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Heldenbücher

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Heldenbuch.1590.Titel.jpg
Ausgabe eines Heldenbuches von 1590

Als Heldenbücher wird eine Gruppe von Handschriften und Drucken des Spätmittelalters aus dem 14. bis 16. Jahrhundert bezeichnet. Jedes Heldenbuch enthält eine Sammlung von Dichtungen mit ausschließlich oder überwiegend heldenepischem Inhalt, doch unterscheiden sich die einzelnen Handschriften bzw. Drucke in der Zusammenstellung der Epen. Meistens finden sich ein bis zwei Dichtungen der Dietrichepik wie Laurin und Virginal neben den zyklisch miteinander verbundenen Epen von Ortnit und Wolfdietrich.

Als Sonderfall enthält das im Auftrag Maximilians I. erstellte Ambraser Heldenbuch auch höfische Dichtung, z. B. Hartmanns von Aue Erec.

Der Plural Heldenbücher wird verwendet, um diesen Typus der spätmittelalterlichen Sammlungsüberlieferung zu bezeichnen. Der Singular Heldenbuch steht für eine Handschrift bzw. einen Druck und muss zwecks genauer Kennzeichnung durch eine Signatur oder Ortsbezeichnung ergänzt werden, damit man z. B. weiß, welche Laurin-Überlieferung aus welchem Jahr bzw. Jahrhundert gemeint ist. ‚Das Heldenbuch‘ im Sinne von "Original"-, "Ur-" oder "richtigem" Heldenbuch" gibt es nicht.

Fassungen

Heldenbücher des 19. Jahrhunderts

Im 19. Jahrhundert trug Friedrich Heinrich von der Hagen eine vollständige Sammlung der altdeutschen Heldenlieder aus dem Sagenkreis Dietrichs von Bern und der Nibelungen zusammen (Leipzig 1855, 2 Bde.).

Von den Schülern Karl Müllenhoffs stammt das "Deutsche Heldenbuch" (Berl. 1866–73, 5 Bde.).

Eine umfassende Erneuerung der Heldensage hat Karl Simrock unter gleichem Titel in 6 Bänden (Stuttg. u. a. 1843ff.) gegeben.

Diese Versuche, die in den Heldenbüchern versammelten Dichtungen mit gleichem Erfolg zu verbreiten wie das damals populäre Nibelungenlied, scheiterten an der vergleichsweise geringen literarischen Qualität. Bei Simrock sind sie wohl aus dem Anliegen zu verstehen, nach der napoleonischen Besetzung die Schaffung eines deutschen Nationalstaates zu fördern.

Digitalisate

Handschriften

  • Dresdner Heldenbuch, 1472/1475: SLUB Dresden
  • Sammelhandschrift, 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts: ÖNB

Drucke

Literatur

  • Deutsches Heldenbuch. Nach Vorarbeiten von Karl Müllenhof. Weidmann, Hildesheim, ISBN 3-615-17100-4.
  • Friedrich Heinrich von der Hagen (Hrsg.): Heldenbuch. Altdeutsche Heldenlieder aus dem Sagenkreis Dietrichs von Bern und der Nibelungen. Georg Olms, Hildesheim 1977. (2 Bände in 1 Band, Nachdruck der Ausgaben Leipzig 1855)
  • Joachim Heinzle: Einführung in die mittelhochdeutsche Dietrichepik. de Gruyter, Berlin 1999, ISBN 3-11-015094-8.
  • Walter Kofler (Hrsg.): Das Dresdener Heldenbuch und die Bruchstücke des Berlin-Wolfenbütteler Heldenbuchs. Edition und Digitalfaksimile. Hirzel, Stuttgart 2006, ISBN 3-7776-1435-1. (mit CD)
  • Walter Kofler (Hrsg.): Das Straßburger Heldenbuch: Rekonstruktion der Textfassung des Diebolt von Hanowe. Kümmerle, Göppingen 1999, ISBN 3-87452-913-4. (2 Bände)

Weblinks

Einzelnachweise

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