verlag BLV, München 2006, ISBN 978-3-8354-0053-5.

Einzelnachweise

<references />

Weblinks

Commons: Hirschtrüffel (Elaphomyces) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien