Herbst-Löwenzahn
<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />
| Herbst-Löwenzahn | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Datei:Scorzoneroides autumnalis (Schuppenleuenzahn) IMG 4446.JPG
Herbst-Löwenzahn (Scorzoneroides autumnalis), Habitus | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
| ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Scorzoneroides autumnalis | ||||||||||||
| (L.) Moench |
Der Herbst-Löwenzahn (Scorzoneroides autumnalis <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Moench, Syn.: Leontodon autumnalis <templatestyles src="Person/styles.css" />L.), auch Herbst-Schuppenlöwenzahn<ref name="FloraWeb" /> oder in Österreich auch Herbst-Leuenzahn genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Schuppenlöwenzahn (Scorzoneroides) in der Unterfamilie der Cichorioideae innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie ist in Eurasien verbreitet.
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Der Herbst-Löwenzahn wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 5 bis 60 Zentimetern.<ref name="Hegi1987" /> Je Pflanzenexemplar ist nur ein oder zahlreiche Stängel vorhanden. Der aufsteigende oder aufrechte Stängel ist verzweigt, kahl, fein gerillt, blattlos oder trägt an der Verzweigungsstelle der Äste kleine lanzettliche Hochblätter.<ref name="Hegi1987" />
Die Laubblätter bilden eine grundständige Rosette.<ref name="Hegi1987" /> Die meist kahle Blattspreite ist bei einer Länge von 2 bis 30 Zentimetern sowie einer Breite von 3 bis 30 Millimetern im Umriss lanzettlich und buchtig gezähnt bis tief-fiederschnittig; ihre Blattabschnitte sind schmal-lanzettlich oder linealisch; sie sind abstehend oder zurückgebogen.
Generative Merkmale
Die oben allmählich verdickten und oberwärts schuppigen Blütenstandsschäfte tragen ein bis sieben Blütenkörbe. Die körbchenförmigen Blütenstände stehen vor der Anthese aufrecht. Im Gegensatz zum Gewöhnlichen Löwenzahn ist der Blütenkorbschaft des Herbstlöwenzahnes nicht hohl. Die Hülle (Involucrum) ist bei einer Länge von 7 bis 12 Millimetern sowie einer Breite von 7 bis 11 Millimetern eiförmig-walzlich, dunkel bis schwärzlich grün und kahl oder behaart. Die Blütenkörbe enthalten nur gelbe Zungenblüten. Die äußeren Zungenblüten besitzen auf der Außenseite einen rötlichen Streifen. Die zwei Griffeläste sind grünlich-gelb und getrocknet schwärzlich.<ref name="Hegi1987" />
Die Achänen sind rotbraun, zylindrisch, etwas nach oben verschmälert, 3,5 bis 7 Millimeter lang und quer gerunzelt.<ref name="Hegi1987" /> Die Pappusborsten sind federig, alle gleich lang und schmutzig weiß.<ref name="Hegi1987" />
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 12 oder 24.<ref name="Oberdorfer2001" />
Ökologie und Phänologie
Der Herbst-Löwenzahn ist ein Hemikryptophyt und eine Halbrosettenpflanze.<ref name="Düll2011" />
Die Blütezeit reicht von Juli bis September. Fruchtreife ist von August bis November.<ref name="Düll2011" />
Die Randblüten haben nur im oberen Teil eine UV-Reflexion, die Körbchen sind daher für die Bestäuberinsekten innen dunkel und erscheinen am Rand hell. Die Kronröhre ist kurz, so dass verschiedene Insekten als Bestäuber in Frage kommen.<ref name="Düll2011" /> Bestäuber sind Dipteren und Hymenopteren.<ref name="Hegi1987" />
Pro Blütenkörbchen entstehen zwischen 165 und 233 Achänen.<ref name="Düll2011" /> Diasporen sind die Achänen mit ihrem Pappus, dessen Pappusstrahlen sich bei Nässe hygrochas spreizen. Sie breiten sich als Schirmchenflieger und Wasserhafter aus.<ref name="Düll2011" />
Gallbildungen werden durch Tephritis leontodontis hervorgerufen.<ref name="Hegi1987" /> Der Herbst-Löwenzahn ist Wirtspflanze für die Pilzarten: Protomyces kreuthensis, Sphaerotheca humuli, Puccinia leontodontis, Bremia lactucae.<ref name="Hegi1987" />
Vorkommen
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Herbst-Löwenzahns umfasst Europa und Sibirien.<ref name="GRIN" /> In Nordamerika, Argentinien, Chile, Neuseeland, Island und im fernöstlichen asiatischen Russland ist er ein Neophyt.<ref name="GRIN" />
Der Herbst-Löwenzahn wächst vorzugsweise auf nährstoffreichen, meist kalkarmen Wiesen und Weiden, Parkrasen, trockenen Salzwiesen und an Wegrändern. Er ist in Mitteleuropa eine schwache Cynosurion-Verbandscharakterart, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften der Verbände Agropyro-Rumicion oder Polygonion avicularis vor. Die Unterart Scorzoneroides autumnalis subsp. borealis gedeiht besonders in Gesellschaften des Verbands Poion alpinae.<ref name="Oberdorfer2001" />
In den Allgäuer Alpen steigt der Herbst-Löwenzahn im Kleinwalsertal auf der Oberen Zwerenalpe an der Kanzelwand bis in eine Höhenlage von 1850 Meter auf.<ref name="Dörr-Lippert2004" /> In Tirol erreicht er 2012 Meter, in Graubünden 2550 Meter und im Kanton Wallis 2400 Meter.<ref name="Hegi1987" />
