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Hermann von Neuenahr der Ältere

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Hermann Graf von Neuenahr (Nuenar, a Nvenare, de Nova Aquila,<ref group="A">{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) ist der „Aar“ (Adler).</ref> Neaëtius) (* 1492;<ref>Verschiedentlich wird, wohl unrichtig, 1482 als Geburtsjahr angegeben. Nach seinem (um 1562 gesetzten; s. u.) Epitaph starb er im 39. Lebensjahr stehend („… qui annum agens nonum & trigesimum“).</ref> † 20. Oktober 1530 in Augsburg) war ein deutscher humanistischer Theologe, Staatsmann, Naturwissenschaftler und erzbischöflicher Kanzler der alten Universität Köln.

Datei:Rathausturm Köln - Graf Hermann von Neuenahr (5913-15).jpg
Skulptur des Hermann Graf von Neuenahr am Kölner Rathausturm (von Karl-Josef Dierkes)

Hermann von Neuenahr entstammte einer politisch einflussreichen Familie am Niederrhein. Diplomatische Missionen für das Erzstift Köln führten ihn bis nach Italien und Spanien. In der Reichspolitik unterstützte er die kaiserlich-habsburgische Position gegen französische und päpstliche Interessen. Er galt als einer der gebildetsten Menschen seiner Zeit und verfügte über weitreichende Kontakte zu erasmisch und reformatorisch gesinnten Humanisten. In der Auseinandersetzung mit scholastischen Gegnern verwandte er neben sorgfältiger Argumentation auch Spott und Ironie. Graf Hermann sammelte und veröffentlichte antike und mittelalterliche Handschriften aus Klosterbibliotheken und betätigte sich auch selbst literarisch. Seine Forschungsinteressen lagen auf historischen, theologischen und medizinisch-pharmazeutischen Gebieten. Als Kölner Dompropst setzte er sich für eine Öffnung der Universität Köln gegenüber neuen, humanistischen Strömungen ein, konnte sich allerdings nur bedingt gegen konservative Kräfte durchsetzen.

Leben

Hermann von Neuenahr war der Sohn von Wilhelm I. Graf von Neuenahr (* um 1447; † 1497),<ref>Hermann von dem Busche: De illustris et Generosi nouaquilae Comitis Guilhelmi obitu, ad Hermannum et Guilhelmum filios … hendecasyllabi, Köln: Nikolaus Caesar o. J. [1518].</ref> Herr zu Bedburg, und (⚭ 1484) Gräfin Walburga von Manderscheid (* 1468; † 1530/35), Herrin zu Schleiden.<ref>Ahnenproben vom 18. April 1505; Historisches Archiv der Stadt Köln (Best. 210 (Domstift), U 1/1933 und 1934).</ref> Seine Mutter heiratete 1502 in zweiter Ehe Frederik van Egmond (um 1440–1521), Graf zu Büren und Leerdam, Sohn von Graf Wilhelm van Egmond (1412–1483), Herr von IJsselstein und Statthalter von Geldern, und dessen Frau Walburga von Moers (um 1415–um 1459).

Hermanns Schwester Anna von Neuenahr (um 1490–1535) war verheiratet (⚭ um 1508) mit Walraven II. van Brederode (1462–1531), Herr von Vianen und Ameide, Burggraf von Utrecht. Hermanns Bruder Graf Wilhelm II. von Neuenahr (1485/87–1552)<ref>Zu ihm vgl. Nicole Kuropka: Wilhelm von Neuenahr († 1553). Ein vergessener Botschafter der Reformation. In: Monatshefte für Evangelische Kirchengeschichte des Rheinlandes 52 (2003), S. 49–65.</ref> war verheiratet mit der Erbtochter der Grafschaft Moers, Gräfin Anna von Wied (um 1500–1528), einer Nichte des späteren Kölner Erzbischofs und Kurfürsten Hermann V. von Wied (1477–1552). Wilhelm II. war der Vater von Graf Hermann von Neuenahr und Moers dem Jüngeren (1520–1578).

Floris van Egmond (1469–1539), habsburgischer Statthalter der Herrschaft Friesland, war Hermanns Stiefbruder. Aus einer außerehelichen Beziehung seines Vaters stammte die Halbschwester Agnes, verheiratet mit Wilhelm Deutz genannt van der Kulen. Johann IX. von Hoorn († 1506), seit 1482 Bischof von Lüttich, war Hermanns Großonkel, Konrad IV. von Rietberg († 1508), Bischof von Osnabrück und Münster, sein Cousin.

Vorfahren des Hermann von Neuenahr 
Urgroßeltern

Gumprecht I. von Neuenahr-Rösberg (* um 1370; † 1409/13), Herr zu Alpen
⚭ 1398/99
Philippa Gräfin von Loon (* um 1370; † um 1410 bzw. vor 1429), Herrin von Heinsberg,<ref group="A">Philippa von Heinsberg heiratete I. Gerhard von Tomberg-Landskron († 1398/99).</ref> aus dem Haus Sponheim

Wilhelm I. Graf von Limburg (1385–1459), Herr zu Broich
⚭ 1403
Mathilde (Mezza) von Reifferscheidt († 1437), Herrin von Bedburg und Hackenbroich

Dietrich III. von Manderscheid (* um 1420; † 1498), Herr zu Jünkerath, ab 1457 Reichsgraf
⚭ 1443
Elisabeth Gräfin von Blankenheim († nach 1469), Herrin zu Schleiden, Gerolstein, Kasselburg und Neuenstein<ref group="A">Elisabeth heiratete I. 1415 (verlobt 1399 und 1411) Wilhelm von Loen.</ref>

Jakob I. Herr zu Horn und Altena (* um 1410; † 1488), ab 1450 Reichsgraf

Johanna Gräfin von Moers und Saarwerden (* um 1412; † 1461)

Großeltern

Gumprecht II. von Neuenahr (* um 1400; † 1484), Erbvogt zu Köln, Herr zu Alpen, ab 1442 Graf
⚭ 1425
Margareta Gräfin von Limburg (* 1406; † um 1459<ref>Vgl. Historisches Archiv der Stadt Köln (Best. 250 Mariengarten, U 1/76).</ref>), Herrin zu Bedburg und Hackenbroich

Kuno (Konrad) I. Graf von Manderscheid (* um 1444; † 1489), Herr zu Schleiden, Neuenstein und Kasselburg<ref group="A">Kuno I. von Manderscheid heiratete II. 1476 Mechthild von Virneburg († nach 1506), Herrin von Kronenburg und Neuerburg, Tochter von Graf Wilhelm von Virneburg († vor 1469), Herr zu Falkenstein, und (⚭ 1446) Françoise (Franziska) von Rodemachern († 1483).</ref>
⚭ 1459
Walpurga Gräfin von Horn (* um 1443; † 1476), Herrin von Altena

Eltern

Wilhelm I. Graf von Neuenahr (* um 1447; † 1497), Herr zu Bedburg
⚭ 1484
Walburga Gräfin von Manderscheid (* 1468; † 1530/35), Herrin zu Schleiden<ref group="A">Walburga von Manderscheid heiratete II. 1502 Friedrich von Egmond, Graf zu Büren und Leerdam (1440–1521), der zuvor (⚭ I. 1464) mit Aleida von Culemburg († 1471) verheiratet gewesen war.</ref>

Hermann Graf von Neuenahr (1492–1530)

Hermann von Neuenahr wuchs in Köln auf. Der alte „Neuenahrer Hof“ (im 17. Jh. niedergelegt, Treppenturm in der Kirche St. Maria in der Kupfergasse erhalten), das Hofgut der Familie, stand an der Ecke Langgasse (heute: Neven-DuMont-Straße) / Schwalbengasse-Kupfergasse. Im Alter von drei Jahren erhielt Hermann von Neuenahr 1495<ref>Wilhelm Kisky: Die Domkapitel der geistlichen Kurfürsten in ihrer persönlichen Zusammensetzung im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert (Quellen und Studien zur Verfassungsgeschichte des Deutschen Reiches in Mittelalter und Neuzeit 1/3), Weimar: H. Böhlaus Nachfolger 1906, S. 36 und 67f.</ref> eine Domizellar-Präbende (Pfründe) am Kölner Domkapitel, 1500 besaß er auch ein Kanonikat an der Kathedrale St. Lambert in Lüttich, wo sein Großonkel als Bischof residierte, und hatte die Pfarr-Pfründe zu Hochemmerich inne. Er war zudem Kanoniker an St. Gereon in Köln und am Marienstift zu Aachen. Hermann von Neuenahr, dessen Vater starb, als er etwa fünf Jahre alt war, wurde bei einem Verwandten, dem Kölner Domherren Graf Simon von Spiegelberg (vor 1475–1524),<ref>Nach älterer Literatur (Hermann Hamelmann: Oratio de Rodolpho Langio (1580). In: Opera genealogico-historica de Westphalia & Saxonia inferiori. Heinrich Wilhelm Meyer, Lemgo 1711, S. 262f (Google-Books) u. a.) war Erzieher Hermanns der Kölner Domherr und Propst von Emmerich Moritz Graf von Spiegelberg (1406/07-1483), Freund und Reisegefährte des Humanisten Rudolf von Langen (um 1438–1519), der jedoch schon am 3. Juni 1483 starb; vgl. Wilhelm Kisky: Die Domkapitel der geistlichen Kurfürsten in ihrer persönlichen Zusammensetzung im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert (Quellen und Studien zur Verfassungsgeschichte des Deutschen Reiches in Mittelalter und Neuzeit 1/3), Weimar: H. Böhlaus Nachfolger 1906, S. 82. Ein Bruder Mauricius († nach 1508) des Simon von Spiegelberg wird 1508 als Domherr erwähnt, er nahm aber offenbar seine Präsenzpflicht in Köln nicht wahr; vgl. Historisches Archiv der Stadt Köln (Best. 210 (Domstift), U 1/1953).</ref> erzogen. Sein Erzieher („Institutor“) war der Humanist Petrus Pherndorphius (auch: Peter Segenensis; * vor 1480; † vor 1547).<ref>Vgl. Konrad Heresbach: De Educandis Erudiendisque Principum Liberis, Frankfurt am Main 1592, S. 36; Carl Krafft (Bearb.): Mitteilungen aus der niederrheinischen Reformationsgeschichte. In: Zeitschrift des bergischen Geschichtsvereins 6 (1869), S. 193–340, bes. S. 216f (Google-Books).</ref>

Studium in Köln und Italien

Am 14. November 1504 immatrikulierte er sich als „domic[ellarius] Herm[annus] de Nuwenaro, can[onicus] maioris eccl[esiae]“ an der Kölner Universität.<ref>Matrikel Köln, 14. November 1504: „… pro univ[ersitate] et rectore n[il], quia nob[ilis], dedit bed[ellis] Hornensem (=Domherr Hermann von Neuenahr, Kanoniker der Kathedrale, [hat] für die Universität und den Rektor nichts [gegeben], weil er ja ein Edelmann ist, er hat den Pedellen einen Hoornsgulden gegeben).“; Zusatz des 16. Jahrhunderts: postea prep[ositus] eccl[esiae] Col[oniensis] (=später Propst der Kölner Kirche). Der Hoornsgulden war nach seinem Onkel Bischof Johann IX. von Hoorn benannt.</ref> Zu seinen universitären Lehrern gehörte unter anderem Jacobus Magdalius von Gouda († 1520).<ref>Vgl. Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie, Bd. III. 2. Aufl. Saur, München 2006, S. 303.</ref>

Datei:Giovanni da Modena - Return of the Magi.jpg
Giovanni di Pietro Falloppi: Fresko Rückreise der Heiligen Drei Könige in der Cappella dei Re Magi der Basilika San Petronio, Bologna, um 1410

1508 bis 1510 unternahm Hermann von Neuenahr im Gefolge einer nach Rom reisenden Gesandtschaft des Kölner Erzbischofs Philipp II. von Daun (1463–1515) eine ausgedehnte Studienreise nach Italien.<ref name="Reise">Vgl. Theodor Joseph Lacomblet: Reise der erzbischöflichen Oratores nach Rom im Jahr 1508 zur Erwirkung der Wahlbestätigung und des Palliums. In: Archiv für die Geschichte des Niederrheins 2 (1857), S. 191–202 (Google-Books).</ref> Beim Aufbruch in Köln am 12. Dezember 1508 wurde er von seinem Präzeptor (Lehrer), dem Humanisten Johannes Caesarius, begleitet. Die Reiseroute führte über Bonn, Koblenz, Remagen, Niederheimbach, Oberwesel, Bingen, Mainz, Oppenheim, Worms, Oggersheim, über den Rhein nach Rheinhausen (Huysen), Bruchsal (Brosel), Vaihingen (Phayngen), Esslingen, Göppingen, Ulm, Kempten, Schloss Erenstein (verlesen „Kronstein“) bei Reutte, folgte dann der Via Claudia Augusta über den Fernpass, Nassereith, Landeck, Pfunds (Fentz), den Reschenpass, Schlanders, Meran, Tramin, Trient, Calliano, Borghetto sull'Adige, die Chiusa Veneta (Venedier Kluse) bei Ceraino, Verona, Isola della Scala (Alaschala) und Ostiglia am Po.<ref name="Reise"/> Neuenahr und Caesarius trennten sich am 13. Januar 1509 in Bologna von der Reisegruppe, immatrikulieren sich an der dortigen Universität<ref>Vgl. Gustav C. Knod: Deutsche Studenten in Bologna (1289-1562). R. von Decker / G. Schenk, Berlin 1899, Nr. 2535, S. 371 (Digitalisat im Internet Archive).</ref> und studierten intensiv Griechisch. Bei einem Besuch in Ferrara lernte Hermann den Humanisten und Mediziner Niccolò Leoniceno (1428–1524) kennen.<ref name="Schott">Vgl. Brief an Johannes Schott vom 16. Dezember 1529.</ref> Famulus von Hermann von Neuenahr in Bologna war Magister Gerhard von Enschringen (* vor 1490; † zwischen 1560 und 1572),<ref group="A">Aus Trier, Matrikel Köln 3. Oktober 1506, 1507 Baccalauréat in Trier, 1508 Magister in Köln, ab 1532 als kurtrierischer Fiskal und Universitätskanzler bezeugt, verheiratet mit Irmgard von Rolingen, Bruder des kurtrierischen Kanzlers Johann von Enschringen (um 1480–1543) und des Dekans Lic. Nikolaus von Enschringen (* um 1485; † 1562).</ref><ref>Gustav C. Knod: Deutsche Studenten in Bologna (1289-1562). R. von Decker / G. Schenk, Berlin 1899, Nr. 794, S. 115: „1509. Gerhardus Enschrynghen, famulus d. Hermanni de Newenare“.</ref> sein späterer Sekretär und Kaplan.<ref>Vgl. Peter G. Bietenholz, Thomas Brian Deutscher (Hrsg.): Gerhard von Enschringen. In: Contemporaries of Erasmus. A biographical register of the Renaissance and Reformation. Band I, A-E. University of Toronto Press, Toronto, Buffalo, London 1985, S. 433 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau); Brief von Johannes Reuchlin an Willibald Pirckheimer vom 5. April 1518. In: Matthias Dall'Asta, Georg Burkard (Hrsg.): Johannes Reuchlin. Briefwechsel, 1518–1522. Holzboog, Stuttgart 2011, Bd. IV, S. 49–51, bes. S. 50f.</ref><ref name="Schott"/>

Humanistenkreise

Hermann von Neuenahr hatte Kontakt zu vielen bedeutenden Humanisten seiner Zeit, unter anderem zu Erasmus von Rotterdam (1465–1536),<ref>Vgl. Percy Stafford Allen (Hrsg.): Opus epistolarum Des. Erasmi Roterodami, Bd. II 1514-1517; Bd. III 1517-1519; Bd. IV 1519-1521; Bd. VII 1527-1528; Bd. VIII 1529-1530. University Press, Oxford 1910, 1913, 1922, 1928 und 1934; P. St. Allen, Ep. 442 (Digitalisat), 636 (Digitalisat), 703 (Digitalisat), 722 (Digitalisat), 878 (Digitalisat), 1078 (Digitalisat), 1082 (Digitalisat), 1926 (Digitalisat), 2038 (Digitalisat) und Ep. 2137 (Digitalisat im Internet Archive).</ref> Lambert de Hollogne († um 1522),<ref>Vgl. Brief von Lambertus Hollonius an Erasmus von Rotterdam vom 5. Dezember 1518 aus Lüttich; P. St. Allen, Bd. III, Ep. 904, Z. 9, S. 445f (Digitalisat im Internet Archive) = Sir Roger Aubrey Baskerville Mynors / Douglas Ferguson Scott Thomson / Peter G. Bietenholz: Collected Works of Erasmus, Bd. VI The Correspondence of Erasmus. Letters 842-992 (1518-1519). Toronto Press, Toronto 1982, Nr. 904, S. 190–194, bes. S. 191.</ref> Konrad Peutinger (1465–1547), Eitelwolf von Stein (1465/66–1515), Hermann von dem Busche (1468–1534),<ref>Hermann von dem Busche (Buschius) widmete Hermann von Neuenahr außer der Grabrede auf seinen Vater auch sein Hauptwerk Vallum Humanitatis. Nikolaus Caesar, Köln 1518 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München), sowie eine „Ode lyrica“ und sein „Belli μῶμος ad generosum dominum d. Hermannum Novae Aquilae Comitem“, In: Erasmus von Rotterdam: Liber bellissimus, cui titulum praetulit, Querela pacis. o. O. [Eucharius Cervicornus, Köln] o. J. [um 1517].</ref> Johannes Caesarius (1468–1550), Willibald Pirckheimer (1470–1530), Nicolaas van Broekhoven (Bruchhofen) Buscoducensis (* 1478; † um 1553)<ref group="A">Aus ’s-Hertogenbosch, auch Boschendorf (Buschendorp), van den Bosch, Bois-le-Duc oder Sylvaducensis, Studium in Löwen, Rektor und Pfarrer in Middelburg, Antwerpen, Wesel, Bremen, Dänemark und Blankenburg (Harz), 1522 in Antwerpen von der Inquisition verhaftet.</ref><ref name="Broeckhoven">Vgl. Peter G. Bietenholz, Thomas Brian Deutscher (Hrsg.): Nicolaas van Broeckhoven. In: Contemporaries of Erasmus. A biographical register of the Renaissance and Reformation. Band I, A-E. University of Toronto Press, Toronto, Buffalo, London 1985, S. 204f (Google-Books; eingeschränkte Vorschau).</ref>, Petreius Aperbacchus (Peter Eberbach) (1480–1531),<ref name="Hessius" /> Helius Eobanus Hessus (1488–1540),<ref name="Hessius">Vgl. Helius Eobanus Hessus: Ad generosum Hermannum comitem à Nova Aquila commendat amicum (um 1518). In: Operum farragines duae. Schwäbisch Hall, 1539, Blätter 254–255; vgl. Blätter 235–236 und Blatt 237 (Digitalisat der Universitätsbibliothek Mannheim); Karl Krause: Helius Eobanus Hessus, sein Leben und seine Werke, Bd. I. F. A. Perthes, Gotha 1879, S. 256 (Digitalisat im Internet Archive).</ref> Jakobus Greselius (1483–1552), Arnold Haldrein von Wesel (* um 1484; † 1534),<ref>Vgl. Brief von Johannes Cochlaeus an Willibald Pirckheimer vom 25. August 1530 aus Augsburg. In: Georg Veesenmeyer: Kleine Beyträge zur Geschichte des Reichstags zu Augsburg 1530 und der Augsburgischen Confession. Campe, Nürnberg 1830, S. 119 (Google-Books).</ref> Heinrich Glarean (1488–1563), Beatus Rhenanus (1485–1547), Ulrich von Hutten (1488–1523), Juan Luis Vives (1492–1540),<ref>Widmungsbrief von Juan Luis Vives an Hermann von Neuenahr von 1518 aus Löwen, in: De initiis, sectis et laudibus philosophiae. (Löwen 1518). In: Constantinus Matheeussen (Bearb.): Selected works of Juan Luis Vives, Bd. I Early Writings. Brill, Leiden 1987, S. 7 (Google-Books); vgl. Brief von Erasmus von Rotterdam an Hermann von Neuenahr vom [15. März] 1520 aus Antwerpen; P. St. Allen, Ep. 1082.</ref> Jakob Sobius (1493–1527/28),<ref>Vgl. Richard HocheSobius, Jakob. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 34, Duncker & Humblot, Leipzig 1892, S. 529 f.</ref> Johann von Vlatten (um 1498–1562), Dietrich Zobel von Giebelstadt († 1531),<ref group="A">Auch „Theoderich Sobel“ u. ä., aus dem Adelsgeschlecht der Zobel von Giebelstadt, 1500 Dr. jur. utr. in Heidelberg, seit 1506 Generalvikar des Mainzer Erzbischofs Albrecht von Brandenburg, Scholaster des Domstiftes St. Martin und Kanoniker am St. Thomas-Stift in Straßburg, Anhänger Reuchlins.</ref> Euricius Cordus (1486–1535),<ref>Euricius Cordus widmete Hermann von Neuenahr die Schrift Ad generosum et literis admirabilem Heroa Hermannu[m] Comitem de Nuenar Carmen, Köln 1521.</ref> Adolf Eichholz (vor 1490–1563) oder Simon Reichwein (1501–1559).

