Herbert Richter (Schauspieler)
Herbert Eugen Edwin Richter (* 28. August 1898 in Siemianowitz; † 7. Februar 1970 in Greifswald) war ein deutscher Schauspieler.
Leben und Wirken
Der Sohn des Schichtmeisterassistenten Edwin Richter und dessen Frau Helene, geb. Michalski,<ref>Archiwum Państwowe w Katowicach, Geburtsregister Standesamt Siemianowitz, Nr. 351/1898.</ref> wuchs im oberschlesischen Kohlerevier auf, besuchte dort eine Realschule und sollte nach dem Wunsch seiner Eltern den Beruf eines Hauers erlernen. Nachdem er diese Ausbildung abgebrochen hatte, ging er nach Hamburg und nahm dort Schauspielunterricht bei Hunold Strakosch. Seine Bühnenkarriere begann er zunächst an Hamburger Theatern. Bis 1930 schlossen sich jeweils für eine Saison Engagements am Stadttheater Tilsit, an der Hamburger Volksoper, der Volksbühne sowie dem Stadttheater Dortmund und am Landestheater Rudolstadt an. Nach einer mehrjährigen Schaffenspause wirkte Richter von 1934 bis 1938 an den Schlesischen Landesbühnen (Breslau, Brieg, Glogau, Oppeln).<ref>Bundesarchiv, Akten der Reichstheaterkammer, Personalakte Herbert Richter, R 9361-V/60965 (vgl. Eintrag im Archivportal-D).</ref> Einem kurzen Intermezzo am Deutschen Theater Reval (1938/39) folgten Engagements am Stadttheater Koblenz und schließlich in Berlin, wo er vor 1945 am Preußischen Staatstheater unter Gustaf Gründgens, am Lessingtheater und am Theater am Schiffbauerdamm spielte. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er unter der Intendanz von Wolfgang Langhoff bis Ende der 1950er Jahre am Deutschen Theater engagiert. Sein Wirken war von Disziplin und künstlerischer Individualität gekennzeichnet. Neben seinem Fach als Charakterspieler wurde Richter öfters auch als Regisseur eingesetzt.
Parallel zu seiner Theaterarbeit übernahm Richter auch etliche Filmrollen. Während er zur NS-Zeit lediglich für Komparsenrollen verpflichtet wurde, erhielt er vor allem bei der DEFA mitunter anspruchsvollere Aufgaben, so 1951 als Franz Nölte in Die Meere rufen und 1952 als Kapitän Kleiers in Anna Susanna. Seine erste und einzige Hauptrolle, den VEAB-Leiter Amann, übernahm er in Günter Reischs Regiedebüt Junges Gemüse (1956).
1966 bat Herbert Richter, der seit 1956 ein Haus im Süden des West-Berliner Stadtteils Lichtenrade besaß und dort lebte, am Grenzübergang Bahnhof Friedrichstraße um Aufnahme in die DDR, da er sich von West-Berliner Behörden verfolgt und bedroht fühlte. Nachdem die staatlichen Organe der DDR seinem Ansuchen angesichts seiner künstlerischen Verdienste stattgegeben hatten, wurde er zunächst im Ostteil Berlins untergebracht. Bald zeigte sich eine Erkrankung Richters mit wiederkehrenden psychotischen Schüben. Wunschgemäß wurde für ihn eine Übersiedlung nach Greifswald organisiert,<ref>Bundesarchiv (Stasi-Unterlagen-Archiv), MFS 1/9736014.</ref> wo er seine letzten drei Lebensjahre verbrachte. Er starb 1970 in der Nervenklinik der Universität Greifswald.<ref>Stadtarchiv Greifswald, Sterbebuch Standesamt Greifswald (mit Sammelakten), Nr. 151/1970.</ref>
Theaterrollen (Auswahl)
am Deutschen Theater Berlin:
- 1948: Gotthold Ephraim Lessing: Emilia Galotti – Regie: Falk Harnack
- 1948: William Shakespeare: Romeo und Julia – Regie: Willi Schmidt
- 1950: Vašek Káňa: Brigade Karhan – Ein Stück vom Fünfjahrplan – Regie: Kollektiv unter der Leitung von Lotte Loebinger
- 1951: Alfred Kantorowicz: Die Verbündeten – Regie: Wolfgang Heinz (Kammerspiele)
- 1951: Juri Burjakowski: Julius Fucik (Häftling) – Regie: Wolfgang Langhoff
- 1952: Gerhard W. Menzel: Ein seltsamer Philosoph und Hauptmann in Zivil / Marek im Westen (Marek) – Regie: Werner Dissel (UA: 11. Mai 1952, Kammerspiele)
- 1953: Friedrich Wolf: Thomas Müntzer, der Mann mit der Regenbogenfahne (Bartel Krumbach) – Regie: Wolfgang Langhoff
- 1954: Maxim Gorki: Ssomow und Andere (Arbeiter Kryshow) – Regie: Wolfgang Heinz
- 1956: Heinar Kipphardt: Der Aufstieg des Alois Piontek – Regie: Heinar Kipphardt (UA: Februar 1956)
- 1957: Lope de Vega: Das Dorf Fuente Ovejuna – Regie: Wolfgang Heinz
- 1959: Maxim Gorki: Sommergäste (Pustobajka) – Regie: Wolfgang Heinz
Filmografie
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- 1932: Wie sag’ ich’s meinem Mann?
- 1933: Die kalte Mamsell
- 1933: Die schönen Tage von Aranjuez
- 1949: Unser täglich Brot
- 1950: Der Kahn der fröhlichen Leute
- 1950: Die lustigen Weiber von Windsor
- 1950: Die Jungen vom Kranichsee
- 1950: Das Beil von Wandsbek
- 1950: Der Kahn der fröhlichen Leute
- 1951: Die letzte Heuer
- 1951: Corinna Schmidt
- 1951: Die Meere rufen
- 1951: Schatten über den Inseln
- 1952: Frauenschicksale
- 1953: Anna Susanna
- 1953: Die Unbesiegbaren
- 1953: Jacke wie Hose
- 1954: Pole Poppenspäler
- 1954: Leuchtfeuer
- 1954: Das Stacheltier: Das Karnickel
- 1954: Carola Lamberti – Eine vom Zirkus
- 1955: Ernst Thälmann – Führer seiner Klasse
- 1955: Wer seine Frau lieb hat …
- 1955: Sommerliebe
- 1956: Junges Gemüse
- 1956: Der Hauptmann von Köln
- 1956: Das Stacheltier: Kleine Fische
- 1959: Maibowle
Literatur
- Herbert A. Frenzel, Hans Joachim Moser (Hrsg.): Kürschners biographisches Theater-Handbuch. Schauspiel, Oper, Film, Rundfunk. Deutschland, Österreich, Schweiz. De Gruyter, Berlin 1956, DNB 010075518, S. 598 (online bei De Gruyter).
- Frank-Burkhard Habel, Volker Wachter: Das große Lexikon der DDR-Stars. Die Schauspieler aus Film und Fernsehen. Erweiterte Neuausgabe. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-89602-391-8, S. 314.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Richter, Herbert |
| ALTERNATIVNAMEN | Richter, Herbert Eugen Edwin (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Schauspieler |
| GEBURTSDATUM | 28. August 1898 |
| GEBURTSORT | Siemianowitz, Provinz Schlesien, Königreich Preußen, Deutsches Reich |
| STERBEDATUM | 7. Februar 1970 |
| STERBEORT | Greifswald, Bezirk Rostock, Deutsche Demokratische Republik |