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3w+ (mäßig feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental), Salztoleranz = 1 (tolerant).<ref name="InfoFlora" />
Systematik
Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem lange Zeit gewohnten Namen (Basionym) Leontodon autumnalis durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, S. 798.<ref name="SpPl" /> Die Kombination Scorzoneroides autumnalis <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Moench wurde 1794 durch Conrad Moench veröffentlicht.<ref name="Moench1794" /><ref name="Euro+Med" />
Schon innerhalb der Gattung Leontodon wurde der Herbst-Löwenzahn in die auf morphologischer Basis als eigenständig erkannte Untergattung Leontodon subg. Oporinia (<templatestyles src="Person/styles.css" />D. Don) <templatestyles src="Person/styles.css" />Claph. gestellt. Ergebnisse molekularphylogenetischer Studien<ref name="Samuel+al2006" /> haben gezeigt, dass diese Untergattung keine mit dem Rest der Gattung Leontodon gemeinsame Abstammungslinie bildet und deshalb als eigene Gattung Scorzoneroides <templatestyles src="Person/styles.css" />Vaill. zu behandeln ist. Scorzoneroides autumnalis <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Moench ist Typusart der Gattung Scorzoneroides.<ref name="Greuter2008" />
Der Herbst-Löwenzahn ist eine formenreiche Art, je nach Autor gibt es mehrere Unterarten:<ref name="Euro+Med" />
- Scorzoneroides autumnalis (<templatestyles src="Person/styles.css" />L.) <templatestyles src="Person/styles.css" />Moench subsp. autumnalis
- Scorzoneroides autumnalis subsp. borealis (<templatestyles src="Person/styles.css" />Ball) <templatestyles src="Person/styles.css" />Greuter (Syn.: Leontodon autumnalis subsp. borealis <templatestyles src="Person/styles.css" />Ball, Scorzoneroides autumnalis subsp. pratensis (<templatestyles src="Person/styles.css" />Hornem.) <templatestyles src="Person/styles.css" />Elven): Es gibt Fundortangaben für Spanien, Andorra, Frankreich, Italien, die Schweiz, Liechtenstein, Deutschland, Tschechien, Finnland, Polen, die Slowakei, Lettland, Estland, die Ukraine und Rumänien.<ref name="Euro+Med" />
Hierher kann auch die folgende Varietät gestellt werden:
- Scorzoneroides autumnalis var. keretina <templatestyles src="Person/styles.css" />(F.Nyl.) Väre (Syn.: Leontodon keretinus <templatestyles src="Person/styles.css" />F.Nyl.): Sie kommt in der Ukraine, in Finnland und im europäischen Russland vor.<ref name="POWO" />
Quellen
Literatur
- Rudolf Schubert, Klaus Werner, Hermann Meusel (Hrsg.): Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Begründet von Werner Rothmaler. Band 2: Gefäßpflanzen. 10. Auflage. Volk und Wissen, Berlin 1981, DNB 810881918.
- R. A. Finch, P. D. Sell: Leontodon L. In: (Abschnitt Beschreibung)
Einzelnachweise
<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="FloraWeb"> Scorzoneroides autumnalis (L.) Moench, Herbst-Schuppenlöwenzahn. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Leontodon autumnalis L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Düll2011"> </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Euro+Med"> Werner Greuter: Compositae (pro parte majore). In: Werner Greuter, Eckhard von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae. Datenblatt Scorzoneroides autumnalis bei Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Dörr-Lippert2004"> Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 659. </ref> <ref name="SpPl"> Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 798. eingescannt. </ref> <ref name="Moench1794"> Conrad Moench: Methodus plantas horti botanici et agri Marburgensis. A staminum situ describendi. Band 2, Libraria Academiae, Marburg 1794, S. 549 (Digitalisat). </ref> <ref name="Samuel+al2006"> Rosabelle Samuel, Walter Gutermann, Tod F. Stuessy, Claudete F. Ruas, Hans-Walter Lack, Karin Tremetsberger, Salvador Talavera, Barbara Hermanowski, Friedrich Ehrendorfer: Molecular phylogenetics reveals Leontodon (Asteraceae, Cichorieae) to be diphyletic. In: American Journal of Botany. Volume 93, Issue 8, 2006, S. 1193–1205, doi:10.3732/ajb.93.8.1193. </ref> <ref name="Greuter2008"> Werner Greuter, Walter Gutermann, Salvador Talavera: A preliminary conspectus of Scorzoneroides (Compositae, Cichorieae) with validation of the required new names (= Notulae ad floram euro-mediterraneam pertinentes. No. 20). In: Willdenowia. Band 36, Nr. 2, 2006, S. 689–692, DOI:10.3372/wi.36.36204. </ref> <ref name="Hegi1987">Gerhard Wagenitz et al.: Familie Compositae II. S. 1018–1019. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage Band VI, Teil 3, Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg 1987, ISBN 3-489-86020-9. </ref> <ref name="POWO">Datenblatt Leontodon keretinus bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.</ref> </references>