In der Epistola apologetica pro Reuchlino vom 30. August 1517 nennt Pirckheimer in seiner berühmten Liste von 45 humanistisch gesinnten „gelehrten und des Namens würdigen“ Theologen (vir doctus et Theologico nomine dignus) auch den Grafen Hermann von Neuenahr.<ref>Lvciani Piscator, sev reuiuiscentes, Bilibaldus Pirckheymero interprete, Eiusdem Epistola Apologetica. Accedit Defensio J. Reuchlini quam Georgius Benignus Nazaraenus Maximiliano Rom. imp. dicanit, o. O. [Matthias Schürer, Straßburg] 1518 (Google-Books), Drucklegung am 12. Oktober 1517 bzw. im Januar 1518; Willibald Pirckheimers Briefwechsel, Bd. III. C. H. Beck, München 1989, Nr. 464, S. 162f; vgl. Jan-Hendryk de Boer: Unerwartete Absichten – Genealogie des Reuchlinkonflikts. (Spätmittelalter, Humanismus, Reformation 94). Mohr Siebeck, Tübingen 2016, S. 1023.</ref> Neuenahr hielt an der Kölner Universität öffentliche Vorlesungen über Griechisch und Hebräisch.<ref>Vgl. Brief von Erasmus von Rotterdam an Hermann von Neuenahr vom 30. November [1517] aus Löwen; P. St. Allen, Bd. III, Ep. 722, S. 151.</ref> Hermann von dem Busche bezeichnete Hermann von Neuenahr 1518 als „gekrönten Dichter“ (poeta laureatus).<ref>Hermann von dem Busche: Vallum Humanitatis. Nikolaus Caesar, Köln 1518 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München).</ref>

Dunkelmännerbriefe-Streit

Im Dunkelmännerbriefe-Streit zwischen Johannes Reuchlin (1455–1522) und Johannes Pfefferkorn (1469–1524), der von der Kölner und Pariser Universität unterstützt wurde, nahm Hermann von Neuenahr wie sein Freund<ref>Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim: Ein Sendtbrieff an Burgermeister unnd Raht der Stat Cöln wider die Sophisten. Peter Schöffer, Straßburg 1535 (Scan 12) (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München); lateinisches Original vom 11. Januar 1553, verfasst in Bonn Opera In Duos Tomos Concinne Digesta, Bd. II. „Bering“ [= Zetzner], „Lugdunum / Leiden“ [=Straßburg] 1553, Nr. XXVI, S. 1033–1045, bes. S. 1036, Vgl. S. 278, 739, 781 und 778 (Google-Books).</ref> Agrippa von Nettesheim (1486–1535) zugunsten Reuchlins und des Talmuds Stellung.

Hermann von Neuenahr könnte bereits an den 1515 erschienenen Epistolae obscurorum virorum (= Briefe dunkler Männer)<ref>Epistolae obscurorum virorum, ad venerabilem virum M. Ortuinum Gratium Devantriensem. [Schmidt], Venetia = Speyer o. J. [1516].</ref> mitgewirkt haben. Die wichtigste Belegstelle dafür aus einem undatierten Brief an Reuchlin („gegen Hoogstraten … haben wir paar Wörtchen entworfen“)<ref>Angeführt von Heinrich August Erhard: Geschichte des Wiederaufblühens wissenschaftlicher Bildung, vornehmlich in Teutschland bis zum Anfange der Reformation. Creutz, Magdeburg 1830, S. 404 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München) und älterer Literatur.</ref> kann jedoch inzwischen auf 1518 datiert werden und wird heute auf spätere Texte bezogen.<ref>Vgl. Matthias Dall'Asta, Georg Burkard (Hrsg.): Johannes Reuchlin. Briefwechsel, 1518–1522. Holzboog, Stuttgart 2011, Bd. IV, Nr. 329 und 330, S. 51–67, bes. S. 51 Anm. 2, u. a.</ref> Im zweiten Band der Epistolae obscurorum virorum, der 1517 erschien, erwähnt der fiktive Magister Philipp Schlauraff (vgl. „Schlauraffen-Land“) in einem Carmen rithmicale für den scholastischen Theologen Ortwin Gratius (1475–1542), in dem er von Begegnungen mit Humanisten an den Universitäten quer durch Deutschland berichtet, auch Hermann von Neuenahr in Köln in einem Knittelvers. In Köln habe er sich nicht um die Vorlesungen von Buschius und Caesarius gekümmert,

Sed steti cum Theologis / & vixi in laetitiis<ref group="A">= Sondern ich hielt mich zu den Theologen / & lebte in hohem Bogen (Reim-Anklang; wörtlich: in Freuden).</ref>
Und gab nit ein har / auff den Graven von newen Ar.“<ref>Epistole Obscuroru[m] Viroru[m]. o. O. o. J. [Schöffer, Mainz 1517]; Ausgabe Clements, London 1710, S. 158; vgl. S. 182 und 265 (Google-Books); Ernst Münch (Hrsg.): Epistolae obscurorum virorum. (Ulrici ab Hutten … Opera quae extant omnia 6. Continens opera dubia). Hinrichs, Leipzig 1827, S. 164–286, bes. S. 185; vgl. S. 203 und 263 (Google-Books).</ref><ref>Wilhelm Binder (Übersetzer): Briefe von Dunkelmännern an Magister Ortvin Gratius aus Deventer. Rübling, Stuttgart 1876, S. 174; vgl. S. 204 und 303 (Google-Books).</ref>

Dieses satirische Gedicht wurde wahrscheinlich von Hutten verfasst.<ref>Vgl. Arnold Becker: Humanistische Lachgemeinschaft und ihre Grenzen. In: Stefan Biessenecker, Christian Kuhn (Hrsg.): Valenzen des Lachens in der Vormoderne (1250-1750). (Bamberger Historische Studien 8). University of Bamberg Press, Bamberg 2012, S. 165–186, bes. S. 173–180.</ref>

Literarisch griff Hermann von Neuenahr 1517 mit der Veröffentlichung Defensio praestantissimi viri Ioannis Reuchlin (= Verteidigung des herausragendsten Mannes Johannes Reuchlin) in den Streit ein, die eine Schrift des franziskanischen Humanisten und päpstlichen Legaten Juraj Dragišić (Georgius Benignus), Titularerzbischofs von Nazareth, enthielt. Dragišić' um 1515 verfasstes Manuskript An Iudaeorum libri, quos Thalmud appellant, sint potius supprimendi, qu[am] tenendi & conservandi (= Ob die Bücher der Juden, die sie Talmud nennen, eher zu unterdrücken als (nicht vielmehr) zu bewahren und zu erhalten sind) war Hermann in Köln von dem Bremer Domkantor Martin Gröning († 1521), der aus Rom gekommen war,<ref>Vgl. Brief von Johannes Reuchlin an Jakob Questenberg vom 9. November 1518; vgl. Matthias Dall'Asta, Georg Burkard (Hrsg.): Johannes Reuchlin. Briefwechsel, 1518–1522. Holzboog, Stuttgart 2011, Bd. IV, S. 94–96, bes. S. 95, vgl. S. 61 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau).</ref> übergeben worden.<ref>Siehe die Widmungsbriefe in Giorgio Benigno: Defensio praesta[n]tissimi viri Ioannis Reuchlin LL. doctoris. o. O.; Matthias Dall'Asta, Georg Burkard (Bearb.): Johannes Reuchlin Briefwechsel, Bd. III 1514–1517. Frommann-Holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 2007, S. 462.</ref> Hermann widmete die Veröffentlichung Dietrich Zobel von Giebelstadt, der ein Anhänger Reuchlins und zu dieser Zeit Generalvikar des Mainzer Erzbischofs Albrecht von Brandenburg (1490–1545) war. 1518 erschien die „Defensio“, in der der Dominikanerorden und der päpstliche Inquisitor Jakob van Hoogstraten (um 1460–1527) scharf angegriffen wurden, in einer zweiten Auflage. Der etwa 20-jährige Philipp Melanchthon (1497–1560) bedankte sich für die Unterstützung seines Verwandten Reuchlin, indem er Hermann von Neuenahr das Vorwort zu einer von ihm herausgegebenen Schrift des Humanisten Mariangelus Accursius (1489–1546) widmete, die Graf Herrmann aus Italien mitgebracht und Reuchlin überlassen hatte.<ref>Illvstri D[omi]n[i] Hermanno Comiti Novae Aqvilae, eccless[iae] metropolitanae Colonien[sis] & cathedralis Leodien[sis] Canonico, Archepiscopi Coloniensis Legato, Philippus Melanchthon se commendat. In: Mariangelus Accursius: Osci et Volsci dialogus Ludis Romanis Actus, hrsg. von Philipp Melanchthon, Tübingen o. J. [1517] (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München).</ref><ref>Heinz Scheible (Bearb.): Melanchthons Briefwechsel, Band I Regesten 1–1109 (1514–1530). Frommann-Holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 1977, MBW Nr. 6, S. 44, datiert die Veröffentlichung auf 1515.</ref><ref name="Tewes" /> Melanchthon sandte Hermann von Neuenahr auch ein Probemanuskript (specimen) der von ihm verfassten Commentarii Συντάξεων περὶ ἑλληνικῶν ἰδιωμάτων (= Bemerkungen zu Satzlehren von den griechischen Dialekten), die nie gedruckt wurden und als verschollen gelten.<ref>Vgl. die Widmungsvorrede von Philipp Melanchthon: Institutiones Graecae grammaticae. Anshelm, Hagenau 1518, Bl. aii, an seinen Schüler Bernhard Maurus († 1519) von [März] 1518, (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München); Heinz Scheible (Bearb.): Melanchthons Briefwechsel, Bd. I Regesten 1–1109 (1514–1530). Frommann-Holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 1977, MBW Nr. 16, S. 47f.</ref>

Als Jakob van Hoogstraten 1518 eine ebenso scharfe „Apologia“ gegen die Schrift Dragišić' veröffentlichte,<ref name="Apologia">Jakob van Hoogstraten: Ad sanctissimu[m] dominu[m] nostru[m] Leone[m] papam decimu[m] Ac diuu[m] Maxemilianum Imperatorem semper augustu[m] Apologia. Co[n]tra dialog[u]m Georgio Benigno Archiepiscopo Nazareno, in causa Ioannis Reuchlin ascriptu[m], Köln: Quentell 1518 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn), (Google-Books); Apologia secunda contra defensionem quandam in favorem Joh. Reuchlini editam. Quentell, Köln 1519.</ref> gab Hermann von Neuenahr noch im gleichen Jahr zusammen mit Johannes Reuchlin, Hermann von dem Busche und Ulrich von Hutten die „Epistolae trium illustrium virorum, ad Hermannum comitem Nuenarium“ (= Briefe dreier berühmter Männer an Hermann Graf von Neuenahr) gegen Hoogstraten heraus. Aus Ärger über den Dominikaner Jakob van Hoogstraten untersagte Graf Hermann den Angehörigen von dessen Bettelorden (den „Jakobiten“) das „Terminieren“ („Käse und Eier sammeln“) in seinem Zuständigkeitsbereich,<ref>Vgl. Brief von Erasmus von Rotterdam an Wolfgang Capito vom 19. Oktober 1518 oder an Francis Cranevelt (1485–1564) vom 18. Dezember 1520; P. St. Allen, Bd. III, Ep. 877, Z. 19–21; Bd. IV, Ep. 1078, Z. 141f, S. 420–424; vgl. Brief an den Dominikaner Vincent Dirksz. van Beverwijk († 1526) von [März] 1521; Ep. 1196, Z. 294–300, S. 463–479; Paul Kalkoff: Die Vermittlungspolitik des Erasmus und sein Anteil an den Flugschriften der ersten Reformationszeit. In: Archiv für Reformationsgeschichte 1 (1903/04), S. 1–83, bes. S. 63.</ref> auch seine Verwandten schlossen sich dem Verbot an. Nach einem Jahr musste sich Hoogstraten auf Druck seiner Ordensangehörigen bei Neuenahr für beleidigende Äußerungen förmlich in einer schriftlichen „Palinodie“ entschuldigen. Erasmus von Rotterdam, der ein Exemplar des Widerrufs besaß, erwähnt den Vorfall verschiedentlich in seinen Briefen.<ref>Briefe an die Brüder Amblard Alardet († um 1544) und Claude-Louis Alardet († um 1564) vom 18. Oktober 1527; P. St. Allen, Bd. VII, Ep. 1892, Z. 52–62, S. 212–214 (Digitalisat), an Martin Lipsius vom 5. September 1528; Bd. VII, Ep. 2045, Z. 200–206, S. 475–483 (Digitalisat), und an Alfonso de Valdés vom 21. März 1529; Bd. VIII, Ep. 2126, Z. 116–128, S. 89–96 (Digitalisat im Internet Archive).</ref>

Erasmus schrieb an Johannes Caesarius und Hermann von dem Busche, dass er die Angriffe des Grafen von Neuenahr bedauere.<ref>Briefe von Erasmus von Rotterdam an Johannes Caesarius vom 5. April 1518 und an Hermann von dem Busche vom 23. April 1518; P. St. Allen, Bd. III, Ep. 808, S. 262f, und Ep. 830, S. 296f.</ref> 1518 veröffentlichte Nicolaas van Broekhoven unter seinem Pseudonym Nicolaus Quadus Saxo<ref name="Broeckhoven" /> die polemische Schrift De memorabilibus Predicatorum et Carmelitarum,<ref group="A">Separater Erstdruck nicht erhalten.</ref> in der er „Schandtaten“ (flagitia) der Dominikaner und Karmeliten kritisierte.<ref>Vgl. Brief von Wilhelm Nesen (1492–1524) an Ulrich Zwingli vom April 1518. In: G. N. (= Guilielmus Nesenus) N. (= Nastadiensis) D.: Epistola de magistris nostris Louaniensibus, quot & quales sint, quibus debemus magistralem illam damnationem Lutherianam. o. O. 1520, unpaginiert (Google-Books).</ref> Mit einem angeblich in Rom verfassten Brief widmete er das Werk Hermann von Neuenahr.<ref>„Nobilissimo D. Hermanno de Nuestat (sic!), Canonico doctissimo, et Comiti nobilissimo Saxoni, Nicolaus Quadus S. P. D. … Romae Id. Septembris.“ (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München)</ref> 1520 erschien der Widmungsbrief in einer separaten Ausgabe erneut,<ref>Epistola Nicolai Quadi nuper ex urbe missa ad Hermannum Comitem de nova Aquila, miranda nuncians de quodam novo opere brevi illic emersuro, cui titulus, De Memorabilibus praedicatorum et carmelitarum. Lazarus Schürer, Schlettstatt 1520 (Digitalisat der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel).</ref> wohl noch im selben Jahr wurde er auch in ein Sammelwerk von vier Veröffentlichungen Broekhovens aufgenommen,<ref>Nikolaus Quadus: Flores siue Elegantie ex diuersis libris Hochstrati Magistri nostri haeretici &c. per Nicolaum Quadu[m] Saxonem collectae. / Epistola elegans & docta eiusdem Quadi de Memorabilibus Predicatorum et Carmelitarum. / Carmen magistri nostri Nicolai de Edmunda Terminarii Louaniensis, quod olim adhuc iuuenis co[m]posuit. / Carmen Ricardi Sbrulii poeta Caesarii, in quosdam Theologastros Louanienses Sycophantas, extemporale. o. O. o. J. (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München), (Google-Books).</ref> das in der Offizin von Johannes Herwagen (1497–1557/59) gedruckt wurde.<ref>Vgl. Conrad Gessner: Bibliotheca universalis. Christoph Froschauer, Zürich 1545, Blatt 523 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München). Herwagen ist ab 1521 in Straßburg und ab 1528 in Basel als Drucker belegt.</ref><ref>Vgl. Franz Heinrich Reusch: Der Index der verbotenen Bücher, Bd. I. Max Cohen, Bonn 1883 S. 271 (Digitalisat im Internet Archive).</ref> Das Sammelwerk enthält satirische Glossen zu Hoogstratens Destructio Cabale,<ref>Auch enthalten in: Anonymus: Florilegium ex diversis opusculis atque tractatibus fratrum, patrum et magistrorum nostrorum. Horum autem catalogum in proxima reperies pagina. Lege, et ridebis. (2. Aufl.) … Mense Februario Anni M. D. XX (= 1520); nach Johann Bartholomäus Riederer: Nachrichten zur Kirchen- Gelerten- und Bücher-Geschichte; aus gedruckten und ungedruckten Schriften gesammelt, Bd. IV. Lorenz Schüpfel, Altdorf 1768, S. 170–180 (Google-Books). Eine erste Auflage enthielt den im Register erwähnten Abschnitt über Hoogstraten noch nicht; vgl. Hermann von der Hardt: Autographi Lutheri et Coaetaneorum, Bd. III Ab A. 1517. usque ad A. 1546. Salomon Schnorrius, Helmstedt 1693, S. 51f (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München).</ref> erschienen im April 1519,<ref>Jakob van Hoogstraten: Destructio Cabale, seu Cabalistice perfidie ab Ioanne Reuchlin Capnione iampridem in lucem edite. Quentel, Köln 1519.</ref> gegen den Inquisitor Magistri nostri<ref group="A">„Magister noster“ (M. N.) war eine akademische Bezeichnung eines „Doktors der Theologie“.</ref> Nicolaas Baechem Edmondanus (1462–1526)<ref group="A">Aus Egmont, Prior der Karmeliten, scholastischer Professor und Inquisitor in Löwen, schrieb gegen die Herausgabe des griechischen Neuen Testaments 1516 durch Erasmus.</ref> und gegen Richard Sbrulius.

Um 1518 schickte Helius Eobanus Hessus seinen Freund Petreius Aperbacchus zu Hermann von Neuenahr, der gerade – wohl in Aachen – ein Thermalbad aufsuchte (thermas petens),<ref>Vgl. Karl Krause: Helius Eobanus Hessus. Sein Leben und seine Werke, Bd. I. Friedrich Andreas Perthes, Gotha 1879 (Nachdruck: de Graaf, Nieuwkoop 1963), S. 256.</ref> und gab ihm ein lobpreisendes Gedicht auf den Grafen als Empfehlungsschreiben mit.<ref>Eobanus Hessus: Ad Generosum Hermannum Comitem à Nova Aquila commendat amicum. In: Operum farragines duae. Schwäbisch Hall 1539, Blätter 254f (Digitalisat der Universität Mannheim); vgl. Franz Wilhelm Kampschulte: Die Universität Erfurt in ihrem Verhältnisse zu dem Humanismus und der Reformation, Bd. I. Fr. Lintz, Trier 1858 (Nachdruck: Scientia, Aalen 1970), S. 193 Anm. 2.</ref>

Graf Hermann besuchte im Sommer 1518 wie Hutten und Sobius den Reichstag in Augsburg.<ref>Vgl. Elisabeth M. Kloosterhuis: Erasmusjünger als politische Reformer. Böhlau, Köln 2006, S. 329.</ref> Im Herbst 1518 war Erasmus fünf Tage Gast Hermann von Neuenahrs in Bedburg.<ref>Vgl. Brief des Erasmus an Beatus Rhenanus von 1519 (vor dem 19. Oktober) aus Löwen; Adalbert Horawitz, Karl Hartfelder (Bearb.): Briefwechsel des Beatus Rhenanus. B. G. Teubner, Leipzig 1886, Nr. 84, S. 126–132, bes. S. 127f (Digitalisat im Internet Archive) = Sir Roger Aubrey Baskerville Mynors / Douglas Ferguson Scott Thomson / Peter G. Bietenholz: Collected Works of Erasmus, Bd. VI The Correspondence of Erasmus. Letters 842-992 (1518-1519). Toronto Press, Toronto 1982, Nr. 867, S. 112–126, bes. S. 117f (Google-Books; eingeschränkte Vorschau), u. a.</ref><ref>Vgl. Brief von Erasmus von Rotterdam an John Fisher vom 23. Oktober [1518] aus Löwen; P. St. Allen, Bd. III, Ep. 889, S. 427f.</ref> Er mahnte ihn zu stilistischer Zurückhaltung gegenüber Hoogstraten.<ref name="Tewes" /> Hermann von Neuenahr berichtete Erasmus von Gerüchten, dass auf der nächsten, für Frankfurt geplanten Reichsversammlung der Kaiserenkel Ferdinand zum König gewählt werden könnte.<ref>Vgl. Brief von Erasmus von Rotterdam an den Erzbischof von Canterbury William Warham vom 23. Oktober 1518 aus Löwen; P. St. Allen, Bd. III, Ep. 893, S. 430–432, bes. S. 431.</ref>

Diplomatische Mission in Rom

Graf Hermann von Neuenahr amtierte nach dem Tod des Johann Erwini († 1518, nach dem 10. März) aus Ratingen bis zur Bestallung von Martin von Oed am 9. Februar 1519 als Kölner Generalvikar.<ref>Notiz vom 1. Februar 1519; vgl. Arnold Güttsches: Die Kölner Generalvikare von 1390 bis 1600. Biographische Notizen. In: Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins 14 (1932), S. 30–53, bes. S. 45.</ref> Nach dem Tod des Kaisers Maximilian I. am 12. Januar 1519 führte ihn eine diplomatische Mission im Frühjahr zur Kurie nach Rom.<ref name="Rhenanus">Vgl. Brief des Beatus Rhenanus an Ulrich Zwingli vom 4. April 1519 aus Basel; Adalbert Horawitz, Karl Hartfelder (Bearb.): Briefwechsel des Beatus Rhenanus. B. G. Teubner, Leipzig 1886, Nr. 103, S. 150 (Digitalisat im Internet Archive).</ref><ref name="Tewes" /> Im April 1519 berichtete er Beatus Rhenanus, den er auf der Reise nach Rom in Basel antraf, von den drei päpstlichen Legaten in Mainz – dem Kardinalpriester von San Sisto (S. Xysti) Thomas Cajetan, dem Nuntius und Erzbischof von Reggio Calabria Roberto Latino Orsini († 1520) und dem Nuntius und apostolischen Protonotar Marino Ascanio Caracciolo (1468–1538) –, die „mit Händen und Füssen (pedibus ac manibus)“ gegen Erzherzog Karl intrigieren würden, um seine Königswahl zu verhindern.<ref name="Rhenanus" /><ref>Vgl. Adalbert Horawitz: Beatus Rhenanus. Eine Biographie. Gerold, Wien 1872, S. 59.</ref>

Wahl Karls V. zum römisch-deutschen König in Frankfurt am Main

Anschließend war Herrmann von Neuenahr im Gefolge des Kölner Erzbischofs Hermann von Wied (1477–1552, reg. 1515–1547) bei der Königswahl in Frankfurt am Main. Er rief die Kurfürsten zur Wahl Karls V. (1500–1558) zum römisch-deutschen König auf, die am 28. Juni 1519 stattfand, und forderte von Karl die Verurteilung und Absetzung Hoogstratens. „Es gibt, glaube mir, eine singuläre Pest in Deutschland: Jakob Hoogstraten“.<ref>„Vnica, crede mihi, pestis est in Germania IACOBVS HOSTRATVS“; Vivat Rex Carolus. Orationes treis, o. O. [Cervicornus, Köln] 1519, unpaginiert [digitalisiert: Bild 36] (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München).</ref> Hermann von Neuenahr und Jakob Sobius veröffentlichten ihre in Frankfurt gehaltenen „Drei Reden“ unter dem Titel „Vivat Rex Carolus. Orationes treis“. Der Humanist Bernhard Adelmann von Adelmannsfelden († 1523) hielt den Grafen von Neuenahr zu dieser Zeit für einen Anhänger Martin Luthers.<ref>Brief an Willibald Pirkheimer vom 4. Dezember 1519 aus Augsburg. In: Johann Heumann von Teutschenbrunn (Hrsg.): Documenta literaria. Altdorf 1758, Nr. XXIV, S. 178f, bes. S. 179 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München).</ref> Johannes Caesarius widmete Hermann von Neuenahr am 17. März 1520 seine Dialectica.<ref>Johannes Caesarius: Epistola … ad Generosum & Illustrem dominum, dominum Hermannum Comitem Nuenarium. Apologia eiusdem in mali consulentes. Dialectica eiusdem in decem tractatus digesta. Eucharius Cervicornus, o. O [Köln 1520] (Digitalisat der Österreichischen Nationalbibliothek Wien mit handschriftlichem Besitzvermerk von 30. Oktober 1520, Köln).</ref><ref>Vgl. Carl Adolf Cornelius: Die Münsterischen Humanisten und ihr Verhältniß zur Reformation. Theissing, Münster 1851, S. 71–76 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München).</ref>

Kurfürstentag in Köln zur Königskrönung Karls V.

Datei:Kroenung Karl V 1520.jpg
Krönung Karls V. im Aachener Dom; Holzschnitt von Willem Vorsterman, 1520. Bei dem Geistlichen neben den drei Erzbischöfen handelt es sich um eine Darstellung des assistierenden Hermann von Neuenahr

Hermann und sein Bruder Wilhelm II. von Neuenahr nahmen an der Königskrönung Karls V. am 23. Oktober 1520 in Aachen teil.<ref>Vgl. Hartmannus Maurus: Coronatio Caroli V. Caesaris Avg. apud Aquisgranum. In: Onofrio Panvinio, Michael Beuther (Hrsg.): Inavgvratio, coronatio, electioqve aliqvot Imperatorum. Johannes Aubrius, Hannover 1613, S. 65–102, bes. S. 89f (Google-Books).</ref> Hermann von Neuenahr hielt während des Krönungsgottesdienstes das Zeremoniale für den Konsekrator Erzbischof Hermann V. von Wied.<ref>Vgl. Hartmannus Maurus, Georg Sabinus: Coronatio Caroli •V• Caesaris Avg. apvd Aqvisgranvm. Henricus Mameranus, Köln 1550, unpaginiert (Google-Books); deutsche Übersetzung in: Johann Christoph Erich Springer: Die Wahlkapitulationen der römischen Kaiser und Teutschen Könige, Bd. II. Hartknoch, Riga / Leipzig 1776, S. 44 (Google-Books).</ref><ref>Vgl. Rainer Sommer: Hermann von Wied: Erzbischof und Kurfürst von Köln, Teil I. 1477-1539. (Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte 142). Rheinland-Verlag, Köln 2000, S. 106f, vgl. S. 215f, 475 und 478.</ref>

Im Oktober/November 1520 suchten Erasmus und Georg Spalatin (1484–1545) nach einem vorangegangenen Gespräch mit Friedrich dem Weisen (1463–1525),<ref>Vgl. dazu auch Martin Luther: WA.TR 1, S. 55 (Nr. 131).</ref> der zur Königskrönung nach Köln angereist war, gemeinsam Hermann von Neuenahr in seinem Stadthaus in der Brückenstraße auf.<ref>Vgl. Ludwig Ennen: Die Alterthumsstudien in Köln. in: Monatsschrift für rheinisch-westfälische Geschichtsforschung und Alterthumskunde 3 (1877), S. 384–413, bes. S. 388 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Münster).</ref> Erasmus wohnte bei Neuenahr und fasste dort unmittelbar nach dem Gespräch mit Friedrich seine zweiundzwanzig „Axiomata Erasmi pro causa Martini Lutheri Theologi“ in Reaktion auf die Bannandrohungsbulle Exsurge Domine Leos X. schriftlich zusammen.<ref>Die Drucklegung der in Leipzig o. J. nach einer Kopie Spalatins erschienenen Schrift wird meist 1521 vermutet; vgl. auch Desiderii Erasmi Roterodami Axiomata Pro Lvthero, Oecolampadii Ivdicium de doctore Martino Luthero, Qvidam Aphorismi Lutheri rem continentes, præclaris apophtegmatis, insertis, Item Responsvm Illvstrissimi Principis Friderici ducis Saxoniæ datum Legatis Romani Pontificis, apud Coloniam Agrippinam, o. O. [Sélestat: Lazarus Schürer], 1521.</ref> Vermutlich hat Hermann von Neuenahr in diesen Wochen, als der Hof Karls V. zum Kurfürstentag in Köln Station machte, auch andere Besucher Kölns wie Franz von Sickingen (1481–1523) oder Kardinal Matthäus Schiner (um 1465–1522) getroffen. Wenige Tage später, am 12. November 1520, wurden Luthers Schriften von Nuntius Kardinal Hieronymus Aleander (1480–1542) öffentlich auf dem Domhof verbrannt.

Datei:Luther-in-Worms-auf-Rt.jpg
Reichstag zu Worms 1521, kolorierter Holzschnitt 1556

1521 nahmen Hermann und sein Bruder Wilhelm II. von Neuenahr am Wormser Reichstag teil,<ref>Vgl. Theodor Schacht: Der Reichstag zu Worms. C. G. Kunze, Worms 1829, S. 41.</ref> in dessen Rahmen am 17./18. April Martin Luther angehört wurde. Die im Umfeld des Reichstages auftretende Forderung vieler Reichsstände nach einem allgemeinen Konzil<ref>Vgl. Christopher Spehr: Luther und das Konzil. Zur Entwicklung eines zentralen Themas in der Reformationszeit. (Beiträge zur historischen Theologie 153). Mohr Siebeck, Tübingen 2010, bes. S. 276–281.</ref> wurde von Graf Hermann von Neuenahr literarisch unterstützt.

Unterstützung der Konzilsforderung

Jakob Sobius veröffentlichte um 1522 in Zusammenarbeit mit Graf Hermann<ref name="Ritter" /><ref name="Silvio">Vgl. Jan-Hendryk de Boer: Unerwartete Absichten – Genealogie des Reuchlinkonflikts. (Spätmittelalter, Humanismus, Reformation 94). Mohr Siebeck, Tübingen 2016, S. 218.</ref> Commentariorum Aeneae Sylvii Piccolominei Senensis, de Concilio Basileae celebrato libri duo (= Zwei Bücher mit den Kommentaren von Enea Silvio Piccolomini aus Siena über das in Basel abgehaltene Konzil),<ref>Commentariorum Aeneae Sylvii Piccolominei Senensis, de Concilio Basileae celebrato libri duo. Cratander, Köln o. J. [um 1522], S. 1–67; erster Druck Basel 1515.</ref><ref name="Ritter" /> eine Quellensammlung zum Konzil von Basel.<ref>Ausführliche Beschreibung bei Siegmund Jakob Baumgarten: Nachrichten von einer hallischen Bibliothek, Bd. II. Gebauer, Halle 1748, S. 492–502 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München).</ref> Die Veröffentlichung zielte auf eine aktuelle Reformbedürftigkeit der Kirche und – so das Titelblatt – auf die Einberufung eines neuen Konzils. Ihr liegt eine Handschrift zugrunde,<ref name="Benno">Die Vorlage war ein dem Codex Hanoveranus Nr. 110, 16. Jahrhundert, verwandter Text; vgl. Kuno Franke: Benonis aliorumque cardinalium schismaticorum contra Gregorium VII. et Urbanum II. scripta. In: Monumenta Germaniae historica. Libelli de lite imperatorum et pontificum saeculis XI. et XII. conscripti, Bd. II. Hahn, Hannover 1892, S. 366–422, bes. S. 367.</ref> die sich im Besitz von Graf Hermann von Neuenahr befand. Georg Sturtz (1490–1548)<ref group="A">Aus Buchholz bei Annaberg, Humanist und Mäzen, 1523 Professor der Medizin und Rektor der Universität Erfurt, später Stadtarzt in St. Joachimsthal.</ref> berichtete Joachim Camerarius im April 1521 aus Köln, dass Graf Hermann das Manuskript Sobius übergeben hatte, der ein Vorwort zur Veröffentlichung verfasste.<ref name="Opercus">Vgl. Brief von Sturciades Opercus (= Georg Sturtz) an Joachim Camerarius vom 8. April 1521 aus Köln. In: Joachim Camerarius: Libellus novus, epistolas et alia quaedam monumenta doctorum superioris et huius aetatis complectens. Rhamba, Leipzig 1568 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München), (Google-Books).</ref><ref>Vgl. David Clément: Bibliothèque curieuse historique et critique, Bd. VIII. Johann Friedrich Gleditsch, Leipzig 1759, S. 241 (Digitalisat im Internet Archive) nach einer Randnotiz des Hannoveraner Rektors Johann Ludolph Bünemann (1687–1759).</ref> Das Werk enthält neben Texten von Enea Silvio (dem späteren Papst Pius II.) auch die Schriften:

  • Giuliano Cesarini: Exemplum literarum quas Iulianus Cardinalis … scripsit ad Eugenium Pont. Romanu[m], conantem dissolvere Basiliense Concilium (Beispiel eines der Briefe, die Kardinal Giuliano (Cesarini) … an den römischen Pontifex Eugen schrieb, als er versuchte, das Baseler Konzil aufzulösen) und Exemplum alterius epistulae eiusdem (= Ein anderes Beispiel eines seiner Briefe); Briefe vom Februar und 5. Juni 1432 aus Basel<ref>Commentariorum Aeneae Sylvii Piccolominei … libri duo, S. 71–88.</ref>
  • Benno († 1100):<ref group="A">1058 von Papst Stephan IX. zum Kardinal ernannt, Gegner Papst Gregors VII.</ref> Vita et gesta Hildebrandi, qui Romanus Pontifex factus, Gregorius septimus dictus est (= Leben und Taten Hildebrands, der Gregor VII. genannt wurde, als er römischer Pontifex geworden war, vor 1086),<ref>Commentariorum Aeneae Sylvii Piccolominei … libri duo, S. 89–100; es handelt sich um die Editio princeps; vgl. Joseph Schnitzer: Die gesta Romanae ecclesiae des Kardinals Beno. (Historische Abhandlungen aus dem Münchener Seminar 2). C. C. Buchner, Bamberg 1892, S. 74.</ref><ref name="Benno" />
  • (Name des Verfassers nicht genannt): Vita Henrici quarti Caesaris Augusti (= Leben des Kaisers Heinrich IV., Anfang des 12. Jahrhunderts),<ref>Commentariorum Aeneae Sylvii Piccolominei … libri duo, S. 101–116; erster Druck Augsburg 1518; vgl. Heinrich Vildhaut: Handbuch der Quellenkunde zur deutschen Geschichte. 2. Aufl. A. Stein, Werl 1906, S. 292f.</ref>
  • Epistolae aliquot Henrici quarti Caesaris Augusti, ad Pontificem Romanum, et alios principes (= Einige Briefe Kaiser Heinrichs IV. an den römischen Pontifex und andere Fürsten, 12./13. Jahrhundert),<ref>Commentariorum Aeneae Sylvii Piccolominei … libri duo, S. 116–125.</ref>
  • (Name des Verfasser nicht genannt, als Autor vermutet wird) Lukáš Pražský (* um 1460; † 1528):<ref>Vgl. Joseph Theodor Müller: Geschichte der Böhmischen Brüder, Bd. I. Missionsbuchhandlung, Herrnhut 1922, S. 323f und 524–526.</ref> Oratio excusatoria atque satisfactiva fratrum regi Vladislao ad Ungariam missa (= Verteidigungs- und Rechtfertigungsrede der ‚(Böhmischen) Brüder‘, die an König Vladislav nach Ungarn geschickt worden ist, 1503),<ref>Commentariorum Aeneae Sylvii Piccolominei … libri duo, S. 125–133; erster tschechischer Druck 1503, lateinisch Leipzig 1512.</ref>
  • (Name der Verfasser nicht genannt, als Autorin vermutet wird) Martha von Boskowitz (* um 1463; † 1510):<ref group="A">Tschechisch Marta z Boskovic, von ihren Gegnern als Angehörige der Pikarden bezeichnet, Tochter von Wenzel (Václav; auch: Vaněk) von Bozkowic († 1482) und Kunigunde (Kunka) von Krawář († 1510; ⚭ II. Václav Popel zu Lobkowicz († 1532)).</ref><ref name="Horky">Vgl. Josef Edmund Horký: Prothasius, Bischof zu Olmütz und seine Neffen (Forts.). In: Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst 10, Nr. 125 (1819), S. 497–500, bes. S. 499 (Google-Books).</ref> Confessio fratrum, regi Vladislao ad Ungariam missa (= Bekenntnis der ‚Brüder‘, das an König Vladislav nach Ungarn geschickt worden ist, 1507),<ref>Commentariorum Aeneae Sylvii Piccolominei … libri duo, S. 133–160; vgl. Joseph Theodor Müller: Geschichte der Böhmischen Brüder, Bd. I. Missionsbuchhandlung, Herrnhut 1922, S. 530.</ref>
  • (Name der Verfasserin nicht genannt) Martha von Boskowitz:<ref name="Horky" /> Excusatio fratrum Waldensium contra binas literas Doctoris Augustini datas ad Regem (= Verteidigung der waldensischen Brüder gegen die beiden von Doktor Augustin (Käsebrod)<ref group="A">Augustin Käsebrod (1467–1513), Propst von Olmütz, Sekretär König Vladislavs II., befreundet mit Conrad Celtis und Johannes Cuspinian.</ref> verfassten Briefe an den König, 1508);<ref>Commentariorum Aeneae Sylvii Piccolominei … libri duo, S. 138–160; erster tschechischer Druck Litomyšl (Leitomischl) 1508.</ref> der Humanist Bohuslaus Lobkowicz von Hassenstein, der weitläufig mit der Autorin versippt war, hatte dieses Schreiben einer Frau an den König mit Verweis auf 1. Kor 14,33f EU scharf kritisiert,<ref>Brief an Johannes von Bibra (Pibra) vom 8. April [1508]. In: Thomas Mitis (Hrsg.): Viri Incomparabilis, ac D. D. Bohvslai Hassensteynii Lvcvbrationes Oratoriae. Johann Caper, Prag 1563, Bl. 135f (Google-Books); vgl. Joseph Theodor Müller: Geschichte der Böhmischen Brüder, Bd. I. Missionsbuchhandlung, Herrnhut 1922, S. 342–344 und 530 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau).</ref>
  • William Woodford (Wideford), OFM (* um 1330; † um 1397): Articuli Johannis Wiclephi Angli impugnati (= Verworfene Artikel des Engländers John Wyclif, 1396),<ref>Commentariorum Aeneae Sylvii Piccolominei … libri duo, S. 161–260.</ref>
  • Articuli Io. Wiclephi Angli, damnati per Concilium Constantiense (= Artikel des Engländers Jo. Wyclif, die vom Konstanzer Konzil verurteilt wurden),<ref>Commentariorum Aeneae Sylvii Piccolominei … libri duo, S. 261–278.</ref>
  • Konzil von Konstanz, Martin V.: Rationes et motiva, ac reprobationes articulorum Wiclephi, et sequacis sui, Ioannis Huss, in Concilio Constantiensi damnatorum (= Erklärungen, Beweggründe und Verwerfungen der vom Konstanzer Konzil verurteilten Artikel Wyclifs und seines Mitläufers Jan Hus, 1415),<ref>Commentariorum Aeneae Sylvii Piccolominei … libri duo, S. 279–297; die 45 verurteilten Artikel John Wyclifs sind hier geringfügig umgeordnet, einer ist weggelassen. Die 30 in Konstanz verurteilten Sätze von Hus sind nicht aufgeführt.</ref>
  • Enea Silvio Piccolomini = Pius II.: Quonam pacto doctrina Johannis Wiclephi in Bohemiam venerit, et de Ioanne Hus, ac Hieronymo Pragens, ex Historia Bohemica (= Wie die Lehre John Wyclifs nach Böhmen gelangen konnte, und über Jan Hus und Hieronymus von Prag; aus der ‚Böhmischen Geschichte‘, 1458),<ref>Commentariorum Aeneae Sylvii Piccolominei … libri duo, S. 298–302; erster Druck der Historia Bohemica: Rom 1475.</ref>
    Datei:Konstanzer Richental Chronik Hieronymus von Prag wird zum Scheiterhaufen geführt 59v.jpg
    Hinrichtung des Hieronimus von Prag; Chronik des Ulrich von Richental, Handschrift um 1465
  • Poggio Bracciolini: Poggius Leonardo Arretino (= Poggio (Bracciolini) an Leonardo (Bruni) aus Arezzo); Brief vom 30. Mai 1416 aus Konstanz über den Ketzerprozess gegen Hieronymus von Prag und seine Verbrennung an diesem Tag<ref>Commentariorum Aeneae Sylvii Piccolominei … libri duo, S. 302–305. Deutsche Übersetzung in: Helvetischer Revolutionsalmanach (1800), S. 21–33 (Google-Books).</ref>
  • Leonardo Bruni: Adversum hypocritas libellus (= Kleines Buch gegen die Heuchler, 1417),<ref>Commentariorum Aeneae Sylvii Piccolominei … libri duo, S. 306–312.</ref>
  • Synodus Aribonis archiepiscopi Moguntini cum coepiscopis et abbatibus suis, anno Domini M. XXIII. apud Saligunstat celebrata (= Provinzialkonzil des Erzbischofs Aribo von Mainz mit seinen Mitbischöfen und Äbten, im Jahre des Herrn 1023 bei Seligenstadt abgehalten)<ref>Commentariorum Aeneae Sylvii Piccolominei … libri duo, S. 313f; zur Synode von Seligenstadt vgl. den Artikel → Hammersteiner Ehe.</ref>
  • (Name des Verfassers nicht genannt): Quomodo Bohemi vocati productique sint ad Basiliensem synodum Oecumenicam (= Wie die Hussiten (Böhmen) zum Ökumenischen Konzil von Basel gerufen<ref group="A">Es war strittig, ob es sich bei dem im Oktober 1431 ergangenen „Ruf“ um eine „Vorladung“ oder um eine „Einladung“ handeln sollte. Die Delegation aus Böhmen kam im Januar 1433 zu Friedensverhandlungen nach Basel.</ref> und aufgenommen wurden, nach 1436);<ref>Commentariorum Aeneae Sylvii Piccolominei … libri duo, S. 315–329.</ref> die Chronik schildert die Ereignisse vom Sommer 1431 bis zum Sommer 1436,
  • Petitiones Bohemorum postremo propositae in Sacrosancta Synodo Basiliensi (= Zuletzt aufgestellte Forderungen der Utraquisten (Böhmen) an die Heilige Baseler Synode, 1437),<ref>Commentariorum Aeneae Sylvii Piccolominei … libri duo, S. 329–334 (hier „M. CCCC. XXXVIII.“ statt „1437“).</ref> überreicht von Jan z Příbrami, Prokop z Plzně, Matěj Louda z Chlumčan u. a.<ref>Vgl. František Palacký: Geschichte von Böhmen, Bd. III/3 Böhmen und das Baseler Konzil. Kronberger, Prag 1854, S. 273f (Google-Books).</ref>
  • Gerhard von Elten, OP († 1484),<ref group="A">Professor der Kölner Universität, Kanoniker an St. Andreas und an St. Maria ad Gradus, Inquisitor.</ref> Jakob Sprenger, OP: Paradoxa D. Ioannis de Wesalia Sacrum literarum doctoris (= Irrlehren des Hrn. Johann von Wesel, Doktors der Heiligen Schriften, 1479)<ref>Commentariorum Aeneae Sylvii Piccolominei … libri duo, S. 335f.</ref> und
  • Examen magistrale et theologicale doctoris Ioannis de Wesalia (= Lehrmäßige und theologische Untersuchung gegen den Doktor Johann von Wesel, um 1480).<ref>Commentariorum Aeneae Sylvii Piccolominei … libri duo, S. 337–344.</ref>

Es handelt sich bei der Zusammenstellung weniger um ein Kompendium mit kirchengeschichtlichem Interesse, als um eine kirchenpolitische Denkschrift. Papstkritische, prokonziliare Texte nehmen breiten Raum ein, und auch die Positionen von „Häretikern“ werden in ihren eigenen schriftlichen Äußerungen ausführlich vorgestellt. Deren aufgenommene Texte reichen z. T. bis in die jüngste Zeit (1508) hinein.

Das Buch wurde von Papst Paul IV. unter der Bezeichnung Aeneae Syluij de actis & gestis Concilij Basileen[sis] auf den Index Librorum Prohibitorum gesetzt.<ref name="Index">Index avctorvm, et libroru[m]. Antonius Bladus, Rom 1558, Abschnitte „A“ und „F“ (Google-Books).</ref><ref>Vgl. Franz Heinrich Reusch: Der Index der verbotenen Bücher, Bd. I. Max Cohen, Bonn 1883, S. 40f Anm. 4 (Digitalisat im Internet Archive).</ref> 1535 wurde in Köln eine erweiterte Neuauflage des Werkes unter dem Namen und mit einem Vorwort von Ortwin Gratius († 1541) herausgegeben,<ref>Fasciculus rerum expetendarum ac fugiendarum. In quo primu[m] continetur Concilium Basiliense. Quentel, Köln 1535 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München); Nachdruck hrsg. von Edward Brown. Richard Chriswell, London 1690.</ref> die als Fasciculus rerum expetendarum et fugiendarum (= Dokumentensammlung von wünschenwerten und zu meidenden Angelegenheiten) gleichzeitig mit der Erstauflage ebenfalls auf den Index gesetzt wurde.<ref name="Index" /> Gratius’ Herausgeberschaft wurde von einigen Forschern angezweifelt, jedoch teilte er die Forderung nach einem allgemeinen Konzil, und es wurden die Drucktypen seines Kölner Druckers Quentel verwendet.<ref>Vgl. Leonard Ennen: Geschichte der Stadt Köln. Meist aus den Quellen des Kölner Stadt-Archivs, Bd. IV. L. Schwann, Köln / Neuss 1875, S. 90f; Dietrich Reichlin: Ortwin Gratius. Sein Leben und Wirken. Delion, Heiligenstadt 1884, bes. S. 76–82 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau), u. a.; vgl. auch Gratius’ Selbstvorstellung im Nachwort, ab Bl. ccxxxix.</ref>

Historische Schriften und Inschriften

Datei:Marcus Caesius Mutilus.jpg
Grabstein des Veteranen Marcus Caesius Mutilus, 2. Jahrhundert n. Chr.

Nach Hermanns Tod wurde sein „De Galliae Belgicae Commentariolus“ (= Kleiner Kommentar zum belgischen Gallien) erstmals 1584 von Christoffel Plantijn (um 1520–1589) aus dem Nachlass von Peter van Dieven (1536–1581) veröffentlicht. Das Buch ist Willibald Pirckheimer (1470–1530) gewidmet und daher nicht, wie gelegentlich vermutet wurde, ein Werk von Hermann von Neuenahr und Moers dem Jüngeren (1520–1578). Graf Hermann berichtet darin von den in Asberg (Asciburgium) bei Moers gefundenen Altertümern:<ref name="Dieven">Hermann Nvenarus: De Galliae Belgicae Commentariolvs, nunc primum in lucem editvs. In: Peter van Dieven: Petri Divaei Louanensis De Galliae Belgicae Antiqvitatibvs. 2. Aufl. Christoffel Plantijn, Antwerpen 1584, S. 15f (Google-Books).</ref>

„Asciburgium … ist nämlich ein Dorf, auf dessen Boden auch jetzt noch verschiedene Anzeichen alter Zeit gefunden werden. Dieser Platz wird noch immer von den Einheimischen Asburg genannt, ein wichtiger Beweis der Wahrheit. Ich habe einige Münzen (nomismata) kurz nach der Auffindung in diesem Feld gesehen, und einen Siegelring (annularis gemma) erstaunlichen Alters, der die Zeichnung eines Pferdes trägt. Die Bauern nennen jene Flur Burgfeld (ager … burgensis), deshalb, weil immer die Sage ging, dort sei eine Burg (burgus) gewesen, deren Trümmer (rudera) in jenem ganzen Gebiet zu sehen sind.“<ref>Vgl. zur Übersetzung Tilmann Bechert: Die Römer in Asciburgium. (Duisburger Forschungen 36). Braun, Duisburg 1989, S. 20.</ref>

Hermann erwähnt, dass er zur Identifizierung von Asciburgum ein Itinerarium Theodosianum<ref>Vgl. Patrick Gautier-Dalché: La trasmissione medievale e rinascimentale della ‚Tabula Peutingeriana‘. In: Francesco Prontera (Hrsg.): Tabula Peutingeriana. Le Antiche Vie Del Mondo. Leo S. Olschki, Florenz 2003, S. 43–52, u. a.</ref> in der Speyrer Dombibliothek sowie die – noch unveröffentlichte – Tabula Peutingeriana bei Konrad Peutinger in Augsburg eingesehen hatte.<ref name="Dieven"/> Er berichtet, dass kürzlich (nuper) seinem Bruder Wilhelm II. durch Verheiratung die Herrschaft in der Grafschaft Moers zugekommen ist, so dass dieser Text 1518/20 verfasst und Hermanns Aufenthalt von 1518 in Augsburg gemeint sein dürfte.

Hermann von Neuenahr fand bei Asberg den Grabstein des römischen Veteranen der Legio XXX Ulpia Victrix Marcus Caesius Mutilus<ref group="A">D(is) M(anibus) s(acrum) / M(arco) Caesio L(uci) f(ilio) / Mvtilo / veter(ano) leg(ionis) XXX / V(lpiae) V(ictricis) / M(arcus) T(itus) Caesii M(arci) f(ilii) / Kaesones haered(es) / ex testamento fec(erunt) / adiect(is) HS(estertiis) IX⚭(milibus) (= Den göttlichen Seelen geweiht. Für Marcus Caesius Mutilus, Sohn des Lucius, Veteran der XXX. Legion, mit den Beinamen ‚die Ulpische, die siegreiche‘, haben Marcus und Titus Caesius Kaeso, die Söhne des Marcus, als Erben dem Testament gemäß dieses Grabmal errichtet, unter Verwendung von 9000 Sesterzen).</ref><ref>Vgl. Alfred von Domaszewski (Bearb.): Inscriptiones trium Galliarum et Germaniarum Latinae, Bd. 2 Miliarum Galliarum et Germaniarum, Teil 2 Inscriptiones Germaniae Inferioris. (Corpus Inscriptionum Latinarum XIII/2/2). Berlin 1907, Nr. 8591, S. 600 (Digitalisat der Universität zu Köln); (Digitalisat der Heidelberger Akademie der Wissenschaften); Trismegistos Nr. 415604.</ref><ref name="Asciburgum">Vgl. Abbildungen nach Mitteilung von Stephanus Winandus Pighius (1520–1604) bei Johannes Baptista Fonteius: De prisca Caesiorum gente commentariorum, Bd. I. Johannes Rossius, Bologna 1582, S. 136f: apud Arciburgium in Belgio inuenta (= bei Arxburg in Belgien gefundene) à Comite Nuuenario (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München) und bei Jan Gruter: Inscriptiones antiquae totius orbis Romani, Bd. II. Francois Halma, Amsterdam 1707, Pl. DXXXV, Abb. 1: Asciburgum inventum (= in Asberg gefunden) a Comite Nuenario (Google-Books).</ref> und soll ihn in einer – verschollenen – Monographie De Asciburgo veröffentlicht haben.<ref name="Fiedler" /> Das Original des Grabsteins ist nicht mehr erhalten.

Datei:Einhard 1521.jpg
Titelgraphik von Anton Woensam zur Erstausgabe der „Vita et Gesta Karoli Magni“, 1521

1521 veranstaltete Hermann von Neuenahr die editio princeps der „Vita Karoli Magni“ (= Leben Karls des Großen) des fränkischen Gelehrten Einhard (um 770–840). Er legte dabei mindestens drei mittelalterliche Handschriften zugrunde, darunter einen Codex des Wibald von Stablo (1098–1158) aus dem Kloster Steinfeld.<ref>Vgl. Matthias Martin Tischler: Einharts ‚Vita Karoli‘. Studien zur Entstehung, Überlieferung und Rezeption, Bd. II, Hannover: Hahnsche Buchhandlung 2001, S. 1670.</ref> Zusammen mit dieser Edition veröffentlichte Hermann von Neuenahr eine „Brevis narratio de origine et sedibus priscorum Francorum“ (= Kurzer Abriss vom Ursprung und den Wohnsitzen der alten Franken). Darin wandte er sich gegen die Theorie von der trojanischen Abkunft der Franken und äußerte sich skeptisch über den (erfundenen) Gewährsmann „Hunibald“ des Abtes Johannes Trithemius.<ref>Übersetzung der einschlägigen Textpassage bei Joseph Görres: Hunibalds Chronik. In: Deutsches Museum 3 (1813), S. 319–349, 503–516; 4 (1813), S. 321–349 und 357-375, bes. S. 361f (Google-Books); Görres hielt die Chronik für echt.</ref>

Aus der Bibliotheca Corbene[n]si (Klosterbibliothek der Reichsabtei Corvey oder der Abtei Corbie) brachte Hermann von Neuenahr das Werk Dialogi lectu dignissimi (= Sehr lesenswerte Gespräche) des Petrus Alfonsi († etwa um 1140) persönlich nach Köln,<ref name="Gymnich" /> in dem sich der Leibarzt von König Alfons I. von Aragón mit seiner eigenen Konversion vom Judentum zum Christentum auseinandersetzte; es befand sich später in der Klosterbibliothek von St. Pantaleon.<ref>Vgl. Karl Schottenloher: Widmungsvorreden deutscher Drucker und Verleger des 16. Jahrhunderts. In: Gutenberg Jahrbuch (1942/43), S. 141–176, bes. S. 162.</ref> Vielleicht wegen der kritischen Haltung zum Talmud wurde es nicht von Graf Hermann selbst, sondern erst 1536 von Johann Gymnich I. – mit einer Widmung an Hermann von Neuenahr d. J. – veröffentlicht.<ref name="Gymnich">Petrus Alphonsus: Dialogi lectu dignissimi. Johann Gymnicus, Köln 1536 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München); siehe bes. den Widmungsbrief (unpaginiert).</ref>

Am Haus des Dompropstes an der Kreuzung Unter Fettenhennen / Am Hof an der Stelle des heutigen Wallrafplatz ließ Hermann von Neuenahr eine althochdeutsche (altmittelfränkische) Bauinschrift aus dem 9. Jahrhundert n. Chr. anbringen, die er wahrscheinlich 1526 beim Abbruch der von Erzbischof Gunthar von Köln erbauten Domschule von dort überführen ließ. Die – nicht mehr erhaltene – Inschrift ist als „Inscriptio … Wandalica (= Wendische Inschrift)“<ref>Vgl. zur neulateinischen Begrifflichkeit den Wikipedia-Artikel Vandalen#Gleichsetzung der Begriffe Vandalen und Wenden.</ref> auf der Kölner Stadtansicht von 1570 von Arnold Mercator<ref>Arachne-Browser, Nr. 3305743 (Digitalisat des Archäologischen Instituts der Universität zu Köln).</ref> und bei Stephan Broelmann<ref>Vgl. Stephan Broelmann: Epideigma, Sive Specimen Historiae Vet. Omnis Et Purae, Florentis Atq[ue] Amplae Civitatis Ubiorum, Et Eorum ad Rhenum Aggripensis Oppidi, quod post Colonia. Claudia. Aug. Agrippinensis. Gerhard Grevenbroich, Köln 1608, Tabella III, Nr. 15 (Digitalisat (Scan 49) der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen).</ref> abgebildet. Der Text der sogenannten Kölner Inschrift,<ref>Rolf Bergmann: Althochdeutsche und altsächsische Literatur. De Gruyter, Berlin 2013, S. 231–232

(Google-Books).</ref> die ein frühes Beispiel für die Verwendung des Endreims im Deutschen darstellt, lautete rekonstruiert: Vorlage:Inschrift Im Giebel der Dompropstei war ein – ebenfalls nur als Abzeichnung bei Mercator<ref>Arachne-Browser, Nr. 94084 (Digitalisat des Archäologischen Instituts der Universität zu Köln).</ref> und Broelmann<ref>Vgl. Stephan Broelmann: Epideigma, Sive Specimen Historiae Vet. Omnis Et Purae, Florentis Atq[ue] Amplae Civitatis Ubiorum, Et Eorum ad Rhenum Aggripensis Oppidi, quod post Colonia. Claudia. Aug. Agrippinensis. Gerhard Grevenbroich, Köln 1608, Tabella I, Nr. 40 (Digitalisat (Scan 39) der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen).</ref> überliefertes – römisches Totenmahlrelief eingemauert.<ref>Vgl. Johannes Krudewig, Joseph Klinkenberg: Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln, Bd. I/1–2. L. Schwann, Düsseldorf 1906, S. 278.</ref>

Dompropst und Kölner Universitätskanzler

Am 19. Januar 1524 wurde Hermann von Neuenahr als Nachfolger von Bernhard von Sachsen-Lauenburg († 1523) zum Dompropst des Kölner Domkapitels gewählt,<ref>Vgl. Erneuerung des Adelsnachweises 1524: Niederländisches Nationalarchiv Den Haag (Collectie 2.21.106 Van Limburg Stirum, LK38).</ref> womit das Amt des Kanzlers der Kölner Universität verbunden war (die Geschäfte, insbesondere das Promotionsrecht, übte der Vicekanzler aus). Bischof Paul Ziegler von Ziegelberg (1471–1541) von Chur und sein Bruder, der Reichsvizekanzler Nikolaus Ziegler († 1534),<ref>Aus Nördlingen, Herr zu Barr und Landvogt in Schwaben, verheiratet mit Beelchin (Sibylla) Vossjäger adoptierte Greverode (Grefrath) aus Köln.</ref> deren Familie die Pfründe von Papst Julius II. versprochen worden war, opponierten vergeblich gegen die Wahl.<ref>Vgl. Paul Kalkoff: Aleander gegen Luther. Rudolf Haupt, Leipzig / New York 1908, S. 32f (Google-Books; eingeschränkte Vorschau).</ref> Hermann von Neuenahr ernannte Johannes Gropper (1503–1559) zu seinem Offizial.

1524 besuchte Hermann von Neuenahr Willibald Pirckheimer anlässlich des Reichstages in Nürnberg<ref name="Tewes">Vgl. Götz-Rüdiger Tewes: Neuenahr (Nuenarius, de Nova Aquila), Hermann Graf von, d. Ä. In: Franz Josef Worstbrock (Hrsg.): Deutscher Humanismus 1480–1520. Verfasserlexikon, Bd. II/2 (Mu–Rh). Walter de Gruyter, Berlin, New York 2011, Sp. 408–418.</ref> bzw. auf der Weiterreise zu einem Konvent der bayerischen Herzöge und zwölf süddeutscher Bischöfe in Regensburg, an dem Hermann von Neuenahr Ende Juni 1524 teilnahm.<ref name="Pirckheimer" /> Er schrieb an Pirckheimer kurz vor seiner Abreise aus Nürnberg oder Regensburg über den spätlateinischen Grammatiker Solinus, die Ansichten über den Ursprung der Goten in einem Kodex des Bischofs und karolingischen Historikers Frechulf, einen Brief des Westgoten-Königs Rekkared I., das Herrschaftsgebiet von König Sisebut, den antiken Pharmakologen Pedanios Dioskurides und erbat von ihm ein – nicht erhaltenes – Positionspapier (propositi articuli) des Landgrafen Philipp I. von Hessen für den Reichstag. Pirckheimer, der Neuenahr bereits 1520 seine lateinische Übersetzung der Δραπέται (= Die Entlaufenen) des Lukian von Samosata verehrt hatte,<ref>Willibald Pirckheimer: Luciani Fugitivi. Anshelm, Hagenau 1520 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München).</ref> widmete ihm 1528 eine lateinische Übersetzung von zwei Reden des Gregor von Nazianz gegen Kaiser Julian, die Graf Hermann bei seinem Besuch im Manuskript eingesehen hatte.<ref name="Pirckheimer">Willibald Pirckheimer: Beati Gregorii Nazanzeni theologi oratio[n]es duae, Iulianum Caesarem infamia notantes. Nürnberg 1528 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München).</ref>

Der Zisterzienser Gottschalk Moncordius,<ref>Moncordius' Werke wurden von Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim bei dem Nürnberger Buchdrucker Johannes N. herausgegeben, vgl. Cornelius Agrippa: Epistolarum libri 7. o. O. o. J. Ep. XXXVII (1533), S. 381f (Digitalisat der Österreichischen Nationalbibliothek) = Opera, Bd. II. „Bering“ [= Zetzner], „Lugdunum / Leiden“ [= Straßburg] o. J. [1630], S. 1053f (Google-Books); Dialogvs De Vanitate Scientiarvm, Et Rvina Christian[a]e relligionis per quendam relligiosum Patre[m] Ordinis Cisterciensis Monachum recenter editus. o. O. [Johannes Soter, Köln] 1534: (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München), (Google-Books).</ref> der reformatorische Ansichten vertrat und 1524/25 vor das geistliche Gericht in Köln geladen wurde, widmete Herrmann von Neuenahr einen um 1524 entstandenen Hebräerbrief-Kommentar.<ref>Gottschalk Moncordius: Commentarius in Epistolam ad Hebraeos (Autograph?), 1. Hälfte 16. Jahrhundert; Landesarchiv NRW Abt. Rheinland Duisburg (Hs. F XI 1).</ref><ref>Handschrift (A. 187.) Erklärung des Briefes an die Hebräer durch den Heisterbacher Mönch Godschalk Moncord 16. Jh. Anfg. im Archiv der Abtei Heisterbach; vgl. Theodor Ilgen (Bearb.): Rheinisches Archiv, Teil I. In: Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst. Ergänzungsheft 2 (1885), S. 84.</ref><ref>Vgl. Rainer Sommer: Hermann von Wied: Erzbischof und Kurfürst von Köln, Teil I. 1477-1539. (Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte 142). Rheinland-Verlag, Köln 2000, S. 145f.</ref> In der Widmung schrieb Moncordius, dass er wegen seiner Vorlesungen über die paulinischen Briefe auf Veranlassung des Inquisitors Arnold von Tongern († 1540) „gleichsam als Vorsteher der lutherischen Partei“ (velut lutheranae factionis archimandrita) aus der Abtei Heisterbach entlassen worden sei, wobei man ihn um sein väterliches Erbe gebracht habe, das jetzt sein Verwandter Remboldus Scarpmann a Lechenich<ref>Rembold Scharpmann († 1555) von Lechenich, Bewohner des Burghofes Ramelshoven, Sohn des Wolter Scharpmann von Lechenich, verheiratet mit Maria von Berg-Blens († 1561), Grabplatte in der Kirche von Witterschlick; Eberhard von Claer: Rheinische Geschlechter und ihre Sitze in den Kreisen. Bonn und Rheinbach. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 45 (1886), S. 53–115, bes. S. 56 und 64 (Google-Books).</ref> habe.<ref>Vgl. Friedrich Wilhelm Oediger (Bearb.): Das Hauptstaatsarchiv Düsseldorf und seine Bestände, Bd. V Archive des nichtstaatlichen Bereichs (Städte und Gemeinden, Korporationen, Familien- u. Hofesarchive, Sammlungen, Nachlässe). Handschriften. Respublica, Siegburg 1972, S. 268; Heinz Finger, Marianne Riethmüller (Bearb.): Handschriftencensus Rheinland, Bd. I. Aachen (Diözesanarchiv) bis Köln. (Schriften der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf 18). Reichert, Wiesbaden 1993, Nr. 374, S. 253 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf).</ref>

Reform der Artistenfakultät

1525 führte Hermann von Neuenahr eine Reform der Kölner Artistenfakultät durch. Im Juni 1525 wurde „Th. Buerl“ († 1557),<ref>Dietrich (= Theodericus) Burl, Kanoniker, stiftete 1557 testamentarisch eine Memorie an der Stiftskirche St. Kunibert; vgl. Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 239 Kunibert, A 6).</ref><ref group="A">Haus Boirl, op Boerl, op Boerll, Opborl oder Bourlo bei Empe (Brummen) am Rand der Veluwe.</ref> Pfarrer in Worringen, an der Kölner juristischen Fakultät immatrikuliert. Als Verwandter bzw. Haushaltsmitglied des Universitätskanzlers brauchte er bei der Einschreibung keine Gebühr zu entrichten.<ref>Matrikel Köln, 27. Juni 1525: „Th. Buerl, past[or] in Woringen, [ad] iur[a], i[uravit] et s[olvit] n[il], quia de familia ill[ustrissimi] domini prepositi eccl[esiae] Col[onensis], cancellarii universitatis nostr[a]e“.</ref>

Als 1527 Theodor Fabricius (1501–1570) die Lehrtätigkeit für Hebräisch verboten wurde, setzte sich Hermann von Neuenahr beim Kölner Stadtrat für ihn ein und leitete eine Supplikation der Universitätsjugend für Fabricius an die Provisoren der Universität weiter.<ref>Vgl. Schreiben der Stadt Köln an den Dompropst und Archidiakon Graf Herrmann zu Nuwenar vom 25. Januar 1528; Hermann Keusen (Bearb.): Regesten und Auszüge zur Geschichte der Universität Köln. In: Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Köln 36/37 (1918), S. 1–546, bes. S. 387; Leonard Ennen: Geschichte der Stadt Köln. Meist aus den Quellen des Kölner Stadt-Archivs, Bd. IV. L. Schwann, Köln / Neuss 1875, S. 264–269, bes. S. 266f (Google-Books).</ref><ref name="Tewes" />

Reichstage in Augsburg und Speyer

Ende des Jahres 1525 nahm Hermann von Neuenahr zusammen mit Graf Dietrich IV. von Manderscheid (1481–1551) für Erzbischof Hermann V. am Augsburger Reichstag teil.<ref>Vgl. Des heyligen Römischen Reichs Ordenungen. Sebastian Wagner, Worms 1536, Blatt CXXXVII (Google-Books).</ref> 1526 waren Hermann von Neuenahr, Graf Wilhelm III. von Wied-Runkel und Moers († 1526) und Graf Dietrich IV. von Manderscheid die Gesandten des Kölner Erzbischofs Hermann V. von Wied auf dem Reichstag in Speyer. 1527 wurde Hermann von Neuenahr in die kaiserliche Kommission zur Vorbereitung eines 1528 in Regensburg geplanten Reichstages berufen, der jedoch nicht zustande kam.

Weitere Pfründen

Herrmann von Neuenahr war auch Rektor und Besitzer der Vikarie des Altars der Heiligen Drei Könige in Neuss.<ref>Urkunde vom 18. Oktober 1531; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Neuss, Jesuiten, Urkunden Nr. fehlt).</ref> 1526 leistete er Verzicht auf die Pfarre Holzheim zugunsten des Domherren Friedrich d. J. von Neuenahr (1504–1527), eines Sohns von Gumprecht I. von Neuenahr-Alpen, der sie dem Kanoniker Johann Teschenmacher (Thessenmecher) aus Neuss übertrug.<ref>Vgl. Urkunde vom 31. Mai 1526; Peter Wilhelm Gustav Urchs: Urkunden. In: Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, insbesondere die Alte Erzdiöcese Köln 28/29 (1876), S. 217–241, bes. Nr. IX, S. 223f (Google-Books).</ref> Graf Georg von Limburg-Styrum vergab die Kirche St. Urbanus zu Buer (heute: Gelsenkirchen) gegen den Widerstand des Jost von Strünkede (1500–1529), der ihm den Pfarrsatz streitig machte, an „den Erwerdigen Herrn Herman van Nuwenar, Domproist zu Colln, mynen leven Neven“,<ref group="A">Hermanns von Neuenahr Großmutter war Gräfin Margareta von Limburg (1406; † um 1459), Georgs von Limburg-Styrum Urgroßmutter war Gräfin Ponzetta von Neuenahr‑Dyck (* 1406; † um 1450).</ref> der sich in Buer von einem Kaplan vertreten ließ.<ref>Brief von Georg von Limburg-Styrum an Erzbischof Hermann V. von Köln vom 11. Januar 1527 und Brief von Hermann von Neuenahr an Georg von Limburg-Styrum vom 26. Dezember 1527; Wilhelm Schmitt: Geschichte der katholischen Gemeinde und Kirche von St. Urbanus in Buer (1940). In: Verein für Orts- und Heimatkunde Gelsenkirchen-Buer (Hrsg.): Beiträge zur Stadtgeschichte 15 (1989), S. 68–293, bes. S. 122.</ref> 1528 versuchte Hermann von Neuenahr erfolglos, die Dechantenstelle des Stiftes Münstereifel zu besetzen.<ref>Vgl. Wolfgang Löhr: Kanonikerstift Münstereifel von den Anfängen der Stiftskirche bis zum Jahre 1550. Verein der Geschichts- und Heimatfreunde des Kreises Euskirchen, Euskirchen 1969, S. 30.</ref> 1529 verzichtete Hermann von Neuenahr auf die Pfarrei Hochemmerich.<ref>Vgl. Urkunden vom 24. November 1527 und 30. September 1529; Landesarchiv NRW Abt. Rheinland Duisburg (Moers, Landesarchiv, Urkunden, Nr. 230 und 236); Hermann Keussen (Bearb.): Urkundenbuch der Stadt und Herrlichkeit Krefeld und der Grafschaft Moers, Bd. III 1481–1540, Urkunden Nr. 3869-5298. A. Fürst, Krefeld 1940, Nr. 5121, S. 320.</ref><ref>Als Vikar (pastor residens) des Pfründeninhabers in Hochemmerich erscheint zwischen 1513 und 1550 Pfarrer (Pleban) Jakob Ingenhove (vom Hoff; inghen Haeff), Sohn der Gertrud van dem Haeve; Urkunden vom 4. November 1513 und 5. Oktober 1519; Landesarchiv NRW Abt. Rheinland Duisburg (RW 1081 Nr. 18 und Nr. 22).</ref>

Diplomatische Mission in Valladolid

Datei:Palacio de Pimentel (Valladolid). Patio.jpg
Innenhof des königlichen Palacio de Pimentel in Valladolid

Nach dem Sacco di Roma reiste Graf Hermann im Juli/August 1527 an den kaiserlichen Hof nach Valladolid in Spanien.<ref name="Dantiscus" /><ref name="Ep1926">Vgl. Brief von Erasmus von Rotterdam an Hermann von Neuenahr vom 3. Januar 1528; P. St. Allen, Ep. 1926.</ref><ref>Vgl. Kurt Dülfer: Die Packschen Händel. Elwert, Marburg 1958, S. 48.</ref> Wahrscheinlich diente seine diplomatische Mission der Abstimmung mit dem Kaiser im Streit Hermanns von Wied mit Papst Clemens VII. um das Pfründenbesetzungsrecht im Kölner Erzbistum.<ref>Vgl. Rainer Sommer: Hermann von Wied: Erzbischof und Kurfürst von Köln, Teil I. 1477-1539. (Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte 142). Rheinland-Verlag, Köln 2000, S. 162–169.</ref> Während der Reise wurden die Folgen der Reichsacht aufgehoben,<ref>Das kaiserliche Restitutionsrecht war in § 6 des Reichstagsabschieds von 1526 bestätigt worden; vgl. Jakob Carl Spener: Teutsches Ivs Pvblicvm oder, des Heil. Römisch-Teutschen Reichs vollständige Staats-Rechts-Lehre, Bd. V. George Marcus Knoche, Frankfurt am Main / Leipzig 1723, S. 177–179 (Google-Books).</ref> durch die Graf Hermanns Bruder Wilhelm II. von Neuenahr und dessen Schwiegervater Wilhelm III. von Wied (* um 1455/60; † 1526) als Erben des Vinzenz von Moers-Saarwerden (1414–1499), der 1493 von Maximilian I. geächtet worden war, noch immer beeinträchtigt gewesen waren.<ref>Vgl. Eintrag vom 1. August 1527, Valladolid; Lothar Gross (Bearb.): Die Reichsregisterbücher Kaiser Karls V., Bd. II. Gerlach & Wiedling, Wien / Leipzig 1930, S. 65.</ref> Zur gleichen Zeit fand vom 27. Juni bis zum 13. August 1527 in Valladolid auf Veranlassung von Großinquisitor Alfonso Manrique de Lara († 1538), Erzbischof von Sevilla, eine theologische Disputation statt (Conferencia de Valladolid), in der es um 21 Sätze aus den Werken des Erasmus ging und an der auch der Humanist Alonso de Fonseca y Avecedo (1475–1534), Erzbischof von Santiago de Compostela, und Pedro de Lerma, Kanzler der Universität Alcalá, teilnahmen.<ref>Vgl. die Gegenschrift Desiderius Erasmus Roterodamus: Apologia aduersus articulos aliquot per monachos quosdam in Hispanijs, exhibitos. Froben, Basel 1528 und die Briefe P. St. Allen, Ep. 1864, 1872–1877, 1879 und Ep. 1907, bes. S. 182.</ref><ref>Vgl. Helmut Feld: Ignatius von Loyola. Böhlau Köln, 2006, S. 367. Ignatius von Loyola hatte Alonso de Fonseca im Juni 1527 in Valladolid getroffen; vgl. ebenda, S. 95.</ref> Heinrich Ehinger (1484–1537) schloss am 6. August 1527 in Valladolid im Namen von Bartholomäus V. Welser den Maëstrazgos-Pachtvertrag mit den Habsburgern.<ref>Vgl. Götz von Pölnitz: Anton Fugger, Bd. I. (Studien zur Fuggergeschichte 13). Mohr, Tübingen 1958, S. 442.</ref> Im August war eine kursächsische Delegation bestehend aus Georg von Minckwitz (* um 1490; † 1550/51) auf Trebsen,<ref name="Dantiscus" /> dem Juristen Ulrich Binder (Pinder) d. J. und dem Boten Matthias Reimbold wegen einer pestbedingten Verlegung der Universität Wittenberg nach Jena in Valladolid; sie besuchten dort auch Graf Heinrich III. von Nassau, der sich von 1522 bis 1529 ständig am spanischen Hof aufhielt.<ref>Kaiserliches Belehnungsindult für zwei Jahre vom 16. August 1527; vgl. Brief von Philipp Melanchthon an Justus Jonas vom 28. Oktober 1527. In: Otto Clemen (Bearb.): Supplementa Melanchthoniana, Bd. VI/1 1510–1528. R. Haupt, Leipzig 1926 (= Nachdruck Minerva, Frankfurt am Main 1968), Nr. 596, S. 395 (Google-Books).</ref> Auch der venetianische Botschafter Andrea Navagero, die englischen Diplomaten Girolamo Ghinucci, Edward Lee († 1544) und Sir Francis Poyntz († 1528), der französische Botschafter Gabriel de Gramont (1486–1534), der polnische Gesandte Johannes Dantiscus, der Kämmerer Graf Leonhard Nogarola († 1546) mit einer Moskowiter Gesandtschaft des Großfürsten Wassili III., Reichsvizekanzler Balthasar Merklin von Waldkirch, der spätere Großprior des Johanniter-Ordens Georg Schilling von Cannstatt, Markgraf Johann Albrecht von Brandenburg-Ansbach-Kulmbach und der Generaloberst der Franziskaner Francesco de Angelis de Quiñones (1481–1540) hielten sich zu dieser Zeit am kaiserlichen Hof auf.<ref name="Dantiscus">Vgl. Briefe von Johannes Dantiscus an Stanislaus Bork vom 1. Mai 1527 und an König Sigismund I. von Polen vom 17. August 1527 aus Valladolid. In: Stanislaus Gorski (Bearb): Acta tomiciana, Bd. IX Epistolarum … serenissimi princeps Sigismundi Primi regis Poloniae. 2. Aufl. Bibliothek Kórnik, Posen 1876, Nr. 141, S. 147–149, bes. S. 148 (Google-Books), und S. 254–264, bes. S. 264: „Est autem hic praepositus Coloniensis, comes quidam, qui adhuc not potest absolvi, quemadmodum multi alii (= Es befindet sich hier auch der Kölner Propst, ein Graf, dem es bisher nicht gelungen ist, fort zu kommen, wie vielen anderen auch nicht)“ (Google-Books).</ref><ref>Vgl. u. a. Briefe von Don Martín de Salinas an den Infanten Ferdinand, König von Böhmen und Ungarn, vom 19. und 22. August 1527 aus Valladolid; Regesten bei Calendar of State Papers. Spain, Bd. III/3 1527-1529 (1877), S. 323–338 und 338–344 (Digitalisat bei British History online).</ref>

Karl V. verließ Valladolid aus Furcht vor der Pest am 23. August 1527 Richtung Palencia.<ref>Vgl. Manuel de Foronda y Aguilera: Estancias y viajes del Emperador Carlos. Madrid 1914, S. 295.</ref> Bei dem allgemeinen Aufbruch hatte auch Hermann von Neuenahr Mühe, eine Gelegenheit für die Rückreise zu finden.<ref name="Dantiscus" /> Nach seiner Rückkehr – wahrscheinlich über Paris – überbrachte er dem Grafen Wilhelm von Nassau-Dillenburg am 4. November ein Schreiben seines Bruders Heinrich III. von Nassau vom 17. August 1527, das ihm dieser aus Valladolid mitgegeben hatte.<ref>Vgl. Brief von Wilhelm von Nassau an Heinrich III. von Nassau vom 23. Januar 1528; Otto Meinardus (Bearb.): Der katzenelnbogische Erbfolgestreit, Bd. I/2 Briefe und Urkunden 1518–1538. (Nassau-Oranische Correspondenzen 1). J. F. Bergmann, Wiesbaden 1899, S. 203–205.</ref>

Veröffentlichung einer spätantiken theologischen Handschrift

Wahrscheinlich von seiner Reise nach Spanien aus einer dortigen oder einer französischen „alten Bibliothek, gleichsam wie eine im Gebüsch verborgene Jagdbeute“<ref name="Ep2002" /> brachte Herrmann von Neuenahr eine Handschrift<ref>Bibliothèque nationale de France Paris (Codex Parisinus lat. 2166), 9. Jahrhundert, vielleicht abgeschrieben in der Abtei Corbie; vgl. Eduard Schwartz: Neue Aktenstücke zum ephesinischen Konzil von 431. (Abhandlungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-Historische Klasse 30/8). Beck, München 1920, S. 64f.</ref> des gallorömischen Abts von Lérins und Bischofs von Riez Faustus I. († um 495) mit, die er an Erasmus schickte<ref name="Ep1926" /> mit der Bitte, ein Vorwort zu ihrer Veröffentlichung zu verfassen.<ref name="Ep2002">Vgl. den Widmungbrief des Erasmus von Rotterdam an Ferry de Carondolet vom 25. Juni 1528 aus Basel = P. St. Allen, Bd. VII, Ep. 2002 (Digitalisat im Internet Archive).</ref><ref>Vgl. zum Folgenden Manfred Edwin Welti: Der Basler Buchdruck und Britannien. (diss. phil. Basel 1963). Helbing & Lichtenhahn, Basel 1964, S. 39.</ref> Das Werk De gratia Dei, et humanae mentis libero arbitrio (= Über die Gnade Gottes und den freien Willen des menschlichen Verstandes), das einige weitere Stücke enthielt und wohl von Graf Herrmann für die Publikation vorbereitet worden war, wurde 1528 bei dem aus Emmerich stammenden Drucker Johannes Faber († 1542)<ref group="A">„Ioannes Faber Emmeus Iuliacensis Typographus“; Buchdrucker aus Emmerich im Herzogtum Jülich, 1526 Basel Bürgerrecht, 1529 als Katholik nach Freiburg im Breisgau vertrieben.</ref> in Basel veröffentlicht<ref>Faustus von Riez: De gratia Dei, et humanae mentis libero arbitrio … cum Erasmi Roterodami praefatione. Item. Faustini episcopi Ad Flaccillam imperatricem, de fide adversus Arianos, et de propositis quaestionibus Arianorum. Johannes Faber, Basel 1528.</ref> und von Erasmus dem Archidiakon von Besançon Ferry de Carondolet (* um 1473; † 1528)<ref>Aus Mechelen, auch Abt des Klosters Montbenoît; vgl. P. G. Bietenholz, Th. B. Deutscher (Hrsg.): Ferry de Carondolet. In: Contemporaries of Erasmus. A biographical register of the Renaissance and Reformation. Band I, A-E. University of Toronto Press, Toronto, Buffalo, London 1985, S. 271f (Google-Books; eingeschränkte Vorschau).</ref> gewidmet.<ref name="Ep2002" /> Erasmus sah in dem von Neuenahr aufgefundenen Buch eine Bestätigung seiner eigenen Position in der 1524 geführten Auseinandersetzung um den „Freien Willen“: „Wenn er es doch schon geschickt hätte, bevor wir ‚Über den freien Willen‘ gegen Luther geschrieben haben!“<ref group="A">„Utinam misisset antequam De libero arbitrio scriberemus adversus Lutherum“.</ref><ref name="Ep2002" /> Im selben Band veröffentlicht wurde eine anti-arianische Handschrift des Luciferianers Faustinus († nach 384) aus dem 9. Jahrhundert n. Chr., die Hermann von Neuenahr Erasmus aus der Kölner Dombibliothek vermittelte.<ref>Heute: Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln (Dom Hs. 33); vgl. Joachim M. Plotzek: Zur Geschichte der Kölner Dombibliothek. In: Glaube und Wissen im Mittelalter. Katalogbuch zur Ausstellung. Hirmer, München 1998, S. 15–64, bes. S. 49.</ref>

Abschnitte zweier Briefe, die Erasmus 1528 an „Hermanum à Novaquila“ geschrieben hatte, standen später wegen der Erwähnung „falscher Mönche“ (pseudomonachi) auf dem Index Librorum Prohibitorum.<ref>Vgl. Bernardo de Sandoval y Rojas (Hrsg.): Index librorum prohibitorum et expurgatorum. Jakob Crispin, Genf 1619, S. 255 und 259 (Google-Books). Gemeint sind die Briefe vom 3. Januar und von Anfang September 1528; P. St. Allen, Ep. 1926 und 2038.</ref>

Kaiserlicher Kommissar für eine Reichssteuer der Kölner Geistlichkeit

Am 13. April 1528 – eine Woche, nachdem dort Albrecht Dürer gestorben war – schrieb Hermann von Neuenahr dem Reichsvizekanzler Balthasar Merklin von Waldkirch aus Nürnberg nach Antwerpen.<ref>Schreiben des Kölner Dompropstes Grafen Hermann von Neuenahr an den kaiserlichen Vizekanzler und Orator Balthasar, Koadjutor zu Konstanz und Postulierten zu Hildesheim (Ausfertigung), um 1528; Hessisches Staatsarchiv Marburg (Bestand 3 Aktenbeute aus dem Württembergischen Zug (1534), Nr. 380).</ref><ref>Vgl. Brief von Balthasar Merklin von Waldkirch an Wilhelm von Nassau vom 2. Mai 1528 aus Antwerpen; Otto Meinardus (Bearb.): Der katzenelnbogische Erbfolgestreit, Bd. I/2 Briefe und Urkunden 1518–1538. (Nassau-Oranische Correspondenzen 1). J. F. Bergmann, Wiesbaden 1899, S. 223f.</ref> Im Auftrag von Karl V. bestellte Merklin 1528/29 Dompropst Hermann von Neuenahr zum kaiserlichen Kommissar, um in den Bistümern der Kölner Kirchenprovinz unter den Geistlichen eine Reichssteuer zur Finanzierung des Kriegs gegen Frankreich und England einzuwerben. Während sich die meisten Gebiete „willig gezeigt“ hatten, untersagte Herzog Johann III. von Jülich-Kleve-Berg (1490–1539) den Geistlichen in seinen Herzogtümern, einen Beitrag zu leisten. Gegen den Widerstand Hermanns von Neuenahr wollte der Herzog die Steuer in seinem Territorium selbst von der Kölner Geistlichkeit eintreiben und setzte dies später auch weitgehend durch.<ref>Vgl. Georg von Below: Die landständische Verfassung in Jülich und Berg bis zum Jahre 1511, Bd. III/2. L. Voss, Düsseldorf 1891, Anhang Nr. 32, S. 161–165, 245 und 247.</ref>

Naturwissenschaftliche Schriften

In Zusammenarbeit mit Beatus Rhenanus und dem Drucker Johannes Faber veröffentlichte Hermann von Neuenahr 1528 als editio princeps eine Handschrift des veterinärmedizinischen Werkes „Artis veterinariae, sive mulomedicinae libri quatuor“ (= Vier Bücher der tierärztlichen oder maultiermedizinischen Kunst) von Flavius Vegetius Renatus (4. Jh. n. Chr.), die er möglicherweise aus Ungarn oder Italien erhalten hatte; im Kloster St. Pantaleon in Köln befand sich auch ein Codex aus der Reichsabtei Corvey mit dieser Schrift.<ref>Vgl. Ernst Lommatzsch (Hrsg.): P. Vegeti Renati Digestorum artis mulomedicinae libri. Teubner, Leipzig 1903, S. iii (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). Eine Handschrift der Universiteitsbibliotheek Leiden (Codex Leidensis Vossianus lat. Folio 71) wurde 1537 in St. Pantaleon nach einem Codex Corbeiensis kopiert; vgl. ebenda, S. i Anm. 2, S. v und S. x–xiv.</ref> Er widmete das Buch Erzherzog Ferdinand von Österreich (1503–1564). Bereits 1532 erschien in Augsburg eine unautorisierte deutsche Übersetzung dieser Schrift.<ref>Flavii Vegetii Renati Ain Büchlein, vonn rechter unnd warhaffter kunst der Artzney, Allerlay kranckheyten ynnwendigen und außwendigen aller Thyer. Heinrich Steiner, Augsburg 1532 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München).</ref>

Als 1529 in Antwerpen eine Epidemie des sogenannten „Englischen Schweißes“ ausgebrochen war und sich verbreitete, gab Hermann von Neuenahr die medizinische Untersuchung „De novo hactenusque Germaniae inaudito morbo ἱδροπυρετοῦ“ (= Über die neue und bisher in Deutschland unbekannte Krankheit des ‚Schweißfiebers‘) heraus, an der der Leibarzt Simon Reichwein (um 1501–1559) des Herzog Johann von Jülich-Kleve-Berg (1490–1539) mitwirkte. Hermann beschäftigte sich dabei u. a. mit den Fragen, warum Kinder unter 10 Jahren und alte Menschen nur ausnahmsweise von der Krankheit befallen wurden und warum bei den Verstorbenen schnell die Fäulnis einsetzte.

Die 1529 abgeschlossenen „Annotationes aliquot herbarum“ (kritische Deutung der Pflanzennamen im Werk des Pedanios Dioscurides) wurden erst 1531 nach Hermanns Tod von Otto Brunfels (1488–1534) veröffentlicht.<ref>Generosi Comitis Heremannia Neuenar censurae aliae Herbarum super eadem re. In: Otto Brunfels. Novi Herbarii Tomus II. Schott, Straßburg 1531, S. 116–128 (Digitalisat)</ref> Hermann von Neuenahr, der bereits während seiner Studien 1509/10 bei Niccolò Leoniceno in Ferrara eine entsprechende Handschrift eingesehen,<ref>Die editio princeps erfolgte erst durch Marcello Adriani (Hrsg.): Pedacii Dioscoridae Anazarbei de Medica materia Libri sex. Interprete Marcello Uirgilio Secretario Flore[n]tino: Cu[m] eiusde[m] annotationibus. Giunta, Florenz 1518.</ref> 1524 an Pirckheimer über die von Dioscurides erwähnten Kräuter geschrieben und ihm schon früh ein Manuskript seiner eigenen Ausarbeitung übersandt hatte,<ref name="Pirck1530" /> erhielt 1529 einen Baseler Druck des Werkes.<ref>Vermutlich: Janus Cornarius (Hrsg.): ΔΙΟΣΚΟΡΙΔΗΣ / DIOSKORIDES. Johann Bebel, Basel 1529 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München).</ref> Graf Hermann besaß eigene Exemplare der Historia plantarum (= Naturgeschichte der Gewächse) des Theophrastos von Eresos, der Naturalis historia des Gaius Plinius Secundus oder des Herbarius des Pseudo-Apuleius, die er zum Vergleich heranzog.<ref>Annotationes aliqot Herbarum (1529) und Formvla quaedam excudendi Herbarij. In: Otto Brunfels: Novi herbarii, Bd. II De vera herbarvm cognitione Appendix, per Oth[onem] Brvnf[elsem] recens editus. Johannes Schott, Straßburg 1531, S. 77, 78, 120 und 125 u. a. „in meo libello (= in meinem Buch des …)“ u. ä.; vgl. Karen Meier Reeds: Botany in Medieval and Renaissance Universities. (diss. phil. Harvard 1975. Harvard Dissertations in the History of Science Series). Garland, New York 1991, S. 188.</ref> In Köln war 1529 von dem Drucker Johannes Soter († 1543) auch eine lateinische Übersetzung mit Kommentar des Marcello Virgilio Adriani (1461–1521), Kanzler der Republik Florenz, zu Dioscurides herausgegeben worden.<ref>Marcellus Vergilius: ΠΕΔΑΚΙΟΥ ΔΙΟΣΚΟΡΙΔΟΥ ΑΝΑΖΑΡΒΕΩΣ, ΠΕΡΙ ὕλης ἰατρικῆς. περὶ δηλητηρίων φαρμάκων / Pedacii Dioscoridae Anazarbei, De medica materia. De letalibus venenis. Johannes Soter, Köln 1529 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München; Exemplar der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg aus dem Besitz von Lukas Schröck), (Google-Books).</ref> Auch bei Johannes Schott in Straßburg war 1529 eine von Otto Brunfels besorgte Ausgabe Dioscurides' erschienen.<ref name="Schott" /> Noch nach Abgabe seines Manuskriptes an Schott erbat Neuenahr im Mai 1530 kurz vor seinem Tod von Pirckheimer eine Abschrift zurück, um das Werk, von dem er zu dieser Zeit keine Kopie mehr besaß, zu vervollständigen.<ref name="Pirck1530" />

Aus dem Nachlass Hermanns besorgte sein Neffe Hermann von Neuenahr der Jüngere 1532 die editio princeps der Octavii Horatiani Rerum medicarum libri quatuor“ (= Vier Bücher über medizinische Fragen) des Theodorus Priscianus (4./5. Jahrhundert n. Chr.) nach einer Handschrift aus Brüssel,<ref>Königliche Bibliothek Belgiens in Brüssel (Codex Bruxellensis Nr. 1342–1350); 12. Jahrhundert, aus St. Pantaleon in Köln, später in der Bibliotheque des Ducs de Bourgogne, befand sich zur Zeit von Graf Hermann in Brüssel (dort 1485/87 inventarisiert).</ref> die mit einer Herausgabe der „Chirurgicorum omnium Primarii libri tres“ (= Drei Bücher des Ersten aller Chirurgen) des Albucasis (936–1013) verbunden war. In zwei Seiten der Ausgabe bzw. der zugrundeliegenden Handschrift wurden ohne Quellenausgabe Auszüge aus den Gynaecia (= Die weiblichen Organe) des Vindicianus (Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr.) über die Entwicklung des menschlichen Embryos eingearbeitet.<ref>S. 106f (Tempore … bis … ad lucem exit) entsprechend der Brüsseler Handschrift; vgl. Max Neuburger: Geschichte der Medizin, Bd. II/1. Ferdinand Enke, Stuttgart 1911, S. 57.</ref> Vom Lektorieren (castigare) des Manuskripts zusammen mit seinem Sekretär Gerhard von Enschringen und der geplanten Zusendung hatte Hermann von Neuenahr der Ältere seinem Drucker Johann Schott schon 1529 berichtet.<ref name="Schott" />

In den letzten Monaten seines Lebens beschäftigte sich Hermann von Neuenahr mit naturphilosophischen Spekulationen der Pythagoreer in Auseinandersetzung zu Ptolemäus und mit mathematischen Problemen; diese seien „durchaus nicht verwerflich“ (non plane contemnenda), sondern auch diese Studien versprächen Unterhaltung.<ref name="Pirck1530" />

Reichstage in Speyer und Augsburg

Auf dem Speyerer Reichstag im Frühjahr 1529 sprach Hermann von Neuenahr mit Philipp Melanchthon, dieser hatte ihm kurz zuvor seine Römerbriefauslegung gewidmet.<ref>Philipp Melanchthon: Dispositio orationis, in Epistola Pauli ad Romanos. Setzer, Hagenau 1529 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt Halle).</ref> Melanchton hatte sich gerade in Auseinandersetzung zur Täuferbewegung mit der Sakramentenfrage im Allgemeinen auseinandergesetzt,<ref>Philipp Melanchthon: Adversus anabaptistas … iudicium. Johann Setzer, Hagenau 1528 (deutsche Übersetzungen Underricht Philip. Melanchth. wider die Lere der Widerteuffer. Wittenberg 1528 u. a.); vgl. Martin H. Jung: Philipp Melanchthon und seine Zeit. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010, S. 79.</ref> und Graf Hermann berichtete Erasmus in einem Brief aus Speyer, dass er selbst an „Flausen“ (nugae) zu dieser Frage arbeite, die er möglicherweise unter fremdem Namen oder anonym erscheinen lassen wollte, um zur Besänftigung der Auseinandersetzung beizutragen.<ref>Brief von Hermann von Neuenahr an Erasmus von Rotterdam vom 31. März 1529 aus Speyer; P. St. Allen, Bd. VIII, Ep. 2137, S. 122–124.</ref> Eine entsprechende Publikation Neuenahrs ist jedoch nicht bekannt. Ende Februar 1530 sandte Melanchthon die erweiterte Ausgabe seiner Römerbriefauslegung<ref>Philipp Melanchthon: Dispositio orationis, in Epistola Pauli ad Romanos. 2. Aufl. Joseph Klug, Wittenberg 1530 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München)</ref> an Wilhelm Reiffenstein in Stolberg und bat den Empfänger, ein Exemplar an den Grafen von Neuenahr weiter zu leiten.<ref>Johanna Loehr (Bearb.): Melanchthons Briefwechsel, Bd. IV/1 Texte 859–1003a (Januar–Juli 1530). Frommann-Holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 2007, MBW Nr. 866, S. 55–57 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau).</ref>

An den Prozessen gegen die evangelischen „KetzerAdolf Clarenbach und Peter Fliesteden und ihrer anschließenden Verbrennung am 28. September 1529 auf Melaten scheint Hermann von Neuenahr – anders als sein Erzbischof Hermann von Wied – nicht beteiligt gewesen zu sein.<ref>Vgl. R. Sommer: Der Ketzerprozess gegen Adolf Clarenbach und Peter Fliesteden (1528-1529). In: Rainer Sommer: Hermann von Wied: Erzbischof und Kurfürst von Köln, Teil I. 1477-1539. (Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte 142). Rheinland-Verlag, Köln 2000, S. 177ff.</ref> Humanisten wie Hermann von dem Busche oder Theodor Fabricius protestierten gegen diese Hinrichtung.<ref>Vgl. Hermann von dem Busche: De singulari Auctoritate Veteris et Noui Instrumenti, Sacrorum Ecclesiasticorum testimoniorum, Libri, Marburg: Franz Rhode 1529.</ref> Am Jahresende 1529 reiste Hermann von Neuenahr zu Gesprächen an den jülich-klevischen Hof.<ref name="Quirinus">Vgl. Brief von Simon Reichwein an Erasmus von Rotterdam vom 1. Januar 1530. In: Percy Stafford Allen (Hrsg.): Opus epistolarum Des. Erasmi Roterodami, Bd. VIII 1529–1530. University Press, Oxford 1934, Ep. 2246, S. 312–314 (Digitalisat im Internet Archive): „Praepositus hinc iam abest; alioqui avide expectarat Quirinum“, vgl. Ep. 2222, S. 285f; Alexander Dalzell, James E. Estes (Bearb.): The Correspondence of Erasmus: Letters 2204-2356 (August 1529-July 1530). University of Toronto Press, Toronto 2015, S. 110 Anm. 1 und S. 112 Anm. 11 (Google-Books).</ref> Er wartete dort auf die Ankunft von Quirinus Talesius (1505–1573),<ref group="A">Auch Direks zoon van Lipsen, aus Haarlem, Jurist, Humanist, Bürgermeister von Haarlem, während der Belagerung der Stadt als Sympathisant der Spanier hingerichtet.</ref> der Briefe des Erasmus überbrachte.<ref name="Quirinus"/>

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Der sächsische Kanzler Christian Beyer verliest am 25. Juni 1530 auf dem Reichstag vor Kaiser Karl V. die „Confessio Augustana

1530 vertrat Hermann zusammen mit seinem Bruder Wilhelm den Erzbischof Hermann von Wied auf dem Reichstag von Augsburg, der am 20. Juni von Karl V. eröffnet wurde. Bereits im Mai war Hermann von Neuenahr in der Stadt,<ref name="Pirck1530">Vgl. Brief von Hermann von Neuenahr an Willibald Pirckheimer vom 19. Mai 1530 aus Augsburg. In: Theodor Friedrich Freytag (Bearb.): Virorum doctorum epistolae selectae, ad Bilib. Pircheymerum, Joach. Camerarium, Car. Clusium et Julium episc. Herbip. datae. B. G. Teubner / F. Claudius, Leipzig 1831, S. 42–44 (Google-Books); Helga Scheible (Bearb.): Willibald Pirckheimers Briefwechsel, Bd. VII. C. H. Beck, München 2009, Nr. 1290, S. 342–344.</ref><ref>Vgl. Brief von Sebald Geuder an Willibald Pirckheimer vom 27. Mai 1530 aus Augsburg; Helga Scheible (Bearb.): Willibald Pirckheimers Briefwechsel, Bd. VII. C. H. Beck, München 2009, Nr. 1291, S. 344–346, bes. S. 344 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). Der Nürnberger Patrizier Sebald Geuder von Heroldsberg (* um 1495/1500; † 1552), zeitweise Hofmeister des Bischofs von Konstanz und Administrators von Hildesheim, des Reichsvizekanzler Balthasar Merklin, war ein Neffe Pirckheimers; vgl. ebenda, Nr. 1187, S. 122f, und Nr. 1206, S. 153f.</ref> er wurde von seinem langjährigen Leibarzt Jakob Ebel (* um 1485; † nach 1552) begleitet.<ref>Vgl. Johann Conrad Goebel: Augspurgische Confessions-Predigen, Bd. I Prolegomena Augustanae Confessionis. Johan Schultheis, Augsburg 1633, S. 598 (Google-Books); vgl. Elisabeth M. Kloosterhuis: Erasmusjünger als politische Reformer. Böhlau, Köln 2006, S. 125, 178, 231, 239, 567 und 638.</ref> Vom 19. Juni (Kalendis Iulij) datiert der Widmungsbrief Willibald Pirckheimers für ihn in der Germaniae ex variis scriptoribus perbrevis explicatio (= Knappe Beschreibung Deutschlands nach verschiedenen (antiken) Autoren), einer historischen Topographie.<ref>Willibald Pirckheimer: Germaniae ex variis scriptoribus perbreuis explicatio. Heinrich Stainer, Augsburg 1530 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München).</ref> Am 28. Juni schrieb Neuenahr an Melanchthon, dass er keine Vorbehalte gegen Laienkelch und Priesterehe auch ohne eine Konzilsentscheidung habe,<ref>Graf Hermanns Formulierung „de tribus illis articulis abs te propositis … (= über diese drei von dir aufgeworfenen Kernfragen …)“ bezieht sich auf Privatmesse, Priesterehe und Abendmahl in beiderlei Gestalt; vgl. Brief von Philipp Melanchthon an Martin Luther vom 26. Juni 1530; Opera quae supersunt omnia, Bd. II. (CR 2). C. A. Schwetschke, Halle/S. 1835, Nr. 741, Sp. 140f = MBW Nr. 940, S. 264–266.</ref><ref>Vgl. Brief vom 28. Juni 1530 aus Augsburg; Elisabeth M. Kloosterhuis: Erasmusjünger als politische Reformer. Böhlau, Köln 2006, S. 302.</ref> er gehörte nicht zu den 20 Mitarbeitern der römisch-katholischen Confutatio Augustana, die am 3. August verlesen wurde.<ref>Vgl. Augustin von Roskovány (Bearb.): Romanus pontifex tamquam primas ecclesiae et princeps civilis e monumentis omnium seculorum demonstratus, Bd. II. Michael Siegler, Nitra 1867, S. 331.</ref> Hermann von Neuenahr war im Sommer wochenlang schwer erkrankt, schon im September hatte die Jagd auf seine Pfründen eingesetzt.<ref>Vgl. Brief von Johann von Vlatten an Erasmus von Rotterdam vom 9. August 1530 aus Augsburg. In: Johann Friedrich Burscher: Spicilegium XVII autographorum illustrantium rationem quae intercessit Erasmo cum aulis etc. Leipzig: Klaubarth, 1792, S. xiif (Google-Books) = Percy Stafford Allen (Hrsg.): Opus epistolarum Des. Erasmi Roterodami, Bd. IX 1530–1532. Oxford University Press, Oxford 1938, Ep. 2360, S. 6f (Digitalisat im Internet Archive); Brief von Johannes Cochlaeus an Willibald Pirckheimer vom 17. September 1530 aus Augsburg; Helga Scheible (Bearb.): Willibald Pirckheimers Briefwechsel, Bd. VII. C. H. Beck, München 2001, Nr. 1317, S. 402–404; vgl. Bd. IV/2, Nr. 1074a, S. 681f.</ref> Er starb am 20. Oktober 1530 in Augsburg an einer starken Durchfallerkrankung (Dysenterie).

Hermann von Neuenahr wurde in Köln in der Familiengruft in der Kirche des Zisterzienserinnen-Klosters zum Mariengarten St. Maria ad Ortum beigesetzt. Graf Georg II. zu Helfenstein, der sich 1562 in Köln aufhielt, ließ Hermann von Neuenahr einen Grabstein setzen. Der Text des Epitaphs ist auszugsweise bei Arnoldus Buchelius,<ref>Vgl. Hermann Keussen: Die drei Reisen des Utrechters Arnoldus Buchelius nach Deutschland, insbesondere sein Kölner Aufenthalt I. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein insbesondere das Alte Erzbistum Köln 84 (1907), S. 1–102, bes. S. 73f.</ref> Hermann Joseph Hartzheim<ref>Vgl. Joseph Hartzheim: Bibliotheca coloniensis. Thomas Odendall, Köln 1747, S. 137 (Google-Books) = Jean-Noël Paquot: Memoires pour servir a l'histoire litteraire des Dix-Sept Provinces des Pays-Bas, de la Principauté de Liege, et de quelques contrées voisines, Bd. III. Imprimerie Academique, Löwen 1770, S. 412–414, bes. S. 412.</ref> und in der Sammlung Alfter<ref>Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 1001 Sammlung Alfter).</ref><ref>Vgl. Adolf von Hüpsch: Epigrammatographie oder Sammlung von Inschriften … der niederdeutschen Provinzen, Bd. II. Hans, Köln 1801, Nr. 82, S. 36f (Google-Books).</ref> überliefert. Hermann von der Hardt widmete Hermann von Neuenahr zum 200. Jahrestag seiner Frankfurter Rede vor Kaiser Karl V. 1719 eine Schrift.<ref>Hermannus von der Hardt: Chitara Arionis in mari in tergo delphinis. Hermann Daniel Hamm, Helmstedt 1719 (Digitalisat der Bibliothek Wolfenbüttel).</ref>

Darstellung in der Kunst

Auf einem – wohl nach 1524 entstandenen – Glasfenster der neuenahrschen Grablege in der Kirche St. Maria ad Ortum waren nach einer Beschreibung des Johann Gottfried von Redinghoven (1628–1704) kniend Graf Wilhelm I. von Neuenahr mit seinen beiden Söhnen, Hermann als Geistlicher in weißem Chorrock und roter „Beff“ (Schulterumwurf) eines Dompropstes, und Walburga von Manderscheid mit der Tochter Anna dargestellt.<ref>Vgl. Ludwig Arntz (Bearb.): Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln, Bd. III/2 Erg.-Bd. Die ehemaligen Kirchen, Klöster, Hospitäler und Schulbauten der Stadt Köln. (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz 7/3, Erg.-Bd.). L. Schwann, Düsseldorf 1937, S. 326.</ref> Die Kirche wurde 1805 niedergelegt, das Kunstwerk vermutlich zerstört.

Quellen

  • Brief von Hermann von Neuenahr an Willibald Pirckheimer aus Köln vom 7. März o. J. [1513?] betr. den Reuchlin’schen Streit und Brief von Willibald Pirckheimer an Hermann von Neuenahr (Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, IV a. Humanisten)
  • Brief von Hermann von Neuenahr an Erasmus von Rotterdam vom 14. Juli [1516] aus Köln. In: Percy Stafford Allen (Hrsg.): Opus epistolarum Des. Erasmi Roterodami, Bd. II 1514–1517. Oxford University Press, Oxford 1910, Ep. 442, S. 282f (Digitalisat im Internet Archive)
  • Literaturbrief von Hermann von Neuenahr an Willibald Pirckheimer aus Köln vom 7. März o. J. [1518],<ref name="Boecking">Vgl. Eduard Böcking (Hrsg.): Ulrichi Hutteni equitis operum supplementum. Epistolae obscurorum virorum cum inlustrantibus adversariisque scriptis, Bd. II/1. Teubner, Leipzig 1869 (Nachdruck Zeller, Osnabrück 1966), Nr. XXXXII, S. 113.</ref> in: Willibald Pirckheimer: Luciani Fugitivi. Anshelm, Hagenau 1520 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München)
  • Brief von Johannes Reuchlin an Hermann von Neuenahr vom 21. März 1518 aus Stuttgart. In: Matthias Dall'Asta, Georg Burkard (Hrsg.): Johannes Reuchlin. Briefwechsel, Bd. IV 1518–1522. Holzboog, Stuttgart 2011, Nr. 326, S. 43–47 (Google-Books)
  • Brief von Johannes Reuchlin an Willibald Pirckheimer vom 5. April 1518 aus Stuttgart. In: Matthias Dall'Asta, Georg Burkard (Hrsg.): Johannes Reuchlin. Briefwechsel, Bd. IV 1518–1522. Holzboog, Stuttgart 2011, Nr. 328, S. 49–51 (Google-Books)
  • Literaturbriefe von Hermann von Neuenahr an Johannes Reuchlin (Capnio) o. D. [April / Mai 1518]. In: Illustrium virorum Epistolae, Hebraicae, Graecae et Latinae, ad Joannem Reuchlin Phorcensem, Bd. II. Thomas Anshelm, Hagenau 1519 (Google-Books) = Johann Heinrich May: Vita Jo. Reuchlini Phorcensis, Primi in Germania Hebraicarum Graecarumque, & aliarum bonarum litterarum instauratoris. Christoph Olffen, Frankfurt am Main und Speyer / Martin Müller, Durlach 1687, S. 458–460 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München) = Ludwig Geiger (Hrsg.): Johann Reuchlins Briefwechsel. Ludwig Friedrich Fues, Tübingen 1875, S. 292f (Nr. CCLIV) (Digitalisat bei OpenLibrary) = Matthias Dall'Asta, Georg Burkard (Hrsg.): Johannes Reuchlin. Briefwechsel, Bd. IV 1518–1522. Holzboog, Stuttgart 2011, Nr. 329 und 330, S. 51–67 (Google-Books)
  • Widmungsbrief von Willibald Pirckheimer an Hermann von Neuenahr vom 15. Mai o. J. [1518];<ref name="Boecking" /> Willibald Pirckheimer: Luciani Fugitivi. Anshelm, Hagenau 1520 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München)
  • Brief von Ulrich Zasius an Hermann N. (von Neuenahr) vom 1. Januar 1520. In: Epistolae ad viros aetatis suae doctissimos, hrsg. von Josef Anton von Riegger. August Leberecht Stettin, Ulm 1774, Nr. CCLXIV, S. 447 (Google-Books)
  • Brief von Erasmus von Rotterdam an Hermann von Neuenahr 15. März 1520 aus Antwerpen. In: Juan Luis Vives: Declamationes Syllanae quinque. Hillen, Antwerpen 1520, unpaginiert (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München) = Percy Stafford Allen (Hrsg.): Opus epistolarum Des. Erasmi Roterodami, Bd. IV 1519–1521. Oxford University Press, Oxford 1922, Ep. 1082, S. 208f (Digitalisat im Internet Archive)
  • Brief von Hermann von Neuenahr an Willibald Pirckheimer, o. O. o. D. (15. oder 25. Mai 1524 aus Nürnberg oder Ende Juni 1524 aus Regensburg). In: Johann Heumann von Teutschenbrunn (Hrsg.): Docvmenta Literaria Varii Argvmenti. Schupfel, Altorf 1758, S. 91–93 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München), (Google-Books) = Helga Scheible (Bearb.): Willibald Pirckheimers Briefwechsel, Bd. V. C. H. Beck, München 2001, Nr. 838, S. 161–164 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau)
  • Briefe von Erasmus von Rotterdam an Hermann von Neuenahr vom 3. Januar 1528 und von [Anfang September] 1528 aus Basel. In: Desiderius Erasmus: Opera, Bd. III Epistolas complectens universas. Froben, Basel 1540, S. 641 und 746f (Google-Books und Google-Books) = Percy Stafford Allen (Hrsg.): Opus epistolarum Des. Erasmi Roterodami, Bd. VII 1527–1528. Oxford University Press, Oxford 1928, Ep. 1926 und Ep. 2038, S. 285f und 468f (Digitalisat und Digitalisat im Internet Archive)
  • Brief von Hermann von Neuenahr an Erasmus von Rotterdam vom 31. März 1529 aus Speyer. In: Johann Friedrich Burscher: Spicilegium XV autographorum illustrantium rationem quae intercessit Erasmo cum aulis etc. Klaubarth, Leipzig 1792, S. xxiii-xxvi (Google-Books) = Percy Stafford Allen (Hrsg.): Opus epistolarum Des. Erasmi Roterodami, Bd. VIII 1529–1530. Oxford University Press, Oxford 1934, Ep. 2137, S. 122–124 (Digitalisat im Internet Archive)
  • Brief von Hermann von Neuenahr an Herzog Johann III. von Jülich-Kleve-Berg vom 9. August 1529 aus Hülchrath. In: Georg von Below: Die landständische Verfassung in Jülich und Berg bis zum Jahre 1511, Bd. III/2. L. Voss, Düsseldorf 1891, Anhang Nr. 32, S. 247; vgl. S. 161–165 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau)
  • Brief Heremannvs Comes a Neuenare Ioanni Schotto. S.<ref>Johannes Schott (1477-um 1550), Drucker in Straßburg; vgl. Karl SteiffSchott, Johannes. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 32, Duncker & Humblot, Leipzig 1891, S. 402–404.</ref> vom 16. Dezember 1529. In: Otto Brunfels: Novi herbarii, Bd. II De vera herbarvm cognitione Appendix, per Oth[onem] Brvnf[elsem] recens editus. Johannes Schott, Straßburg 1531, S. 116<ref>Vgl. Ferdinand Wilhelm Emil Roth: Graf Hermann von Neuenahr und Buchdrucker Johann Schott zu Strassburg 1529. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 70 (1901), S. 84f (Digitalisat im Internet Archive).</ref> (Google-Books)
  • Brief von Hermann von Neuenahr an Willibald Pirckheimer aus Augsburg vom 19. Mai 1530 / Herm. Nuenarius ad Bilibald. Pirckheimerum. In: Theodor Friedrich Freytag (Bearb.): Virorum doctorum epistolae selectae, ad Bilib. Pircheymerum, Joach. Camerarium, Car. Clusium et Julium episc. Herbip. datae. B. G. Teubner / F. Claudius, Leipzig 1831, S. 42–44 (Google-Books)
  • Brief von Hermann von Neuenahr an Philipp Melanchthon vom 28. Juni 1530. In: Philipp Melanchthon: Opera quae supersunt omnia, Bd. II. (CR 2). C. A. Schwetschke, Halle/S. 1835, Nr. 749, Sp. 149 (Google-Books) = Johanna Loehr (Bearb.): Melanchthons Briefwechsel, Bd. IV/1 Texte 859–1003a (Januar–Juli 1530). Frommann-Holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 2007, MBW Nr. 945, S. 282f (Google-Books; eingeschränkte Vorschau)
  • Aliud ad idem [i. e.: Contra calculum] So von dem Graffen von Newenar Domprobsten zu Cölln probirt; medizinische Rezeptsammlung, vermutlich Heidelberg oder Kaiserslautern, für Pfalzgräfin Elisabeth von Pfalz-Lautern, um 1590; Universitätsbibliothek Heidelberg (Codices Palatini germanici, Nr. 527, Blatt 157)

Werke

  • (ungedruckt) De presentatione trium magorum ad Christum recens natum historiam in evangelio Mathei recitam catastigton ad rev. patrem dom. Theodericum Cyrenensem<ref group="A">Dietrich Wichwael († 1519) von Kaster, Weihbischof von Cyrene.</ref> seu Decapoleos praesulem; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 1039, Farrigines Gelenianae, Bd. 20, S. 1597–1600)<ref>Vgl. Leonard Ennen: Geschichte der Stadt Köln. Meist aus den Quellen des Kölner Stadt-Archivs, Bd. IV. L. Schwann, Köln / Neuss 1875, S. 107.</ref><ref name="Tewes" />
  • (Beiträger) Oratio Herman[n]i noue aquile Comitis et Coloniensis eccl[es]ie canonici und Alia oratio. In: Ortwin Gratius (Hrsg.), Johannes von Hildesheim u. a.: Historia gloriosissimor[um] triu[m] regum integra, mit Beiträgen von Albertus Magnus, Aurelius Augustinus, Ortwin Gratius, Hermann von Neuenahr, Sebastian Brant. Heinrich Quentell Erben, Köln 1514<ref>Bayerische Staatsbibliothek München, Hist. eccl. 2029.</ref>, unpaginiert (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München)<ref>Vgl. Ursula Rautenberg: Überlieferung und Druck. Heiligenlegenden aus frühen Kölner Offizinen. Max Niemeyer, Tübingen 1996, S. 124–127 (Digitalisat bei www.academia.edu)</ref>
    • 2. Aufl. Quentell, Köln 1517
    • Oratio „O suauissime domine Ihesu Christe, rogo te per misterium aduentus trium magorum ad te …“ und Alia oratio „O sanctissimi tres magi reges Iaspar, Melchior, Balthasar“. In: Handschrift Historia trium regum, Kloster Eberhardsklausen, um 1520/50; Stadtbibliothek und Stadtarchiv Trier (Hs. 725/661117, Blatt 117rab)
  • (wahrscheinlich Vf. von)<ref>Vgl. Karl Krafft: Excurs A. Erläuterungen in Beziehung auf das Studium zu Köln 1512–14. In: Karl Krafft, Wilhelm Ludwig Krafft, Briefe und Documente aus der Zeit der Reformation im 16. Jahrhundert, Zweite Abtheilung Einige Mittheilungen über Kölnische Gelehrte und Studien im dreizehnten und im sechszehnten Jahrhundert. Samuel Lucas, Elberfeld 1875, S. 175–201, bes. S. 178 (Digitalisat der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald).</ref><ref>Die Satire, die Gratius als leichtgläubigen Anhänger der Astrologie darstellt, wurde auch Ulrich von Hutten zugeschrieben; vgl. Eduard Böcking (Hrsg.): Ulrichi Hutteni equitis operum supplementum. Epistolae obscurorum virorum cum inlustrantibus adversariisque scriptis, Bd. II/1. Teubner, Leipzig 1869 (Nachdruck Zeller, Osnabrück 1966), Nr. XXVI, S. 97f und 636; vgl. S. 54.</ref> Gemma prenosticationum ponderata supra orizontem generalem et specialem illuminatissimi discretissimi viri Magistri Ortwini Gracii sive charitativi. [fingierter Druckort: Logobaldus Bibi vinus Bibilaque nepos, Heidelberg =] Köln 1516 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München)
  • (Hrsg. und Beiträger), Praestantissimo atque dignissimo viro D. Theodoryco Sobel Mogu[n]tiae ecclesiae Canonico ipsiusq[ue] illustrissimi archi[e]p[i]s[cop]ulis in spiritualibus vicario. Hermannus Nuenar Comes Canonicus Colon[iensis] und Epigramma, extempore in doctiss[imi] viri Ioan[nis] Reu[chlin] LL. doc[toris] eiusq[ue] defensoru[m] laudem. In: Giorgio Benigno (Juraj Dragišić): Defensio praesta[n]tissimi viri Ioannis Reuchlin LL. doctoris … per modum dialogi edita … Maximiliano Ro. imp. Augusto dicata, o. O. [Eucharius Cervicornus, Köln, oder Matthias Schürer, Straßburg] 1517 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München)
    • 2. Aufl. Lvciani Piscator, sev reuiuiscentes, Bilibaldus Pirckheymero interprete, Eiusdem Epistola Apologetica. Accedit Defensio J. Reuchlini quam Georgius Benignus Nazaraenus Maximiliano Rom. imp. dicanit, o. O. [Matthias Schürer, Straßburg] 1518 (Google-Books)
    • (Nachdruck) Elisabeth von Erdmann-Pandžić: Juraj Dragisic und Johannes Reuchlin. Eine Untersuchung zum Kampf für die jüdischen Bücher mit einem Nachdruck der ‚Defensio praestantissimi viri Joannis Reuchlin‘ (1517) (Quellen und Beiträge zur kroatischen Kulturgeschichte 1). Bayerische Verlagsanstalt, Bamberg 1989
  • (Hrsg.): Anonymus: Defensio nova Ioannis Reuchlin nuper ex urbe Roma allata (um 1516). Köln 1518<ref>Wenig später auch enthalten in: Epistolae trivm illustrivm virorum, ad Hermannum Comitem Nuenarium</ref>
  • Johannes Reuchlin, Hermann von Neuenahr, Hermann von dem Busche, Ulrich von Hutten, Jakob van Hoogstraten: Epistolae trivm illustrivm virorum, ad Hermannum Comitem Nuenarium. Eiusdem responsoria una ad Ioannem Reuchlinum, & altera ad Lectorem. Item, Libellus accusatorius Fratris Iacobi de Hochstraten. contra Oculare speculum Ioannis Reuchlin. Diffamationes eiusdem Iacobi. Item, Defensio nova Ioannis Reuchlin ex urbe Roma allata, idq[ue] paucis ab hinc diebus, s. n. [Thomas Anshelm], Hagenau (Borromagum) Februar 1518 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München), (Google-Books)
    • (Nachdruck) Epistolae trium illustrium viror[um], ad Hermannum comitem Nuenarium. Eiusdem responsoria una ad Io. Reuchlinum, & altera ad lectorem. Item, Libellus accusatorius fratris Iacobi de Hochstraten, contra Oculare speculum Io. Reuch. Diffamationes eiusdem Iacobi. Item, Defensio nova Ioannis Reuchlin ex urbe Roma allata, idq[ue] paucis ab hinc diebus. Eucharius Cervicornus, Köln Mai 1518 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München), (Google-Books)
    • (daraus Separatdruck) EPISTOLA AD ILLVSTREM VIRVM DE NEVVENAR HVTTENIANA QVA CONTRA CAPNIONIS AEMVLOS CONFIRMATUR vom 3. April 1518 aus Mainz. Eucharius Cervicornus, Köln 1518
    • (letzteres auszugsweise in deutscher Übersetzung) Christoph Meiners: Lebensbeschreibungen berühmter Männer aus den Zeiten der Wiederherstellung der Wissenschaften, Bd. III. Orell, Gessner, Fuessli, Zürich 1797, S. 122f (Google-Books)
  • Hermann von Neuenahr, Jakob Sobius: Vivat Rex Carolus. Orationes treis, o. O. [Eucharius Cervicornus, Köln] 1519 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München)
    • (Separatdruck daraus): Epistola Germaniae Stvdiosorum ad Carolvm Caesarem, Autore Hermanno Comite de Noua aquila / Oratio Germaniae Nobilium ad Carolvm Augustum, de rebus quibusdam corrigendis, Authore Iacobo Sobio LL. doctore. Lazarus Schürer, Sélestat 1519 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München)
    • (Nachdruck in geänderter Anordnung): Inclyti Epigramma, in defectionem solis, et electionem Caroli regis Romanorum, Epigramma in Caesarem et Atlantem, Ad Carolvm regem Romanorvm distichon, Oratio ad reverendissim. et illvstrissimos Principes electores … pro … Carolo Romanor[um] rege electo und Invictissimo atque Christianissimo Carolo Rom. regi designato … nomine stvdiosorvm Germaniae. In: Marquard Freher: Rervm Germanicarvm Scriptores aliquot insignes, hrsg. von Burkhard Gotthelf Struve. Johannes Reinhold Dulssecker, Straßburg 1717, S. 180f, 181, 173–180 und 181–189 (Digitalisat der Universitätsbibliothek Mannheim)
  • Lectori candido, Hermanno Nuenar comes poeta laureatus. o. O. [Köln?] 1519<ref>Hauptbibliothek der Universität Basel (Signatur UBH Aleph E VIII 41:13). Die Gedichte beginnen Ne te percellat, candidissime lector. siquidem cum bonis … und Lector quisquis et attamen padicus … lectores cupio petoque, Dixi (ein Hendekasyllabus).</ref>
  • (zugeschriebenes Epigramm) Germania ambienti Imperium Gallo. In: Oratio oratoru[m] Francisci Regis Gallorum Principibus Electoribus Francofordiam è confluentia missa. Sigismund Grimm / Markus Wirsung, Augsburg 1519 (Google-Books)
    • (Wiederabdruck) Melchior Goldast: Politica imperialia, sive discvrsvs politici, acta pvblica, et tractatvs generales de … Jmperatoris et regis Romanorvm, pontificis Romani, electorvm, principvm et communium Sacri Romano-Germani Jmperij ordinum. Bringer, Frankfurt am Main 1616, S. 120 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München)
  • (Hrsg. und Vf.): Vita et gesta Karoli Magni per Eginhartum descripta. Beigefügt: Hermanni comitis Nuenarii breuis narratio De origine & sedibus priscorum Francorum. Annales Regum Francorum Pipini, Karoli, Lvdovici, ab anno post Christvm natu[m] DCCXLI usqu[e] ad LXXXVIII. collecti per que[n]dam Benedictinae religionis monachu[m]. Johannes Soter, Köln 1521
    • (teilweiser Nachdruck) Invictiss[imo] et clementiss[imo] Ro[manorum] Imp[eratori] Carolo Avstrico, eius nominis V. [Brief an Kaiser Karl V.] und Breuis narratio de origine & sedibus priscorum Francorum. In: Martin Frecht (Hrsg.), VVitichindi Saxonis [Rerum ab Henrico et Ottone I Impp. Gestarum Libri III] …. Johann Herwagen, Basel 1532, S. 99–102 und S. 102–107 (Digitalisat der Universitätsbibliothek Göttingen)
    • 2. Aufl., Annales Regum Francorum, Pipini, Caroli Magni & Lodovici: ab anno 741. usq[ue] ad annum 829. Item, Caroli cognomento Magni, Imperatoris Occidentalis Primi vita & gesta. Autore Eginharto Germano, ipsius Caroli Alumno, hrsg. von Lambertus Venradius. Johann Birkmann, Köln 1562
    • (teilweiser Nachdruck) Hermanni Comitis Nvenarii brevis narratio, De origine et sedibvs Francorum. In: Willibald Pirckheimer: Descriptio Germaniae Vtriusqve Tam superioris quàm inferioris. Christoffel Plantijn, Antwerpen 1585, S. 63–68 (Google-Books)
    • 3. Aufl. Vita et gesta Karoli Magni Imperatoris Invictissimi Per Eginhartum ejus Secretarium despripta com brevi narratione de de origine & sedibus ipsorum Francorum &c., hrsg. von Justus Jansonius Danus. Henning Grosse, Leipzig 1616 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München)
    • (teilweiser Nachdruck) Epistola Hermanni Nvenare ad Carolvm V Caes. de Francorvm imperio und Hermanni comitis Nuenarii breuis narratio, de origine & sedibus priscorum Francorum. In: Konrad Peutinger: Sermones Convivales De Finibus Germaniae contra Gallos. Jena 1684, S. 99–108 und S. 108–121 (und weitere Auflagen) (Digitalisat der Universitätsbibliothek Mannheim)
    • (teilweiser Nachdruck), hrsg. von Johann Michael Heineccius / Johann Georg Leuckfeld: Scriptores rerum germanicarum, Bd. III. Rerum germanicarum tres selecti scriptores, imprimis de vitis et factis Caroli Magni, imperatoris … Christian Genschius, Frankfurt a. M. 1707
    • (teilweiser Nachdruck) Brevis narratio de origine et sedibus priscorum Francorum. In: Pieter van Dieven: Opera Varia. Henrich vander Haert, Löwen 1757 [Anhang S. 9–11] (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D%7B%7B%7B1%7D%7D%7D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10212570~SZ%3D309~doppelseitig%3D~LT%3DDigitalisat~PUR%3D In: Bayerische Staatsbibliothek München)
  • (verschollen; Existenz umstritten) De Asciburgo. o. O. o. J.<ref name="Asciburgum" /><ref name="Fiedler">Vgl. Franz Fiedler: Antiquarische Mittheilungen vom Niederrhein. In: Neue Mitteilungen aus dem Gebiete historisch-antiquarischer Forschungen 1 (1834), Heft 3, S. 83–101, bes. S. 89 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Jena), (Google-Books); Franz Stollwerck: Die altgermanische Niederlassung und römischer Stationsort Asciburgium, Burgfeld-Asberg bei Mörs. Selbstverlag, Uerdingen 1879, S. xi–xiii.</ref>
  • (Beiträger) Titelepigramm. In: Johannes Caesarius (Hrsg.): Q. Horatii Flacci epistolae desumptis ex Landini commentariis. Johannes Soter, Köln 1522<ref>Josephus Hartzheim: Bibliotheca Coloniensis. Thomas Odenthal, Köln 1747, S. 165 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München).</ref>
  • (Hrsg. zusammen mit Jakob Sobius)<ref name="Ritter">Vgl. Gerhard Ritter: Studien zur Spätscholastik, Bd. III Neue Quellenstücke zur Theologie des Johann von Wesel. Winter, Heidelberg 1927, S. 54.</ref><ref name="Silvio" /> Commentariorum Aeneae Sylvii Piccolominei Senensis, de Concilio Basileae celebrato libri duo, olim quidem scripti, nunc vero primum impressi. In quibus sic illam synodum depingit, sic quicquid illic actum est, bona fide refert . Cum multis aliis nunquam antehac impressis. Andreas Cratander, Köln o. J. [um 1522] (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München), (Google-Books)
  • (Beiträger) Lateinische und griechische Epigramme. In: Johannes Soter: Epigrammata Graeca veterum elegantissima eademque latina ab utriusque linguae viris doctissimis versa, atque in rem studiosorum e diversis authoribus. [Johannes Soter], Köln 1528, S. 8, 118, 161, 171, 176f, 275 und 302f (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München)
    • (teilweiser Nachdruck) Janus Cornarius (Hrsg.): Selecta Epigrammata Graeca Latine uersa, ex septem Epigrammatum Graecorum libris. Johannes Bebelius, Basel 1529, S. 171, 193, 202, 352 und 381 (Google-Books)
    • (Nachdruck) Johannes Soter:<ref>Vorwort; hier datiert: 1525.</ref> Epigrammata Graeca veterum elegantissima. Stephan Melech Gravius, Freiburg im Breisgau 1544, S. 15, 132f, 152, 178, 189, 309 und 324 (Google-Books)
  • (Hrsg.): Faustus von Riez: De gratia Dei, et humanae mentis libero arbitrio … cum Erasmi Roterodami praefatione. Item. Faustini episcopi Ad Flaccillam imperatricem, de fide adversus Arianos, et de propositis quaestionibus Arianorum. Johannes Faber, Basel 1528 (Google-Books)
  • (Hrsg. zusammen mit Beatus Rhenanus und Johannes Faber): Vegetii Renati Artis veterinariae, sive mulomedicinae libri quatuor, iam primum typis in lucem aediti. Opus sane in rebus medicis minime aspernandum. Johannes Faber, Basel 1528 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München)
  • De novo hactenvsque Germaniae inavdito morbo ἱδροπυρετοῦ, hoc est sudatoria febri, quem uulgo sudorem Britannicum uocant. Generosi Hermanni à Nuenare comitis, Præpositi Colonien[sis] Simonisque Riquini Medicæ rei expertissimi iudicium doctissimum, duabus epistolis contentum, Widmungsgedicht von Petrus Pherndorphius. [Johannes] Soter, Köln 1529 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München)
    • (Nachdruck) Generosi Hermanni A Nvenare Comitis περὶ τοῦ ἱδροπυρετοῦ, id est sudatoria febri. In: Guglielmo Gratorolo (Hrsg.): Clariss[imi] Philosophi Et Medici Petri De Abano De Venenis eorumq[ue] remedijs. Item …. Omnia Opera D. Guilielmi Gratoroli ex manu scriptis exemplaribus collata aucta atque illustrata. s. n. [Peter Perna?], o. O. [Basel] o. J. [1531]

Postum herausgegeben:

  • (Beiträger) Generosi Comitis Herema[n]ni a Neüenar censurae aliae Herbarum super eadem re bzw. Annotationes aliqot Herbarum (1529) und Formvla quaedam excudendi Herbarij. In: Otto Brunfels: Novi herbarii, Bd. II De vera herbarvm cognitione Appendix, per Oth[onem] Brvnf[elsem] recens editus. Johannes Schott, Straßburg 1531, S. 116–128 (Google-Books)
  • (Beiträger) Psalmus CIII. Psalmus CIIII. Psalmus XLI. Psalmus XXXVII. Psalmus 97. Psalmus 137. Psalmus 90. Psalmus 143, Canticum Ezechiae apud Esaiam Capi. 38, Psalmus 2. und Passio Christi … in Septem horas digesta<ref name="7Stunden">In älterer Sekundärliteratur oft zitiert als: Carmina aliquot, quibus historia mortis Jesu in septem horas distributa est.</ref>, hrsg. und mit einem einleitenden Brief an den Bischof von Münster Friedrich III. von Wied versehen von Hermann von Neuenahr dem Jüngeren. In: Psalmi Omnivm Selectissimi, adflictis conscientijs, ac Deum inuocantibus, non uulgariter utiteles, Latino carmine redditi per Doctiss. uiros, ac Dominos D. Hermannum Nouae Aquilae Comitem, Philippum Melanchthonem, Helium Eobanum Hessum, Iacobum Micyllum, Vincentium Obsopoeum, Petrum Pherntorphium. Johann Setzer, Hagenau 1532 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München), (Google-Books)
    • (teilweiser Nachdruck) Hermann von Neuenahr, Nicolas Bourbon<ref>Oder: Nicolaus Borbonius (* 1503; † nach 1550) aus Troyes. Seine sieben Gedichte sind jeweils im Wechsel mit denen von „Hermannus Nova Aqvila“ abgedruckt.</ref>: Historia mortis Jesu Christi.<ref name="7Stunden" /> In: Georg Fabricius: De historia & meditatione mortis Christi, quae in noctis dieiq[ue] tempus distributa est, Hymni XXIIII, Piorvm virorvm additis precationibvs. Valentin Papa, Leipzig 1552, S. 28–33 (Digitalisat der Universitätsbibliothek Leipzig)
  • (Hrsg. von Hermann von Neuenahr dem Jüngeren): Octavii Horatiani Rerum medicarum lib[ri] quatuor, … per Herema[n]num Comitem a Neüenar, integro candori nuper restitutus autor, Albucasis chirurgicorum omnium Primarii libri tres. Johannes Schott, Straßburg 1532 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München)
  • (Beiträger)  Epigramma in defectionem solis<ref>Gemeint ist die der Krönung (23. Oktober) voraufgehende Sonnenfinsternis vom 11. Oktober 1520, die auch in Köln beobachtet werden konnte; in zeitlicher Nähe zum Wahltag gab es in Europa keine Sonnenfinsternis (vgl. Website Solar Eclipses visible from Cologne, 1501-1600 der NASA).</ref> & Electionem Caroli Regis Ro[manorum], Epigramma in Caesarem & Atlantem und Ad Carolum Regem Romanorum distichon (1520). In: Philipp Melanchthon, Georg Sabinus: Electio et coronatio Caroli V. Imp. Aug. Nikolaus Mameranus / Heinrich Mameranus, Köln 1550 (Google-Books)
    • (Wiederabdruck) Onofrio Panvinio, Michael Beuther (Hrsg.): Inavgvratio, coronatio, electioqve aliqvot Imperatorum. Johannes Aubrius, Hannover 1613, S. 65–102, bes. S. 27 (Google-Books)
    • (Wiederabdruck) Melchior Goldast: Politica imperialia, sive discvrsvs politici, acta pvblica, et tractatvs generales de … Jmperatoris et regis Romanorvm, pontificis Romani, electorvm, principvm et communium Sacri Romano-Germani Jmperij ordinum. Bringer, Frankfurt am Main 1616, S. 120 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München)
  • De Galliae Belgicae Commentariolvs, nunc primum in lucem editvs. Beigebunden zu: Peter van Dieven: Petri Divaei Louanensis De Galliae Belgicae Antiqvitatibvs Liber I. Statum eius quem sub Romanorum imperio habunt, complectens. Accessit huic editioni, H. Nvenari de eadem Galliae Belgicae Commentariolvs. 2. Aufl. Christoffel Plantijn, Antwerpen 1584<ref>Nicht enthalten in der 1. Aufl. 1566 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München).</ref> (Google-Books)

Literatur

  • Jacob Burckhard<ref group="A">Bibliothekar der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel.</ref>: De Linguae Latinae In Germania Per XVII Saecula Amplius Fatis … Commentarii. Nikolaus Förster, Hannover 1713, bes. S. 322–342 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München)
  • Johann Friedrich Christ: Obs. XVIIII. De vita et scriptis Hermanni Comitis a Nvenar Praepositi Coloniensis. In: Noctium academicarum libri sive specimina qvatvor. Johann Christian Hilliger, Halle 1729, S. 248–258 (Google-Books)
  • Louis Moréri: Le grand dictionaire historique, ou le mêlange curieux de l'histoire sacrée et profane, Bd. VII (Supplement zur Ausgabe 1732, Bd.I). Vincent u. a., Paris 1735, S. 124f (Google-Books).
    • Bd. V. Letzte Auflage Libraires associés, Paris 1759, S. 626 (Google-Books).
  • Jean-Noël Paquot: Memoires pour servir a l'histoire litteraire des Dix-Sept Provinces des Pays-Bas, de la Principauté de Liege, et de quelques contrées voisines, Bd. III. Imprimerie Academique, Löwen 1770, S. 412–414 (mit ausführlichem Werkverzeichnis; Google-Books)
  • Johann Albert Fabricius: Bibliotheca latina mediae et infimae aetatis, Bd. V, hrsg. von Johannes Dominicus Mansi. J. Molini, Florenz 1858, S. 140f (Digitalisat von Monumenta Germaniae Historica)
  • Leonard Ennen: Geschichte der Stadt Köln. Meist aus den Quellen des Kölner Stadt-Archivs, Bd. IV. L. Schwann, Köln / Neuss 1875, bes. S. 103–107 u. ö. (Google-Books)
  • Ludwig GeigerNeuenar, Hermann. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 23, Duncker & Humblot, Leipzig 1886, S. 485 f.
  • Walther Brecht: Die Verfasser der Epistulae obscurorum virorum. Trübner, Straßburg 1904.(Digitalisat im Internet Archive)
  • Hugo Altmann: Neuenahr, Hermann der Ältere Graf von. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 19. Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
  • ; Bd. III: (Google-Books; eingeschränkte Vorschau).
  • James V. Mehl (Hrsg.): Humanismus in Köln. Humanism in Cologne (Studien zur Geschichte der Universität zu Köln 10). Böhlau, Köln / Weimar / Wien 1991, ISBN 3-412-06490-4.
  • Charles G. Nauert jr.: Graf Hermann von Neuenahr and the limits of humanism in Cologne. In: Historical Reflections 15 (1988), S. 65–79.
  • Angela Kulenkampff: Zur Ausstattung der Grablege der Grafen von Neuenahr im ehemaligen Zisterzienserinnenkloster Mariengarten in Köln zwischen 1459 und 1530 – zugleich ein Beitrag zum Werk des Meisters der Heiligen Sippe. In: Ulrich Schneider (Hrsg.): Festschrift für Gerhard Bott. Anthes, Darmstadt 1987, S. 29–52.
  • Elisabeth M. Kloosterhuis: Erasmusjünger als politische Reformer. Humanismusideal und Herrschaftspraxis am Niederrhein im 16. Jahrhundert. (Rheinisches Archiv 148). Böhlau, Köln / Weimar / Wien 2006.
  • Götz-Rüdiger Tewes: Neuenahr (Nuenarius, de Nova Aquila), Hermann Graf von, d. Ä. In: Franz Josef Worstbrock (Hrsg.): Deutscher Humanismus 1480–1520. Verfasserlexikon, Bd. II/2 (Mu–Rh). Walter de Gruyter, Berlin, New York 2011, Sp. 408–418 ISBN 978-3-11-026598-9 (Google-Books, eingeschränkte Ansicht)

Anmerkungen

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Einzelnachweise

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